Körperwahrnehmung, Teil II (191)

image

„Finde Deinen Körper (gut)!“Wie beginnt Deine Körperwahrnehmung?

Hier in Teil 2 von Körperwahrnehmung möchte ich zunächst eine chronologische Herleitung beginnen. Von der Jugend an befasst du dich mit deinem Körper. Anfangs ist es vielleicht nur warm und kalt, laut und leise, hell und dunkel, du hast Hunger und Durst und du fühlst Geborgenheit und Liebe, wenn du Glück hast. Richtig nachdenken über deine Empfindungen kannst du zu diesem Zeitpunkt noch nicht, reagieren sehr wohl. Grundsteine für dein Gefühlsleben, so haben Forscher mittlerweile festgestellt, wurden für dich sogar schon vor deiner Geburt gelegt. Die Gefühle deiner Eltern, ihre Stimmungen, auch ihre Stimmen prägen dich schon im Mutterleib.

Nach deiner Geburt findet Prägung weiter statt. Der Umgang deiner Eltern mit dir ist enorm wichtig, viele deiner fundamentalen Gefühle von Verständnis und Empathie, der Fähigkeit, Liebe zu empfinden und zu geben werden im Idealfall, so die Forscher, in Grundzügen in frühester Jugend gebildet. Dass der Idealfall oft nicht eintritt, ist leider Fakt. Oft selbst nicht ihrer Gefühle gewahr, versäumen es Eltern, diese fundamentalen Weichen zu stellen, meist nicht bewusst, sondern aus eigenem Mangel, aus fehlender Empathie. Verlässliche Zahlen diesbetreffend wurden bisher nicht erhoben, erste Zählungen aus wenigen Forschungsergebnissen nennen vorsichtig Zahlen um die 60% derer Menschen, die in frühester Jugend einen Mangel an Zuwendung erhielten. Damit ist nicht unbedingt nur eine Überforderung der Eltern hinsichtlich der Gabe frühkindlicher Zärtlichkeiten beschrieben, auch der eigene Mangel an solchen Erfahrungen wurde beschrieben. Ein soziologisch spannendes Feld, über das ich, bevor ich weiter darüber schreibe, noch einiges lesen und recherchieren möchte.

Nach der Zeit der frühen Jugend beginnt gemeinhin die Zeit, an die du dich erinnern kannst. Du erlebst Aktion und Reaktion, erfährst einen ersten Eindruck von Ursache und Wirkung, dir werden erste Ver- und Gebote auferlegt. Spätestens dann wird, so die gängigen Theorien aus der Humanforschung, die erste Differenzierung zwischen den Geschlechtern konstruiert. Mädchen und Jungs erfahren unterschiedliche Vorgaben hinsichtlich ihrer Körper, einerseits aus Tradition, andererseits aus unterschiedlichem Dafürhalten.

Aber auch dann findet eine Reflektion noch nicht statt. Diese beginnt meist mit Eintreten der Pubertät. Die dann eintretenden Veränderungen am Körper, einhergehend mit Veränderungen in Psyche und Geist finden ähnlich der Fahrt auf einer Achterbahn statt und überfordern zeitweise den jungen Menschen enorm. Darüber findet man etliche Studien, die ein sehr weitläufiges Bild zeichnen, interessant sind hierbei die Verdichtungen, die Punkte, in denen weitestgehend Konsens besteht.

Was geschieht nun in den Anfängen mit dir, deinem Körper während der Entwicklung hin zu deiner Persönlichkeit? Über deinen Körper erfährst du nach und nach dein Selbst. Du bist dein Körper und du hast dein Körper. Im Prozess der Reifung deines Körpers, deiner zunehmenden Handlungsfähigkeit und Beherrschung deiner Körperfunktionen bildet sich dein Selbstbewusstsein heraus, mit dem du die oben genannte Ambivalenz zu einer Einheit bildest.[Dass diese meist nicht konstant erhalten bleibt, und wieder und wieder erneuert werden kann, ist Teil deiner weiteren Entwicklung.]

Auf dem Weg zu deiner Persönlichkeit begleiten dich mehrere Menschen. Zu Beginn sind es deine Eltern, dabei wird in den meisten sozialwissenschaftlichen Betrachtungen dem gleichgeschlechtlichen Elternteil der größere Einfluss zugesprochen. Zusätzlich spielen die Geschwister, wenn vorhanden, eine große Rolle, denn der Vergleich ist ein wesentliches Element, mittels dem deine Auseinandersetzung mit deinem Körper von statten geht. Wenn keine Geschwister da sind, nehmen Freunde und Spielkameraden diese Rolle ein, hier meist auch die gleichgeschlechtlichen.

Du erfährst deine eigenen Sinneswahrnehmungen und vergleichst diese mit denen der Menschen um dich herum. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um positive oder negative Erfahrungen handelt. Was tut dir weh oder deinem Schwesterchen, vielleicht ein erster Kniff, du probierst es – auch deine Schwester wird es tun, was du zu spüren bekommst.

In der Zeit des ersten Bewusstwerdens deines eigenen Körpers bildet sich dein Körperbild. Wie schwer diese Wahrnehmung aufgrund der ständigen Veränderungen sein kann, wird Thema in folgenden Beiträgen werden, auch die Tatsache, dass die Veränderungen bei Mädchen und Jungen aufgrund der viel stärkeren und zeitlich ausgedehnteren Veränderungen des weiblichen Körpers sehr unterschiedlich ausfallen.

Körperwahrnehmung, Teil I (190)

mies-vandenbergh-fotografie hintern jeans

mies-vandenbergh-fotografie

Körper – ein spannendes Feld. Was fühlst du, wenn du an deinen Körper denkst. Liebst du ihn, hasst Du ihn? Wie gehst du mit ihm um? Oder ist er dir egal. Ist er nur Transportbehälter für deine Seele? Oder Formungsobjekt aus deinem Anspruch an einen sozial funktionierenden Mechanismus?

Wie siehst du deinen Körper? Wie erfährst du deinen Körper im Laufe deiner Menschwerdung? Wie empfindest du die Unterschiede zwischen dem öffentlichen Bild von Körpern zu deinem eigenen Körper? Akzeptierst du deinen Körper? Siehst du ihn als deinen Körper an und in wie weit lässt du ihn Anschauungsobjekt und Spielobjekt für andere Menschen sein.

Zunächst eine Festlegung von mir: ich spreche im folgenden vom Körper des Menschen, und meine dabei sowohl den der Frau wie den des Mannes. Obwohl es in der Körperwahrnehmung kulturell und gesellschaftlich nachgewiesenermaßen Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt, werde ich diese nur dort explizit differenzieren, wo es mir unumgänglich erscheint. Sonst folge ich zuverlässig der Devise, dass wir in erster Linie Menschen sind. 🙂

Wie ergeht es dir mit deinem Körper? Ich hoffe und wünsche dir, du fühlst dich, und nimmst dich als das wahr, was du bist! Dein Körper ist in erster Linie Schnittstelle! Schnittstelle zwischen Geist und Wesen, zwischen innen und außen, zwischen dir und allen anderen Menschen, zwischen deiner Idee und der Erde, die du bereicherst, formst, gestaltest und erhältst mit deiner Existenz. Schnittstelle zwischen dem Materiellen und der Idee von Menschlichkeit. Prinzipiell bist du der Mittelpunkt des Universums. Es kann nur so sein. Es geht gar nicht anders, denn ohne dich gäbe es das Universum nicht! Logisch, oder?

Dein Geist sagt dir sicherlich andere Wahrheiten, du hast gelernt, dass die Welt, das Universum, alle anderen Menschen auch dann noch existieren werden, wenn du nicht mehr da sein solltest. Schließlich bist du auch noch da, obwohl andere Menschen ihren Körper bereits verlassen haben. Ja, das bestätige ich dir. Doch wenn du überlegst, was die Seele, die ihren Körper verlassen hat, wohl dazu sagt, so wird es ein spannendes Unterfangen.

Was ich damit sagen möchte, ist folgendes: Es geht hier um deinen Körper, um dich, und es geht um die Wahrnehmung der Umwelt durch deinen Körper. [Zwischenbemerkung: das oder ob es noch andere, körperlose Wahrnehmungen gibt, sei dahingestellt. Auch, wenn ich davon überzeugt bin, endet auch diese Wahrnehmung in unseren Gedanken, Gefühlen, Intuitionen.] Wenn dein Körper nicht mehr da ist, kommunizierst du nicht weiter. Wenn dein Körper eingeschränkt ist, findet auch Kommunikation eingeschränkt statt. (Dazu später mehr) So ist dein Körper ein Medium, du kommunizierst passiv, so z.B. über unbewusste Gestik, Mimik, Körperhaltung, Kleidung und Statur und auch aktiv über Worte, Blicke, Bewegung, Berührungen, Handeln oder Nichthandeln. Es geht mir darum, dies im einzelnen zu beleuchten, eine Verbindung von Körper und Psyche zu entdecken.

In weiteren Beiträgen werde ich die Fragen von oben aufgreifen, deren Beantwortung unter Einbeziehung einschlägiger Literatur und diversen Forschungsergebnissen eine spannende und interessante Materie ist. Demnächst 🙂

Time’s up, you’ve been wishing your life away…

Errungenschaft: 3. Jahrestag
Glückwunsch zum Jahrestag mit WordPress.com!
Du hast dich vor 3 Jahren auf WordPress.com registriert!
Danke für dein Vertrauen in uns!

Kinder, wie die Zeit vergeht …. :-)))

Ich wünsche Dir, lieber unbekannter Leser alles Gute, und bleib dabei, folge Deinen Ideen!!!!!!!! Deinem Herzen!!!!!!!!!! Deinem Ideal!!!!!!!!!!!!

Schönheit, eine Frage des Wertes Teil III ( 189 )

mies-vandenbergh-fotografie.de
mies-vandenbergh-fotografie.de

Im 3. und letzten Teil von „Schönheit, eine Frage des Wertes“ möchte ich über das Aussehen in seiner Verbindung zum sozialwissenschaftlichen Faktor Macht schreiben. Welchen Einfluss übt Schönheit auf die Fülle der Macht aus, die ihrerseits zum Aspekt der Einflussnahme abgegrenzt werden kann? Gibt es eine Äquivalenz und wenn ja, bricht sie an einem bestimmten Grade der Macht ab?

Die Mächtigen sind nicht unbedingt schön. Nicht schön im Sinne eines wie auch immer gearteten Schönheitsideals. Wenige, aber meist unbedeutende Ausnahmen finden sich dennoch. Um eine Verknüpfung von Macht und Schönheit zu entdecken ist es nötig, die Facetten der Macht kurz zu skizzierten. Was bedeutet Macht? Woraus entsteht Macht? Was bewirkt sie und was nicht. Was beobachten wir bei drohendem oder tatsächlichem Verlust von Macht? Und auch: Warum ist Macht nach Reichtum der begehrteste „Zustand“ auf der Liste der Wünsche des Menschen? Warum wird Macht und Reichtum oft eng miteinander verknüpft? Der Leitspruch „Wissen ist Macht“ beschreibt eine weitere, wichtige Verknüpfung, charakterisiert sich die Macht doch auch durch Wissen, respektive dessen Verfügbarkeit.

Macht geht einher mit Einfluß. Um Macht auszuüben braucht der Mächtige hörige Menschen, die ihm huldigen, freiwillig oder unfreiwillig. Somit bedeutet „Macht haben“ nichts losgelöstes, eigenständiges, sondern stets einen Zustand der Dualität. Ohne Volk kein König, ohne Angestellte kein Chef, ohne Wähler kein Politiker! Damit ist die Macht ohne Pendant nicht existent. Macht wird auf etwas oder über etwas unter Zuhilfenahme einer Kraft ausgeübt. Unterschieden wird zwischen positiver und negativer Macht: positive Macht beschreibt einen Zustand, der stets freiwillig und zum Nutzen beider Seiten, der ausübenden und empfangenden Seite eintritt. Negative Macht wird beschrieben als eine für die ausübende durchaus positiv wirkende Kraft, jedoch für die empfangende Seite nicht positive und nur unter Zwang vermittelbare Kraft, die oft mit seelisch-moralischer Erpressung oder Gewalt einher geht. In letzterem Zustand ist eine käufliche Seite gleichsam häufig zu attestieren.

Macht -in all seinen Ausprägungen- versammelt Instrumente der Einflussnahme. Sie kann von einer Einzelperson ausgehen, wie auch von einer mehr oder minder großen Gruppe ausgeübt werden. Sie entsteht nicht aus sich selbst heraus, sondern wird übertragen. So lassen sich Machtverhältnisse zwischen Einzelpersonen untereinander beschreiben, zwischen Einzelpersonen und Gruppen auf der anderen Seite wie auch zwischen zwei oder mehreren Gruppen. Während die Beziehung zweier Einzelpersonen klar definiert wird, spielt bei der Interaktion intra- oder intergruppal die Gruppengröße eine fundamentale Rolle. Beispielsweise innerhalb einer Familie, eines Vereins, einer Partei oder einer Volksgruppe findet differenzierte Einflussnahme statt. Je größer der Verband ist, desto häufiger stuft sich Macht ab, das heißt, Macht wird nicht polarisiert, sondern verteilt sich auf mehrere Stufen.

Ausgehend von der Wertigkeit des Aussehens in unserer Gesellschaft ist gutes Aussehen gleichbedeutend mit Zuwachs an möglicher Einflussnahme. Durch eine erhöhte Wahrnehmung von schönen Menschen, und wir alle wissen, dass schöne Menschen viel eher herausstechen, als durchschnittliche Menschen, stehen sie zunächst deutlicher im Mittelpunkt. Doch bei der Macht kommt ein entscheidender Faktor hinzu: Zeit! Die Zeit entpuppt sich in jeder Hinsicht als Gegner des schönen Scheins, und zwar aus folgendem Grunde:

Der Mensch gewöhnt sich allzu schnell an etwas, das er kennt, das ihm bekannt vorkommt oder an das, wovon er annimmt, das er es kenne. Die Schönheit definiert sich jedoch durch eine Besonderheit: Diese Besonderheit ist nicht zuletzt besonders, weil sie ausnehmend ist, und Ausnahme verliert sie dann, wenn ihre Aussergewöhnlichkeit das „Ausser“ verliert, und Gewöhnung an eine Schönheit diese relativiert. Dann folgt, was bei jeder Beziehung zwischen einem oder mehreren Menschen eintritt: Ja doch du bist schön, das sehe ich, jedoch was kommt jetzt, was ist das Innere deiner „Verpackung“?

An dieser Stelle möchte ich als Fazit folgend meine Meinung darstellen: Schönheit besitzt durchaus Macht. Diese beschränkt sich aber definitiv auf eine kurze Phase, sie funktioniert im Sinne von Einflussnahme nur für einen sehr schnelllebigen Moment. Alles, was Macht im sozialwissenschaftlichen Sinne ausmacht, ist von längerer Dauer, daher sticht Schönheit hier nicht. Nur da, wo es auf den kurzen, vergänglichen Augenblick ankommt, z.B. im Film, der Werbung, im Fernsehen, kurz gesagt, in den uns allumgebenden Medien wirkt Schönheit mit Macht. In allen anderen Bereichen, besonders auch in denen der zwischenmenschlichen Interaktionen kommt es auf das an, was nach der Schönheit kommt: Das Sein!

Neu! Nagelneu! Das Neueste, nicht nur schnöde „Neu“! ;-) ( 188 )

Buss jeans hintern

mies-vandenbergh-fotografie.de

Neophilie! Von Konrad Lorenz geprägter Begriff, der, kurz übertragen, die Liebe zu Neuem bedeutet. Er beschreibt, welche angeborenen Mechanismen im Menschen ablaufen, wenn er Neuem, Unbekanntem gegenüber steht, welche Reaktionen erwartet werden können. Neu ist toll! Ist das so? Wirklich und Wahrhaftig?

Sind wir Menschen stets neugierig? Gierig auf Neues? Neugierig auf alles, wenn es neu ist? Ist Neugierde einer der Motoren unserer Entwicklung, der Evolution überhaupt? Warum bewirbt die Industrie erfolgreich ihre entwickelten Produkte und Leistungen grundsätzlich immer mit dem Attribut NEU? Weil die Marktforschung erwiesen hat, dass wir Homo consumicus wie „HB-Männchen“ auf das Adjektiv „neu“ anspringen? Etwas ist anders, als das, was wir bereits kennen. Was wir kennen ist schon irgendwie langweilig, oder? Nur zu neu oder zu unbekannt sollte es auch wieder nicht sein.
„NEU“ counts! Das neue Auto, der neue Italiener, eine neue Waschformel, eine neue Frisur, ein neuer Partner … ehm, moment mal, neuer Partner? Nee, oder? Na nicht ganz. Neu ist zwar spannend, aber mit vielen Investitionen belegt. Könnte zu anstrengend werden. Oder gilt es nur für eine kurze Spanne? Schon eher. Geht man ja keine Verpflichtung ein. Also muss man ja auch nicht viel von dem halten, was man verspricht, oder?
Ist das tatsächlich so? Verhaltensforscher bestätigen es leider. Woher kommt dieser Ansatz und was hat er mit Schönheit zu tun? Ganz einfach, es wurde untersucht, in wie weit sich die Schönheit zunächst auf die Wahl eines Partners auswirkt, und anschließend eine Rolle bei der Wahl eines neuen Partners spielt. Dabei kamen spannende Ergebnisse heraus. Doch der Reihe nach.
Der Mensch hat von Beginn seiner Entwicklung an gelernt auf seine Umgebung adäquat zu reagieren. Früh lernte er, was wie zu verarbeiten, zu speichern, zu lernen ist. Bis zu den ersten eigenen Gedanken wurde er erfolgreich konditioniert. Nun galt es, alles noch einmal in Frage zu stellen, zu überarbeiten. Je nach Grad der Konditionierung und je nach Geistesleben gelang das dem einen besser, dem anderen schlechter, dem einen früher, dem anderen später, dem nächsten nicht.
Eigene Wertvorstellungen sind das Ergebnis. Es sei dahingestellt, welcher Qualität sie sind. Es gibt sie einfach und nach ihnen richtet sich der Mensch regelmäßig. So hat er Vorstellungen von einem Partner. Begonnen von Freundschaften im Kindergarten (oder vorher in der Krabbelgruppe, dort allerdings zu 99% elterngesteuert) über die Vorschule, Grundschule, Sek.1 und vielleicht Sek.2, Ausbildung oder Studium tragen zu einem Bildnis bei, einem Kunst-werk, welches der Mensch zeitlebens formt.
Es schwebt ihm wie eine Schablone im Geiste vor, wenn er über einen Menschen befindet, mit dem er mehr als nur kollegiale oder freundschaftliche Gefühle zu pflegen wünscht. Er sucht einen Partner fürs Leben, beginnt zu sondieren, was passen könnte, welche Voraussetzungen er wünscht, mehr noch, welche Bedingungen er überhaupt umzusetzen im Stande ist. Welchen Marktwert wirft er in den Ring? Mal mehr mal weniger Versuche gibt es, mal längerfristige Beziehungen werden wertvoll, mal Enttäuschungen (beiderseits wie einseitig) sind zu überstehen.
Irgendwann wird der Mensch fündig. Eine Partnerschaft ist entstanden. Viele Emotionen entstehen in diesen Momenten und alles Neue am Anderen ist spannend und faszinierend. Hormonausschüttungen unterlegen unsere Empfindungen. Wir leben auf Wolke 17, sehen vieles rosaroter, als es zu sein pflegt. Ein überaus wichtiger Baustein unserer Beziehungen, bedeutet doch die Partnerschaft eine längerfristige Beziehung zu einem Mitmenschen, nämlich mindestens so lange, bis ein eventueller Nachwuchs da ist oder besser noch gut vorbereitet in die weite Welt hinaus gelassen kann. Letztes ist dabei jedoch schon als Luxus anzusehen.
Doch irgendwann reist die Beziehung nicht mehr über so eine rauschende Gefühlsachterbahn entlang. Gewohnheit und Gewöhnung treten an die Stelle der Faszination. Ernüchterung macht sich breit, und zwar umso mehr, als sich einer oder beide Partner zuvor verstellten, vorspielten etwas zu sein, was man gern gewesen wäre oder was von anderen erwartet wurde. Eigentlich eine Chance, den anderen erneut kennen zu lernen, wird es aber nicht so gelebt, sondern viele Menschen distanzieren sich, da sie sich etwas anderes versprachen. Ent-Täuschung kratzt am Ego des anderen, doch während dies als fundamentaler Beginn einer fantastischen Beziehung zu verstehen, wendet sich der Mensch häufig ab. Was aber macht der Mensch sehr gerne, wenn etwas nicht seinen Vorstellungen entspricht? Richtig, er wendet sich Neuem zu. Allzu gern widmet er sich neuen Abenteuern, die in erster Hinsicht das versprechen, was gesucht wird. Das „Alte“ kennt jeder. Es ist unspektakulär, und es hat scheinbar nicht den Erfolg gebracht, den sich der Mensch versprochen hat. Da kann das Neue ja nur besser sein. Oder?
Und spätestens in diesem Moment kommt die Psychologie der Schönheit ins Spiel. Wir haben gelernt, dass schön = gut ist. Dabei wird uns suggeriert, dass das Neue, solange es schön ist, mit allergrößter Wahrscheinlichkeit viel mehr dem entspricht, was wir uns wünschen, wonach wir streben. Daher die vermeintliche Chance, in Neuem die Erfüllung unserer Begierde zu finden. Erst mit den Jahren, und bei genauerem Hinsehen lernen wir, dass das Neue nicht automatisch das Bessere ist. Aber es ist kein einfacher Weg, denn man muss tatsächlich ehrlich reflektieren, was eine grundsätzliche Ehrlichkeit zu sich selbst und mit sich selbst zu Grunde legt.