Worte [124]

Worte, sie lassen Dich fühlen, unendlich sich einlassen in die unendlich schöne Tiefe der Zuneigung und Liebe, und in einem anderen Moment reißen Worte Dir Dein noch zärtliches Herz heraus, stechen mit langen Nadeln hinein, wollen es zerquetschen und zerreissen. Dann wieder gibt es Worte, die heilen, geben Hoffnung und bringen Leben. Worte sind alles, wenn wir sprechen. Wie Fingerspitzen, die sich berühren.

Worte sind Bilder, die in uns erwachsen, die wir fühlen. Worte in uns, in unserer Wahrnehmung in unserer Idee. Worte, die in uns entstehen, so, wie Worte, die für uns bestimmt sind. Alles lebt in uns, und wirkt und bildet uns. Sie sind nicht weniger wahr, als das, was das Auge zuvor entdeckte. Sie sind nicht weniger, als die Hand auf der anderen Hand, die vor einem Augenblick noch die Wärme verschenkte und das Herz höher schlagen ließ. Danach ist das entzogene Wort die Hand, die sich zurück zieht. Das verschlossene Wort ist der Blick, der sich abwendet. Die Schritte, die sich entfernen, sie sind nicht minder, als die Worte, deren Sinn sich ergab und entschwand.

Ist die Welt zwischen Wahrheit und Vorstellung, zwischen Traum und Wirklichkeit tatsächlich zu unterscheiden. Was im Moment zuvor noch als wahr erschien, ist im nächsten Augenblick Erinnerung, und nicht mehr, als eine Idee von einer Idee. Ist damit eine Welt immer eine Vorstellung oder leben wir nur in einer Vorstellung? Was also sind Worte und die Idee von dem, was sie sagen zu uns und zu dem, was wir fühlen, zu dem, was wir darstellen oder sind?

Was ist es auf der anderen Seite, das die Gefühle in die Verzweiflung führt? Ist nicht die Erfüllung eines Traums das Ende eines Traums? Ist ein Wunsch manchmal nicht wichtiger als seine Erfüllung? Ist der Wunsch und die Aussicht auf Erfüllung, wie der Traum von der Vorstellung, wie es sein könnte, nicht das, was das Herz wirklich nährt? Es gibt die Sehnsucht, die so schwer wirkt, weil sie von einer Erinnerung lebt, die nie existierte.

Man existiert urplötzlich nur noch im Hier und Jetzt, alles ist unwirklich und doch atmet man. Immer noch atmet man, selbst dann noch, wenn einem die Sehnsucht im Herzen den Atem in jeder Sekunde abzuschnüren scheint. Man öffnet die Augen und sieht doch nichts, man schließt die Augen und man sieht alles. Man blickt in den Himmel und weiß um eine Distanz, die es gibt und doch nicht. Man sieht den Punkt am Himmel, und er ist nicht weniger weit weg, als der Punkt zwischen deinen Augen, denn Du niemals siehst.

Man liest die Worte der Zärtlichkeit und doch berühren sich nur die Augen auf dem Strang der Zeit. So berühren die Finger nur ein kaltes Stück Erz, und in Wahrheit scheinen nicht mal die Finger zu existieren. Man ahnt so viel, eine Welt baut sich auf, und jedes Wort gibt einen Stein, mit dem sich der Mensch errichtet. Und manche Worte entreißen dem Palast einen Stein aus seinem Fundament. Wie wurde er gebaut, der Palast, woraus das Fundament? Die Ambivalenz von hier und da lässt Wolken vermuten und doch gibt es einen sehr festen Boden. Doch was kann darauf wachsen, was soll darauf wachsen, was darf darauf wachsen? Ist es verbrannte Erde?
Die Welt ist eine Vorstellung und das Bild ist das, was wir erkennen. Nichts als das, was nicht in uns selbst wäre – und ist.

Nada nos separa! 🌹

5 Gedanken zu “Worte [124]

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