Das versteckte Bild, Teil 2 [119]

Fotos von mir, gerne, ich bin ja Model, aber kein Akt, Teilakt, Dessous oder sinnliche Bilder.

Nichts gegen einzuwenden, oder? Es gibt Menschen, die mit ihrem Körper zufrieden sind und ihn gerne sehen, andere eher nicht. EIN AUFSCHREI? So kann man es nicht sehen. Nun gut, denkt sich der Mensch, ich versuche es anders. Die einen sehen ihren Körperbau als eine private Angelegenheit, der sollte nur zu erahnen sein. Ihr Gesicht darf gezeigt werden. KEIN AUFSCHREI? Welche Betrachtungsweise ich auch immer an den Tag lege, ich komme zu ja oder nein, wenn es darum geht, den Körper in seiner Form zu präsentieren. Wohlgemerkt, es geht nicht um den Körper an sich, sondern um die Präsentation in der Öffentlichkeit desselben.

Ich möchte mich nicht als Aktmodel versuchen. Meine Haut bleibt versteckt, weitestgehend. Bikini ist eine andere Sache. Das höre ich oft. Ja, so sehen mich die anderen am Strand oder im Schwimmbad. An anderen Orten nicht, denn wer versucht, im Bikini durch Venedig zu gehen, dem drohen Bußgelder im fast 4-stelligen Bereich und die Ausweisung aus der Stadt. 2019. Nebenbei bemerkt.

Doch wir waren bei einem Lichtbild, das auch in Jahren noch sichtbar sein wird, das zeigt, was wir einst taten, wie wir aussahen, im Bikini, oder im Pulli, mit nacktem Gesicht oder mit nacktem Körper, bis auf die Stellen, die ein Bikini verdecken könnte, aber nicht muss. Diese Bilder verschwinden niemals im Netz. Jeder könnte sie finden, unter den zum Beispiel im Jahr 2017 geschätzten 1.500.000.000.000 veröffentlichen Bildern wäre es dabei, darunter könnte man es finden. Ja, stimmt, könnte man.

Worum geht es hier eigentlich? Um Körper-Verständnis weitestgehend, und um Fotografie im engeren Sinne.

Was bedeutet eine Präsentation von mehr Körper auf einem Bild, als sonst in der Öffentlichkeit zu sehen ist? Keineswegs präsentieren sich nur Menschen, die einem allgemein akzeptierten Ideal von einem ansehnlichen Körper entsprechen. Es ist vom Supermodel bis zum Nicht-Model jeder dabei. Woran liegt die Abneigung oder Zustimmung zu derartigen Aufnahmen? Jeder kann diese Frage für sich selbst beantworten und kommt zu einem persönlichen Ergebnis, das vielleicht variabel ist. Akt-Aufnahmen ja, für mich persönlich, aber nur für mich. Gut, der Fotograf sieht sie auch, aber ist sein Job und er hat schon unzählige Körper gesehen. Oder sind die Aufnahmen für meinen Partner? Ja, wäre eine Möglichkeit und wird öfters angefragt. Oder mache ich es, weil ich mich gerne präsentiere, jedem und allen gegenüber offen bin und meinen Körper toll finde? Da ist es wieder, die Vermischung von Aussehen und Wahrnehmung. Den Aufschrei hatten wir schon. Und doch differenziert sich hier die Einstellung, denn ein Mensch, der mit seinem Körper zufrieden ist und ihn toll findet, muss noch lange nicht einem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Darin liegt nämlich der Unterschied, es kommt auf das Selbstverständnis an.

Ich möchte hier keinen Zusammenhang zur Sitte und Moral herstellen, das würde zum einen zu weit führen und zum anderen gilt die Ethik als höchst persönlich. Was für einen Kunst ist, (Rembrandt Harmenszoon van Rijn, Picasso, Dürer, Praxiteles, Tizian, Goya, Gauguin, Manet, und so weiter, ist für den anderen Schund. Ein nackter Körper ist für einen Normalität, für einen anderen anstößig, es kommt auf die Umstände an und die Zeit und die Gesellschaft. Es gab Zeiten, da wurde der Beischlaf ausschließlich im Dunkeln vollzogen. Heute sind frei zugängliche Erotika aller Art Gang und Gäbe. Darüber hinaus gibt es Künstler, die anerkannt einen Teil ihrer Fotografie der Akt-Fotografie gewidmet haben (Newton, Bietesnich, Mappelthorpe), auf der anderen Seite finden sich im www genug stillose Beweise für Versuche, die nicht nur der Ästhetik widersprechen, sondern sogar vulgär und billig erscheinen. Und das ist nicht adäquat mit der Summe der sichtbaren Haut.

Was steckt also dahinter, hinter einer Aussage eines Menschen, Model ja, bitte kein Akt, Teilakt, verdeckter Akt oder Dessous? Tatsächlich nur die Gesellschaft? Was denkst Du, warum es so lauten könnte? Privatsphäre und Sicherheit, Intimität und Anstand? Was denkst du?

6 Gedanken zu “Das versteckte Bild, Teil 2 [119]

  1. Ja, Robert, ich sehe es ähnlich und danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Eine Bildwirkung ist sicher unabhängig von der Menge Haut, die sichtbar ist, doch in unserer gehemmten und verklemmten Gesellschaft, von denen, wie Du sagst, jeder jederzeit anzuregen (aufzuregen 😉) ist, wirkt Haut dennoch anders. Meine ich. Es ist mehrfach bestätigt worden, dass ein erster Blick zwischen den Menschen immer etwas von PASST/PASST NICHT hat, diese Studien habe ich damals voller Interesse verfolgt. Daher gehe auch ich von der latent vorhandenen Schwingung aus, die uns alle begleitet. Und ja, ob der Mensch nun bekleidet ist oder nackt, beim Shooting bin auch ich so mit der Geschichte beschäftigt, die Nacktheit verliert sich als das, was sie eigentlich ist: vollkommen natürlich.

    Gruß Olaf

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  2. wenn Bilder wirken, ist es relativ nebensächlich, ob und inwieweit ein nackter Körper zu sehen ist … der Mensch ist ein sexuelles Wesen … da der Mensch im Gegensatz zu vielen anderen Lebewesen jederzeit sexuell anzuregen ist, so ist es meiner Meinung nach gar nicht möglich die sexuelle Komponente aus dem Leben zu substrahieren …. der Mensch reagiert jederzeit und immer wenn er auf andere Menschen trifft (egal ob Männlein oder Weiblein) auch sexuell … daher wird bei Fotos, bei denen auch Nacktheit zu sehen ist diese Ebene betont … also die bereits vorhandene Sexuelle Energie quasi enthüllt … egal wie viel dann wirklich zu sehen ist, die sexuelle ebene wird neben der anderen Bildsprache betont …
    ich habe die Erfahrung gemacht, dass jeder Mensch (natürlich abhängig von seinem Hintergrund) dies unterschiedlich stark wahrnimmt und auch unterschiedlich gelernt hat damit umzugehen … ich selber habe früher auch Aktfotos gemacht … auch Akt gemalt … während ich mich auf die Wahrnehmung fokussiert hatte und das Entstehen des Bildnisses, hatte ich (fast) vergessen, dass mir jemand gegenüber ist, der/die Nackt ist … und beim Bildnis ging es nicht um die Darstellung dieser Nacktheit, sondern um die Bildsprache und darum eine Geschichte zu erzählen … aber eben mit Betonung der Sexualität, die ja sowieso vorhanden war …. Gruß .. Robert

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