Posing 5: Idee und Aussage des Bildes

Du bist ein Mensch, der sich gerne alles erklären möchte? Aber nicht nur Du. Jedem Menschen wohnt diese Veranlagung inne, welche beständig nach Bestätigungen für sein Weltbild sucht und diese findet, dabei lieber gerne mal ausblendet, was im Gegensatz zu diesem Bild erscheint. 

Wenige Menschen nur suchen nach Widersprüchen, die dazu dienen könnten, ihr Weltbild zu bereinigen oder manches daraus gar zu widerlegen. 

Was hat das mit Posing zu tun? Das versuche ich mal darzulegen. Bei der Betrachtung einer Aufnahme suchen wir nach den gleichen Mustern, die wir zu Rate ziehen, wenn wir einem Menschen begegnen. Während jedoch bei der Begegnung immer auch eine Handlung entsteht, fehlt diese bei der Betrachtung eines Bildes und unsere Vorstellung ergänzt jenes, was zur Erklärung der dargestellten Handlung fehlt. Genau dann ist es in großem Maße von unserer Erfahrung abhängig, wie das Bild ergänzt wird, welche Interpretation erfolgt. 

Unser Weltbild erzeugt also den (nicht sogleich erkennbaren oder für uns fehlenden) Sinninhalt und die Aussage einer Fotografie einer Person, die während einer definierten Handlung fotografiert wurde oder in einer bestimmten Pose. Diese Pose kann, wie ich schon vorher in Artikel Posing 3 beschrieben habe, gesteuert werden, beziehungsweise die Absicht eine Aussage zu treffen, kann versucht werden. 

Mancher Zusammenarbeit gelingt dies besser, anderen weniger direkt, und der Adressat ist natürlich entscheidend. Für mich ist es momentan eine Frage der Darstellung, eine Frage dessen, warum ich eine Fotografie erstellen möchte, warum ich einen Menschen in dieser oder jener Haltung und Pose ablichten möchte, um eine Geschichte zu diesem Bild zu schreiben, die ich empfinde. 

Um einer Idee Ausdruck zu verleihen gibt es viele Parameter, die man variieren kann. Dabei versteht jeder Mensch gemäß seinen Erfahrungen zum Teil sehr unterschiedliches unter vermeintlich eindeutigen Szenen. Selbst dann, wenn sich Model, MUA und Fotograf untereinander verständigen und während der Zusammenarbeit immer wieder abstimmen, kann es einige Versuche dauern, bis die Vorstellung aller Beteiligten, die ja ein Gemeinschaftswerk sein sollte, die Form einer gelungenen Aufnahme einnimmt. (Oder es sind Varianten mit den zu jeder Idee gehörigen Besonderheiten.)

Es kann natürlich auch vorkommen, dass es nicht zu einem befriedigendem Ergebnis kommt, dann muss man halt neu planen und gegebenenfalls gemeinsam überdenken, wo und warum es haperte. 

Doch meist klappt es, und eine Bildidee kommt zur Umsetzung, die Beteiligten finden ihre Arbeit wieder. Nachdem dies geschah kommt der Betrachter. In der Vielfalt der Möglichkeiten versteht das Bild jeder einzelne Betrachter etwas anders. Wie viel anders liegt häufig an der Komplexität des Werkes. Sind viele Irrwege eingebaut, verläuft sich der Mensch. Ist der Weg zu leicht zu überblicken, verliert der Mensch vielleicht zu schnell das Interesse. Wird der Betrachter aber geführt, erkennt einige spannende Wendungen, so verweilt er vielleicht gerne einen Moment länger über dem Bild. Dazu kann das Posing ungemein hilfreich beitragen. Dazu im nächsten Beitrag mehr.    

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6 Gedanken zu “Posing 5: Idee und Aussage des Bildes

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