Die Brücke [121]

Manchmal geschieht so etwas einfach so, ohne, dass eine Absicht dahinter steht. Man fühlt eine tiefe Verbundenheit, und diese erblüht in mannigfaltiger Weise. Der Intellekt tritt dabei zurück. Die entstandenen Gefühle können dabei ausschließlich in Worte gefasst werden, weil ein Blick, eine Berührung, ein Lächeln, das Tauschen des größeren Eises für das kleinere Eis als Intuition besteht. Die entstandenen Gefühle, die keineswegs fiktiv sind, fließen durch Worte als direkten Kontakt der Seelen. Dieser Teil des Herzens fühlt, er denkt nicht. Zumindest nicht in diesen Momenten, da es präsent ist. Wenn dann wieder der Kopf, der Geist – nicht als Gegenpart, eher als Ergänzung – Einzug hält in die Gedanken, dann spürt man diese Größe und wird durch das, was gerade geschieht oder eben nicht, erinnert, an die Realität, den Tag, die Zeit, das Leben im Alltag, wovon das Herz nichts weiß. (Was richtig und gut ist) So gibt es ein Auf und Ab. Das Herz schlägt bis zum Hals, es kann nur fühlen, der Verstand wägt ab und relativiert, bringt die Lebenserfahrung mit ins Spiel und so ist er wieder da, der alte und von Shakespeare so tief und ergreifend beschriebene Abgrund unter der Brücke der Herzen.

Rainforrest in Brasil is burning!

Spätestens, wenn wir nicht mehr atmen können, werden wir wissen, wo wir untätig gewesen waren.

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Agonie der Hoffnung [120]

Veränderung ist das, was Leben bedeutet. Stagnation hieße ein Wandel zu einem Stillleben. Doch – alles bewegt sich. Nichts ist fixiert, weder der Berg, noch der Ozean, noch das Plastik in unserer Umwelt. Unser Leben sowieso, denn während wir verzweifelt oder im Glauben gekonnt meinen, es steuern zu können, geschieht Leben einfach so weiter. Offenen Auges schreiten wir voran, beobachten all die Dinge, die sich verändern, schauen hi und da nach vorne und zurück, sehr selten mal zur Seite, bestimmt aber nicht über den Tellerrand hinweg und setzen unsere Schritte fort.

Hoffentlich geht das gut, denken wir uns, kaufen weiter fleißig jedes Jahr ein neues Handy, alle 3 Jahre ein neues Auto und alle 12 Jahre einen neuen Lebensabschnittspartner. Ach, Unsinn, wir doch nicht, immer diese Statistiker. Was ist schon Durchschnitt? Also, hoffentlich geht das gut. Klima, Regenwald, Plastik, Umwelt, Bildung, das Leben schlechthin. Sieht zwar manches nicht mehr so toll aus, aber hey, bei uns im Discounter gibt’s doch alles. Und Microplastik in mir habe ich auch noch nicht gefunden. Zwar auch nicht gesucht, aber was solls, geht mir doch ziemlich gut. Na gut, im Schnee ist es jetzt auch nachgewiesen worden, aber naja, den essen wir ja nicht. Nee, den trinken wir auch nicht, Niederschlag doch nicht. Wie, Tiere, die wir verspeisen trinken Regenwasser? Naja, wird schon nicht so schlimm sein. Man soll sowieso weniger Fleisch essen. Soll gesünder sein. Dafür mehr Gemüse. Und wer jetzt auf die Analysen hinweist, die Microplastik auch in Gemüse nachweisen konnten, der ist schon ein regelrechter Spielverderber.

Wird schon gutgehen, irgendwie. Dass die meistverkaufte Nussnougatcreme (der Welt?) jede Menge Palmfett beinhaltet, das weiß man, aber so schlimm wird die Abholzung der Urwälder nicht sein, wo statt des Urwaldes Palmen angebaut werden. Darauf erst mal einen Kaffee aus der Kapsel-Maschine trinken. Plastikmüll? Das bisschen. Außerdem, für mich alleine lohnt kaum eine andere Variante. So als Single, von denen es ja immer mehr gibt, gerade in Städten, wo alle hin wollen oder müssen, weil das Fahren ja nicht mehr zeitgemäß ist. Umwelt, du verstehst?

Wer hat eigentlich gesagt, dass die Kommunikation zwischen den Menschen problematisch würde? Bei uns nicht, wir haben ein Smartie, mit allen möglichen Apps und Anwendungen, mit deren Hilfe wir total viel kommunizieren. Da braucht man nicht mal mehr hingehen. Und Konflikte gibt’s da auch weniger. Man muss ja nicht antworten und schlimmstenfalls muss man halt blockieren. Außerdem kommuniziere ich mit all meinen Freunden der sozialen Netzwerke. Das sind echt viele und wir kommunizieren echt viel. Und die Likes erst. So viele, ich bin echt was wert.

Nee, raus gehen machen wir weniger. Wozu auch, geht alles online. Und viel günstiger. Und, wir müssen kein Auto oder Bus fahren, schonen total die Umwelt damit. Die Post fährt eh, hält bei fast jedem, in der Straße, jeden Tag. Dann ist mein Paket ja sozusagen nur Mitfahrer. Sozusagen. Außer Urlaub natürlich. Wir fliegen fast jedes Jahr weg. Ja, wegen Wetter. Ist hier auch nicht dolle, zumindest nicht zuverlässig. Ja ich weiß, ökologischer Fußabdruck. Aber weißt du, wenn ich Greta so sehe, die jetzt über den Atlantik segelt, und nur im Notfall den Diesel im Boot anwirft, das ist cool. Nee, ich hab leider nicht die Zeit, nach Formentera zu segeln, weißt du, die Dauer, ich hab ja nur 2 Wochen Urlaub im Sommer. Und La Réunion, wie lange müsste ich dahin segeln? Greta hat keinen Job, die hat es gut, und die Überfahrt wird wohl gesponsert. Denke ich, oder.

Hoffentlich geht das gut. Nee, nicht Greta, die haben einen Schiffsdiesel. 84 PS. Ich meine den Rest. Klima, Plastik, Regenwald und so. Ach ja, und Bildung. Aber bei der Bildung beginnt es, denn woher soll man wissen, was in der Nussnougatcreme für Inhaltsstoffe sind, wenn man in der Schule schreiben darf, wie man hört. Und wo der Unterrichts-Ausfall so hoch ist, dass Politik oder Ethik gar nicht statt finden kann. Wie soll einer darauf kommen, dass in einem Land in Südamerika Regenwälder gerodet werden, um Soja, das hauptsächlich für Tiernahrung verwendet wird, anzubauen. Das ist so weit weg, was die da machen und wenn einige Indianerstämme dafür ausgerottet werden, von den Tieren ganz zu schweigen, was solls, da irgendwo in Afrika oder Amerika, oder wo das ist. Und Palmöl für Biosprit, wo der Urwald für Palmen … – ja, du weißt schon… , das ist traurig, ja, aber der Biosprit ist gut für’s Klima. Nee, ist alles nicht gut, aber so schlimm bestimmt nicht, das sind garantiert nur Fake-News. Bestimmt. Hier ist alles in Ordnung im Supermarkt und Elektronikmarkt, wo es viele coole neue Handys gibt, jedes Jahr. Was die können, glaubst du nicht. Und jetzt komm‘ mir mal nicht mit seltenen Erden aus Afrika. Mach nicht noch ein Fass auf, sonst kommt mir noch der Gedanke, dass man nix mehr darf.

Nee, is nicht ironisch gemeint, ironisch? Wenn das mal nicht ironisch ist… 😉

Die Dauer des Lebens [Gefühle der Seele, Intermezzo]

Das Leben zu leben ist anstrengend. Manchmal ist es mehr, manchmal weniger anstrengend. Je mehr ich gegen etwas, also mich selbst und meine Seele ankämpfe, desto anstrengender wird es. Ist das Gefühl im Fluss, so strengt es weniger an.

Heute war es anstrengend, denn ich habe Dinge behandeln müssen, die meinem Wesen widersprechen. So kommt es von Zeit zu Zeit, und ich überlege, warum es so ist, woher es kommt und wohin es will, dieses Gefühl der Verbundenheit zur eigenen Seele und der Abstoßung zu jenen Dingen, die der Seele zuwider streben. Das Gefühl dafür ist sehr deutlich, aber es gibt eine Ohnmacht, die zu einer Verzweiflung führen kann.

Nein, ich beschwere mich nicht, denn ich kann es ändern. Diese Änderung kostet zwar einiges, Menschenleben, Herzen, Seelen, aber es ginge. Doch gehe ich so mit Menschenleben, Herzen, Seelen um? Bringe ich einen Teil im Herzen des anderen um? Noch nicht. Erst, wenn mein Herz gebrochen ist?

Werde ich dann, wenn der Leidensdruck zu groß geworden ist, handeln? An manchen Tagen ist die Schale dünner, der Kern ungeschützt und sehr empfindsam. Solche Tage können schön sein – Zeit zum Innehalten. Doch auch anfällig ist die Seele dann, wenn sie sich geöffnet hat. Jene Gefühle, die ihr widerstreben, erscheinen, sie werden viel stärker empfunden, als aus einer Stärke heraus. Es kann wahrlich schmerzen. Wie viele Tragödien basieren genau auf diesem Gefühl.

Die Seele blutet, sie fühlt und lässt zu, was kommt und ist, ganz gleich, welcher Herkunft. Dieser Schmerz ist nicht immer einfach zu fühlen, manchmal möchte ich weglaufen, doch ich weiß, der Schmerz ist da, woimmer ich bin. Denn er ist die Seele. Manches ist wie ein Wunder, so unfassbar schön. Anderes wie eine Abstoßung, oder nein, nicht Abstoßung, denn es ist längst zugelassen und empfunden. Doch es fühlt sich einfach nicht richtig an. Diese Erkenntnis ist folgerichtig, denn eindeutig der Seele zugegen.

Was tun, in diesem Moment? Der Kopf ist überheblich und schlau, doch machtlos, weil die Seele geöffnet ist. Bleibt uns nur fühlen und loslassen, aufnehmen und vorbei lassen, wahrnehmen und sein Empfinden dem Licht zuwenden. Ja, manchmal wirkt es schwer, aber eine Seele, die empfindet, ist fähig dazu. Von einfach hat nie jemand gesprochen. Viele Grüße von deinem Seelenverwandten.

Was ich besser machen könnte… Teil 8 von 12 [Intermezzo]

Besitz besitzt. Diese althergebrachte Wahrheit ist unterbewusst wahrscheinlich jedem Menschen klar. Denn – man muss sich kümmern. Nun ist es nicht so, dass ich derart im Überfluss lebe, dass ich kümmern lassen könnte. Was kann ich besser machen, wenn es darum geht, meine Aufmerksamkeit zu erhalten, zu lenken, einzuteilen und zu entziehen?

Besitz besitzt. Oder glaubst du immer noch daran, dass du einen Besitz besitzt? Willkommen in der Welt der Illusionen. Rasender Stillstand, so schrieb einst Paul Virilio. Das ist Teil des gesamten Konzepts vom Besitztum, es kommt nur darauf an, möglichst viele Güter in möglichst kurzer Zeit anzuhäufen. Das wird nur auf Kosten und mit der Vernichtung unserer Erde einhergehen, das sehen wir nur nicht deutlich genug, vor lauter Konsumgütern und der Gier danach. Aber es ist gut so, der Homo Oekonomicus soll schließlich bedingungslos konsumieren, sonst funktioniert nachher das System der Schere zwischen arm und reich nicht mehr. Das hätte dramatische Auswirkungen, die Welt würde Gefahr laufen, gerecht zu werden.

Solche viel zu plakativen Thesen sind allerdings nur etwas für Tagträumer. Alternative Strategien werden wohlweißlich im Keim erstickt, von denen, die es wissen müssen und deren Helfershelfern. Von mir. Denn ich konsumiere. Mehr, als ich brauche. Ich kaufe, häufe an und sammle. Früher waren es Schallplatten. Und nun? Alles mögliche? Kameras, Autos, Häuser? Naja, wohl etwas hochgegriffen. Aber andere Dinge. Egal, was es ist, ich habe viele Dinge nicht mehr in den Händen gehalten, seit …? Zu lang! Und es werden nicht weniger, sondern eher mehr. Tassen, Töpfe, Helferlein? Vielleicht. Aus wie vielen Tassen kannst du trinken? Nun, deine Freunde sollen nicht darben, also gibt es einige mehr. Aber 64 Tassen? Ja, eher mehr, und ich habe die Teller noch nicht gezählt!

3 Autos? Schiff, Häuser? Ach nee, das kommt erst noch, oder? Was will ich besser machen? Ich besitze, also gerade schreibe noch auf einem Note 3. Uralt. Oder? Gibt jetzt gerade das Note 10. Für nur 1199.00 Euro. Aber hey, gar nicht so viel, denn Samsung gibt mir 30 Euro „Trade in“ für mein Altes. Cool, oder. Naja die 100 Euro Abwrack-Prämie habe ich jetzt unterschlagen. Also bekäme ich 130.00 Euro beim Kauf eines 10er Note. Nur noch 1069.00 Euro. Für eine noch coolere Performance und so viel mehr – mehr Zeit am Handy, als jetzt schon?

Was kann ich besser machen? Vielleicht ist es ein Weg, sich nicht mehr so besitzen zu lassen. Und den Dingen eine Absage zu erteilen, die nur darauf warten, deine Aufmerksamkeit zu stehlen, die doch dem Menschlichen, den Wesen der Erde, der Erde selbst, uns und der Verbindung der Lebenden eigen ist.

Das versteckte Bild, Teil 2 [119]

Fotos von mir, gerne, ich bin ja Model, aber kein Akt, Teilakt, Dessous oder sinnliche Bilder.

Nichts gegen einzuwenden, oder? Es gibt Menschen, die mit ihrem Körper zufrieden sind und ihn gerne sehen, andere eher nicht. EIN AUFSCHREI? So kann man es nicht sehen. Nun gut, denkt sich der Mensch, ich versuche es anders. Die einen sehen ihren Körperbau als eine private Angelegenheit, der sollte nur zu erahnen sein. Ihr Gesicht darf gezeigt werden. KEIN AUFSCHREI? Welche Betrachtungsweise ich auch immer an den Tag lege, ich komme zu ja oder nein, wenn es darum geht, den Körper in seiner Form zu präsentieren. Wohlgemerkt, es geht nicht um den Körper an sich, sondern um die Präsentation in der Öffentlichkeit desselben.

Ich möchte mich nicht als Aktmodel versuchen. Meine Haut bleibt versteckt, weitestgehend. Bikini ist eine andere Sache. Das höre ich oft. Ja, so sehen mich die anderen am Strand oder im Schwimmbad. An anderen Orten nicht, denn wer versucht, im Bikini durch Venedig zu gehen, dem drohen Bußgelder im fast 4-stelligen Bereich und die Ausweisung aus der Stadt. 2019. Nebenbei bemerkt.

Doch wir waren bei einem Lichtbild, das auch in Jahren noch sichtbar sein wird, das zeigt, was wir einst taten, wie wir aussahen, im Bikini, oder im Pulli, mit nacktem Gesicht oder mit nacktem Körper, bis auf die Stellen, die ein Bikini verdecken könnte, aber nicht muss. Diese Bilder verschwinden niemals im Netz. Jeder könnte sie finden, unter den zum Beispiel im Jahr 2017 geschätzten 1.500.000.000.000 veröffentlichen Bildern wäre es dabei, darunter könnte man es finden. Ja, stimmt, könnte man.

Worum geht es hier eigentlich? Um Körper-Verständnis weitestgehend, und um Fotografie im engeren Sinne.

Was bedeutet eine Präsentation von mehr Körper auf einem Bild, als sonst in der Öffentlichkeit zu sehen ist? Keineswegs präsentieren sich nur Menschen, die einem allgemein akzeptierten Ideal von einem ansehnlichen Körper entsprechen. Es ist vom Supermodel bis zum Nicht-Model jeder dabei. Woran liegt die Abneigung oder Zustimmung zu derartigen Aufnahmen? Jeder kann diese Frage für sich selbst beantworten und kommt zu einem persönlichen Ergebnis, das vielleicht variabel ist. Akt-Aufnahmen ja, für mich persönlich, aber nur für mich. Gut, der Fotograf sieht sie auch, aber ist sein Job und er hat schon unzählige Körper gesehen. Oder sind die Aufnahmen für meinen Partner? Ja, wäre eine Möglichkeit und wird öfters angefragt. Oder mache ich es, weil ich mich gerne präsentiere, jedem und allen gegenüber offen bin und meinen Körper toll finde? Da ist es wieder, die Vermischung von Aussehen und Wahrnehmung. Den Aufschrei hatten wir schon. Und doch differenziert sich hier die Einstellung, denn ein Mensch, der mit seinem Körper zufrieden ist und ihn toll findet, muss noch lange nicht einem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Darin liegt nämlich der Unterschied, es kommt auf das Selbstverständnis an.

Ich möchte hier keinen Zusammenhang zur Sitte und Moral herstellen, das würde zum einen zu weit führen und zum anderen gilt die Ethik als höchst persönlich. Was für einen Kunst ist, (Rembrandt Harmenszoon van Rijn, Picasso, Dürer, Praxiteles, Tizian, Goya, Gauguin, Manet, und so weiter, ist für den anderen Schund. Ein nackter Körper ist für einen Normalität, für einen anderen anstößig, es kommt auf die Umstände an und die Zeit und die Gesellschaft. Es gab Zeiten, da wurde der Beischlaf ausschließlich im Dunkeln vollzogen. Heute sind frei zugängliche Erotika aller Art Gang und Gäbe. Darüber hinaus gibt es Künstler, die anerkannt einen Teil ihrer Fotografie der Akt-Fotografie gewidmet haben (Newton, Bietesnich, Mappelthorpe), auf der anderen Seite finden sich im www genug stillose Beweise für Versuche, die nicht nur der Ästhetik widersprechen, sondern sogar vulgär und billig erscheinen. Und das ist nicht adäquat mit der Summe der sichtbaren Haut.

Was steckt also dahinter, hinter einer Aussage eines Menschen, Model ja, bitte kein Akt, Teilakt, verdeckter Akt oder Dessous? Tatsächlich nur die Gesellschaft? Was denkst Du, warum es so lauten könnte? Privatsphäre und Sicherheit, Intimität und Anstand? Was denkst du?