Reicht ein Foto? (Intermezzo)

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Ich gebe es zu. Ich bin ein leidenschaftlicher Sammler. Von nahezu jedem von mir besuchten Ort der Welt habe ich etwas mitgebracht. Nicht nur von Urlaubsorten, auch von dort, wo ich nur einen Spaziergang lang Zeit hatte, brachte ich etwas mit. Manchmal war es recht viel, meist zuviel, meine Taschen waren hin und wieder bis zum Bersten gefüllt.

Zuhause angekommen galt es die Taschen zu entleeren, doch letztendlich stellte sich immer die Frage, wohin damit. Es fand sich aber bis heute immer noch ein Plätzchen, wo die mitgebrachten Dinge abgelegt werden konnten. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr, immer mehr mutete es an, wie eine Sammlung. Es schien sich ein Konglomerat an unterschiedlichsten Strukturen zu bilden, wobei der Sinn und Zweck der Ansammlung nur in dessen Existenz zu erkennen war.

Es ließ über all die Jahre hinweg nur marginal nach. Jeder Besuch in einer neuen, manchmal sogar in einer alten mir bekannten Region ließ mich hinsehen und zugreifen, aussuchen, wählen, wegschmeißen und erneut suchen. Immer wurde ich fündig. Die Größe des Mitbringsels war nur am Rande von Bedeutung und wurde prinzipiell nur von der praktischen Umsetzbarkeit eingeschränkt. Wenn es nicht anders ging, so konnte es nur ein kleineres Erinnerungsstück sein, wenn es aber möglich zu transportieren war, so nahm ich gerne die Last auf mich.

Wer nun denkt, dass ich im Laufe der Jahre die Herkunft der einzelnen Exemplare vergessen hätte, der täuscht sich – nicht. 😉 Es wäre nicht ehrlich, wenn ich behaupten würde, ich erkenne jedes gesammelte Stück und weiß noch, wann und woher ich es habe. Aber es sind noch viele Exemplare, deren Herkunft und Fundort ich exakt vor Augen habe, die mich an die Zeit von damals erinnert, die mich den Geruch in der Luft, die Geräusche der Umgebung und vor allem die Gefühle der Seele nachempfinden lassen. Manche verbinden mich mit Menschen von damals, aber auch mit dem Menschen von mir, der ich damals war, der aus heutiger Sicht nicht immer der geliebte war, sondern auch der, den ich aus heutiger Sicht nicht recht verstehen kann.

Nun betrachte ich all die Dinge, die mit mir alle Umzüge quer durch die Republik mitgemacht haben, die meine Zimmer einst zierten, von denen es heute noch manche tun. Umzugshelfer, darunter viele Freunde, zweifelten an mir, ob es denn wirklich sein müsste, DAMIT wieder umzuziehen, denn zugegeben, sie waren nicht nur nicht leicht, sie waren auch in der Überzahl. Doch ja, sie ahnten, dass es keinen andern Ausweg gab, schließlich warteten einige von ihnen auf gemeinsamen Reisen oftmals geduldig auf mich, bis ich genug ausgesucht hatte.

Heute, viele Jahre später, stehe ich oft da, blickte manche an, nehme hin und wieder einen in die Hand, fühle ihn, spüre ihn, sehe ihn ganz genau an, erfreue mich an seiner Schönheit, denke an und fühle die damalige Zeit, schmunzle oder werde traurig, und frage mich, (und ich möchte gerne an dieser Stelle auch DICH fragen!) wie es wohl wäre, wenn ich all diese Exemplare hätte liegen lassen und statt ihrer nur ein Foto derselben gemacht hätte.

Wie wäre das? Reicht es aus, lediglich ein Bild einer Sache zu haben und wäre es das Gleiche? Sind nicht alle Dinge nur Dinge, die irgendwann vergehen?

Vitrine Fotografie Sammlung

Sammlung von Erinnerungen

Vielen Dank Mitzi Irsaj für Deinen Blogbeitrag, der mich daran erinnert hat, dass ich schon jahrelang mit dieser Thematik schwanger gehe.😊

Garten Mauer Koblenz

Diese Erinnerungen sind nun fixiert

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5 Gedanken zu “Reicht ein Foto? (Intermezzo)

  1. Wie gut ich dich verstehen kann. Eine wunderschöne schriftliche Erinnerung an all die Gegenstände die einen begleiten und für die ein Foto niemals gereicht hätte. Natürlich, es sammelt sich einiges an, manches kann vielleicht wirklich weggegeben werden, wenn man merkt dass das Herz nicht an ihnen hängt. Aber jene Sachen, deren Anblick einen immer wieder erfreut und die so viele Erinnerungen in sich tragen, die sind es wert zu dauerhaften Begleitern zu werden.

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    • Guten Abend Mitzi.
      Die Menschen sind so, manche weniger, manche mehr. Ich stehe gerne am Lago Maggiore und sehe mir die Steine an und ein bis zwei wandern immer mit über die Alpen. Auch noch welche aus einem Baggerloch aus Köln aus den 1970er Jahren finden sich an der Wand, der Bretagne und Fisterra, und, und, und…. Ich wünsche Dir viele Erinnerungen und gute Gedanken bei der Betrachtung Deiner „Dinge“ und noch viele Neue davon. 😊 🙋 Liebe Grüße Olaf

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  2. Ein Foto reicht heute nicht mehr, einmal Handy hochhalten, abdrücken, fertig zu den tausenden die im Speicher vor sich hin gammeln. Analoge Bilder von früher, wo man eingeschränkt war pro Film auf 36 Aufnahmen, da ist es anders, zumindest für mich. Vor über 30 Jahren war ich in Sri Lanka, fünf Filme im Gepäck. Die Ergebniss hielt ich in Händen, als ich wieder zu Hause war, betrachtete sie, erinnerte mich. Selbst heute kann ich mich noch an (fast) jede Aufnahme erinnern, an die Luft, an das Licht und mein Gefühl damals. Das ist auch einer der Gründe, warum ich wieder analog fotografiere. Ansonsten bin ich eingeschränkter Sammler, die schönsten Erinnerungen brauchen kein Medium. Ich erinnere mich zum Beispiel noch genau an den Duft nach Reis, als ich von Arles durch das Rhonedelta nach Saint Maries sur la mer fuhr. Ich streckte die Hand aus dem Fenster und spürte den warmen Wind. Ich habe damals den schwarzen Reis der Region gekauft und mitgebracht, nie verkocht. Er wanderte nach einem Einflug von Mehlmotten in den Müll. Lieben Gruß und ich wünsche dir, dass du nicht mehr umziehen musst. Die Wand mit den Kieselsteinen sieht super aus. Alice

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    • Danke Alice für Deinen Kommentar, 😊
      ja, die Sache mit dem Wert von Fotos und der Verbindung zu Vergangenem ist ein nicht zu unterschätzendes Phänomen. Selbst bei mir, der ich mit noch anderem Handwerkszeug unterwegs bin, schlummern zig Fotos auf dem Handy, darunter viele, die ich nicht mit selbigem erstellt habe. Und dennoch, so viele schlummern den Schlaf der Gerechten! 😂 Daher habe ich Jahresbücher begonnen, sehr nachlässig fortgeführt aber freue mich bei der Betrachtung jedes Mal ungemein. Und ausdrucken oder Abzüge bestellen rockt! Genau, Alice.
      Analog mache ich nur selten Bilder, wenn ich mal die alte M3 ausführe. Doch auch digital kann man bewußter fotografieren, man muss sich nur zusammenreißen. Funktioniert manchmal sogar. 😊
      Viele Erinnerungen brauchen Vehikel, mein Geist färbt schön und verändert am laufenden Band. Die wahren aber sind wie eingraviert. Hoffentlich.

      Die Wand war auch wirklich ein Puzzle, ich mag Puzzle überhaupt nicht, doch am Ende war ich auch begeistert. Viele der Erinnerungen sind dort nun verewigt. Danke, einen schönen Abend wünsche ich Dir, Olaf

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