Von der Handlung und Nichthandlung [96]

Fotoshooting Koblenz Portrait tfpShooting Model

mies-vandenbergh-fotografie.de

Konversation findet bei einer Begegnung zwischen Menschen immer statt! So in etwa steht es bei Paul Watzlawick. Es gibt demnach keine Begegnung ohne Konversation. Man kann sich begrüßen oder aneinander vorbei schauen und ausweichen. Man kann eine Frage stellen oder eine klassische Grußformel sprechen. Ein Lächeln ist denkbar und öffnet damit alle Möglichkeiten. Was geschieht aber im Anschluss? Was ist möglich, was könnte passieren, wenn sich Menschen begegnen, wo auch immer, wann auch immer oder wer auch immer.

Beim letztgenannten möchte ich beginnen:

WER?

  • Kennen sich die Personen, die sich begegnen?
  • Kennen sie sich gut oder nur oberflächlich?
  • Haben sie sich lange nicht gesehen oder kürzlich?
  • Sind es Partner oder Freunde?
  • Sind es Nachbarn oder Bekannte?
  • Sind es Kollegen oder Mitarbeiter?
  • Sind es Menschen, die wir fürchten?

WANN?

  • Haben die Personen Zeit für die Begegnung?
  • Haben sie viel Zeit oder wenig?
  • Sind sie in Eile?
  • Unterbrechen sie ihre evtl. vorhandene Eile?
  • War ein Treffen geplant?
  • Findet die Begegnung unter positivem Stern statt?
  • Ist es eine Pflichtveranstaltung?

WO?

  • Sind beide in Bewegung oder ruht eine der Personen, oder gar beide?
  • Treffen sie sich persönlich oder online, schreiben sie sich oder telefonieren?
  • Ist der Treffpunkt für beide vertraut oder fremd und ungewohnt?
  • Ist es öffentlich oder privater Natur?

Viele Szenarien sind möglich und zudem untereinander kombinierbar. Worauf ich hier im Artikel eingehen möchte ist die Frage nach dem, was allen gemein sein kann. Interessant ist für mich, was trotz der unterschiedlichen Situationen stets sehr ähnlich, weil traditionell oder nach Brauch wiederholt geschieht, wenn Menschen miteinander kommunizieren. Was ist Standard, was nicht und wo liegen die Grenzen? Was haben Verständnisschwierigkeiten zur Folge, die durch unterschiedlichen Verhaltensweisen entstehen? Darauf aufbauend und weitergehend, wie äußern sich die (meiner Ansicht nach) zunehmenden Verhaltensstörungen und was ist die Folge davon?

Mit der Kommunikation steht und fällt die Verbindung zwischen den Menschen. Ob in der Politik, der Gesellschaft oder im zwischenmenschlichen Bereich, es läuft immer auf die Verständigung hinaus. „Wie hast Du es gemeint?“ „Was hast Du gemeint?“ „Habe ich Dich richtig verstanden, wenn ich denke, dass…?“ Ein Schlüssel zum Verständnis der Menschen untereinander ist eine gelungene Kommunikation. Durch Worte und Handlungen ist viel zu erreichen, genauso viel ist durch sie zu manipulieren. Ganze Kriege sind durch Worte ausgelöst worden, Fehden entstanden durch Aussagen beziehungsweise durch deren Auslegung ganz gleich ihrer tatsächlichen Bedeutung.

Was also ist jeder Kommunikation zu eigen? Kann sie positiv wie negativ oder auch neutral sein? Ist sie immer und überall zielgerichtet? Steckt immer ein Sinn oder eine Absicht hinter einer Kommunikation? Wird durch jede Handlung oder Nichthandlung kommuniziert? Wird durch Nichtachtung gewisser Regeln oder Verträge ein Kommunikationspartner geringgeschätzt, ihm gezeigt, dass in einer Beziehung eine geringere Wertigkeit besteht. Wie werden Belange, Wünsche, Optionen oder Ziele kommuniziert, wie wird reagiert, wenn man angesprochen wird, wenn eine Aufmerksamkeit, die immer und überall hin gerichtet werden kann, geschenkt wird? Wird sie geschätzt, oder wird sie im Zuge der möglichen Optionen als ein Ruf unter vielen vielleicht noch gehört, niemals aber darauf reagiert?

Kommunikation besteht dann, wenn ein Austausch zwischen zwei Parteien stattfindet und kann nicht einseitig erfolgen. Wenn eine Seite nicht reagiert, so findet zwar Aktion statt, nicht aber Reaktion und es findet kein Austausch über zum Beispiel Gedanken, Meinungen oder Geschehnisse statt, dort, wo es möglicherweise angesagt ist. Die Gründe für unterlassene Kommunikation können vielfältig sein. Von Bedeutung über Überforderung bis hin zur Steuerung ist vieles denkbar, in jedem einzelnen Bereich und jedem einzelnen Fall gilt es eine nähere Betrachtung zu wagen. Dabei kann eine Strömung in der Gesellschaft durch sogenannte Vorbilder wahrgenommen werden, wenn man nur deutlich hin blickt!

Ich höre, was Du sagst, und:

„Ich antworte oder ich antworte nicht, weil:“

  • ich andere Dinge mache
  • ich mir dazu keine Zeit nehmen will
  • ich keinen Überblick habe über die vielen Nachrichten
  • ich gerade Deine Kommunikation nicht wünsche
  • ich deine Anfrage nicht erkenne
  • ich denke, du willst keine Kommunikation
  • ich nur Anfragen sammle und mich daran bewerte, wie viele ich bekomme
  • ich Angst habe, du könntest weitere Fragen stellen
  • ich fürchte, ich könne etwas von mir verraten, was ich lieber verberge
  • ich mich von Dir zuvor verletzt fühle, Dir dies aber verschweigen will
  • ich fürchte, Du könntest mehr erwarten, ich aber nicht sagen, was ist.
  • ich schlecht „Nein“ sagen kann
  • ich fürchte, entdeckt zu werden
  • mir Deine Anfrage unangenehm ist

Diese Liste kann von Dir weiter geführt und individuell vervollständigt werden, jeder Mensch hat eigene Erfahrungen und Umgangsformen verinnerlicht, verändert sie je nach Umgang und Gemeinschaft, je nach Gefühl und Empfindung. Äußere Einflüsse wie Mediennutzung verändern nicht nur uns, sondern auch unsere Umgangsformen. Es ist wie im Straßenverkehr: fehlen Kenntnisse über die abgesprochenen Verfahrensweisen, so kommt es zu Unfällen, der Verkehr kommt zum Erliegen. Die weiteren Folgen dürften jedem klar sein. Missverständnisse und Unverständnis führen zu Problemen zwischen uns Menschen. Sind wir auf dem besten Weg dahin?

(Klar, wenn zwei Personen nebeneinander sitzen und sie beide an ihren Handys hängen und sich nicht gerade über Messenger-Dienste Nachrichten schreiben, so kommunizieren sie nicht miteinander.)

4 Gedanken zu “Von der Handlung und Nichthandlung [96]

  1. Aus der Art wie in spezifischen Gruppen komuniziert wird haben sich ja dann schlussendlich auch Kulturen entwickelt, da man sich abgegrenzt hatte von anderen und so weiter …. auch Abgrenzung ist Kommunikation … und da wären wir wieder bei den zwei Personen mit ihrem Smartphone … das ist die moderne Form der Abgrenzung gegenüber jedem, dem ich in freier Wildbahn begegnen könnte und die Reduktion meiner Kommunikation(smöglichkeiten) auf meine spezifische Gruppe (=messenger,..) … das bedeutet aber auch, dass wir alle in Punkto Hirnwäsche heutzutage viel besser verfügbar – weil fast ständig online – sind und durch personalisierende Algorithmen inzwischen auch massiven Manipulationen ausgesetzt sind. ….. und das macht mir in zunehmendem Maße Angst, denn wenn ich in Sekundenschnelle manipulierende Kommunikation an Massen von Menschen veranlassen kann, dann war das was wir in den 30ern und 40ern des letzten Jahrhunderts hatten ev. wirklich nur ein „Vogelschiß der Geschichte“ …..

    Gefällt 1 Person

    • Da ist viel Wahres drin, Robert, ich denke ähnlich, und es ist denkbar einfach in diesen Medien zu manipulieren.
      Angst, ja, vor dem Verlust der Menschen miteinander in mannigfaltiger Weise kommunizieren zu können! Anfänge sind DEUTLICH erkennbar! Dem entgegenwirken. Eine Aufgabe, meine ich. Abendliche Grüße, Olaf

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.