Meinen und sagen. [110]

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Meinst Du, was Du sagst? Meinst Du, was Du schreibst? Andererseits, sagst Du Deine Meinung? Wie authentisch bist Du? Und vor allem, zu wem?

Stehst Du auch auf dem Standpunkt, dass zu viel Wahrhaftigkeit dazu führen könnte, Deinen Charakter zu definieren? Glaubst Du auch, dass es sich viel einfacher lebt, wenn Du immer schön unbestimmt bleibst? Ich bin da nicht so sicher, denn ein unbestimmter Charakter muss sich ständig neu positionieren. Zwar kann er nur schwer eingeordnet werden, die Menschen um ihn herum wissen nie mit Bestimmtheit, was er von einer Sache hält, auf der anderen Seite aber spielst er jedoch mit seinem Verlass. Was das ist, Verlass? Wenn auf jemand Verlass ist, so bedeutet das (für mich) mehr als nur da zu sein, wenn es darauf ankommt. Es bedeutet, dass man in bestimmten Situationen mit Deinem Charakter, Deinem Herzen und Deinem Verstand rechnen kann, dass eine Art der inneren Treue Dir innewohnt, weswegen man auf Dich zählen kann. Man weiß es, man darf sicher sein, dass nicht eine Flut von Ausflüchten plötzlich alles bedingt. Es bedeutet kein blindlings willenloses Folgen, denn ein ausgebildeter Charakter lenkt ein, er empfiehlt und analysiert ohne zu zögern oder einem nach dem Mund zu reden. Es verhält sich ein bisschen so, wie der Ratschlag eines wirklichen Freundes, der auch die offenen oder verdeckten Fehleinschätzungen deinerseits erwähnt, nicht hinter dem Berg hält, wenn Irrungen und Wirrungen Deinen Geist umfangen. Dazu aber bedarf es den Charakter. Dass dieser sich meist nicht mal eben so bildet, dürfte jedem plausibel und verständlich sein. Wie nun bilden, wenn man nicht definiert sein möchte? Ist das vielleicht genau jener Widerspruch, an dem viele Menschen scheitern? Ohne Fundament bleibt kein Stein auf dem anderen, das lernen wir schon beim Spielen mit Bauklötzen. Lässt sich diese Erkenntnis auf den Charakter übertragen? Was meinst Du? Sobald sich ein Mensch positioniert hat, kann man ihn (ein-) schätzen, man sieht, fühlt, und man weiß, woran man ist. Diese Einordnung fürchten manche Menschen, fühlen sie sich doch so gleich in Schubladen gesteckt. Doch dass eine Einordnung nur das Fundament betrifft, dass all die Variationen und Bedingungen eine weitaus größere Reichweite besitzen, als eine starre Meinung, eine feste Eigenschaft, das liegt für einige Personen außerhalb ihres Erfahrungsschatzes und bedarf einer Erörterung. Diese können gute Freunde leisten. Eine Vertrauensbasis ist der Grundstoff für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema. Höre nicht nur zu, sondern hin. Hinterfrage all das, was Dir zuwider geht oder was Deiner Denkweise widerspricht, Deinen Gefühlen gegen den Strom geht. Wenn Du etwas nicht verstehst, dann frage so lange nach, bis es für Dich verständlich dargestellt wird. Gleiche ab mit Deinen Erfahrungen und mache sie ebenfalls, denn aus Erzählungen lässt sich schlecht erfahren. Manches kannst Du umschiffen, einiges aber wird auch für Dich zur Lehre gereichen. Das halte ich für wichtig, denn so erfährst Du etwas durch Dich selbst und das wird zum Fundament Deines Charakters. Niemals wird ein Charakter fertig sein, dazu lernt man beständig im gesamten Leben zu viel hinzu, aber die Richtung bietet ein erstes Leuchtfeuer, dass hilft, sich an Dir zu orientieren, nämlich an einem festen Charakter.

15 Gedanken zu “Meinen und sagen. [110]

  1. Meinung, Charakter, schwere Kost am frühen Morgen 😊 Was ich sage und schreibe, meine ich auch. Es kann aber passieren, dass zwischen zwei Texten oder Gesprächen etwas passiert, das meine Meinung ändert. Sie ist in Entwicklung, jeder neue Blickwinkel, der sich auftut, formt sie, modifiziert. Das Ergebnis ist immer ein Ausschnitt, zeitlich definiert. Ich weiß nicht, was morgen passiert, was gestern war, darf mich nicht jucken.
    Verlässlich ist bestenfalls die Ehrlichkeit, die beinhaltet, dass ich es gestern so gesehen habe und heute eben anders. Dennoch ist gerade diese Ehrlichkeit das Zentrale. Ich brauche nicht alles zu sagen, alles zu wissen. Aber der Ausschnitt, den ich preisgebe oder erfahre, der sollte wahr sein.
    In der Schule nennt man das didaktische Reduktion. Weglassen, was nicht gebraucht wird, aber nicht den Wahrheitsgehalt der Aussage verändern.
    Lieben Gruß und einen schönen Sonntag😊
    Alice

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