Das Bild oder der Mensch?

Was siehst du, wenn du ein Portrait betrachtest? 

Millionen von Fotografien unzähliger Menschen sind im Netz. Auf vielen unterschiedlichen Plattformen sind Bilder aller Art zu betrachten. Etwa auf Instagram, Facebook, flickr, 500px, auf Seiten der fotocumunities und Fotomagazinen u.v.a.m. kann sich jeder Mensch „durchklicken“ und hin und wieder ein „LIKE“ hinterlassen. 

So finden sich Menschen-Bilder mit mehr und Menschen-Bilder mit weniger Aufmerksamkeit und weniger „Likes“. Was und ob es überhaupt etwas über die Qualität des Bildes aussagt kann jeder für sich selbst bestimmen. Ob ein „gutes“ Bild von einem Fotografen mit geringer Reichweite oder weniger Followern oder ein schlechtes Bild von einem Fotografen mit sehr vielen Followern ist, das die größere Anzahl von „Likes“ erhält, sei hier gleichwohl unkommentiert.

Die Frage ist viel mehr, was dir in den Sinn kommt, wenn du ein Bild betrachtest oder überscrollst. Was siehst du? Die Ausstrahlung des Menschen? Oder die Qualität der Aufnahmen? Zeitweise beides? 

Was erkennt der „Durchschnittsbetrachter“ beim scrollen, bestenfalls im Einzelbildmodus am 27 Zoll Monitor, ungünstigstenfalls auf dem kleinen Smartphone-Display im Galleriemodus? 

Wieviel erkennt der Betrachter, wieviel erkennst du von Bilddiagonalen, vom Anschnitt oder der Lichtführung, von Bokeh oder Flares, von Spitzlichtern oder weichem Rembrandt-Licht?

Was nimmt der Betrachter wahr von der Haltung der Hände, der Stellung der Füße oder der Blickrichtung des Menschen? Was sieht der Hinsehende in der Milisekunde der Zeit, die ihm bleibt für die Sichtung des Bildes von Körper-Dynamik und Körperspannung, vom Sitz der Kleidung oder erst deren Auswahl?

Was empfindet der Gast bei einer Präsentation, wenn er einen Menschen auf einem Bildträger jedweder Art sieht? 

Den Mensch? Den Ausdruck? Die Bildaussage? Eine Schönheit? Eine Sympathie oder eine Ablehnung? 

Was denkst du ist es bei dir? 

Ist es möglicherweise ganz schlicht ein Zusammenspiel aller möglichen Faktoren? Erfolgt deren intuitive Bewertung dadurch, dass ein Eindruck steht und fällt mit dem Fehlen eines oder mehrerer Einzelfaktoren, die die Summe der Aussage tatsächlich, wenn nicht ein Faktor andere überstrahlen kann, diese vernichten kann?

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7 Gedanken zu “Das Bild oder der Mensch?

  1. Was sehe ich als erstes… 🙂 Du bist gut… Kannst Dir sicher denken, dass ich wohl der Falsche bin, an den Du Dich wenden würdest. Denn ich sehe einen Baum der aus einem Rücken einer Person wächst… und das viel zu deutlich… Sorry about that… also in diesem Deinem Fall. Das dann noch der Stamm so richtig schön ins Bein weiter geführt wird…oha… So…
    Was sehe ich wenn ich ein Portrait betrachte… Wohl etwas anderes als ein Tier,- Natur- oder Technikfotograf. Mein allererster Blick geht zu den Augen – danach suche ich auch meine potentiellen Modelle aus. Stimmen die Augen nicht, auch deren Physiognomie, dann kommen wir niemals zusammen. Wie ist es belichtet worden? WAS ist belichtet worden und in welcher Gewichtung.
    Ja, auch die Bildgestaltung spielt eine große Rolle. Diagonale Linien, genauso wie Dreiecke… Der klassischen Drittelteilung versuche (!) ich immer mehr den Rücken zuzuwenden. Das ist für jemanden der damit in Fotoclubs und Wettbewerben in den Anfangsjahren fast täglich konfrontiert wurde, ungeheuer schwer. Was nimmt der Betrachter wahr… fragst Du…
    Gute Frage; ich kann nur für mich selbst sprechen. Und wenn ich das so sehe, wie lieblos meine Bilder von manchen „Betrachtern“ auf den Smartphonedisplays „durchgewischt“ werden, kann ich nur sagen: NIX!…Wie denn auch… Selbst wenn ich es mir auf diesen Minidisplays anschaue, erkenne ich meistens so gut wie nix… Bleibt also nur die Betrachtung am 🙂 27 Zöller… und da nehme ich mir aber dann auch Zeit wenn mich erst einmal ein Bild gepackt hat.

    Was empfindet der Gast bei einer Präsentation, wenn er einen Menschen auf einem Bildträger jedweder Art sieht?
    Den Mensch? Den Ausdruck? Die Bildaussage? Eine Schönheit? Eine Sympathie oder eine Ablehnung?

    Genau das in dieser Reihenfolge.. 🙂

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    • So, zurück aus Holland 🙂
      Aaalso, niemand ist der Falsche 😉 aber ich weiß, was Du meinst. Mir geht es von Zeit zu Zeit ähnlich, klar, s0nst wäre ja mein Blog nicht so, wie er sich entwickelt. Und mit dem Stamm und den Bäumen, wenn Du die Aquarelle auf meiner hp mal betrachtet hast, … dito !
      Was mir auffällt ist -bei mir- eine starke Tendenz zu ungewöhnlichem, Lichtführung, (Ambiente, und Bildgestaltung. Doch es läuft sehr oft intuitiv, ohne Beachtung der Regeln, dabei wohlwissend, dass diese im Hintergrund heimlich aktiv bleiben. Du schreibst es! 🙂
      Die unendliche Darbietung von Bildern auf den vielen Apps der Handys bzw. deren Nutzung verdirbt den „Blick“ des Betrachters. Mich auch. Viel zu bequem vom Sofa aus …
      Am Monitor ist es schon anders. Ich habe vor einigen Wochen mal wieder ein kleines Ideenbuch (DinA4) drucken lassen, dabei fiel mir die Wirkung der Bilder im Druck nochmals intensiver auf.
      Inzetessant ist Deine Herangehensweise bei der Betrachtung. Ich erwische mich auch oft dabei, zuerst die Ausstrahlung des Menschen wahrzunehmen, die Leistung des Fotografen (mich eingeschlossen!) erst danach. Obwohl bei der Betrachtung mancher Sedcard ich es faszinierend finde, wie ein besonderer Mensch (im Punkte Ausstrahlung) durch die mindere Qualität der Aufnahme (nett ausgedrückt) ins „Nichtssagende“ transportiert werden kann.
      Dabei nicht zu vergessen immer der subjektive Faktor. Bei der Bildaussage finde ich eine schlüssige (für mich als Betrachter) Stimmung und Haltung wichtig. Es gibt nur wenige Gesichter oder Ausdrucksformen, die einem gänzlichen Verzicht darauf standhalten. Aber es gibt sie und ich bin da auch hin und weg.
      Danke nochmal für Deine schöne Antwort und beste Grüße vom Rhein. 😉

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      • 19 Blogger haben ein Like bei diesem Bild hinterlassen. Ich hätte nur von einem (!) zu gern gewusst WARUM. Überhaupt ist das meine wichtigste Frage bei meinem Tun: Warum? Ich kehre einfach mal wieder zu diesem Bild zurück. Ich habe kein Like hinterlassen, ich habe mir vielmehr die Bemühung gestattet auf Deine Frage zu antworten, weil die in meinen Augen viel interessanter war. Wenn Du den Blog Fokussiert.com kennst, werde ich einmal versuchen eine Bildbeschreibung in deren Stil zu hinterlassen. Es beginnt immer damit WAS ich sehe.
        Ich sehe den Ausschnitt einer Lanschaft im Sonnenlicht. Im oberen Drittel fließt ein Wasserlauf mit einer geringeren Geschwindigkeit dahin. Durch die Wahl des Aus – oder Anschnitts entstehen mehrere Linien die diagonal gefächert von unten nach oben verlaufen. Vor einem Baum steht eine Person die stark naxh vorn gebeugt vor einem Baum steht. Die Arme mit den Händen auf den Beinen abgestützt. Vom Gesicht kann man nicht einmal etwas erahnen, weil die langen Haare durch die Neigung des Kopfes nach vorn dieses unmöglich machen Bei der Bearbeitung des Bildes kann man erkennen, dass Du die Farben stark entsättigt hast.Ein Aspekt der die fröhliche Sommerstimmung schon allein et adsurdum führt. Bei näherem Hinsehen entdecke ich das die Hände eine fast schon schlimme Oberfläche aufweisen. Dies kann aber auch von der Bearbeitung herrühren, daher halte ich mich auf eine Bewertung zum Bild hin damit zurück. Die Hose ist fleckig und scheint nass zu sein… (?) 🙂 Naja… Irgendwie muss diese Haltung ja erklärbar sein… Auf mich macht es zweierlei Eindruck: 1. Sch… warum bin ich nur zu nah an die Uferböschung gegangen… hätte ja klar sein müssen, bei meinem Glück… dass ich da gleich ins Wasser abrutsche…Und nun schaut sie sich die Bescherung halt an… oder 2. Sch…. Alkohol… ab morgen lasse ich die Finger davon… Mir ist kotzübel…
        Die Person wurde von Dir zentral in die Mitte gestellt, was durchaus Sinn macht… Was meinen Augen nur wirklich schmerzt ist eben dieser Baum…

        Ein Wort noch zu Deiner Antwort: Ich suche in dieser weiten Welt der Blogger und solcher, die sich dafür halten… nach Menschen die sich mit Menschen beschäftigen und auch Fotos von Menschen anfertigen. Eigentlich kann ich mich überhaupt nicht austauschen in meiner Bloggerwelt. Zu viele die sich mit völlig anderen Sachen beschäftigen, die mich eigentlich überhaupt nicht interessieren aber meinem Blog folgen. Ich folge auch niemandem der mich nicht interessiert. In der Tat, ich habe noch keine Ahnung was die Aufgabe eines „Bloggers“ überhaupt ist… Mir fällt auf, das viele, fast alle…. nur davon schreiben was sie doch für „liebe“ Modelle haben… „liebe“ Kommentatoren… und überhaupt sind alle nur lieb… Du siehst mich ehrlich jetzt mit dem Zeigefinger im Hals… 🙂 Nix gegen Freundlichkeit. Das man damit besser zurecht kommt, erfahre ich jeden Tag im richtigen Leben. Aber wenn es mit mir durchbrennt… dann wohl zu Recht… dann sind mir auch die sogenannten Follower so was von egal… höre ich eh nix von. Dann muss halt mal Tacheles geredet werden. Wer damit nicht klar kommt muss mich halt meiden und sich weiter in seiner rosaroten Kuschelwelt bewegen…

        Hat nix hier verloren – musste ich aber mal loswerden… 🙂

        Fotobücher! Ich liebe die… Meine Sammlung wird stetig größer. Mein Lieblingsformat ist auch DIN A4. Zur Zeit beliebteste Software von SAAL Digital. Die treffen meine Farben zu 100%. Jedes meiner Modelle bekommt übrigens zu einer gegebenen Zeit, also wenn genug „Material“ zusammengekommen ist um eine kleine Geschichte zu erzählen, z.B. die Entwicklung von Anfang bis jetzt – ein bestimmtes Shooting, was wirklich herausragend war, oder oder oder… eines von mir. Als Dankeschön oder was auch immer…
        Es ist etwas Besonderes und mit der Betrachtung am Monitor in keiner Weise zu vergleichen. Und wenn man das zusammen mit dem Modell dann zum ersten Mal in ihren eigenen Händen haltend betrachtet, kann es schon mal vorkommen das einige Tränchen fließen… Das macht mich als den Ersteller der Bilder natürlich noch viel stolzer… ich denke aber, das kennst Du auch…

        Im Moment habe ich wieder ein neues Langzeit Modell und ich merke nicht nur die Aufregung und Ungeduldigkeit des Neuen sondern auch eine Art von Ruhe, sich endlich mal wieder auf ein Langzeitprojekt einzulassen. Früher ist es mir nicht so aufgefallen, mit zunehmenden Alter finde ich es doch wichtig zu wissen, wie mein Objekt tickt und was es in seinem hübschen Köpchen so werkelt…und ich genieße die gemeinsame Zeit viel intensiver. Komischerweise brauche ich nur ein Bild von ihr anzusehen oder sie selbst in Natura da sprudeln schon wieder Ideen für die Zukunft heraus. Wir sind uns auch in dieser Hinsicht einig. Es werden viele Bilder entstehen, die nicht für die Millionen Augen des I-Netz zur Verfügung stehen werden… auch das ist neu für mich… hat aber auch hier seine Berechtigung. Nur zwei Menschen kennen diese Bilder die in einem Moment entstanden sind der nie wieder kommt…

        Hat auch was… !

        Stay tuned…

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      • Solche Bildbeschreibungen halte ich für ungemein hilfreich. Unlängst war eine solche Art der ausfühlichen Besprechung in der ct-Fotografie. Die von Dir genannte Seite kannte ich noch nicht, werde dort nachsehen.
        Deine Beschreibung des Bildes trifft vieles von dem, was es sagen soll. In der Entstehung war es allerdings weit weg vom Ergebnis. Die Hände des Models sind in Natura ohne jeden Makel, nur so viel. Die Hauptaussage entstand in der Tat durch Bearbeitung. Zum Baum: ja, kann ich nachvollziehen. Der Ort war der gleißenden Sonne und dem nicht vorhandenem Abschatter geschuldet, der Blickwinkel dem Hintergrund und insgesamt der Baum der mangelnden Wahrnehmung des Fotografen, der sich sehr auf das Posing konzentrierte 🙂
        Das Bloggen ist auch für mich sehr virtuell. Ist wohl von fast allen Bloggern so angedacht. Die daraus entstandene Unverbindlichkeit (bis auf wenige sehr interessante und spannende Ausnahmen) führt durch die Anonymität eben nicht zu einem Austausch. Dafür gäbe es andere Plattformen. Vielleicht ist Bloggen eine Art der Teilhabe, die man gewährt. Jede Art von Reaktion ist ein Bonbon 🙂 Eine Diskrepanz vom richtigen Leben? Zusätzlich die unendliche Auswahl an Foren und Plattformen. Möchte ich alle bedienen, die mir gefallen, wäre DAS mein „Fulltimejob“.
        Ja, mein Buch war auch von Saal, erstmals nur wegen eines Messegutscheins der Photokina, dann aber wegen Begeisterung aufgrund der Qualität. Gute Idee übrigens mit dem Buch für die Models. Gucke ich mir von Dir ab! Ich hatte meinem Lieblingsmodel zu Ihrem Geburtstag eine Leinwand geschenkt. Von ihr, einem Bild im Gemäldestil alter Meister. Die Freude, auch im Kreise ihrer Freunde und Familie war groß und es hängt tatsächlich im Eingangsbereich. Sie meinte Bilder habe sie sehr viele, eben nur digital. Deine Worte!
        Eine Entwickung bei der Wiederholung von Shootings mit ein und demselben Menschen ist auch für mich spannend (und den Menschen vor der Kamera). Gestern jährte sich eine Zusammenarbeit nahezu, unser 6. Shooting. Richtig toll und jedesmal anders. Da geht es mir wie Dir, denke ich, die Ideen sprudeln nur so und das gibt echt „Power“.
        Die Sache mit der Veröffentlichung ist eher ambivalent bei mir. Ich mache das schon eine Weile, und früher nie mit Vertrag, daher habe ich unzählige Bilder, die ich nicht veröffentlichen werde. Bei manchen echt ärgerlich für mich persönlich bei vielen aber vollkommen in Ordnung, haben wir beide, Model und ich doch wunderbare DinA4 Abzüge, die ihre Wirkung bei jeder Betrachtung hinterlassen. Und auch jetzt bleiben manche unter den Erstellern, ist einfach so.
        Danke Dir wieder für Dein Feedback 🙂 und viel Kreativität weiterhin für Dich und Deine Mitstreiter (-innen)

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