Von Konsum, Produktivität und Bildern [35]

Ich sitze oder stehe da und schaue mir Bilder an. Es sind Bilder, die ich über ein Medium betrachte. Mal handelt es sich bei diesem Medium um ein Buch, dann ist es ein Handy, öfter mal eine Zeitung, viel öfter noch der Monitor; oder ich besuche eine Ausstellung.

Ich schaue die Fotografien an, entscheide dabei, meist in sekundenschnelle, ob mich das Bild berührt oder nicht. Die meisten Bilder sehe ich zwar an, doch die Wahrnehmung ist stets eine differenzierte. Denn sehr viel mehr dieser Bilder werden durch diese meine Wahrnehmung unbewusst ausgeblendet. Zusätzlich beschränkt das Medium durch die ihm eigene Art und Weise der Darstellung diese Wahrnehmung.

Je nach Art der Darstellung haben die Bilder, und mögen sie von noch so hoher Qualität sein, eine stark vom Medium abhängige Wirkung. Dabei spielen Fülle, Größe und Anzeige- beziehungsweise Ansichtsdauer eine in diesem Moment medienabhängige Rolle: Sind es viele Bilder, gehen die einzelnen unter, sind sie klein, werden sie wahrscheinlich in ihrer Aussage beschränkt, werden sie nur kurz angezeigt, haben sie kaum die Chance, eine Aussage zu vermitteln.

Kombiniere ich nun diese Voraussetzungen, ergibt sich eine noch differenziertere Situation: in extremo: viele kleine Bilder werden schnell durchgescrollt! Was, so frage ich mich, kann dabei die Aufmerksamkeit erregen? Immer geübter werden unsere Blicke, filtern in Sekundenschnelle die für uns interessanten Aufnahmen heraus, betrachten sie für einen Moment lang etwas aufmerksamer. Durch die Fülle der präsentierten Lichtbilder bleibt dem medienaffinen Wesen kaum eine andere Herangehensweise, könnte man meinen.

Wird ein Bild in einer Ausstellung gezeigt, so findet es, durch die Verweildauer des Besuchers in der Ausstellung gemeinhin, eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit. Davon ausgänglich kann die Bildaussage deutlich stärker kommuniziert werden und auch im Nachgang behält das Bild eine stärkere Bedeutung. Sicher wurde eine gewisse Güte eines Werkes durch die Vorauswahl implementiert, denn allein der Fakt der Anwesenheit in einer Ausstellung oder Galerie impliziert eine besondere Wertigkeit. Ob sie es tatsächlich innehat, steht auf einem anderen Blatt.

In abgeschwächter Form folgt die oben getroffene Aussage ebenso dem Printmedium. Zeitung, Zeitschrift oder Buch, Poster oder Druck im öffentlichen Handel kommt einer solchen Qualitätsaussage nahe, auch, wenn es sich in unserer Gesellschaft mehr um eine durch ökonomische Richtlinien bestimmte Intentionen handelt, als dieser Tatsache einen künstlerischen Gesichtspunkt unterstellen zu können.

Was bleibt, sind die digitalen Medien. Trotz der Tatsache, dass sie allenthalben genutzt werden, ihnen eine schier unendliche Reichweite beschieden werden könnte und ihre Verfügbarkeit -insofern ein Netz vorhanden ist- stets gewährleistet zu sein scheint, ahnen wir, dass Wolken entstehen können, sich jedoch genauso gut sehr schnell wieder auflösen können. Wenige Services bereichern die Kreativität der Nutzer. Da, wo ein Kontakt zwischen Schaffenskraft und Kreativen, zwischen Künstlern und Liebhabern, zwischen Neugierigen und Mutigen, sowie ernsthaft Interessierten und authentischen Menschen entsteht, da ist ein Prozess jenseits von Konsum, Gier, Geltungssucht und Überfluss möglich.

Manche digitale Plattform hat das Zeug dazu, die Kreativität der Nutzer zu fördern, ein Stück weit den Konsum zurück zu führen, und die Menschen wieder näher zusammen zu bringen um dem Sein größeren Raum zu geben, eine Möglichkeit zu bieten, zu produzieren, zu erschaffen, anstatt immer weiter zu konsumieren.

Ob eine Plattform dazu werden kann, entscheidet der Nutzer. Ist für Dich eine solche in Sicht? Siehst Du diesen Prozess in der Gesellschaft?