Von der Handlung im Foto, Teil 3 [42]

Fotoshooting Shooting Fotograf Koblenz tfp

Ein fotografisches Portrait wird aufgenommen. Thema, Location, Outfit und Style, Makeup sowie Lichtset stehen. Mensch hinter der Kamera und Mensch vor der Kamera begegnen sich. Sie sehen sich an. Was nun?

Eine Bildidee wurde in Szene gesetzt, jetzt kommt es auf deren Umsetzung an. In den vorherigen Beiträgen unterschied ich das Portrait mit einer erkennbaren Handlung und ohne dieselbe. Ich gehe nun davon aus, dass eine Handlung des Portraitierten nicht direkt erkennbar ist. So entsteht die Frage, was dieses Bild dem Betrachtenden vermitteln könnte. Der Betrachter blickt auf den Portraitierten und sucht zu erkennen, was dieser aussagt. Ein Blick trifft den anderen. Was sagt der Blick aus? Was bedeutet der Blick? Warum das Bild? Welche Pose sehe ich? Warum und wo befindet sich der Portraitierte? Wie geht es ihm, wie fühlt er sich?

Alles Fragen, die sich in den ersten Millisekunden der Begegnung mit dem Portrait stellen. Springt ein Funke des Interesses über oder nicht? Verlässt der Betrachtende die Szene gleich wieder oder tritt er in Kontakt? Fängt ihn das Bild, lässt es ihn für einen kürzer oder länger dauernden Moment ein? Welche Gefühle werden erzeugt? Kommt ein Drama herüber und löst Bestürzung aus, taucht Sensationsgier auf, oder berät uns unser Ekel, unsere Abscheu das Grauen doch zu erfassen? Lässt unser Beschützerinstinkt eine tiefe Verbundenheit entstehen? Verlockt uns unser Streben nach der Vervollkommnung, dabei eine Schönheit nur so aufsaugend, bis wir volltrunken vom Rausch des Anmuts uns abwenden, weil zu viel Schönes uns markerschütternd auf unsere Unzulänglichkeiten weist? Was macht dieses Bild aus?

Fotograf und Model haben eine Vorstellung in sich und möchten diese in ein Bild aufnehmen, so dass sie erkennbar wiedergegeben wird. Das Bild wird aufgenommen, danach betrachtet. Welche Gefühle entstehen bei beiden oder bei den Beteiligten? Wie wirkt die Komposition aller Zutaten, was ist stimmig, wovon ist zuviel hinzugefügt, wovon fehlt etwas? Was passt nicht dazu und wirkt befremdlich, verstört und konterkariert das Ergebnis? Was wirkt wohlig, scheint schlüssig und im Fluss zu sein, weil es fesselt und begeistert? Wie sind die Verhältnisse zueinander, konkurrieren manche Aspekte oder unterstützen sich sogar? Diese Fragen verweisen auf das Rezept, was es zu bedenken gibt.

Eine Handlung im Bilde ist nicht gleich schlüssig erkennbar. Aber der Gesichtsausdruck des Portraitierten ist erkennbar. Was kann er dem Betrachter vermitteln? Ist es den 26 Gesichtsmuskeln möglich, die Vielfalt der Gefühle auf Zuruf darzustellen? Was soll die Idee des Bildes vermitteln? Welche Gefühle sind es? Wurde die Bildaussage getroffen, wird sie vom Ausdruck im Gesicht überzeugend dargestellt, ist auch die Körperhaltung im Einklang damit, unterstützt sie die Aussage oder bilden Extremitäten einen Widerspruch?

Zum einen möchte ich fragen, welche Gefühle es sind, die darzustellen sind und dazu die Möglichkeit der Umsetzung erfahren. Wenn der Fotograf zum Model herüber blickt, sagt, was er sich vorstellt, was er sich wünscht und was er gerne sehen möchte, dabei seinen eigenen Ausdruck, gewollt oder ungewollt ausstrahlt, ist es oft so, dass eine Erwiderung beim Model desselben entsteht. (Der Hund sieht, ob du Angst vor ihm hast! 😉) Vielleicht hilft die obligatorische Story, die sich der Mensch vor der Kamera vorstellen kann, um die Gefühle, die es zu zeigen gilt, tatsächlich zu erfahren, zu spüren und so wiederzugeben. Wie gut kann es gelingen? Wie weit darf es gehen, wie viel Zufall und Moment darf dabei eine Rolle spielen?

„Welches Gefühl fotografierst Du?“ Das frage ich mich immer wieder. Inwieweit wechselt es? Spielen unterschiedliche Gefühle zusammen, wechseln plötzlich während der Umsetzung, werden ersetzt durch ein willkürlich neu entstandenes oder werden ersetzt durch den Typ Mensch vor der Kamera, der bei der Umsetzung ganz unterschiedliche Facetten zeigen kann, die weit über eine Idee hinaus gehen. Oder passiert das Gegenteil? Kommt es nicht zustande? Welche Bildaussage beschreibt unseren Stand und unsere Fähigkeiten?

Wie weit geht die Darstellungskunst, was ist möglich, was nicht? Gehe ich von der absoluten Faszination des idealen Streetportraits aus, das durch seine vollkommene Übereinstimmung der inneren Gefühlslage mit dem Ausdruck im Gesicht gekennzeichnet ist, so halte ich die Kunst, ein Gefühl, das man darstellen, weil man es in sich erzeugen kann, für höchste Kunst.

Melancholie, Wut, Angst, Teilnahmslosigkeit, Mut, Stärke, Unabhängigkeit, Gelassenheit, Laszivität, Überheblichkeit, Stolz, Empathie, Verletzlichkeit, Selbstbewusstsein, Gedankenverlorenheit, Neugierde, Vergänglichkeit , Unschuld, Obszönität, Ausgelassenheit. Wie einfach ist es darzustellen, wie schwer ist es zu vermitteln?

Kannst Du als Model einen Gesichtsausdruck generieren, der eine Gefühlslage wiedergibt und gleichzeitig eine dazu stimmige Körperhaltung einnehmen?

Amüsiert, aufgeregt, aufgeweckt, aufrichtig, aufmerksam, ausgeglichen, ausgelassen.

Befreit, begeistert, belustigt, bezaubert, dankbar, energetisch, energisch, entschlossen, entspannt, entzückt, erfreut, ergriffen, ergeben, erleichtert, ermutigt, erregt, erstaunt, erwartungsvoll, euphorisch.

fasziniert, frei, freudig, friedlich, fröhlich, fürsorglich, geduldig, gefesselt, gelassen, geliebt, gespannt, glücklich, glückselig, gütig, hoffnungsvoll, intellektuell, interessiert.

Kindlich, kraftvoll, kommunikativ, kühn, lebendig, lebhaft, lebenslustig, leicht, leidenschaftlich, liebevoll, locker, lustig, lustvoll.

Mutig, nachdenklich, neugierig, offen, optimistisch, sanft, satt, schwungvoll, selbstsicher, selig, sensibel, sicher, sorglos, still, stolz, strahlend, süß.

Tapfer, übermütig, überrascht, unbekümmert, unbeschwert, unerschütterlich, ungezwungen, unschuldig

Verblüfft, vergnügt, verliebt, verspielt, verständnisvoll, vertrauensvoll, verwundert, verzaubert, verzückt, wach, warmherzig, wissbegierig.

zärtlich, zufrieden, zugeneigt, zuhörend, zutraulich, zuversichtlich

aggressiv, alarmiert, albern, ambivalent, ängstlich, angreifend, ärgerlich, argwöhnisch, arrogant, aufgebracht, aufgewühlt, beängstigt, bedrängt, bedrückt, befangen, befremdet, bekümmert, beschämt, besorgt, bestürzt, betroffen, betrübt, beunruhigt, bitter, bösartig.

Depressiv, deprimiert, distanziert, durcheinander, eifersüchtig, einsam, empört, entmutigt, entrüstet, entsetzt, enttäuscht, ermüdet, erschöpft, erschrocken, erzürnt.

Feindselig, furchtsam, gehässig, gehemmt, geladen, gelangweilt, gequält, gleichgültig, herabgewürdigt, hilflos, hitzköpfig, hoffnungslos.

Irritiert, jämmerlich, kalt, kraftlos, kritisch lüstern, melancholisch, missmutig, misstrauisch, mürrisch, mutlos, nachdenklich, neidisch, nervös, niedergeschlagen, panisch, peinlich, ratlos, ruhelos.

sauer, scheu, schläfrig, schmollend, schockiert, schuldig, schmerzerfüllt, schüchtern, schwermütig, skeptisch, sorgenvoll, streitlustig, teilnahmslos, traurig, trübselig.

Unbeteiligt, ungeduldig, ungehalten, ungewiss, unglücklich, unnahbar, unruhig, unschlüssig, unsicher, verängstigt, verärgert, verlegen, verletzbar, verletzt, verloren, verrückt.

Verschlafen, verschlossen, verschreckt, verspannt verstört, verunsichert, verwirrt, verzagt, verzweifelt, vorwurfsvoll, wahnsinnig, weinerlich, widerwillig, wolllüstig, wutentbrannt, zerrissen, zögerlich, zornig, zweifelnd.

Vieles mehr könnte man darstellen, könnte zu einer Bildaussage führen, es kommt auf die Idee an. Besonders interessant und spannend dabei ist die Sache mit der Wahrnehmung: Wie stellt der Mensch vor der Kamera das Gefühl dar, wie empfindet der Mensch hinter der Kamera diese Emotion und wie wird der Betrachter das Gefühl im Bild empfinden? Treffen wir uns alle irgendwo?

Im nächsten Teil gehe ich über zum Gegenteil: Ausdruckslosigkeit. 😊

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