Muse (216)

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Salvador Dali fand in seiner Frau Gala seine Muse. Gibt es auch für eine(n) Fotografen eine Art Muse, die ihn oder sie dauerhaft begleitet, um zusammen die unendlichen Möglichkeiten der gestaltenden Kunst zu entfalten? Oder bedarf es immer wieder neuen Gesichtern?

Was denkst du? Ist es so, dass immer neue Gesichter mit immer den gleichartigen Aufnahme-Stilen an immer leicht veränderten Locations die Erschaffung von Fotokunst fördert (oder es sogar sein könnte)? Die erste Frage, die ich da wohl stellen sollte ist jene nach der Intention. Was möchtest Du überhaupt. Liegt dir etwas an künstlerischer Fotografie oder bist du eher ein Menschensammler? Gibt es darin überhaupt einen Widerspruch? Kann man nicht auch mit immer neuen Menschen Fotokunst par Example erschaffen? Kommt es dabei nicht auf den Bildstil an. Wo beginnt Kunst und hört das Ablichten eines Menschen auf? Gibt es nicht auch unter den Portraitfotografen solche, die es zur Meisterschaft brachten und andere, die eher beliebig sind. Mal ganz abgesehen davon, dass es doch auch immer etwas vom Motiv abhängt. Und: auch der schnöde Mammon kommt nicht von Geisterhand geflogen…

Einfache Anleitungen, wie nicht frontal, nicht die Hand unters Kinn oder nicht von oben sind nur drei beispielhafte Vorgaben, die ein Portrait erfüllen sollte, wenn es nach gängiger Lehrmeinung geht. Fehler im eigentlichen Sinne sind es nicht, werden diese Vorgaben nicht erfüllt, kommt es dabei doch immer auf die einzelne Situation an. Das hat wohl jeder Fotografierende schon erfahren. Wenn nun eine Ablichtung eines Menschen technisch perfekt ist, die Visa ausgezeichnete Arbeit leistete, das Model eine charakterstarke Ausstrahlung besitzt, vielleicht noch gängige, beliebte Attribute der aktuellen Schönheitsideale aufweist, kann ich dann von Fotokunst sprechen?

Momentan verzaubern mich die leicht surrealistischen Arbeiten von Rosie Hardy oder Brooke Shaden, um mal zwei Beispiele zu nennen. Wie weit sie von der üblichen Portraitfotografie entfernt zu sein scheinen, kann jeder Betrachter für sich selbst entscheiden.

Was spielt der Geschmack für eine Rolle? Sagt man nicht, der sei bei jedem Menschen anders? Auch in der Kunst erreichen nicht jeden die Botschaften eines Künstlers. Es kommt ganz auf den Level der Adressaten an. Vielleicht unterscheidet die Masse der Betrachter auch zwischen Mainstream und der hohen Kunst. Nun ist die „Masse“ kein fassbarer Betrachter, da sie kein Betrachter an sich ist, auf den es aber ankommt. Nur viele der Betrachter bilden diese Masse, und spätesten da zeigt sich Erfolg oder Nischendasein für den einzelnen Künstler. Bis er möglicherweise irgendwann „entdeckt“ wird. (In wie weit die Anerkennung der Arbeit für einen Künstler von Bedeutung ist, soll hier nicht näher betrachtet werden!)

Die Eingangsfrage bezog sich auf Kunst. Künstlerische Fotografie. Ich stellte die Frage der Muse. Für mich meine ich, eine Muse stünde der Entwicklung einer künstlerischen Bereicherung der Arbeiten beiseite. Um das zu erreichen bedarf es eines Vertrauens, das über einen Zeitraum hinweg erarbeitet werden muss, und zwar von beiden Kunstschaffenden. Ideen können so gemeinsam wachsen und oft entscheidende Nuancen entwickeln sich beinahe wortlos. Dazu ist eine gemeinsame Erfahrung wertvoll. Das heißt nicht, dass nicht auch Impulse von außen, durch Visa, Freunden und Kollegen, auf Fotografenseite und Modelseite produktivitätssteigernd wäre. Ganz im Gegenteil. Den Grundstock aber lege ich mit einer längerfristigen, vertrauensvollen Zusammenarbeit, bei der die Synergien zu ganz persönlichen Kunstwerken inspirieren. Meine ich!

Ich würde mich über Meinungen dazu freuen, also ran an die Tasten 🙂