So oder So! [66]

Ich hadere von Zeit zu Zeit mit meiner Wahrnehmung. Ist jenes, was ich sehe, das, was es ist oder das, was ich darin erkenne. Was ist der Unterschied?

Von außen betrachtet stelle ich infrage, welche Bedeutung meine Meinung, meine Bewertung der Wahrnehmung hat. Was meine ich? Ich betrachte eine Sache. Ein Ding, ein Geschehen, eine Handlung. Während und auch nachdem ich dies tat, bildete ich mir eine Meinung, meine Bewertung floss ein, und es entstand ein vorläufiges Urteil in Bezug auf die Sache sowie ihrer Auswirkung auf mich.

Diese Betrachtung und ihre Wirkung wird maßgeblich durch meine persönliche „Geschichte“ gefärbt. Alle meine Erfahrungen begleiten mich ein Leben lang und bilden eine Grundlage, ein Filter für alle täglichen Begegnungen mit der Welt. Da steht nun das Urteil, die Meinung, die Ansicht, die Bewertung. Meine wiederkehrende Frage dabei ist, welche Bedeutung ich dieser Bewertung zumessen kann.

Diese für mich als absolut geltende Wertigkeit gilt es im Kontext zur Gemeinschaft zu sehen, in der ich mich befinde, deren Mitglied ich bin, deren Bestandteil ich bin und die ich damit bilde. Außerdem gilt es eine Verbindung zu sehen mit den Ideen und Idealen, sowohl aus der Zeit ihrer Entstehung, wie auch ihrer Gültigkeit, während ich diese Zeilen schreibe. Die Wertigkeit im übergeordneten Ganzen kann nur eine unterschiedliche zu der meinen sein, besteht sie doch aus der Summe aller Mitglieder der Gemeinschaft mit wiederum ihren Ideen, ihren Erfahrungen und ihren Überzeugungen. Inwieweit sie differiert oder an einem potenziellen Mittelwert anliegt bedürfte einer näheren umfassenden Untersuchung.

„Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet“ ist ein demokratiekritisches Statement, dass mich mein Leben lang begleitet. In meiner Jugend wurde es parallel viel plakativer ausgedrückt: „Eine Milliarde Fliegen können nicht irren, fresst Schei… !“ Viele philosophische Abhandlungen habe ich verschlungen, von Platons Politeia über Kants Kritiken bis hin zu Micheal Brandoms Expressiver Vernunft. Werke von Khalil Gibran, Antoine de Saint Exuperie, Yogananda und die Bibel wissen viele Perspektiven aufzuzeigen und Buddhas Weg kreuzt jene Wege der anderen Propheten wie Jesus oder Mohammed an unsagbar vielen Stellen.

Was hat das alles mit meiner Sichtweise zu tun? Eine Reise, ob körperlich durch alle Kontinente, die die Sichtweise seines Ichs gehörig auf einen Nenner bringen wird, der ganz weit unten angesiedelt sein wird, oder eine geistige und emotionale Reise wird den Horizont derart weit verändern, wie es jener in seiner Komfortzone so gut wie niemals schaffte. Nicht jeder ist Kant. Bei der Reise aus sich heraus oder zu sich selbst zurück habe ich es stets als hilfreich empfunden, neben Lehrern aus dem realen Leben auch geschriebenes Wort zurate zu ziehen. Weisen doch Gedankenschlösser aus Eigenregie häufig den ein oder anderen Fehler auf, oftmals sogar im Fundament, das während unserer Menschwerdung seit unserer Geburt gelegt wurde.