„Kunstlose Bewegungen“ ( 182 )

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Der wunderbare Moment der Gedankenlosigkeit, der den Menschen völlig losgelassen dasein lässt, ist immer häufiger zu beobachten. Nämlich dann, wenn der Mensch sich auf andere Dinge (Telefon 😉 )konzentriert, als auf die Dynamik oder Statik seines Körpers.

Wenn ich einen Menschen fotografiere, der sich auf die Aufnahme einlässt, ganz gleich, ob Model oder nicht, so laufen in seinem Kopf Unmengen von Denkprozessen ab. Bei gestellten Shootings fragt sich der Mensch beständig, ob die oder jene Pose nun gut, sehr gut, mittelmäßig oder unzufriedenstellend ausgeführt wird.

Dabei spielt es nur eine nachrangige Rolle, wie ich als Fotograf mit der Person vor meiner Kamera kommuniziere. Sicher ist es hilfreich die ein oder andere Anweisung zu geben, oder zu beschreiben, was der Augenblick gerade aussagen, ausdrücken soll, es trägt unbedingt zu einer harmonischen und guten Zusammenarbeit bei, das ist keine Frage, doch ich möchte auf etwas anderes hinaus.

Niemals wird die Pose so natürlich sein, wie sie ist, wenn der Person nicht gewahr wird, dass sie gerade abgelichtet wird. Der uralte Trick, als Fotograf vor einer Gruppe oder Person zu sagen, er zähle nun bis 3 oder 5 und werde dann fotografieren, in Wirklichkeit den Auslöser aber schon bei 2 oder 4 zu betätigen, entlockt manch ungezwungenere Mimik.

Bei der Straßenfotografie geht es gerade darum, Szenen des alltäglichen Lebens zu erfassen, die nicht gestellt wurden. Oft finden sich sehr natürlich anmutende Bilder, die so tausendfach jeden Tag erkannt werden können. Diese Wiedererkennung ist es, die den Reiz dieses Genres ausmacht. Und genau da möchte ich ansetzen, wenn ich von einem Spruch ausgehe, den ich auf meiner Homepage im Bereich des Fotoshootings stehen habe: No Posing!

Mir sagen Bilder von Menschen, Portraits oder andere Arten von Fotografien ganz besonders zu, auf denen möglichst viel von dieser oben beschriebenen Natürlichkeit enthalten ist. Dieser Stil könnte als „No-Posing-Stil“ bezeichnet werden, der als solcher nicht sehr leicht vorzustellen ist. Der Mensch denkt unentwegt. Damit reagiert er auch unentwegt. Und er stellt sich immer wieder vor, wie er wohl jetzt gerade aussieht oder wirkt. Dabei abzuschalten, das ist eine hohe Kunst.

Während eines Shootings nutze ich manchmal die Augenblicke, die bei einem Szenenwechsel entstehen, die oftmals nur Bruchteile von Sekunden einnehmen, wenn das Model sich beispielsweise gerade herumdreht. Dabei sind schon sehr oft die besten Bilder entstanden. Alles natürlich in Absprache mit dem Model. Was nicht heißt, dass eine sinnlich an die Wange gelegte Hand nicht absolut bezaubernd oder lasziv sein KANN.

Der Begriff „vollkommene Kunstlosigkeit“ (Moses Mendelssohn) lief mir neulich direkt in meine offenen Arme, ich verband es sofort mir dieser meiner Idee. Eine Pose in „vollkommener Kunstlosigkeit“ ist eine ungezwungene Bewegung oder Statik, die frei von jeder Absicht ist, oder frei von jedem Zweifel, der Mensch ist quasi gedankenlos, was seinen Körper angeht. Sagt mir sehr zu! 🙂

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3 Gedanken zu “„Kunstlose Bewegungen“ ( 182 )

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