Vom Wert des fotografischen Bildes im Zeitalter der digitalen Welt [33]

Was bedeutet dir ein Bild von dir selbst? Spielt es eine Rolle, auf welchem Medium es vorliegt?

Überall und jederzeit werden Menschen fotografiert. Nochmehr aber fotografieren sie sich vermutlich selbst. Vor allem jüngere Menschen tun dies mehrmals täglich. Die entstandene Aufnahme wird zumeist sofort in ein beliebiges Netzwerk gestellt. Rein digital führen die Menschen ihre bildliche Identität mit sich herum, auf ihrem Handy, oder besser gesagt in der weltweiten Cloud der Social Networks, deren Schlüssel und Verbindung das Handy darstellt.

Nie so viel, wie zuvor entstehen fotografische Aufnahmen, nie zuvor war es so bequem möglich, sie autonom vor einem mehr oder weniger differenziertem Publikum zu veröffentlichen. Jedermann ist es so möglich, seine Werke zu präsentieren. Sein Konterfei mag in jeder erdenklichen Art und Weise, mehr oder weniger häufig, die Datenspeicher und Foren der Netzwerke füllen. Dem optischen Wesen Mensch wurde ein Spielzeug an die Hand gegeben, dem er kaum widerstehen kann. Mit welchen Folgen geschieht das?

Ist eine Fotografie, weil in einfachster Weise, jederzeit und überall zu bewerkstelligen, nicht mehr wert, als die wenige Sekunden dauernde Aufmerksamkeit im www bei ihrer Veröffentlichung, um danach vom Betrachter und Ersteller vergessen im digitalen Nirvana aufzugehen? Ändert die Form der Darstellung den Wert der Aufnahme? Macht heute noch jemand Abzüge von digitalen Bildern außer denen, deren Hobby mit der Fotografie zu tun hat? Die berufliche Seite spielt hier keine Rolle.

Was geschieht mit der Fotografie als solches? Verfolgen wir ihr Dasein ein wenig weiter, und fragen, welche Möglichkeiten der Präsentation genutzt werden? Ein digitales Fotoalbum ist noch kein haptisches Gut. Du kannst es nicht be-greifen. Erst im Abzug gelänge es dir. Ein Fotoabzug wäre ein erster Versuch. Was geschieht nach dem Ausdruck mit dem Foto? Ein Fotobuch, früher Fotoalbum genannt, wäre ein mögliches Archiv. Bedeutet Archiv eine Ablage, deren Halbwertszeit nur geringfügig größer ist, als die der digitalen Variante? Steht im Schrank. Neben den anderen Alben und Büchern. Nimmt man sich hin und wieder zur Hand. Ein erhebendes Gefühl, in den Erinnerungen zu schwelgen. Oder? Vielleicht gehst du einen Schritt weiter und lässt das Bild von einem der vielen Dienstleister als Acrylglas- oder Aludibond-Bild, vielleicht auch als Leinwand abziehen, um es in deiner Wohnung aufzuhängen? Wie lange würde es an seinen Platz passen?

Das ist das, was du persönlich machen kannst. Eine Kollage, ein Kissen, eine Tasse oder einer der vielen anderen Motivträger kommen noch in Frage. Als Präsent kannst Du es jemand anderen überreichen, der es in seinem Bereich präsentiert oder verwahrt. Und was ist noch möglich, wenn du an eine anderen Art der Verwendung deiner Fotografien interessiert bist? Veröffentlichung als Beitrag eines Wettbewerbs ist eine Möglichkeit, die heutzutage fast ausschließlich digital verläuft. Es wäre eine Option. Wiederum digital, bestenfalls in einem Printmedium würde dein Bild gezeigt, um damit seinen Sinn erfüllt zu haben? Gibt es ein „danach“, oder ist der Sinn und Zweck der Aufnahme nur ein Zeitzeugnis der kurzweiligen Bedeutung?

Gehe ich ein Stück weit in die Vergangenheit zurück und frage, welche Bedeutung die Fotografie von ihren Anfängen aus, über die Zeit des Erwachsenwerdens hinaus, als Eastman Kodak den Rollfilm erfand, bis kurz vor der Digitalisierung innehatte, so gilt für jedes Genre ein eigener Maßstab. Davon ausklammern möchte ich die Werbefotografie, die zwar oft als Motor verschiedener Strömungen diente, deren Zweck aber stets gebunden an das Produkt war. Auch die Dokumentar- oder Reportagefotografie ist ein ein eigenständiges Genre. Bei ihr kommt es weniger auf den Stil an, viel mehr auf die zu transportierende Botschaft eines Themas, die außer informativ zu sein stets zweckgerichtet ist. Was bleibt als Genre oder Richtung der Fotografie übrig? Welche Menschen bleiben außer den Werbe- und Dokumentarfotografen?

Reisefotografie ist eines der frühesten Genres, die zusammen mit den ersten Zeitschriften, die in erster Linie aus abgedruckten Fotografien mit etwas Text bestanden. Und all die anderen Themen? Dazu demnächst mehr.

Und Fotografie? Was bedeutet dir ein Bild von dir selbst?