Welcher Aufwand ist nötig, um ein Bild zu erschaffen? [115]

Ganz klar ist die Beantwortung dieser obigen Frage daran geknüpft, welches Ziel hinter dem Bild steckt. Davon hängt ab, ob ein Bild nach dem Zufallsprinzip erschaffen würde oder ob Planung und Ideenfindung dahinter steckt.

Was ist nötig für ein Bild? Einerseits könnten sich Model und Fotograf irgendwo treffen und Bilder machen. So wird ein Mensch fotografiert und es entstehen Bilder. Andererseits kann eine aufwendige Planung hinter einem Shooting stehen. Das ist meist dann der Fall, wenn es sich um eine konzeptionelle Arbeit handelt, die zu einem bestimmten Ergebnis führen soll. Welcher also ist der Weg, Dein Weg, mein Weg?

Pauschal lässt sich keine Antwort darauf finden. Jeder Mensch hat einen anderen Anspruch an ein Bild. Nicht jeder möchte einen großen Aufwand betreiben, um ein paar Bilder zu erhalten. Model und Fotograf sind gleichermaßen gefragt, wenn es um die Qualität der Aufnahmen geht, und beide legen fest, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind und wie die Planung von statten geht.

Ein Skizzenbuch beispielsweise ist für manche Menschen Neuland. Eine vorherige Beschäftigung mit dem Shooting kann mehr oder weniger intensiv sein. Manchem Model reichen einfache Bilder ohne großen Aufwand aus, manchen Fotografen entsprechend. Widersprüchlich dabei ist allein das Anspruchsdenken der Menschen: Manche Menschen erwarten explizit außergewöhnliche und besondere Bilder, gehen jedoch ohne Vorstellung davon an die Umsetzung heran. Manche legen die Umsetzung in die Hand des Anderen oder erwarten einen All-Inclusiv-Service ohne eigenes Zutun.

Wieder andere Menschen haben erste Erfahrungen hinter sich und bieten sich als Model an, dies mit der Prämisse, die entstehenden Bilder sollen wenigstens der Qualität der eigenen gezeigten Fotografien entsprechen. In den meisten Fällen jedoch findet sich bei diesen Bildern offensichtlich leider keine besondere Qualität. Aber selbst diese Einschätzung liegt im Auge des Betrachters, und vielleicht reicht einigen dieses Mittelmaß aus und sie finden diese Bildchen gut genug. Immer wieder kommt es auf den Anspruch und das Ziel an.

Vielen Fotografen geht es mehr um eine Sammlung vieler unterschiedlicher Menschen als Motiv für ihr Portfolio, da spielt die Qualität eine eher untergeordnete Rolle. Ob diese Fotografen die Qualität ihrer Bilder überhaupt erkennen steht für mich zur Debatte, denn wie solle die Aufnahme werden, wenn ein Mensch die Wirkung eines Blicks oder einer Pose nicht erkennt und damit nicht beeinflussen kann. Wenn ich die Bilder eines Peter Lindbergh oder einer Annie Leibovitz betrachte, so sehe ich doch, dass es funktionieren kann. Diese Bilder kann jeder sehen. Warum also kommt es zu solchen Unmengen mangelhafter oder unterdurchschnittlicher Fotos im Netz? Vielleicht liegt die Antwort schon in der Frage, denn der Punkt ist wahrscheinlich allein die einfache Möglichkeit der Publikation von allem und jedem im Internet, gravierend die miserable Qualität auf einigen Socialmedia-Plattformen, auf denen man sich unbedarft aufhalten kann. Wieder aber stellt sich hier die Frage des Anspruchs: Will ich künstlerisch-außergewöhnliche Bilder kreieren, oder reicht mir die natürliche Abbildung eines lächelnden Menschen, was keineswegs ein verwerfliches oder minder wichtiges Sujet ist? Nicht jeder hat den Anspruch, ein hochwertiges Bildnis zu erstellen, ganz abgesehen von der Fähigkeit dies zu erfüllen, und dabei schließe ich mich explizit ein. Nicht jeder hat die Ressourcen im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Stab an Mitwirkenden aufzustellen, die als Stylisten, Makeup-Artisten, Licht-Adjudanten, allgemeine Helfer und Berater bei einem Bild mitwirken. Wieder stellt sich die Frage nach dem Anspruch.

Die Bedeutung der Fotografie ist in einem starken Wandel begriffen. Jeder Mensch muss sich selbst vor Augen führen, welche Bedeutung sie für ihn hat. Nach der Schwemme von Bildchen im www gilt es vielleicht eine Rückbesinnung zur Form der Fotografie als Kunst anzustoßen. Eine Gegenbewegung zur Manier des Dauerpostens zur Erhöhung der eigenen Reichweite in Form unzähliger Follower zur Steigerung des eigenen Egos ist vielleicht ein Weg. Mehr gute Bilder als viele Bilder. Oder hälst Du den Zug für abgefahren?

Mein geschätzter Fotografen-Kollege Lars Döbler hat in einem bemerkenswerten Artikel kürzlich die in vielen Bildern geforderte Geschichte im Bild in Frage gestellt. Ich selbst denke darüber seit 30 Jahren nach und für mich gibt es ebenfalls Bilder, die einfach nur diesen „Wow-Effekt“ haben, ohne eine Geschichte zu erzählen. Das kann die Darstellung eines Körpers sein oder der Ausdruck der Augen, der mich anhalten lässt und einfach nur begeistert staunen. Ob eine langhaarige Darstellerin in langem, wehenden Kleid in den stürmischen schottischen Highlands oder ein CloseUp eines Körperteils im Gegenlicht kann diesen Effekt haben. Bei diesen Bildern stellt sich die Frage, wie viel Aufwand notwendig war für die Erstellung. Standen drei Mitarbeiter mit Windmaschinen neben dem Model in wehendem Kleid oder herrschte tatsächlich stärkerer Wind und Helfer hatten alle Mühe die Blitze mit den Lichtformern festzuhalten? Oder war man nur zu zweit in der Eifel und es war zufällig windig, die Bilder entstanden nur mit availible Light? (Ja, sieht man natürlich auf den Bildern)

Welcher Aufwand ist für Dich tragbar und es wert, aufgewendet zu werden? Locker flockig oder gezielt geplant? Beides, hin und wieder? Manchmal kommen mir Zweifel. In letzter Zeit häufiger, als mir lieb ist. Aber ich bleibe gelassen. Wie siehst du das?

Vom Wandel der Fotografien [114]

Ich wiederhole mich mit meinen Äußerungen zur Qualität der gezeigten Bilder im www. ganz gerne mal, ist es doch etwas, was mir immer wieder auffällt. Doch dieses Mal betrachte ich die Lage der Dinge von einer anderen Seite. Man muss es nur lang genug und oft genug wiederholen, dann wird eine Sache schon richtig, oder? Passiert das gerade in Sachen Fotografie? Lege ich einmal die Historie der Lichtbilderstellung zu Grunde, so stelle ich fest, dass aus einer Kunst oder einer technisch nur wenigen „Fotografen“ vorbehaltenen Kunstfertigkeit ein Massenphenomen geworden zu sein scheint. Der einstige Seltenheitswert einer fotografischen Aufnahme trug dazu bei, dass sie begutachtet wurde. Nicht nur wegen eventuell angefallener Kosten, auch wegen des Aufwandes, der mit der Erstellung verbunden war. Ein Ergebnis war nie sofort verfügbar, sondern es bedurfte einer Wartezeit, zu der sich immer eine gewisse Vorfreude gesellte.

Das ist heute anders. Jeder Mensch kann zu jeder Zeit ein Lichtbild erstellen, und er tut dies auch. Es ist keine besondere Ausrüstung von Nöten. Als zweiten Aspekt, der noch viel erheblicher wirkt, wirkt die Möglichkeit zur Veröffentlichung der Lichtbilder. Diese besteht durchgehend und wird ebenso beständig genutzt. Während zu Beginn der Fotografie und vor der Massenverfügbarkeit eine Veröffentlichung äußerst eingeschränkt war, nämlich in Form von gedruckten Bildern in entweder Büchern oder Magazinen, in der Mehrzahl aber als Ausdruck in Form von 9×13 oder 10×15 Bildern für das eigene Fotoalbum, seltener als 30×45 Print für die eigenen vier Wände, so wird heute nur wenig gedruckt, da im Zeitalter der Digitalisierung hierzu vermeintlich keine Notwendigkeit mehr besteht.

Dazu bedarf es scheinbar auch keiner Notwendigkeit des Drucks mehr, denn die Fotografie oder Lichtbilderstellung tauscht ihren Sinn ein. Ein schon immer dokumentarischer Charakter übernimmt zunehmend den Sinninhalt, indem nicht mehr die einzelne Fotografie im Vordergrund steht, sondern der Stream. Nicht ein Bild ist als solches wichtig, sondern dieses eine nur als Bestandteil einer Präsentation eines Alter Egos im www. Diese Bilder sind mehr oder weniger austauschbar, es kommt nicht so sehr auf den Inhalt, sondern mehr auf eine Frequenz zum richtigen Zeitpunkt an, in der die Menschen ein Lichtbild veröffentlichen. Damit löst sich die Halbwertszeit der Bilder in Wohlgefallen auf. Im Umkehrschluss fällt auch der Inhalt auf ein kaum mehr messbares Niveau, es scheint einfach nicht mehr notwendig, dass aus einem Lichtbild eine Fotografie oder tatsächlich ein Bild wird.

Nicht aber bei allen Menschen ist es so, nicht alle finden sich damit ab. Obwohl auch ich manchmal diesem Phänomen Rechnung trage. So versuche ich unentwegt eine Art der Kunstfertigkeit aufrecht zu erhalten, die Fotografie als eine Möglichkeit aufrecht zu erhalten, die die Muse im Menschen berührt, seine Phantasie beflügelt und Gefühle wie Anmut, Schönheit und Entzückung nicht aussterben lässt. Ob mit das gelingt steht auf einem anderen Blatt und das darf jeder Betrachter selbst entscheiden. Für mich kann ich nur sagen, dass ich danach trachte, auch, wenn hin und wieder die Verzweiflung ob der unendlichen Flut der Belanglosigkeit an mir knabbert.

Was ich besser machen könnte… Teil 6 von 12 [Intermezzo]

6. Mach es! Jetzt! 💪

Manchmal kommt mir der Verdacht nahe, dass bestimmte Vorhaben, die unter „mache ich mal“ hinterlegt sind, womöglich niemals statt finden werden. Diese reichen von kleinsten Vorhaben am Tage bis hin zu großen Ideen des Lebens. Ich sollte mir vornehmen einige dieser Pläne und Wünsche in ihrer Bedeutung auf den Status „JETZT“ zu setzen. Sonst wird das nix!

Es geht dabei nicht mal um immer ganz dringliche Angelegenheiten. Schon die Antwort oder Aussage „Mache ich gleich!“ birgt ein hohes Potential der Vergessenheit. Jeder kennt die Präambel der Improvisation: Nichts ist so beständig, wie ein Provisorium. Das bezieht sich keineswegs nur auf bauliche Werke, auch menschliche Beziehungen geraten offensichtlich und leider zunehmend in diese Rolle. Ich möchte hier aber nicht wieder über den Verlust von Verbindlichkeit und Authentizität sprechen.

Es sind nicht unbedingt die großen Ideen, wie zum Beispiel einer meiner Träume aus der Kindheit, eine Einhand-Weltumseglung. Dauer 3-4 Jahre. Wäre längst möglich gewesen. Aber schwebte immer nur so dahin, als Traum, oder etwas, was man ja mal machen könnte. Doch die Umsetzung ist eine ganz andere Sache, und es gibt genug Gründe, die diesen Traum zwar bestehen lassen, aber die seine Umsetzung zumindest bedingen. Familie zum Beispiel ist einer derer. Diese würde, wenn es wirklich virulent geworden wäre, wahrscheinlich sogar dahinter gestanden haben. Doch man selbst will es gar nicht, zum Beispiel Partner und Kinder für diese Zeit vermissen. (Ginge übrigens auch gemeinsam.)

Dann gibt es noch den eigenen Besitz. Der wird bekanntlich nicht besessen, sondern er besitzt. Dich. Verlangt Deine Aufmerksamkeit und Pflege, möglichst tagtäglich.

Wie verhält es sich mit kleinen Ideen? „Mache ich irgendwann einmal!“ Bedeutet „irgendwann“ niemals? Was ist mit kleinen Pflichten? „Später!“ Treiben mit dieser Einstellung einige Aufgaben und Ideen vor dir her und in wie weit beschränkt dieses Treibgut das eigene Vorankommen?

Mir fallen all diese Vorhaben immer wieder ein und auf, ich sehe ihre Geschichte und vermute ihre Zukunft. Es gibt nur das Leben in der Gegenwart, das ist allseits bekannt, doch solche Worte, wie „Plane in der Zeit, dann hast du in der Not.“ haben großen Einfluss auf mich, immernoch. Noch ginge die Weltumseglung. Irgendwann sagen die Knochen, die Konzentrationsfähigkeit und die Abenteuerlust solche Worte, wie „och nö, der Garten ist auch schön (ist er wirklich) “ und es würde verantwortungslos anderen Menschen gegenüber werden. Nicht dass ich aufgrund von Müdigkeit ein Containerschiff ramme und es versenke.

Aber es geht ja wie erwähnt nicht ausschließlich um die großen Ideen, von denen noch mehr existieren. Schon die kleinen und ganz kleinen Ideen sind es Wert, umgesetzt zu werden. Wieder mal Wagner in der Semperoper, Bamberg endlich kennen lernen, und wieder mal eine Nacht in den Dünen schlafen. Ginge alles. Sofort. Aber es liegt irgendwo im Kopf und Herz vor Anker. Neben all den anderen Ideen. Tausende. Was ich dazu am Rande bemerken kann: keine ist dabei, bei der es um Besitz ginge. So weit bin ich schon. Immerhin, denke ich für mich. Zumindest fast. Aber das passt hier nicht her, Umzug ist ein anderes Thema….

Was ich also besser machen könnte: „Irgendwann“ muss mehr zu „Jetzt“ werden! Wann? – Jetzt! Später? – Nein, sofort! Du wirst verlieren, glaube mir, wenn Du es nicht jetzt machst. Und die Vernunft, so lasse Dir gesagt sein, ist ein massiver Partner in deinen Überlegungen, die einiges zu sehr dramatisiert. Ich möchte das ändern. Oder nein, es geht nur folgendermaßen: Ich ändere es bis zum ……2019! Setze Dein Datum selbst ein! 😊

Mache es. Jetzt!

Reaktionen [Intermezzo]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting

mies-vandenbergh-fotografie.de

Wie reagierst du? Angemessen? Gar nicht? Mit erheblicher Verspätung? Nur oberflächlich? Ehrlich?

Hier eine kleine Übersetzung:

1. Du sagst etwas ab. Wie?

  • Du sagst, du kannst nicht: HEIßT- Ich möchte eigentlich gar nicht (mehr), also bitte sieh‘ ab von weiteren Nachfragen
  • Du sagst ab, schlägst einen oder mehrere neue mögliche Ausweich-Termine vor. HEIßT: Ich möchte wirklich, kann aber jetzt nicht, biete dir daher einen neuen Termin.

2. Du hattest eine Zusammenarbeit?

  • Ich bedanke mich bei Dir für die tolle Zusammenarbeit. HEIßT: Es war nett, aber bitte nicht noch einmal.
  • Ich bedanke mich bei Dir und betone die positive Arbeit und frage nach einer Wiederholung: Ich fand es gut, so gut, dass ich mir eine Wiederholung wünsche.

3. Du möchtest ein bestimmtes Ziel erreichen?Du erfährst, welche Voraussetzungen und Anstrengungen erforderlich sind.

  • Ich bedanke mich, finde es ganz toll und melde mich, wenn ich Zeit habe. HEIßT: Hört sich toll an, aber nee, lass mal, ist mir zu viel Jedöhns, habe Besseres zu tun.
  • Ich bedanke mich, finde es ganz toll, welche Termine schlägst du vor? HEIßT: Hört sich gut an, ich bin interessiert, finde die Arbeit angemessen und möchte es erreichen.

4……..Fallen Dir noch Beispiele ein? 😊

Meine Bildbearbeitung [113]

Bildbearbeitung und Filter sind immer wieder ein Thema bei der Erstellung fotografischer Aufnahmen. Beim einigen Fotografen kommen die Bilder so, wie sie sind (ooc=out of camera) , in sein Portfolio, beim nächsten wurden nur die Grundeinstellungen ein wenig angepasst, beim letzten wurde Gimp, Luminar, Lightroom, CaptureOne, Photoshop, oder sonst ein Bildbearbeitungsprogramm bis in die letzten Details ausgereizt. Dazwischen gibt es unzählige Abstufungen. Beliebt sind sogenannte Presets, die durch nur einen einzigen Klick in beispielsweise CaptureOne oder Lightroom ein Foto optimieren oder den Stil eines bekannteren Fotografen (z.B. Sean Archer) imitieren.

Filter funktionieren nach einem ganz ähnlichen Prinzip. Mit nur einem oder wenigen Klicks kann man einem Bild einen beliebigen Stil verpassen. Je nach Arbeitsaufwand kann eine solche Bildmanipulation von wenigen Sekunden (wenn überhaupt) bishin zu mehreren Tagen (Composings) in Anspruch nehmen. Bei den Composings werden nicht nur einzelne Bildelemente stark verändert, sondern oft Bilder aus mehreren Einzelbildern zusammen gesetzt. Dabei werden Orte und Himmel ausgetauscht, Objekte eingefügt und Farben vertauscht, nur als Beispiele genannt.

Was aber, so fragte mich unlängst eines meiner Models, hat das noch mit der Realität zu tun? Es gibt für mich mehrere Aspekte, die zu meinen Überlegungen führen. Diese liste ich kurz auf:

  • fällt eine Aufnahme anders aus, als es die Lichter in Wirklichkeit hergaben, so passt man es dementsprechend an
  • Sind Elemente mit auf das Bild geraten, so kann ich diese durch Stempel oder Ausschneiden entfernen
  • Wurde eine Farbe in der Kamera verändert, so kann ich diese in der Bearbeitung zurück holen
  • Sind Bereiche zu hell oder dunkel, so kann ich diese abdunkeln oder erhellen und somit den Dynamikumfang des Bildes erhöhen
  • Haut kann durch verschiedene Methoden von Irritationen befreit oder abgeschwächt werden

Weitergehende Schritte der Bildbearbeitung sind ebenfalls beliebt, beispielsweise können Menschen ge(ver)formt werden (schlanker, muskulös,…), Körperpartien können angepasst werden (Beine verlängert), Farben verstärkt werden oder auch Motive stark verfremdet werden. Warum, so war die Frage, machen wir Menschen es so gerne. Manipulationen waren und sind schon immer am lebendigen Körper aus diversen Kulturen bekannt. Idealisierung ist -laut Wissenschaftlern- einer der bedeutenden Gründe. Nicht nur unsere Körper werden optimiert, auch entstandene Bilder von uns, um einem möglichen, kulturell geprägten Vorbild gerecht zu werden und damit Anerkennung zu gewinnen.

Interessant dabei ist die Tatsache, dass sich nach gängigem Schönheitsideal schöne Menschen genauso optimieren, wie weniger ideal geformte Menschen, wenn man es so ausdrücken möchte. Im Handyzeitalter sind nach dem Selfie die Porzellan-Haut oder die Sommersprossen nur einen Klick weit entfernt und es wird ausgiebig genutzt.

Wo liegen meine Bilder und die der anderen Fotografen? Da kann und möchte ich nur von mir ausgehen, auch, wenn man auf den Bildern vieler anderer Fotografen die Bearbeitungsschritte recht gut nachvollziehen kann. Auch deshalb, weil es so viele Meinungen wie Models und Fotografen gibt, kann ich kein einheitliches Resümee stellen, daher meine Vorgehensweise im groben Überblick: (alles nur, falls erforderlich)

1. Grundeinstellungen

  • Horizont begradigen
  • Farbtemperatur korrigieren
  • Lichter einschränken
  • Schatten hervorheben
  • Farben abgleichen, evtl. entsättigen
  • Kontrast einstellen
  • Objektivkorrekturen durchführen

2. Weitergehende Einstellungen

  • Kontrolle der Schärfe, dabei ist mehr und auch weniger Schärfe möglich
  • Haut von Irritationen befreien (Frequenztrennung z.B.)
  • Hell-Dunkel-Verlauf einstellen
  • Wenn nicht gleich in sw fotografiert, in sw umwandeln
  • einzelne Farben anpassen
  • störende Elemente entfernen

Was sinnvoll ist und wo ein Bild überzogen bearbeitet wird, liegt in der Ansicht der Protagonisten und kann besprochen werden. Haut beispielsweise ohne jede Struktur, wie sie oft zu sehen ist, geht mir persönlich für meine Art der Fotografie zu weit. Auch Anpassungen der Körperform führe ich nur auf Wunsch durch, es sei denn, durch Wind oder Pose entstellt ein Kleidungsstück die Körperform. Filter wie Snappseed oder Pixlr verwende ich eher selten, oft nur als Experiment. Zu Composings fehlt mir leider oft die Zeit, aber dazu habe ich noch sehr viel geeignetes Rohmaterial, so dass es sich später einmal bestimmt noch ergeben wird.

Wenn Du bis hier her noch Fragen hast, so stelle sie mir gerne hier im Kommentar, vielleicht hast Du ja Lust, etwas über Deine Art der Bearbeitung zu schreiben. 😊

Fotografiere Mich! [112]

Fotografiere mich. Ja, machen wir das? Mache viele verschiedene Bilder von mir. Bitte. Ich möchte ganz besondere Bilder von mir haben. Bilder, die außergewöhnlich sind. Bilder, die nicht wie alle anderen sind. Ideen habe ich viele. Wann können wir sie machen?

Hast Du Erfahrungen, was die Fotografie und das Posing angeht? Warst Du schon einmal vor einer Kamera?

Ja, ich habe sehr viele Bilder auf Instagram gesehen und stelle mir genau solche von mir vor. So an coolen Locations und in total coolem Outfit. Weißt Du, was ich meine?

Kannst Du mir ein paar Bilder schicken, damit ich sehe, welche Bilder Du gut findest?

Klar, mache ich. Ich habe viele von denen auf meinem Handy gespeichert. Und ich folge denen auf IG. Was meinst Du soll ich anziehen?

Sobald ich die Bilder gesehen habe, kann ich etwas dazu sagen. Welche Outfits besitzt Du?

Ich habe einen ganzen Schrank voll davon. Alle möglichen Sachen, je nach dem, was wir shooten kann ich kombinieren. Viele Schuhe, auch Tops und Kleider, Hosen und Jacken.

Schön, dann erwarte ich Deine Beispielbilder. Wann möchtest Du gerne das Shooting durchführen?

Können wir bald machen, ich habe viel Zeit, besonders am Wochenende. Samstag oder auch Sonntag. Wie lang wird es dauern?

So lange kann es dauern, bis wir unsere Ideen fotografiert haben. Je nach dem, wie viele Ideen wir uns vornehmen. Und so lang unsere Konzentration aufrecht erhalten bleibt.

Cool, ich sende Dir nachher die Bilder, dann können wir über Deinen Chat besprechen, wie wir es machen oder? Schminken kann ich mich selbst, ist das okay?

Es kommt darauf an, welche Bilder Du erwartest und wie gut Du Dich selbst schminken kannst. Das zu beurteilen überlasse ich Dir, schätze es selbst ein.

Supi, dann bis später.

Danke und bis später.

(Anfrage für ein Shooting, Sommer 2017)

Was denkst Du über diesen Dialog? Ist alles verständlich? Gibt es Anmerkungen?

P.S. Das Bild hat nichts mit dem Text zu tun, Auf dem Foto die junge Dame war hervorragend vorbereitet und es fand ein offenes und tolles Shooting in Königstein statt!

Was ich besser machen könnte… Teil 5 von 12 [Intermezzo]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting Fotograf Eifel Mosel

mies-vandenbergh-fotografie.de

5. Es reicht. Mehr muss nicht sein. – Es sollte schon mehr sein. Wenn, dann richtig.

Diese zwei Ansatzpunkte dienen der Beschreibung eines Vorhabens, das entweder recht locker mit ergebnisoffenem Ausgang angegangen werden kann oder mit einer klaren Zielsetzung, die ein Mindestmaß an Planung und Organisation voraussetzt. Beides ist ein gangbarer Weg. Hier liegt es bei mir nun so, dass ich beide Wege gerne vollständig ausschöpfe. Es kommt darauf an, welches Ziel, welche Handlung und welche Bedingungen an eine Sache geknüpft sind. Woran ich meiner Meinung nach arbeiten kann ist die Gewichtung der Aufgaben, deren Inhalt sehr unterschiedliche Prioritäten aufweist.

Mein „reicht doch“ lässt im Alltag manches Mal ein Ziel oder eine Aufgabe eine viel größere Rolle spielen, als sie es wäre, wenn die Priorität leicht verschoben wäre und sie damit schon nicht mehr Bestand der Betrachtung sein würde. Erledigt und abgehakt würde Raum für andere Dinge bedeuten. Wenn, ja wenn da nicht ein „reicht doch“ für gewisse Nachbesserungen verantwortlich wäre.

Andere Dinge sind mit einem „reicht doch“ vollumfänglich abgeschlossen. Nicht schön, aber Mittel zum Zweck. Es funktioniert, also warum mehr investieren? Im Gegensatz dazu, weit davon entfernt, gibt es Dinge, die vielleicht einen zu großen Raum im Leben erhalten. Deren Bedeutung wiegt bei mir höher, als bei anderen Menschen. Ich bin in diesen Situationen etwas genauer, als gemeinhin notwendig oder erwünscht. Das Ziel klar vor Augen werden viele (zu viele) Eventualitäten von mir bedacht, mögliche Lösungen in Betracht gezogen, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Dabei kommt dann die jungfräuliche Ader zur Geltung und dabei ist meine Genauigkeit schon manches Mal zu viel des Guten. Könnte man meinen. Andererseits entstehen auf diesem Wege oftmals erstaunlich gute Dinge. Aber rechtfertigen sie den Einsatz? Kommt auf die Gewichtung an.

Für bestimmte Dinge plane ich gerne, sammle Ideen und fertige Skizzen an. Andere Sachen lasse ich auf mich zukommen, freue mich über die Freiheit, Wege kurzfristig und spontan zu verändern, genieße die Lockerheit der freien Entscheidung, die andererseits so manches Mal auf ziemlich wackeligen Beinen fußt. Doch diese Improvisation finde ich neben meiner dezidierten Planung faszinierend.

Darin einen Mittelweg zu finden fällt mir nicht immer einfach. Vielleicht durch eine genauere Analyse und der Zurückstellung der eigenen Neigung gelänge es mir besser, eine ausgewogenere Handlungsfähigkeit zu fördern. Klar, jeder macht das, was er liebt, viel besser, als die vielen unliebsamen Alltagsgeschäfte. Doch wenn man dazu in der Lage ist, sich diese Alltagsgeschäfte zu eigen zu machen, so läge darin ein Weg, die Prioritäten anzugleichen.

Wie sieht es bei Dir aus? Planst Du Dinge, die Dir wichtig sind, besser, als irgendwelche unliebsamen Notwendigkeiten? Hier darf nicht die im Wort indizierte Beeinflussung zu Grunde gelegt werden, sondern es bedarf einer besonderen reflektiven und authentischen Herangehensweise. Eine Zielsetzung wäre gefragt, die unabhängig von Stimmung, Lust, Äußerlichkeiten oder anderen temporären Belangen entstehen kann. Für mich kein einfaches „ToDo“. 😊

Wie dem auch sei, mit der Ausrede, man wäre doch Mensch und es sei Sinn und Zweck des Lebens, herauszufinden, wer man ist, damit kommt man nicht über ein Ziel hinaus, ein Ziel, das doch immer nur Teilziel sei kann. Wie genau bist Du? Wie locker gehst Du deine Ziele an? Kennzeichnet dich ein „Wird schon!“ oder planst du eher? Hast Du Deine Ziele in möglichst kleine Teilziele aufgeteilt oder stehst Du für das große Ganze? Sind wir letztendlich doch nur Spielball des Lebens oder bestimmen wir die Richtung? Was denkst Du?

Wieviel Körper braucht Dein Bild? [111]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting Fotograf Eifel Mosel

mies-vandenbergh-fotografie.de

Du weißt, ich fotografiere seit fast 40 Jahren Menschen. Mal mehr, mal weniger. Nicht hauptberuflich, sondern als Amateurfotograf. Männer sind nur sehr selten vor der Kamera, zu 99% sind es Frauen. Du könntest einwerfen ’natürlich‘, sie sind das schöne Geschlecht. In wie weit das stimmt oder gesellschaftlich festgelegt ist, sei einmal dahingestellt, Fakt ist, dass in unserer Gesellschaft die Frau als das schönere Geschlecht gilt und in nahezu allen Bereichen, die mit der Abbildung von Schönheit zu tun haben, Frauen bevorzugt abgebildet werden.

Auch ich mache da keine Ausnahme. Ziemlich viel habe ich schon darüber geschrieben, weshalb es so ist, warum ich mich fotografisch viel mehr dem Weiblichen widme, und das möchte ich hier nicht wiederholen. In diesem Beitrag stelle ich meine Bilder und die der anderen Lichtzeichner, die die Frau als das spannendste Motiv auserkoren haben, zur Disposition, indem ich frage, wieviel vom Körper einer Frau auf einer Fotografie zu sehen sein sollte, um eine bestimmte Bildaussage zu kreieren.

Vordergründig geht es um den Sinn und Zweck einer Fotografie. Es bedarf der Erläuterung, wozu diese erstellt wird und wo sie gezeigt werden soll. Dieses Ziel ist für mich untrennbar mit dem Motiv und seiner Darstellung verbunden. Was ist denkbar auf einem Foto? Betrachte ich meine Bilder, so sehe ich einen Querschnitt durch alle Möglichkeiten. Mal ist mehr Körper zu sehen, mal weniger. Mal sehe ich fast nur die Augen, ein anderes Mal noch Hände dazu, Arme, einen Oberkörper, einen gesamten Körper. Wie verändere ich die Bildaussage mit der Hinzunahme oder der Ausgrenzung von Teilen des Körpers?

Der Fokus richtet sich auf eine Sache, indem diese hauptsächlich abgebildet wurde und nicht durch zu viel „Beiwerk“ davon abgelenkt wird. Auf das Wesentliche zu fokussieren ist ein klassischer Leitsatz der Fotografie, Worte, wie „Ist Dein Bild nicht gut, so warst Du zu weit weg“ von berühmten Leuten der Fotografie beschreiben es. Gehe ich einen Schritt zurück, so erscheinen mehr Dinge im Bild. Also was und wie viel, so die Frage, soll von einem Menschen zu sehen sein?

Außer im Bereich der Bodyparts, also der gezielten Fotografie einzelner Körperteile oder Körperbereiche, stellt sich mir die Frage, was grenze ich aus für eine Aufnahme, was beziehe ich mit ein. Was könnte stören in einer Bildaussage und was ist so belanglos, dass es wirkungslos bleibt. Gibt es Körperteile, die eine bestimmte Aussage implizieren, sind darunter solche, die unbekleidet eine stärkere Aussage geben als bekleidet oder die mit ausgewählten Kleidungsstücken eine besondere Bedeutung suggerieren?

Klar, sie gibt es, jeder kennt sie, schließlich werden wir alle durch die Werbeindustrie mit ihnen bombardiert. Nicht, weil es die Werbung so toll findet, nein, sondern weil wir sie lieben, weil sie auf uns wirkt und wir uns beeindrucken lassen! Ja, auch auf Dich wirkt es. Es müssen nicht einmal die primären Geschlechtsmerkmale sein, die in einer Abbildung wirken, beziehungsweise deren Andeutung. Es können andere Körperteile sein, wie etwa eine entblößte Schulter, ein langes gerades Bein oder ein Spalt breit ein Stück Bauch im richtigen Licht. Ein Bizeps eines Mannes oder eine Pobacke angedeutet suggeriert uns Kraft, Ausdauer und Stärke, Eigenschaften, die seit je her gesucht sind. Auch deshalb ziehen sie uns an.

Zurück zum Bildnis, welche Aussage wird verändert, wenn mal mehr Bein oder weniger Bein, ein Schlüsselbein unter zart gebräunter Haut, eine kleine Lücke zwischen Wollpulli und Bund der Jeans zu sehen ist? Was sagt diese Idee aus, was fehlt ohne ihre Umsetzung? Mir kommt es grundsätzlich auf den Gesichtsausdruck an, der steht für mich ganz oben. Dieser spiegelt die Gefühle der Seele wider, dieser gibt dem Bild eine Geschichte. Alles andere ist Beiwerk, dient der Unterstützung oder auch der Ablenkung. Sicher, es reizt (auch mich) eine Andeutung eines Körperteils, das man sonst entweder selten sieht oder im vorhandenen Kontext eine ungemeine Spannung erzeugt, aber wie viel ist notwendig, um diese Spannung zu erzielen und wann wurde (wie so häufig) über das Ziel hinaus geschossen?

Verhielte es sich nicht so spannend, würden wir alle nur noch Portraits ohne Körper sehen, vielleicht nur Augen (und Mund), deren Aussagekraft ein immenses Spektrum abdecken. Man rufe sich das Portrait des afghanischen Mädchens Sharbat Gula vom Fotografen Steve McCurry in Erinnerung. Mehr als Ihre Augen wären wahrscheinlich zu viel gewesen. Doch es ist nicht der Fall, dass wir nur Portraits sehen. Abgesehen von anzüglichen Bildern, beziehungsweise solchen, die gesellschaftlich so tituliert werden, wirken Körperpartien wie ein Magnet auf uns, ob von Amateurfotografen (wie mir) oder solchen, die Bilder für die Werbung produzieren, respektive deren Auftraggebern erwünscht sind, erstellt. Hast Du selbst schon einmal analysiert, warum Dir ein bestimmtes Bild so sehr gefällt, wie es das tut? Was wäre, wenn bestimmte Elemente des Motivs extrahiert oder verdeckt würden, vielleicht durch eine Pflanze? Es ist für mich spannend, und ich denke, es ist einer weiteren Betrachtung wert. Also mehr in Teil zwei.