The show must go on. Vom Posing [104]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting Fotograf

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Posing, die Bezeichnung für das Einnehmen einer bestimmten Körperhaltung für eine Fotografie, stellt ein wesentliches Merkmal einer Bildaussage dar. Vielfach vernachlässigt entscheidet die Haltung in Verbindung mit Mimik explizit über Gedeih und Verderb einer Bildaussage, über die Wirkung oder die Beliebigkeit eines Bildes.

Ein Bild kann noch so gut ausgeleuchtet sein, das Spiel mit Licht und Schatten so exzellent ausgearbeitet sein, die Verläufe von Farben und Formen durch Perspektive und Winkel so passend erfasst sein, die Kontraste und Verläufe der Strukturen so harmonisch oder gegenläufig eingefangen sein, kurz, technisch kann die Aufnahme von tadelloser Finesse gekennzeichnet sein, wenn die Pose auch nur in geringer Weise irritiert, so bildet dies einen entscheidenden Störfaktor bei der Beurteilung einer Fotografie. Zumindest dann, wenn es um vorzeigbar künstlerische Qualität gehen soll.

Damit meine ich nicht die vielen Millionen Bildchen bei Instagram oder Facebook, oder in anderen sozialen Netzwerken, die eine andere Orientierung haben, wie es zum Beispiel bei 500px, Flickr, und anderen Plattformen, die mehr auf Bildpräsentation ausgerichtet sind, als der Darstellung der User zu dienen. (Eine gesunde Mischung aus Präsentation und möglicher einfacher Kommunikation in Form einer Anwendung habe ich bisher noch nicht gefunden, vielleicht muss man es selbst generieren)

Auch die starke Tendenz der Zurschaustellung möglichst wenig bekleideter Menschen in den Fotogruppen bei FB ändert für mich nichts an der Tatsache, dass Posing ein vielfach unterschätztes Mittel ist. Viel Haut macht ein Bild noch lange nicht gut (obwohl es oft viele Likes mehr erhält, als Portrait und Lifestyle). Ich sehe es ganz im Gegenteil. Bei weniger Kleidung ist in meinen Augen die Qualität der Arbeit der Protagonisten noch viel wesentlicher. Es ist dabei sehr viel mehr Vertrauen, Einfühlungsvermögen und Gespür vonnöten, um nicht nur „Nacktbilder“ zu erstellen, sondern (künstlerischen) Akt oder Teilakt, wie auch verdeckten Akt. Letztgenannter stellt in meinen Augen nochmal mehr eine Möglichkeit dar mit dem zu spielen, was Kunst, Phantasie und Kreativität miteinander verbindet. Das aber nur am Rande.

Wo beginnt Posing und endet der Zufall? Keine Frage, es gibt atemberaubend schöne Bilder, die in einem Moment der absoluten Entspannung entstanden sind, die als Produkt des Zufalls sozusagen nebenbei entstanden sind. Doch sie sind meines Erachtens rar. Was ist also notwendig, damit man einer Idee eine Form, einem Gefühl einen Ausdruck geben kann? Sind der Blick und die Mimik Zutaten, die der Komposition einen Körper geben? Was ist mit den Gliedmaßen, was mit der Haltung des Kopfes, was mit der Stellung der Beine, dem Winkel von Kopf, Schultern und Rücken? Kann eine Drehung von Hüfte bis Kopf tatsächlich die Spannung erzeugen, die von vielen Fotografen und noch mehr Betrachtern so geschätzt wird?

Eine der am häufigst gestellten Fragen ist jene nach der Haltung und Stellung der Hände: „Und was soll ich mit meinen Händen tun?“ Was sieht natürlich aus, erscheint sinnvoll und was bereits gepost? Was erzeugt Widerstände beim Betrachter, was irritiert den wohlwollenden Besucher Deiner Werke? Oder initiierst Du eine Situation, in der gerade die überzogen künstlichen Positionen die Aussage des Bildes erst darstellen? Um dich der Möglichkeiten zu bedienen brauchst Du, wie so oft im Leben, das Rüstzeug des Basiswissens, um einzustellen, zu dirigieren, zu komponieren. Das Wissen über das, was fehlschlagen kann, bewahrt vor einfachen Fehlern, denn die passieren sowieso, weil wir Menschen sind. Aber eine solide Basis vermindert deren Wahrscheinlichkeit um ein gesundes Maß. Und welche sind es?

Wie kann ich Hände halten? Wie viele Ausdrücke kann mein Gesicht nur durch Veränderung der Lippen erzeugen? Dabei habe ich noch nicht über meinen Kopf selbst gesprochen, den ich neigen und drehen kann, in jede Position bringen, die in Verbindung mit allen anderen möglichen Variablen so mannigfaltige Gefühle darzustellen vermag. Denke nur an Haare, Wangen, Stirn, vor allem aber an die Augen. Gehe also den Schritt weiter, als „Stell‘ Dich mal hin und lächel!“

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4 Gedanken zu “The show must go on. Vom Posing [104]

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