Meine Bildbearbeitung [113]

Bildbearbeitung und Filter sind immer wieder ein Thema bei der Erstellung fotografischer Aufnahmen. Beim einigen Fotografen kommen die Bilder so, wie sie sind (ooc=out of camera) , in sein Portfolio, beim nächsten wurden nur die Grundeinstellungen ein wenig angepasst, beim letzten wurde Gimp, Luminar, Lightroom, CaptureOne, Photoshop, oder sonst ein Bildbearbeitungsprogramm bis in die letzten Details ausgereizt. Dazwischen gibt es unzählige Abstufungen. Beliebt sind sogenannte Presets, die durch nur einen einzigen Klick in beispielsweise CaptureOne oder Lightroom ein Foto optimieren oder den Stil eines bekannteren Fotografen (z.B. Sean Archer) imitieren.

Filter funktionieren nach einem ganz ähnlichen Prinzip. Mit nur einem oder wenigen Klicks kann man einem Bild einen beliebigen Stil verpassen. Je nach Arbeitsaufwand kann eine solche Bildmanipulation von wenigen Sekunden (wenn überhaupt) bishin zu mehreren Tagen (Composings) in Anspruch nehmen. Bei den Composings werden nicht nur einzelne Bildelemente stark verändert, sondern oft Bilder aus mehreren Einzelbildern zusammen gesetzt. Dabei werden Orte und Himmel ausgetauscht, Objekte eingefügt und Farben vertauscht, nur als Beispiele genannt.

Was aber, so fragte mich unlängst eines meiner Models, hat das noch mit der Realität zu tun? Es gibt für mich mehrere Aspekte, die zu meinen Überlegungen führen. Diese liste ich kurz auf:

  • fällt eine Aufnahme anders aus, als es die Lichter in Wirklichkeit hergaben, so passt man es dementsprechend an
  • Sind Elemente mit auf das Bild geraten, so kann ich diese durch Stempel oder Ausschneiden entfernen
  • Wurde eine Farbe in der Kamera verändert, so kann ich diese in der Bearbeitung zurück holen
  • Sind Bereiche zu hell oder dunkel, so kann ich diese abdunkeln oder erhellen und somit den Dynamikumfang des Bildes erhöhen
  • Haut kann durch verschiedene Methoden von Irritationen befreit oder abgeschwächt werden

Weitergehende Schritte der Bildbearbeitung sind ebenfalls beliebt, beispielsweise können Menschen ge(ver)formt werden (schlanker, muskulös,…), Körperpartien können angepasst werden (Beine verlängert), Farben verstärkt werden oder auch Motive stark verfremdet werden. Warum, so war die Frage, machen wir Menschen es so gerne. Manipulationen waren und sind schon immer am lebendigen Körper aus diversen Kulturen bekannt. Idealisierung ist -laut Wissenschaftlern- einer der bedeutenden Gründe. Nicht nur unsere Körper werden optimiert, auch entstandene Bilder von uns, um einem möglichen, kulturell geprägten Vorbild gerecht zu werden und damit Anerkennung zu gewinnen.

Interessant dabei ist die Tatsache, dass sich nach gängigem Schönheitsideal schöne Menschen genauso optimieren, wie weniger ideal geformte Menschen, wenn man es so ausdrücken möchte. Im Handyzeitalter sind nach dem Selfie die Porzellan-Haut oder die Sommersprossen nur einen Klick weit entfernt und es wird ausgiebig genutzt.

Wo liegen meine Bilder und die der anderen Fotografen? Da kann und möchte ich nur von mir ausgehen, auch, wenn man auf den Bildern vieler anderer Fotografen die Bearbeitungsschritte recht gut nachvollziehen kann. Auch deshalb, weil es so viele Meinungen wie Models und Fotografen gibt, kann ich kein einheitliches Resümee stellen, daher meine Vorgehensweise im groben Überblick: (alles nur, falls erforderlich)

1. Grundeinstellungen

  • Horizont begradigen
  • Farbtemperatur korrigieren
  • Lichter einschränken
  • Schatten hervorheben
  • Farben abgleichen, evtl. entsättigen
  • Kontrast einstellen
  • Objektivkorrekturen durchführen

2. Weitergehende Einstellungen

  • Kontrolle der Schärfe, dabei ist mehr und auch weniger Schärfe möglich
  • Haut von Irritationen befreien (Frequenztrennung z.B.)
  • Hell-Dunkel-Verlauf einstellen
  • Wenn nicht gleich in sw fotografiert, in sw umwandeln
  • einzelne Farben anpassen
  • störende Elemente entfernen

Was sinnvoll ist und wo ein Bild überzogen bearbeitet wird, liegt in der Ansicht der Protagonisten und kann besprochen werden. Haut beispielsweise ohne jede Struktur, wie sie oft zu sehen ist, geht mir persönlich für meine Art der Fotografie zu weit. Auch Anpassungen der Körperform führe ich nur auf Wunsch durch, es sei denn, durch Wind oder Pose entstellt ein Kleidungsstück die Körperform. Filter wie Snappseed oder Pixlr verwende ich eher selten, oft nur als Experiment. Zu Composings fehlt mir leider oft die Zeit, aber dazu habe ich noch sehr viel geeignetes Rohmaterial, so dass es sich später einmal bestimmt noch ergeben wird.

Wenn Du bis hier her noch Fragen hast, so stelle sie mir gerne hier im Kommentar, vielleicht hast Du ja Lust, etwas über Deine Art der Bearbeitung zu schreiben. 😊

2 Gedanken zu “Meine Bildbearbeitung [113]

  1. Guten Morgen,
    Von fast nichts bis alles, sofern es meine Fähigkeiten gestatten. Fotografiere ich analog undnscanne ein, wird begradigt und eventuell am Kontrast geschraubt. Wenn etwas mit aufs Bild gerutscht ist, was nicht soll, muss es bleiben, es sei denn, es steht am Rand und kann bedenkenlos entfernt werden. Bei digitalen Bilder halte ich es ähnlich wie du. Ein bisschen, aber nicht so, dass man es wirklich sehen kann, eher die natürliche Optik unterstreichen.
    Composing habe ich eine Weile sehr gerne gemacht, ist was für die Wintermonate. Da ging es bei mir aber eher um das Erzeugen surrealer Landschaften und nicht um lange Beine oder einen anderen Himmel. Das ist für mich fast wie Malerei.
    Fertige Filter verwende ich überhaupt nicht, außer bei Smartphonebildern. Schicke ich den Jungs per Whatsapp ein Foto vom Abendessen, knalle ich auch schon mal ein paar Filter drüber. Am Ende müssen sie dann raten, was es zu essen gibt.
    Liebe Grüße
    Alice

    Gefällt 1 Person

    • Danke Dir, Alice, beim Thema Analog bin ich von Zeit zu Zeit mit der alten Leica 3 unterwegs, aber danach „lasse“ ich entwickeln. Früher im Keller war es anders, auch das Entwickeln hat mir etwas Spaß gemacht, aber dahingehend ein eher notwendiges Übel. Also kein „richtiger“ Fotograf, so meine Freude von damals. 😊 Lieber erstellen. Ist eigentlich heute noch so. Alles was geht vor der Belichtung erledigen. Slow Food in Sachen Bildern. Filter sind hin und wieder spaßig, aber selten zu etwas zu gebrauchen, für meine Zwecke zumindest. Presets sind im Grunde nichts anderes. Diese habe ich bisher noch nicht benutzt. Wenn ich bearbeite, dann selbst. Braucht Zeit und nehme ich mir hin und wieder auch.
      Momentan ist fast keine Zeit, aber wird wieder kommen. Sicher.
      Liebe Grüße
      Olaf

      Gefällt 1 Person

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