Wandlung  [48]

Besteht eines Bildes Aussage aus verschiedenen Ebenen, so besitzt jede einzelne dieser Ebenen eine eigene und alle gemeinsam eine sich bedingende Gewichtung.

Ebene 1: Das Bild

Ebene 2: Das Motiv

Ebene 3: Der Urheber

Ebene 4: Der Betrachter

Ebene 5: Die Darstellungsform

Ebene 6: Der Präsentationsraum

Spannend ist das Resultat unter Berücksichtigung der möglichen Wechselwirkungen. Wenn Kommunikation aus Botschaften besteht, die in Form von Worten, Gesten, Mimik, Taten oder Emoticons übermittelt werden und zwischen Sender und Empfänger unendlich viele Variationen jeder einzelnen dieser Formen bestehen können, so sind Botschaften folglich unendlich komplex.

Gleichwohl bei der Fotografie bietet ein Bild unendliche Möglichkeiten der Beschreibung, eine spannende Idee.

Die Urheber eines Portraits sind:

#Model

#Hairstylist

#Makeupartist

#Fashionstylist

#Fotograf

#Bildbearbeiter

um nur einige aufzuzählen, unbeachtet der Möglichkeit, ob Aufgaben durch ein und dieselbe Person ausgeübt werden. Was bleibt, ist nachher das Bild, welches über eine ganz bestimmte (oder mehrere) Darstellungsart präsentiert wird. Manche eigenen sich besser, andere schlechter. Manche Darstellungsformen bedingen einer gewissen Größe, anderen reicht ein winziges quadratisches Handyformat. Einige bleiben Zeit ihrer Existenz digital, wenige materialisieren sich. Manche Bilder zeigen sich zeitlebens nur einem Augenpaar, einige könnten millionenfach angesehen werden, wenige werden es tatsächlich.

Das Bild selbst bleibt ein künstliches Format. Es zeigt ein aus dem Zusammenhang herausgerissenes Motiv, das jedem Betrachter verschweigt, was gerade links und rechts, vor oder hinter, über oder unter der eingefangenen Szene stattfindet, geschweige denn zu vermitteln, was sich zeitlich vorher oder nachher ereignete. Ein Ausschnitt ist ein Bild, geradezu wortwörtlich. Dem Betrachtenden obliegt die Freiheit in das Bild all das hinein zu interpretieren, was ihm einfällt, was in ihm erwächst.

Dieser Ausschnitt wird in nächster Zukunft während eines neuen Zeitpunkts, der ebenfalls ein Ausschnitt im Leben desjenigen Betrachters ist, der es gerade ansieht, begutachtet. Mal länger und ausgiebig, mal weniger lang und weniger intensiv. Vielleicht während der Fahrt mit der U-Bahn zur Arbeitsstätte, oder am Abend auf der Couch nimmt sich der Betrachter Zeit, um Bilder zu entdecken, zu welchem Zweck auch immer.

Wo und wann kann man noch Bilder entdecken? Kann es beim Frühstück sein oder beim Mittagessen? In der Zeitschrift im Wartezimmer des Arztes oder in der abonnierten Hobby-Zeitung? In einer Ausstellung oder während einer Ausstellung auf einer Messe? Tagsüber während der Arbeitszeit am Firmenrechner oder nach Feierabend am heimischen PC oder Notebook? Momentan wohl am Handy, nicht wahr?

Wo immer auch und wie immer auch ein Bild betrachtet wird, wie lange, ausgiebig und intensiv es angesehen wird, was geschieht mit der Zeit über die Wochen, Monate, Jahre oder Jahrzehnte damit? Hat es als Ausdruck eine Chance, an (D)einer Wand zu hängen? Wie viele Bilder hängen bei dir an einer Wand, wo immer auch? Wie lange hängt ein Bild, wenn es denn hängt, an einer deiner Wände? Hast Du Deine besten Bilder schon in einem Fotobuch oder Bildband gesichert? Oder hast Du sie dort nicht nur gesichert, sondern präsentierst sie darin hin und wieder? Letztendlich eine Frage dessen, was Fotografien für dich bedeuten, oder?

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