Vor der Kamera [49]

Ein Blick zur Kamera, zum Fotografen, ich bringe mich in Pose, möglichst vorteilhaft, möglichst positiv, so, wie es sein soll, wie ich es rüber bringen will, das Thema der Bildaussage, vor allem aber mich! Ich generiere das Gefühl in mir, damit mein Gesichtsausdruck, meine Mimik die Aussage unterstützt. Meine Blicke treffen eine Aussage, die zum ganzen passen wird. Alles an mir ist zurecht gemacht, angepasst, inszeniert für das Foto, aus dem ein definiertes Bild werden wird.

Meinen Ausdruck versuche ich unter Kontrolle zu halten und agiere innerlich und äußerlich dementsprechend. Zumindest so, wie ich meine, dass es sein soll. Immer wieder klickt die Kamera. Kleine Nuancen verändere ich in Haltung, Mimik, Gedanken und Gefühlen. Alles wirkt zusammen, jede noch so kleine Regung erbringt eine neue Dimension auf Bildebene. Hin und wieder klickt die Kamera nicht, ich versuche dennoch meine Pose aufrecht zu erhalten, doch jeder Gesichtsausdruck ist einzigartig, niemals ist er so ganz gleich.

Manchmal kommt ein Wort vom Fotografen. Ich reagiere, verändere die Haltung eines Körperteils entsprechend. Konzentration in jeder Sekunde, Anspannung wechselt mit Entspannung, es macht immer wieder klick. Ich habe eine oder mehrere Geschichten im Kopf, die mir ein Wegweiser sind, die mir das Gefühl vermitteln, das im Bild erschaffen wird. Ich vergesse die Zeit, tauche ein in die Story, fühle sie, lebe sie, bin in ihr, ja, bin sie in diesem Moment.

Immer wieder drängt sich mir die Frage auf, was von diesem Gefühl auf dem Bild wieder zu finden ist. Das sind die Augenblicke, in denen ich losgelöst vom Drehbuch und mir selbst eine Abwesenheit erspüre, die, so blitzartig sie auftaucht, so schnell sie wieder verschwunden ist. So kurz der Augenblick auch ist, der Blick auf mich selbst vor der Kamera reicht aus, umso tiefer wieder in die Geschichte des Bildes einzutauchen, mit noch mehr Einfühlungsvermögen, mit noch mehr Schauspiel, um zu werden, was das Bild erzählt, über mich, über den Fotografen, die Botschaft des Bildes und Dich, der Du das Bild betrachtest.

6 Gedanken zu “Vor der Kamera [49]

      • Abgesehen davon sieht es ja auch im Normalfall so aus, dass viele die gern mit Menschen arbeiten möchten sich gar nicht darüber berwusst sind, das Kommunikation mit dem Modell einfach eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Bedingung sind, um zu den Ergebnissen zu kommen die sich beide wünschen. Jetzt mal von den Profimodellen ab. Die machen ein ganz andere Ding. Wobei auch dort durch Kommunikation etwas völlig Neues enstehen kann – sollten sie mal nicht ihr gewöhnliches Repertoire abspulen. Ist eben leicht verdientes Geld…
        Und dann ist da ja auch noch die „Chemie“ die „stimmen“ muss. Oder besser, sollte? Hm… Was gehen da für Gedanken durch den Kopf des Menschen vor der Kamera? Oder dem dahinter?
        Das erinnert mich an einen Workshop den ich mal besuchte. Engagiert war ein Profimodell, welches ich überhaupt nicht kannte, auch keine Bilder zuvor gesehen hatte. Was im ersten Moment für mich auch kein Problem darstellt. Dieser Workshop wurde ausgeführt mit 6 Teilnehmern, einem Leiter und dem Modell. Die Teilnahmegebühr wurde wie üblich vorher geleistet. Akt-und Erotik mit zwei knackigen Fahrzeugen (Mercedes SLK 600 AMG und eine Mercedes Oldtimer als Cabrio). Soweit nicht schlecht… Dazu wurde eine Halle angemietet und darin wurden dann mit Blitzanlage das Ganze belichtet. Immer noch alles im Rahmen. Doch was dann folgte ging mir komplett gegen die Hutschnur. Und das Erste war: Das Modell passte mir überhaupt nicht. Und zum anderen passte es nicht zum Thema. Ich fand sie weder erotisch noch irgendwie anders anziehend… Ich wehrte mich fast schon überhaupt Bilder zu schießen. Es war nicht die Leidenschaft dabei, die ich sonst an den Tag lege. Ich hatte mir im Vorfeld einges ausgedacht – wurde aber aufgrund der Tatsache, dass in meinen Augen dieses Modell überhaupt nicht zur Thematik passte völlig ausgebremst. So fand weder eine Kommunikation noch irgend eine Gegegenreaktion von ihrer Seite aus statt als wir zusammen in der Location waren. Zwei Eisblöcke die niemals tauen würden. Seit dieser Erfahrung bin ich noch „pingeliger“ geworden, was die Auswahl meiner Modelle angeht. Es MUSS passen, 100%, sonst schieße ich gar nicht mehr. Erst recht nicht, wenn Geld mit im Spiel ist… So extrem sauer bin ich noch nie wieder nach Hause gefahren…

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        • Danke für Deinen ausführlichen Kommentar 😊

          Kommunikation ja klar, A B E R in beiden Richtungen, es ist aus meiner Erfahrung heraus lange nicht der Fall. Leider. Gilt natürlich für alle.
          Es kommt tatsächlich auf das an, was die Beteiligten möchten. Geld? Möglichst viel mit möglichst geringem Einsatz? Oder Ergebnisse? Schließt sich beides aus? Hm… Nicht unbedingt. Mehr aber nicht. (Als „nicht unbedingt“.) Erlebt habe ich schon vieles, ich hab mal gezählt, letztens, komme auf ca. 350 Zusammenarbeiten, zeitlebens…. erst… und es kommt viel mehr zustande, wenn gute Bilder das Ziel sind. Aber das dürfte jedem einleuchten… Du wirst auch schon vieles erlebt haben, setzt ja selbst voraus, dass die Chemie stimmen sollte. Gebe ich Dir recht. Doch wo Kreativität auf Ökonomie trifft kann es zu Differenzen führen, da es zwei unterschiedliche Sprachen sind. Vom Wesen der Menschen ganz zu schweigen, aber daher ergänzen sich manche Wesen, auch bei „NUR“ Shootings nicht ausreichend. Oft kann es es am Stil der Bilder des Menschen sehen.
          Deine beispielhafte Erfahrung eines Workshops ist ein wesentliches Kriterium für diese Art Zusammenkünfte. Sehr unterschiedliche Vorstellungen der Teilnehmer treffen aufeinander, und wenn sich da unterschiedliche Fraktionen bilden, wird es oftmals unzufriedenstellend. Du merkst, ich versuche mich zurückhaltend auszudrücken. Daher halte ich solche Zusammenarbeiten dann für sinnvoll, wenn man Ungewöhnliches, Neues oder für einen selbst nur sehr schwer selbst zu Realisierendes erfahren kann. Manchmal lockt natürlich was anderes oder wer anderes, bei mir ist es manchmal nicht anders, doch es rächt sicht eigentlich immer…. 😊 🙈
          Ich finde, mangelnde Kommunikation kommt häufig im Vorfeld schon vor und sollte eine Warnung sein, doch ich bin ein Mensch, der lieber immer wieder vom Positiven ausgeht. Ein Shooting aus 2015 war recht schlecht geplant, die Kommunikation mittelprächtig, aber es stand alles, so fuhr ich von Koblenz Richtung Essen, musste in Düsseldorf noch was erledigen, hatte dort kein Netz (Netz und Deutschland 😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂😂) mein Model schrieb sich genau dann die Finger wund, schickte Outfits, Makeup – Vorschläge und Ideen, was vorher total fehlte. Was machte ich? Nix, ohne Netz. Als ich dann losfuhr, kamen die ganzen Nachrichten an, ich fuhr natürlich, konnte nicht antworten und ich holte sie zuhause ab, wir starteten etwas komisch aber dann kam die von Dir erwähnte Chemie. Wir haben uns sofort verstanden, sie hatte sich mal so zurecht gemacht, wie sie sich das Shooting dachte und alles war stimmig, Outfit, Makeup, Haare und haben viel länger zusammen tolle Bilder erschaffen. Genau so wie im meinem Blogbeitrag beschrieben fand der Austausch statt. Mit viel Lachen, Pausen und Locationwechsel. 💪 Tolles Model. Sie wollte auch hochwertige Bilder, nix 0815… und tat ganz viel dafür. Macht total Spaß. Kennst Du bestimmt auch. So, langer Bericht, einen schönen Abend und Ostermontag morgen… bg Olaf

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        • Ich machs kürzer… 🙂 THX für Deine Antwort… SO wünsche ich mir das! Und hast gemerkt? Es ging dabei gar nicht um Fotografie im Allgemeinen sondern um etwas viel elementareres. SO macht das auch Spaß das Thema Fotografie an sich näher und durchaus interessanter zu beleuchten. Noch mal was zu Deinem letzten Abschnitt. Das mit dem „Besten Netz“ kenne ich auch. Nicht unbedingt durch Funklöcher, eher anders. Ich bin nicht derjenige der sich lange die Finger wundtackert. Ein, zwei, drei Telefonate und dann sollte das auch stehen. Mein Satz ist eigentlich immer der: Warum soll ich drei Minuten telefonieren, wenn ich mit Whats App das auch in 8 Std. erledigen kann (!! Ironiemodus aus)
          Und ja, ich gehe davon nicht ab: CHEMIE ist ALLES!… Und auch Dir jetzt noch einen Rest Sonntag und den ganzen schönen freien Montag. Mach was draus… 🙂

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