Niemals so ganz [94]

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Ein Ausschnitt des Lebens, ein Moment, der zwar im Augenblick des Erlebens real, aber schon wenig Zeit danach nur noch Erinnerung ist. Gepaart mit all unseren Erfahrungen und Erinnerungen, unseren Filtern und vor allem den gerade neuen, aktuellen Gedanken wird er relativiert, in einem fort, wird verfärbt, verblasst, erblüht wieder, wird vergessen und erneut erinnert man sich. Nach und nach verebbt er, versiegt im Sande wie die Welle am Strand, um irgendwann verschwunden zu sein. Spätestens mit uns, wenn wir nicht mehr sind.

Doch jetzt ist jetzt, in diesem Augenblick leben wir. Wir erleben unser Leben, nehmen wahr, was geschieht, sind umtriebig, reagieren und agieren so, wie wir sind. Wir leben das Leben und planen es, genießen die Zeit und schlagen sie dennoch manchmal tot. Wir blicken zurück, erinnern uns und lassen diese Erinnerungen einfließen in unser Heute! Es sind gute und schlechte Erinnerungen, einige würden wir am liebsten verdrängen, andere bleiben präsent, als wären sie gerade geschehen. Viel mehr, als wir denken, prägen uns diese Ideen, jene, die wir von Beginn an im Leben erfuhren, andere begleiten uns klammheimlich und subtil, bis wir sie ent-decken, verstehen dabei oftmals, warum manches so geschah und nicht anders geschehen konnte.

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Der Fotograf ist nur der Regisseur [93]

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Der Mensch hinter der Kamera ist eine Art Regisseur, wenn es um die Wirkung und Aussage einer Aufnahme geht. Er sollte erkennen, was wie wirkt und hinweisen, was eventuell dafür zu verändern wäre. Wenn er es erkennt!

Eine Aufgabe eines Trainers oder Coachs ist eigentlich ganz klar: Er sollte seine Protagonisten fordern und fördern, damit sie ihre Leistung stets verbessern und sich weiter entwickeln können. Dazu ist ein gewisser Grad an Wissen und Erfahrung, aber auch Einfühlungsvermögen und Gespür für eine Situation nötig. Manche haben es, andere weniger. Bei einem Fotografen ist in mehrerer Hinsicht ganz gut zu erkennen, ob diese Fähigkeiten vorhanden sind oder nicht. Es gibt Beweisbilder! 😉 Bestenfalls sollte der Fotograf jene Aufnahmen nicht publizieren, die eine unzureichende Komposition einer Aufnahme zeigen und eine Ergänzung von Model und Fotograf vermissen lassen.

Dabei spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle.

  • Erkennt der Fotograf das Potential einer Aufnahme?
  • Erkennt er die Unzulänglichkeiten im Bild?
  • Hat der Fotograf die Fertigkeiten eine Idee umzusetzen?
  • Passen Fotograf und Model zueinander, damit die notwendigen Synergien entstehen können?
  • Stimmt die Tagesform der Arbeitsgemeinschaft?
  • Sind alle äußeren Faktoren wie Zeit, Ort, Tageszeit, Lichtstimmung, Terminabstimmung, Befinden der Teilnehmer stimmig?

Manche Aufnahmen werden trotz der Tatsache, dass nicht alles passte, gezeigt, gerade weil Elemente zu erkennen sind, die besonders stimmig und außergewöhnlich scheinen. Bei der abschließenden Betrachtung kommt zum Tragen, in wie weit das Auge des Betrachters geschult ist, diese Besonderheit zu erfassen. Bei der Erstellung einer Aufnahme gilt es die möglichen Parameter zu beachten und all das, was nicht stimmig erscheint, zu verändern, bis es funktioniert. Oftmals entgeht einem das ein oder andere, wieder anderes erscheint beim Betrachten der Aufnahme – zufällig – absolut vorteilhaft. Diese Unwägbarkeiten machen ein Shooting mitunter spannend, denn auch, wenn ich noch so gut plane und steuere, so kommt es immer wieder zu außergewöhnlichen Konstellationen.

Einstellungen und Reaktionen verändern sich vielfach innerhalb von Bruchteilen von Sekunden. Manches davon ist wiederholbar, anderes und das weitaus häufiger, bleibt einzigartig. Wurde das Bild gemacht, hat man Glück, sah man gerade nicht rechtzeitig hin, ist es verloren. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Besonderheit eine Licht-Konstellation oder ein Blick des Models war, ein Windstoß durchs Haar oder eine Stimmung in der Mimik des Menschen vor der Kamera.

Wenn aber die Möglichkeit besteht zu steuern, die Gabe der Beobachtung und des Erkennens vorhanden ist, dann sind die kreativen Ideen sehr viel wahrscheinlicher in ein Bild zu transportieren. Voraussetzung ist immer ein Dirigent, der die Ideen verwirklichen kann. Es wäre fabelhaft, er empfände die Sprache und Wirkung eines Bildes, und könnte das formulieren und begleiten. Wenn er das alles dergestalt in Szene setzen könnte, mit alledem, was dazu gehört: Körpergefühl und Mimik des Models, eine Beweglichkeit und Reaktion, Vorstellungskraft und schauspielerisches Talent des Models so begleiten und hervorbringen, damit es passt. Doch dies entfaltet nur dann eine Wirkung, wenn eine Basis gefunden wurde, auf der die Kommunikation und Beschreibung der Kreativität einen Widerhall in allen Beteiligten findet.

Eine Muse zu finden wird nur wenigen Künstlern zu teil. In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es schier noch schwieriger, als früher. Dabei ist es (für mich) ein schöner Gedanke, wie ein Bildhauer all das in einem Menschen zu erkennen, was einzigartig wirkt, dabei all das vom Rohdiamanten oder Felsen jenes wegzuhauen, was nicht dazu gehört und damit die Grazie und den Anmut, das Wesen und die Seele des Models herauszustellen. Wie der Maler in jenem Lichte und Schatten, sowie unter Zuhilfenahme der rechten Farben das Bildnis des Menschen zu vervollkommnen im Stande sein würde.

Hintergedanken [92]

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Was Du sagst und was Du denkst, sind unterschiedliche Dinge! Doch was Du tust und besonders was Du nicht tust, zeigt, wes Geistes Kind Du bist! Du spielst verstecken, aber Du kannst Dich nicht verstecken, denn Du handelst nicht, wo Handlung angesagt. Jeder kann es sehen, und sieht Dich früher oder später so, wie Du bist!

(Mein Model auf dem Bild war übrigens das genaue Gegenteil!💪 😊)

Zusammenspiel (Ein Joint-Venture) [91]

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Unisono. Es war schön. Wir verstanden uns. Fotograf und Model. Dieses Zusammenspiel schlug sich nieder in unseren Bildern, Fotografien, die den Eindruck vermitteln, es wäre überhaupt kein Fotograf anwesend gewesen.

Wie es dazu kam ist recht kurz zu fassen: Wir kennen uns seit 2 Jahren. Haben schon zusammen gekocht nach unseren Shootings und blödeln schon mal durch die Gegend. Vielleicht entsteht solch eine Vertrauensbasis, wenn man weiß, was „dahinter“ steckt. Ganz selten funktioniert es schon bei der ersten Zusammenkunft, beim 2. Male wird es meist besser. Doch auch weniger gut kann es werden, wenn einer schlecht drauf ist. Es pendelt sich ein, meistens. In besagtem Falle funktionieren wir, reibungslos und inspirierend geht uns die Arbeit von der Hand. Die Zeit vergeht rasend schnell, es gibt relativ wenige Pausen, nur der Fotograf nervt dauernd mit Trinkaufforderungen. 😊

Andere Teilnehmer am Shooting, darunter MUA und Stylistin, sowie Helfer lassen sich da gerne anstecken, sie sind aber lange nicht immer dabei. Ich denke hin und wieder an unseren Erstkontakt zurück und schmunzle dabei. Sie ist einer derer Models, die ich auf der Straße angesprochen hatte, ihr gab ich meine Karte und alles andere fügte sich: Rückruf, erstes Treffen, erste Shootings und Familie kennenlernen, alles Standard. Nur die Art der Zusammenarbeit entwickelte sich derart leicht, was lange nicht immer so ist. Manchmal aber passt es, wie hier. Kreativität und Ausdauer, Ideen und deren Vorbereitung gehen Hand in Hand, es macht Spaß und das ist bekanntlich einer der Motoren solcher Shootings. Was will ich damit eigentlich sagen?

Dieses Beispiel dient mir als ein möglicher Maßstab für gelungene Zusammenarbeit. Langjährige Erfahrungen führen schneller zu einer solchen Arbeitsweise, aber nicht jeder hat diese Erfahrung und ich erinnere mich an meine eigenen Anfänge. Dabei ist allerdings eines sehr interessant zu beobachten: Es ist altersunabhängig, wie die Zusammenarbeit von statten geht, wie das erste Treffen verläuft, wie die Kommunikation funktioniert und wie zuverlässig ein Mensch agiert! Ich wünschte mir oftmals, dass dies alles etwas stetiger wäre. Es ist wie im richtigen Leben, auch da sind viele Kontakte von Unverbindlichkeit geprägt, Dinge laufen anders, als besprochen, Ernsthaftigkeit ist Mangelware. Warum sollte es bei den Shootings anders sein? Dass es bei manchen Menschen anders geht, freut mich ungemein. Dafür bin ich gerne bereit, mehr zu tun, in welcher Form auch immer.

Die andere Seite ist mir immer etwas unverständlich. Ich gehe davon aus, dass es sich bei einem Shooting, der Erstellung von schönen Bildern, um eine Sache handelt, die man gerne macht, die nichts mit Zwang oder Pflicht zu tun hat, die freiwillig und unter den besten Voraussetzungen stattfinden wird. Sicher ist es eine Frage von Stellenwert und Zielen für sich selbst, das ist aber bei der Erschaffung von Kunst immer die große Frage. Eine Unsicherheit ist nicht tragisch, besonders zu Beginn, doch die Frage ist, wie damit umzugehen ist.

Kommunikation! Das Hauptmerkmal der zwischenmenschlichen Beziehung. Warum liegt hier so viel im Argen? Oder kommt es mir nur so vor? Menschen schreiben etwas, sagen etwas und vergessen es scheinbar. Überall. Gibt es zu viel Ablenkung, sind wir in einer Phase der starken Wandlung, beeinflusst von einer recht neuartigen Mediennutzung, unfähig es so schnell umzusetzen, wie nötig, aus einer tatsächlichen Überforderung heraus?

Seltenst unterstelle ich Absicht, manche Exemplare nutzen es sicherlich, um zu manipulieren, leiten Dinge ganz gezielt in eine Sackgasse um sich keiner Auseinandersetzung zu stellen! Ist ja auch viel einfacher und wird schon nichts kommen, nicht wahr! Lieber leicht und oberflächlich, bloß nicht zu kompliziert, alles nicht so wichtig, just for fun, alles cool! In einer Gesellschaft des Überflusses eine scheinbar folgerichtige Situation, kommt mir eines zu nahe, habe ich tausend andere Möglichkeiten – und Menschen. (Upps, bin ich doch gerade leicht abgedriftet, das also nur am Rande 😉…)

Zurück zum Thema. Es ist spannend, wenn man sich bei einem Shooting auf den Inhalt konzentrieren kann. Fernab von Konventionen und Ressentiments, von irgendwelchen Beschränkungen, wenn die Idee im Vordergrund stehen kann und die Ausarbeitung gemeinsam angegangen werden kann. Wunderbar. Man spricht miteinander, als kenne man sich schon immer, sieht den anderen als seinen Partner für die Erschaffung von künstlerischen Aufnahmen, begibt sich in eine unbedingte Atmosphäre, in der alles frei abläuft, alles gesagt werden kann und alles besprochen werden kann. Jeder Zweifel kann kommuniziert werden, jedes Bedenken konkretisiert und beseitigt werden, damit einer freien und Umsetzung nichts im Wege steht. Damit erreicht man eine vertrauensvolle Grundlage, auf der erst das entstehen kann, was ich oben beschrieben habe: Kunst in Form und Ausdruck!

Frauen und Männer, eine unterschiedliche Sichtweise in der Fotografie? [90]

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Sieht man Unterschiede im Bild, wenn ein Motiv von einem Mann oder einer Frau in Szene gesetzt wurde? Gibt es unterschiedliche Arten der Arbeit je nach Geschlecht? Sind womöglich erkannte Unterschiede vom jeweiligen Motiv abhängig? Eine kurze Überlegung.

Ich bin ein Mann. Keine Frau. Fotografieren kann ich ein männliches Model oder ein weibliches. Wie viele Menschen fotografiere ich aus vielfältigen Gründen lieber Frauen als Männer. Aber auch Männer fotografiere ich gerne. Damit beschränke ich es ersteinmal auf die Geschlechterverteilung, unabhängig von den Fähigkeiten der Models. Es entstehen bei einem Fotoshooting Bilder, die im besten Falle eine Geschichte erzählen. Die Bilder weisen (hoffentlich) eine Spannung auf, erwecken Gefühle, geben wieder, was empfunden wurde und erreichen den Betrachter dort, wo er es tief in sich resoniert.

Mein Weg, diese Gefühle zu erreichen, im Bild eine ganz besondere und definierte Stimmung zu erzeugen, unterscheidet sich sowieso von dem Stil anderer Fotografen, was auch gut und sinnvoll erscheint, möchte ich doch niemanden kopieren. (Wenn ich auch von den guten Fotografen (z.B.Peter Lindbergh) und Fotografinnen (z.B. Lindsay Adler) stets zu lernen begierig bin. Dies ist aber eine andere Story.) Anhand meiner Bilder erkennt man also meine Art der Fotografie und Bearbeitung, die ich natürlich im Kontext der Fotografie allgemein betrachten kann. Dabei vergleiche ich ganz unbewusst und primär ohne Suche die Stile anderer Bilder auf den unterschiedlichsten Plattformen vorzugsweise im Internet, und es zeigt sich wie beim Betrachten der Bücher und Zeitschriften zu analogen Zeiten: Ich meine einen Unterschied zu erkennen zwischen einem männlichen und einem weiblichen Fotografen.

„Klar!“, mag der ein oder andere einräumen, „Unsinn!“ ein Nächster. „Ich lege Dir eine Fotografie, ein Bild vor, und Du kannst mir sagen, ob der Fotograf weiblich oder männlich ist?“ So war die Antwort einer befreundeten Fotografin. Ich konnte es am Rechner nicht zuverlässig erkennen, als wir es durchspielten. Vielleicht ist es mehr intuitiv und es gibt Menschen, die es bestimmt sicherer können. Bei mir ist es ein mehr vages Gefühl. Wodurch aber entsteht dieser Eindruck?

Eine Frau, so sagten mir einige Models, kann bei einer Frau hinter der Kamera mehr sie selbst sein, weil es keine (wenige) sexuell definierten Belange in der Zusammenarbeit gäbe. Das wäre bei einem männlichen Fotografen anders, denn es wäre immer eine Beziehung Mann/Frau, die zwar überhaupt nicht von Handlungen derart geprägt, aber unterschwellig latent vorhanden sei. Damit sei jedoch keine Wertung verbunden, es sei nicht mal schlecht, so die Models, ist doch ein Spiel mit der Koketterie für viele Aufnahmen eine unterstützende Komponente.

Viele Unterschiede bei Arbeiten mit Männern und Frauen als Model könnte ich aus meiner Erfahrung heraus aufzählen, auch Unterschiede bei der Arbeit mit heterosexuellen oder homosexuellen Models, doch es sind stets Einzelfälle und Momentaufnahmen, individuelle Verbindungen, die in einer einzigartigen Atmosphäre stattfand, weil wir alle in diesem Moment so waren, wie wir waren und bei einem nächsten Treffen schon wieder anders uns verhielten. Parallelen bei den Zusammenkünften zu sehen fällt mir nicht schwer, obwohl ich kein Freund von Verallgemeinerungen bin, manche aber drängen sich geradezu auf.

Eine wesentliche Verbindung ist für mich die Liebe zu dem, was ich mache. Das schließt bestenfalls das Model mit ein, denn vielleicht muss ein Fotograf sein Model in einer bestimmten Art und Weise „lieben“, damit er die Empfindungen und Verhaltensweisen des Menschen vor der Kamera erspüren kann und in der Lage ist, dies in eine Aufnahme zu übertragen, damit aus der Aufnahme ein Bild werden wird. Ohne dies funktioniert zwar die technische Seite der Aufnahme, die Ausstrahlung aber bleibt auf der Strecke.

Vor kurzem las ich in einem Online-Beitrag einen Kommentar. Sinngemäß hieß es über jene Fotografen, die nur dann ein Model gut ablichten können, wenn es bei einer Größe von 175 cm eine Kleidergröße von 34 besitzt und möglichst unter 17 Jahre alt sein darf. Im Übrigen würden diese Fotografen nichts zu Stande bringen, so der Autor. Aus vielerlei Sicht finde ich diesen Kommentar zu kurz bedacht, ich möchte aber nur einen Aspekt hier aufgreifen, da er zielführend ist: Ein Fotograf, egal ob Profi oder nicht Profi, ob Anfänger oder erfahrener Amateur oder langjähriger Berufsfotograf, wird kein „gutes“ Bild bewerkstelligen, wenn eine bestimmte Beziehung zum Model nicht gelingt, der fotografierende Mensch keinen Zugang zum Wesen des Portraitierten finden kann, aus welchen Gründen auch immer. In dem Falle wird eine Aufnahme in den allerseltensten Fällen zu einem Bild. Davon quillt das Internet über, ganz extrem bei Instagram zu beobachten, und bei zu starkem Genuss dieser Plattform verdirbt man sich seinen Blick (Notiz an mich selbst: weniger dort schmökern!!😉) Augenscheinig scheint es besonders bei jenen Models zu sein, die zweifelsohne eine Reputation besitzen, die jedoch Aufnahmen in ihrem Profil zeigen, die sie mehr entstellen, als ihnen zum Geleit zu werden. Dabei meine ich nicht die mehr lustigen oder familiären Bildchen, die gerne gezeigt werden, sondern die scheinbar kunstvoll-modischen Aufnahmen, die ihre Proportionen oder Gesichtszüge erheblich verstellen. Ich denke, jeder Interessierte kann das leicht nachvollziehen.

Zurück zu Thema. Für mich hat die Herangehensweise der Fotografinnen an eine Fotografie eine größere „Leichtigkeit“, wenn ich dieses Wort dazu hernehmen kann; Das Spiel mit den Gefühlen im Bild wirkt auf mich harmonischer, die Bilder wirken auf mich tiefer. Dabei kann es durchaus laut und schrill sein (z.B. Ellen von Unwerth) aber auch leise und vertraut (Annie Leibovitz). Vielleicht ist es das Prinzip des Jägers und Sammlers im Manne, der damit eine faktische Art in sich trägt, und es mutet eine mehr vereinende und dennoch losgelöste Idee bei der Arbeit der Frauen zu finden an. Meine Worte finde ich hier nicht so recht, der aufmerksame Leser wird es vielleicht selbst besser nachempfinden können bei der vergleichenden Betrachtung, wenn ihm danach ist.

Gründe in der Art der Kommunikation zu finden ist da wesentlich leichter, reden doch Frau und Mann anders miteinander, als Frau und Frau oder Mann und Mann – immer vorausgesetzt, es geht um konstruktive Zusammenarbeit. Jeder weiß um die Unterschiede, und es soll und kann hier keine Wertung einfließen, denn dazu ist nur die Bewertung einer einzelnen Fotografie geeignet, und diese ist erst einmal neutral. Die Sichtweise scheint zwischen Frau und Mann zu differieren, es ist nicht unbedingt so, dass das durch beispielsweise die Lichtsetzung oder einen bestimmten Blickwinkel oder auch die unterschiedlichen Regieanweisungen beim Posing allein erreicht wird, es ist die daraus und aus noch Anderem resultierende Gesamtkomposition, die wiederum einzelne Elemente hervorbringen, welche mehr feminin anmuten. Was nicht heißen soll, ein Mann könne das nicht oder auch umgekeht, eine Frau könne nicht, was ein Mann kann. Eine spannende Geschlechterfrage aus dem Bereich der künstlerischen Fotografie, meine ich. Siehst Du, was ich meine?

Zeitlos [89]

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Dein Antlitz wurde oftmals als zeitlos beschrieben. Ein Portrait von zeitloser Ausstrahlung. Dein Blick besticht ohne Einschränkung, frei, unbeugsam und entrückt. Das Bildnis mutet an, als handele es sich nicht um eine Fotografie des 21. Jahrhunderts, viel mehr um ein Gemälde aus den Zeiten weit zuvor. Nichts lässt erahnen, welche Mode gerade die angesagte oder was der letzte Schrei war und was gestern, aber nur noch gestern „in“ war.

Dein Blick fesselt mich und lässt doch los, er sagt alles, was mir, dem Betrachter, einfällt, jede betrachtende Seele scheint den Anspruch zu erfüllen. Eine Verbindung entsteht augenblicklich, fesselt mich, den Besucher. Er erweckt dieses unbeschreibliche Gefühl von Verstehen, deine bedingungslose Sprache im Bild befreit mich von jeglichen Konventionen, wie jeder Erwartung. Derart frei, dass nichts zwischen Abbildung und Verinnerlichung steht, deine Präsenz verbindet Medium und Umgebung, Betrachter und Zeit, um sich in letzterer zu verlieren.

Immer wiederkehren, in Gedanken und Gefühl, es scheint sich in einem zu manifestieren, zeitlos kommt das Bild auf mich zu, und ich erkenne wieder, was ich noch nie zuvor gesehen. Deine Fülle scheint allumfassend, so dass ich alles erkennen kann, so weit, dass ein Universum an Ideen einen Platz zum Verweilen finden. Aufgehoben mit jedem Zweifel, bestätigt in jenem Gedanken, der auf der Suche nach sich selbst fast verloren ging. Gefühle und Gedanken vereint, die Distanz überwunden, die, wenn alles stimmt, sich als inexistent erweisen wird.

Ein Bildnis ist ein Bildnis, das dem Lauf der Zeit entnommen scheint, das in sich ruht als die Erinnerung jenes Augenblickes, der beschreibt, wie es war, oder mehr noch, wie ich meine, dass es gewesen war oder wie es hätte gewesen sein können. Diese Freiheit der Interpretation entfacht die Phantasie der Seele in uns und lässt uns wachsen zu dem, was in uns verborgen liegt. Ein Schlüssel, der passt, der uns erschließt, was ungeöffnet hinter einer Wand aus Alltäglichkeiten wartet. Ein Bild ist ein Bild immer auch von uns selbst.

Menschsein [87]

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Menschsein. Ein einfaches wie schweres Wort.

„Willst Du mich seh’n, so schließ‘ die Augen.“ sang die Gruppe „Schandmaul“ in einem ihrer Lieder. Inspiriert durch diesen Satz, der mir sehr gefällt, komme ich auf die Frage, was das „Menschsein“ für mich ausmacht.

Einige Blogs hier gehen dieser Frage nach, und die Menschen hinter diesen Blogs stellen dabei in Frage, welches System sich bisher in ihrer Gesellschaft etabliert hat. Insbesondere gehen sie der Frage nach, wie dieses System mit der Bedeutung von „Menschsein“ umgeht. Viele junge Menschen, mutmaßlich um und über zwanzig, entdecken (gerade) die Frage nach dem Sinn ihres Daseins und ihren Platz in der Gesellschaft. Sie sind dabei diesen Platz in der Gesellschaft zu bestimmen, beginnen dabei ganz folgerichtig sich selbst zu finden, denn nur so kann man sich verorten.

Jedoch nicht nur junge Menschen sind es, auch ältere Menschen, die den Mittelpunkt ihres Lebens schon erreicht und überschritten haben, gehen diesem Gedanken nach. Tendenziell kommt das einer Art Fazit gleich. Dabei erscheint eine durchaus gleiche Fragestellung, wie sie bei jüngeren Menschen entwickelt wird, – nur die Perspektive ist eine andere – nämlich, was war der Sinn bisher und welcher soll noch folgen.

Als Mensch der zweiten Kategorie angehörig, als Mensch, der im Prinzip alles Materielle schon erreicht hat, der die Bedeutung – oder besser- relative Unbedeutsamkeit materieller Güter begriffen hat, resümiere ich ganz anders, als vor vielen Jahren noch. Dazu weiter unten mehr. Aktuell lese ich hin und wieder sehr neugierig und doch etwas amüsiert die Worte der jungen Menschen hier, und es fallen mir viele Dinge sehr intensiv auf.

Zunächst freue ich mich unheimlich, dass es immer wieder Exemplare gibt, die weiter denken, als bis zum Tellerrand oder bis zur Dorfgrenze (ganz einerlei, ob ein Dorf in der schwäbischen Alb oder das Dorf an der Düssel), die infragestellen, sich selbst, aber auch die Gesellschaft hinterfragen, in der wir leben, die Dinge beleuchten, die scheinbar unumstritten und geradezu unumstößlich daher kommen, sowie jene Sitten, Bräuche und Regeln, die sich im Wandel befinden. Ich finde in ihren Texten die gleichen Gedankengänge wieder, die mir vor 30 Jahren in den Sinn kamen. Dabei möchte ich ihnen zurufen, dass es richtig ist, Fragen zu stellen, und Antworten kommen mir in den Sinn, die ich herausbrüllen könnte, doch genauso, wie ich es damals nicht hören wollte oder konnte, wäre es heute ebenso vergeblich, dessen bin ich mir bewusst. Denn das Leben ist es, dass es einen lehrt, es nutzen keine Worte, die man hört, es sind die Gefühle, die man fühlen muss.

Wie alt muss man werden, damit der Satz „Was interessiert mich das Geschwätz der Anderen?“ verinnerlicht ist? Es ist beileibe keine Zahl, soviel ist sicher, denn mir begegneten Menschen, die waren (und sind) jung und konnten schon sehr klar unterscheiden zwischen Geschwätz und wertvollen Worten der Kritik und es gibt Menschen scheinbar reich an Jahren, die dieser Sicht entbehren!

Ein Vorteil der Erfahrungen, die man erfährt, wenn man selbstkritisch und reflektiert lebt, ist die Sicht auf die eigene Entwicklung. Erkenntnisse kommen nicht mehr nur noch geistig-theoretisch daher sondern sind erfahrungsgetränkt. Während ich in jungen Jahren beseelt von Ideen und Idealen war, arm an tatsächlichen Erfahrungen aufgrund der noch kurzen Lebenszeit, habe ich nun die Möglichkeit zu vergleichen, denn es existieren viele Texte aus meiner Jugend, Briefe, Essays, Tagebücher, die mich neben einem Schmunzeln und definitiv unglaublich simplen Peinlichkeiten doch recht klar und deutlich hinterfragen lassen, was aus diesen Idealen geworden ist. Dabei entdecke ich Parallelen in heutigen Gedanken und Gefühlen, Bestätigungen, Widersprüche und total Absurdes. Als junger Mensch, so kommt es mir heute vor, dachte ich: „Ah, eine Welle, joh, jetzt kenne ich den Ozean!“ 😂

Doch ja, was soll es?! So soll es sein, und ich meine, wie sonst soll man sich in seinen Einbaum setzen und lospaddeln! Das ist der Weg, bildlich gesprochen. Früher wie auch heute, wie es nun die jungen Menschen in ihren Texten beschreiben, steht man vor einem Berg. Man sieht ein wahres Massiv, das es zu besteigen, zu überwinden gilt, das scheinbar gefährliche Steilhänge aufweist, die unüberwindbar erscheinen, die man am liebsten umgehen würde. Es birgt enge Schluchten in sich, die so tief, wie die menschliche Seele sind, wo weit und breit keine Brücke in Sicht ist, Schluchten, die man entweder hinab und wieder hinauf steigen oder erst eine Brücke über sie schlagen muss. (Wobei zu erörtern wäre, ob ein Abstieg samt Aufstieg für die Erkenntnis nicht wertvoller sei.) Reißende Flüsse gilt es zu durchqueren, an manchen Stellen stärker, an anderen weniger stark sieht die Strömung aus, die Tiefe ist uns gänzlich unbekannt. Doch wie kommen wir hindurch oder herüber, oder gar die Frage ist zu beantworten: Müssen wir überhaupt dort hinüber?

Und heute? Ist der Berg, das Massiv mit seinen Schluchten und Wildwassern zu einer Bodenwelle geworden, die wir mit einem Schritt überschreiten können? Definitiv! Bedeutet das „Leben“? Ja! Ahnt man nun, dass die aktuellen Bergmassive und großen, reißenden Ströme morgen schon ein Hubbel und ein Rinsal sein können? Es hat den Anschein. Als Mensch in höherem Alter später wird es vielleicht zur Gewissheit.

Der eigentliche Fokus aber hier in diesem Texte liegt auf dem Wort „Menschsein“. Dazu möchte ich jetzt die Verknüpfung erstellen. Es geht mir um die Erkenntnis, dass das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist. Dies wusste schon der kleine Prinz (Antoine de Saint-Exupéry) und Erich Fromm beschrieb es in seinem Werk sehr einfach und verständlich (Vom Haben zum Sein, Die Kunst des Liebens, u.a.), als Story existierte es gefühlt schon immer, in Romeo und Julia (Shakespeare), Tristan und Isolde (u.a. Gottfried von Straßburg) oder vom Werther (Goethe) bis hin zur West Side Story. Gehen wir noch einen Schritt weiter zurück, so finden wir einen der meistzitierten Verse der Bibel: 1. Korinther 13: Das Hohelied der Liebe!

„1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze.
4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.
8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.
11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.
13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Das Leben hat mehr mit Menschsein zu tun, als wir oftmals ahnen. Oder wissentlich unterlassen. Oder uns berauschen lassen. Ich sollte mal aufhören hier am Rechner zu sitzen und zu schreiben……