Gemein – schaft (197)

dice jeans hintern

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Lebst Du als Einsiedler? Nein? Dann in einer Gemeinschaft? Prägt Dich diese Gemeinschaft in irgend einer Art und Weise?  Oder prägst Du die Gemeinschaft? Vielleicht kommt Dir das Wort „Wechselwirkung“ in den Sinn.

Seit dem wir Menschen nicht mehr in kleinen Gruppen verstreut über den Globus dahinvegetieren, und uns mehr oder weniger dicht auf die Pelle rücken, haben wir uns Regeln ausgedacht. Regeln, die uns helfen [sollen], den Umgang untereinander vorhersagbar zu machen. Die Zeitspanne, in der sich diese Normen gebildet haben, beläuft sich auf eine Zeit von über 500 Jahren, und ist dabei keineswegs abgeschlossen, sondern befindet sich im stetigen Wandel. Was heute noch moralisch ethisch korrekt ist, könnte im Laufe der Entwicklung schon bald als überholt und nicht mehr zeitgemäß gelten.

Junge Erdenbürger werden in relativ kurzer Zeit so konditioniert, dass sie funktionieren. Sie müssen, wie du auch, diesen Entwicklungsprozesses, der sich im Laufe der Jahrhunderte etablierte, in nur wenigen Jahren verinnerlichen. Diese Normen und Regeln sollen so weit übernommen werden, dass sie nicht mehr von außen überwacht, gesteuert oder geregelt werden müssen, sondern sie sollen aus eigener Überzeugung befolgt werden.

Ob diese Übereinkünfte dabei dem eigenen Körperempfinden widersprechen oder nicht, das gilt aus Sicht der Norm als zunächst unerheblich. Den körperlichen Bedürfnissen wurde im Zuge der Reglementierungen zunehmend weniger Raum eingeräumt. Die Trennung von Geist und Körper im Laufe der „Zivilisierung“ des Menschen schuf gleichzeitig eine Verlagerung der Gewichtung. Der Geist wurde über den Körper gestellt.

Jeder von uns bedenkt sein Verhalten, bevor er es ausübt. Er geht im Geiste die möglichen Konsequenzen durch, die ihn durch sein Verhalten ereilen könnten, wenn nicht schon die aufkommende Idee über eine Handlung als nicht konform niedergeschlagen wird. Im bezug auf die körperlichen Belange funktionieren in uns Mechanismen, deren Ausdruck in Scham und Peinlichkeit gründet. Ein Verhaltenskodex ist in unserem Verständnis so weit etabliert, dass eine Zuwiderhandlung eine derart große Hemmschwelle zu überwinden hätte, die uns warnt: bis hier her und nicht weiter, sonst habe ich mit unvorteilhaften Konsequenzen zu rechnen.

Einzug gehalten haben die die körperlichen Umgangsformen beim Adel, wenn ich dem Soziologen Elias folge. Regelwerke über die Etikette wurden anschließend zunächst nur für die Bourgeoisie verfasst, sie sollten sich danach aber zunehmend auch unter dem einfachen Volk durchsetzen. Dieser Prozess kann bis heute und in vielen Regionen und Ländern beobachtet werden. Schon vor knapp 100 Jahren beobachteten aufmerksame Zeitzeugen gegenläufige Tendenzen. Aufweichungen der Benimmregeln wie das Reden über private, körperliche Erfahrungen im öffentlichen Fernsehen, die Akzeptanz von Nacktheit in der Öffentlichkeit, bishin zum Urinieren bei Theatervorstellungen mögen als Beispiele gelten. So lassen sich diese Verschiebungen als leicht pendelhaft bezeichnen.
Jeder einzelne Mensch findet sich im Gezeitenstrom der Moralitäten wieder, in dem er selbst entscheiden kann, ob er sich mittreiben lässt, stehen bleibt, oder gegen diesen Strom schwimmt. Je nach persönlichen Konsequenzen für Dich handelst Du täglich auf’s neue. Viel Erfolg!

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