Beliebigkeit, Teil II (219)

jeans hintern photo

mies-vandenbergh-fotografie.de

 

 

Ist unser Aussehen belanglos? Wie oft hörst du den Ausruf: „Auf die inneren Werte kommt es an!“ Was dem offensichtlich widerspricht: Die durchschnittlichen finanziellen Ausgaben (von der zeitlichen Investition ganz zu schweigen) der Bevölkerung (in Deutschland) für Dinge, Mittel und Maßnahmen zur optischen Veränderung betrugen ca. 26 Milliarden Euro (Schönheitspflegemittel, Fitness, Friseur, Schönheits-OPs)

Auch wenn der Bereich Fitness mit 4,66 Milliarden Euro teilweise bestimmt zu gesundheitsfördernden Maßnahmen zählt, habe ich ihn hinzu genommen, da ein großer Anteil der Beweggründe für die Arbeit am eigenen Körper im Wunsch nach Attraktivität liegen, so die Erhebungen der Attraktivitätsforschung.

Zum Vergleich einige Angaben über Ausgaben der Menschen in Deutschland für andere Bereiche:

• 170 Mrd Euro für Lebensmittel

• 58,7 Mrd. Euro für Touristik

• 64.46 Mrd. Euro für Kleidung

Dabei ist es tatsächlich seit Jahren unverändert, dass Frauen nahezu doppelt so viel für Schönheitspflege ausgeben, wie Männer es tun.

Wie verhält es sich nun mit den inneren Werten? Ein Mensch kann herausgeputzt sein, bis zum „Gehtnichtmehr“, falls die charakterlichen Werte nicht kompatibel sind, führt das vermutlich zu keiner positiven Verbindung. Hier möchte ich den Sicherheits- und Opportunismus-Aspekt ausklammern, denn den wird es weiterhin unverändert geben: Wenn der mögliche Partner über genügend Mittel verfügt, tritt das Äußere vermehrt und deutlich in den Hintergrund, hier statistisch deutlicher bei der Frau als beim Mann, wenn der Mann über gewisse Statuten verfügt (Geld, Macht, Ansehen, usf.)

Begegnest du einem anderen Menschen, laufen viele automatisierte Mechanismen in dir ab. Diese haben zunächst mit Äußerlichkeiten zu tun. Erst dann, wenn du durch äußere Umstände gezwungen wärest, dich näher mit einem Menschen auseinander zu setzen, bestünde die Möglichkeit, die charakterlichen Eigenschaften des Gegenüber zu ergründen.(Oder du suchst Kontakt!) Zwar spielt auch dann noch das Aussehen eine Rolle, doch das Wesen des Menschen nimmt in der Betrachtung seiner Person zunehmend Raum ein. Dabei laufen gleichfalls Automatismen ab, du fühlst, riechst, hörst deinen Gegenüber. Unterbewusst treten z. B. seine Gerüche in deine Wahrnehmung, und es wird eine Kompatibilität abgeglichen, ohne dass du es mitbekommst. Außer, er stinkt dir, daher kommt der Ausspruch: „Den kann ich nicht riechen!“ Was so viel heißt, dass man jemanden nicht leiden kann.

Auch die Frequenzen der Stimme treffen auf deine Gehörgänge. Wiederum wird sogleich eruiert, ob die Stimme angenehm ist, oder ob man sich auf Fluchtmöglichkeiten vorbereiten muss. Je größer die Dauer ist, die man mit dem Menschen verbringt, desto mehr gewöhnen wir uns an bestimmte Reize, wie Tonlage, Geruch, Mimik oder Gestik. Sollte es nicht zu sehr auffällig negativ sein, verläuft es sich in die Belanglosigkeit. Folgend kommen weitere Eigenschaften und Denkweisen auf den Prüfstand: Es sind Inhalt und Einstellungen über geistige oder emotionale Belange. Wieder werden beständig Abgleiche durchgeführt. Der Mensch führt unterbewusst -und auch ein wenig bewusst- eine Art Konto mit Soll- und Haben-Seite, auf dem all diese Eindrücke gebucht werden; dies alles mit sehr unterschiedlichen Gewichtungen. Am Ende bleibt dennoch, in einer Mischung aus bewussten und unbewussten Eindrücken, eine Bilanz übrig: sympathisch oder unsympathisch, was nichts anderes heißt, als dass diese Person vielleicht ähnlich tickt, wie du. Gemeinsamkeiten verbinden, wenn es passt! „Sympathie (entlehnt aus lateinisch sympathia, dieses aus altgriechisch συμπάθεια sympátheia „Mitgefühl“) ist die sich spontan ergebende gefühlsmäßige Zuneigung. Ihr Gegenteil ist die Antipathie (Abneigung).“ (Wikipedia)

Dabei spielen natürlich noch andere Prämissen eine entscheidende Rolle: Beispielsweise der Zweck der Zusammenkunft, der Stand der eigenen Person oder auch die Dauer der Zusammenkunft. Es läuft fast immer identisch ab, wenn wir leibhaftig einem Menschen begegnen. Dass es in anderer Form anders abläuft, dürfte einleuchtend sein. (Chat, Mails, Brieffreundschaften, etc.)

So spielen bei einer Begegnung diese Dinge eine wesentliche Rolle. Und dennoch: das Aussehen kommt immer wieder zum tragen, denn der Mensch ist ein zutiefst optisches Wesen. Kleinste Veränderungen in Mundwinkeln, in der Art des Blickes, zusammengefasst im Zusammenspiel der 26 mimischen Gesichtsmuskeln, kannst du wahrnehmen. Wenn wir Menschen nicht gar so entrückt wären von der Natur und ja, auch von dem Zwischenmenschlichen, so könnten wir sie noch viel effektiver deuten, als es jetzt in kläglicher Weise der Fall zu sein scheint. Wir könnten bestimmt etwas vorsichtiger mit eigenen Regungen umgehen, ohne gleich einen Gegenüber mit Mimiken zu verwirren, zu entfremden oder vor den Kopf zu stoßen. Auch wenn wir nicht mehr vieles von diesen Regungen verstehen, unser Empfindungsapparat reagiert sehr wohl sehr eindeutig auf diese Verhaltensmuster. Nicht selten fragen wir uns gefühlsmäßig, wie der Gegenüber es jetzt meinte, wenn, wie oft, Worte und körperlicher Ausdruck diametral auseinander driften.

Vielfach nehmen wir sehr deutlich Dissonanzen im Antlitz des anderen wahr, ganz gleich, ob durch Unsicherheit, Unmut oder niederen Beweggründen. Allein unsere Fähigkeit, diese entsprechend zu deuten, um im weiteren darauf reagieren zu können, ist in der Mehrzahl von uns Menschen zu vage.

Fortwährend kommt dabei das Aussehen zum Tragen. Ist es schwieriger, bei allgemeingültig gutaussehenden Menschen Unstimmigkeiten zu sehen oder spielt die Schönheit dabei keine beeinflussende Rolle? Kommt  ganz entscheidend die Gewöhnung hinzu, die dazu führt, dass wir einen Menschen zwar immer noch als attraktiv ansehen, aber durch diese Gewöhnung nicht mehr der Verblendung der Schönheit unterliegen und diese Nuancen immer klarer und deutlicher erkennen können? Forschungen bestätigen dies eindeutig. Es ist demnach nicht wichtig, ob jemand nach gängigen Vorstellungen schön ist oder nicht, Stimmungsveränderungen sind sichbar, anfangs nur nicht so leicht.

Aussehen relativiert sich somit in kürzester Zeit. Dennoch ist es erstaunlich, wie sehr wir Menschen danach streben, uns in der Rangliste immer wieder etwas weiter nach oben zu hangeln, respektive ja nicht abzurutschen. Das geschieht in einem Prozess, der absolut vorprogrammiert ist. Interessantes Unterfangen, nicht wahr?

 

Beliebigkeit oder was zählt das Aussehen schon? Teil 1 (218)

image

mies-vandenbergh-fotografie.de


Gibt es eine Beliebigkeit des Aussehens? Gibt es sie in bestimmten Grenzen? Existiert eine Beliebigkeit nur außerhalb unseres persönlichen Verständnisses von Normalität, Durchschnitt und Mittelmaß, oder bewegt sie sich innerhalb dieser Grenzen? Oder trifft die Bedeutung des Äußeren in viel größerem Maße, als wir jemals zugeben wollten.

Ist es einerlei, wie wir aussehen? Vielleicht nur, solange unser Äußeres nicht zu sehr vom Mittelmaß abweicht? Je nach Zusammenhang spielt unser Aussehen eine mehr oder minder große Rolle. Mündet die vermutlich wichtigste Bedeutung unseres Äußeren in die Partnerwahl? Oder liegt es viel mehr in der Alltäglichkeit von Leben, Beruf und sozialem Umfeld? Wenn ja, was folgt daraufhin?

Wenn das Aussehen und die Partnerwahl die stärkste Verbindung bilden, immer mit der Idee, dass ich auch viel weiter oben ansetzen könnte, dabei fragen, ob es bei der Partnerwahl überhaupt die größte Bedeutung haben kann, wie weit relativiert sich das Aussehen für eine Partnerschaft unter Berücksichtigung von Wesen und Seele, Handeln und Sein?

Ist es bei jedem Menschen anders? Und was folgt, sobald wir einen Partner gefunden haben? Verändert sich, entweder schlagartig oder schleichend, die Bedeutung des Aussehens in einer Partnerschaft? Sollte die Bedeutung des Aussehens in einer bestehenden Partnerschaft auf Belange außerhalb der Partnerschaft zielen? Oder sind es persönliche, egozentrische Gründe? Wenn es nicht die persönlichen Gründe wären, welche sind es dann? Sind es die gleichen, für die unser Aussehen eine Bedeutung ausübt, die folgen, wenn wir die partnerschaftliche Bedeutung als wichtigste ansehen und die nachfolgenden Felder bestimmen, auf denen eine Bedeutung von Äußerlichkeiten wesentlich ist? Welche wären das?

Unterscheide ich selbstbezogene und nach außen gerichtete, intrinsische und extrinsische Bereiche. Extrinsische Bereiche könnten der Beruf sein, der Bekannten- und Freundeskreis, die Familie oder Bereiche des sozialen Engagements? Die intrinsischen Bereiche finden wir im Selbstbewusstsein, in der Selbstdarstellung unter der Eigenwahrnehmung. Vielleicht ein Selbstwertgefühl zur Bildung des Selbstbewusstseins? Auch Machtkampf und Geltungsbedürfnis spielen eine Rolle?

Haben letztendlich sämtliche Beweggründe nur eine Ursache, nämlich den Bezug zum eigenen sozialen Umfeld: der Mensch, das soziale Wesen.

Lichtgestalt (217)

Mel jeans Hintern Fotografie

mies-vandenbergh-fotografie.de

Wer ist gerade jetzt Deine Lichtgestalt im Leben? Wer ist Dir momentan der wichtigste Mensch? Und wie sieht er oder sie aus?

Der wichtigste Mensch in deinem Leben ist, wenn du schon weitestgehend auf eigenen Beinen stehst, wahrscheinlich dein Partner. Davon möchte ich für diesen Beitrag ausgehen, ohne weiter darauf einzugehen, dass es durchaus andere Beziehungen zu Menschen gibt, als partnerschaftliche. Und natürlich, falls es gerade überhaupt jemanden gibt!

Da ist nun der Partner. Deine ganz persönliche Lichtgestalt. Mit seinem Aussehen, seinen optischen Vorzügen und seinen optischen Abweichungen vom gängigen Schönheitsideal sowie den Abweichungen deines eigenen, einzigartigen Schönheitsideals. Jeder von uns hat wohl eines, das ihm mehr oder minder bewusst ist. Ich kenne keinen Fall, bei dem ein Freund oder Bekannter nicht doch eine eigene Meinung vertritt, was das Aussehen einer anderen Person angeht. Zunächst möchte ich nochmals kurz darauf hinweisen, dass es in diesem Blog in erster Linie um das Aussehen geht. Das Oberflächliche, was unsere Augen und unsere Sinne, unsere Einstellung und Auffassungsgabe immer wieder erneut in so starkem Maße wahrnehmen.

Wie wichtig war dir das Aussehen deines Partners bei eurer ersten Begegnung? Hatte er die Attribute, die dir schon immer, oder seit neuestem wichtig waren? Erschienen sie dir ausgeprägt oder nur ansatzweise vorhanden? Wie war die Bilanz seines optischen Auftritts? War etwas nicht vorhanden von dem, was dir stets wichtig erschien, wichtig beim Aussehen deines potentiellen Partners? Glich er den einen Mangel mittels eines anderen, vorteilhaften optischen Wesenszuges aus?

Fehlten ihr die langen Haare? Oder war sie etwas kleiner? War sie etwas stärker gebaut oder viel zu dünn für deinen Geschmack? War er untersetzt? Hatte er schon viel zu wenig Haare für deinen Geschmack oder schien er eigentlich zu sehr der nordländische Typ zu sein, während du doch total auf den südländischen Typ standest? Hatte sie blondes Haar, wo du doch viel lieber brünettes Haar magst? Von rot ganz zu schweigen, denn da wusstest du, es gab nur wunderschön oder eben nicht. Wie stand es mir den primären Schlüsselreizen beim Anderen? Breite Schultern oder viel zu schmal gebaut. Knackarsch oder nix, was die Hose hätte ausfüllen können? War ihr Busen zu groß? Ihr Hintern zu flach, oder ihr Becken ganz schön breit?

Dafür gab es vielleicht etwas anders, das deine Aufmerksamkeit erregte. Trotz der falschen Haarfarbe sprach dich das volle Haar an? Die fehlende Größe machte dein Partner durch seine sportliche Figur wett? Und der zu kleine Po? Nun, die langen Beine hatten etwas, nicht war. Wohlgemerkt, ich bin noch immer beim Aussehen! Kein Wort wurde gewechselt. Keine Ahnungen hattest du von deinem gegenüber. Noch bevor überhaupt ein Lächeln über die Lippen kam, wälzten sich längst diese Abschätzungen durch deine Aufmerksamkeit. Viel schneller, als es dir jemals gewahr hätte werden können.

Aber dann. Nach diesem ersten, unvermeidlichen Prozedere kommt es zu all den „Dingen“, die über das Aussehen hinausgehen. Die Schönheit der Seele ist es, in ihrer Ausprägung von Ausstrahlung und Charisma, von Anmut und Empathie, von Wärme und Achtung… ferner Bewegung und Gestik. Aber das ist ja nicht das Thema dieses Blogs. 🙂 (Wer hat da gerade gedacht, schade eigentlich … 😉 )

Und unser Aussehen? Beständig versuchen wir, immer gut auszusehen. In einer Partnerschaft lassen manche Menschen die Zügel etwas schleifen, einer mehr, eine weniger… grundsätzlich bemühen wir uns doch. Wir machen es ja schließlich nicht nur für unseren Partner, auch für uns und unser Leben. Was wurde aber aus den Dingen, aus den Vorlieben, die uns unser Partner nicht erfüllen konnte? Gemeinhin tauchen diese ja nicht plötzlich doch auf. Verlieren sie in Anbetracht der anderen Attribute ihr Bedeutung für dich? Oder führten sie gar schon einmal zu einer Trennung? Sind es etwa jene kleinen Bausteine einer Mauer, die manchmal zwischen zwei Menschen -mehr oder minder offensichtlich- errichtet wird, die dann möglicherweise klammheimlich eine Entfremdung, ein „Auseinanderleben“ verursachen könnte? Haben Äußerlichkeiten diese Macht, solch ein Baustein zu werden? Sind nicht die sogenannten „Soft-Skills“ die eigentlich wichtigen, bedeutsamen Dinge im Zusammenleben zweier Menschen? Ist nicht erst ein Mangel, eine Diskrepanz in Gefühlen der Verursacher einer Krise mit ungewissem Ausgang?

Geht es so weit, dass fehlende Äußerlichkeiten an anderer Stelle gesucht und gefunden werden? Irgendwann? Oder ist deren Bedeutung dafür nicht ausreichend für dich? Zusammen alt werden hat etwas mit totaler äußerer Veränderung zu tun, gemeinsam. „In wie weit wären optische Eigenschaften austauschbar?“ Wie ist das gemeint?

Du hast einen Partner, dem bestimmte Eigenschaften fehlen. Als Beispiel nehme ich die Größe eines Körperteils. Suche dir eines aus. Ob du es nun klein magst und es zu groß ist oder ob du es groß magst und es ist an deinem Partner zu klein, sei einerlei. Es stimmt nicht, passt nicht, und du suchst schließlich einen Partner, bei dem es stimmt. Du tauscht daraufhin deinen Partner aus. Du wusstest es vielleicht schon vorher, nur die Bedeutung hattest du unterschätzt. So gibst du nach. Das kommt immer wieder vor, scheint natürlich, besonders zu Beginn eines Erwachsenwerdens. (Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was besseres findet) Dass die wenigsten ihre Sandkastenliebe heiraten, ist bekannt, oder?

Was aber folgt beim nächsten Partner? Fehlt dort etwas anderes? Bei deiner Gewichtung wirst du dir schon etwas dabei gedacht haben, sonst würdest du nicht weiter gesucht haben. So gibt es viele (optische) Eigenschaften, deren Bedeutung, die dir einst so wichtig zu sein schien, in der Gleichgültigkeit versandeten, da sie für deine und vor allem eure Entwicklung nicht so relevant waren, wie du glaubtest. So sind diese Eigenschaften austauschbar, und die Länge der Haare und deren Farbe zerfließt wahrlich im urgewaltigen Gezeitenstrom des Lächelns deiner Lichtgestalt.

Muse (216)

image

mies-vandenbergh-fotografie.de

Salvador Dali fand in seiner Frau Gala seine Muse. Gibt es auch für eine(n) Fotografen eine Art Muse, die ihn oder sie dauerhaft begleitet, um zusammen die unendlichen Möglichkeiten der gestaltenden Kunst zu entfalten? Oder bedarf es immer wieder neuen Gesichtern?

Was denkst du? Ist es so, dass immer neue Gesichter mit immer den gleichartigen Aufnahme-Stilen an immer leicht veränderten Locations die Erschaffung von Fotokunst fördert (oder es sogar sein könnte)? Die erste Frage, die ich da wohl stellen sollte ist jene nach der Intention. Was möchtest Du überhaupt. Liegt dir etwas an künstlerischer Fotografie oder bist du eher ein Menschensammler? Gibt es darin überhaupt einen Widerspruch? Kann man nicht auch mit immer neuen Menschen Fotokunst par Example erschaffen? Kommt es dabei nicht auf den Bildstil an. Wo beginnt Kunst und hört das Ablichten eines Menschen auf? Gibt es nicht auch unter den Portraitfotografen solche, die es zur Meisterschaft brachten und andere, die eher beliebig sind. Mal ganz abgesehen davon, dass es doch auch immer etwas vom Motiv abhängt. Und: auch der schnöde Mammon kommt nicht von Geisterhand geflogen…

Einfache Anleitungen, wie nicht frontal, nicht die Hand unters Kinn oder nicht von oben sind nur drei beispielhafte Vorgaben, die ein Portrait erfüllen sollte, wenn es nach gängiger Lehrmeinung geht. Fehler im eigentlichen Sinne sind es nicht, werden diese Vorgaben nicht erfüllt, kommt es dabei doch immer auf die einzelne Situation an. Das hat wohl jeder Fotografierende schon erfahren. Wenn nun eine Ablichtung eines Menschen technisch perfekt ist, die Visa ausgezeichnete Arbeit leistete, das Model eine charakterstarke Ausstrahlung besitzt, vielleicht noch gängige, beliebte Attribute der aktuellen Schönheitsideale aufweist, kann ich dann von Fotokunst sprechen?

Momentan verzaubern mich die leicht surrealistischen Arbeiten von Rosie Hardy oder Brooke Shaden, um mal zwei Beispiele zu nennen. Wie weit sie von der üblichen Portraitfotografie entfernt zu sein scheinen, kann jeder Betrachter für sich selbst entscheiden.

Was spielt der Geschmack für eine Rolle? Sagt man nicht, der sei bei jedem Menschen anders? Auch in der Kunst erreichen nicht jeden die Botschaften eines Künstlers. Es kommt ganz auf den Level der Adressaten an. Vielleicht unterscheidet die Masse der Betrachter auch zwischen Mainstream und der hohen Kunst. Nun ist die „Masse“ kein fassbarer Betrachter, da sie kein Betrachter an sich ist, auf den es aber ankommt. Nur viele der Betrachter bilden diese Masse, und spätesten da zeigt sich Erfolg oder Nischendasein für den einzelnen Künstler. Bis er möglicherweise irgendwann „entdeckt“ wird. (In wie weit die Anerkennung der Arbeit für einen Künstler von Bedeutung ist, soll hier nicht näher betrachtet werden!)

Die Eingangsfrage bezog sich auf Kunst. Künstlerische Fotografie. Ich stellte die Frage der Muse. Für mich meine ich, eine Muse stünde der Entwicklung einer künstlerischen Bereicherung der Arbeiten beiseite. Um das zu erreichen bedarf es eines Vertrauens, das über einen Zeitraum hinweg erarbeitet werden muss, und zwar von beiden Kunstschaffenden. Ideen können so gemeinsam wachsen und oft entscheidende Nuancen entwickeln sich beinahe wortlos. Dazu ist eine gemeinsame Erfahrung wertvoll. Das heißt nicht, dass nicht auch Impulse von außen, durch Visa, Freunden und Kollegen, auf Fotografenseite und Modelseite produktivitätssteigernd wäre. Ganz im Gegenteil. Den Grundstock aber lege ich mit einer längerfristigen, vertrauensvollen Zusammenarbeit, bei der die Synergien zu ganz persönlichen Kunstwerken inspirieren. Meine ich!

Ich würde mich über Meinungen dazu freuen, also ran an die Tasten 🙂