Sehnsucht [83]

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Wenn Forscher nach vielen Erhebungen und Studien übereinstimmend zu dem Ergebnis kommen, dass wir Menschen uns seit Jahrtausenden nach Schönheit, nach Anmut und Vollkommenheit sehnen, so möchte ich in mich gehen und fragen, welche Formen und Ausdrucksweisen ich dafür in mir und anderen Menschen erkennen kann.

Wir sehnen uns nach dem Gefühl, das die Entzückung beim Anblick wahrer Schönheit in sich trägt. Wir Menschen sehnen uns nach jenen Momenten, in denen wir uns überwältigt hingeben konnten in den Anblick einer atemberaubenden Anmutung. Wir sehnen uns nach diesem Bade in der Schönheit, das mit einer wohligen Wärme uns umschlungen und in dem wir loslassen konnten von der durchschnittlichen Belanglosigkeit des schnöden Alltags.

Sehnsucht nach mehr als dem Status Quo, nach mehr als der Gegenwart, geimpft durch die Erlebnisse eines Damals, das uns noch überraschen konnte, findet sich tief in uns. Begeisterung erweckte uns auf, machte uns wohlwollend sprachlos, weil es nicht notwendig war, darauf zu reagieren. Ganz im Gegenteil, die dargebotene Schönheit sprach für sich selbst, und jedes Wort hätte ihr Abbruch getan. Sie konnte nicht mit einem Wort beschrieben sein, weil wir den Atem anhielten, ja er uns gar stockte ob dem Anblick, dem Gehör, ja dem Gefühl dieses bezaubernden Moments. Hingabe war die einzig wahrhaftige Handlung, die eigentlich keine Handlung war, weil es ihrer keine bedurfte, weil eine Handlung wie ein Fremdkörper in einer Vollkommenheit nur ein Zuviel gewesen wäre.

Danach sehnen wir uns, diesem Gefühl in uns, dessen Auslöser in so vielen Dingen zu entdecken ist, ob Natur oder Kunst. Ob einer Einfachheit oder einem komplexen Konstrukt entsprungen spielt keine Rolle, denn es kommt auf das Gefühl in uns an, das wir augenblicklich erkennen werden, weil es all das in sich trägt, was wir an Begeisterung erfuhren, vielleicht als eine Summe aller Augenblicke, in denen wir mit dieser Anmutung nur in Hingabe zusammenflossen.

Ein Gefühl nicht leicht in Worte zu fassen, ein Versuch hier würde nur aufzeigen, dass es nicht möglich ist, ihn zu fangen, und Ausrufe, wie „Wie bezaubernd, wie schön, wie wunderbar deuten an, sind nur ein Abklatsch, vermitteln zwischen Kopf und Herz, bleiben außen vor und versuchen zu teilen, die Erinnerungen an diese Augenblicke zaubern manchmal, ganz selten dieses Gefühl in uns hervor, es haucht uns an, legt dir den Schauer über den Rücken und deine Arme, und flüstert vielleicht so etwas wie: „Alles passt.“

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