Selbsterfüllende Prophezeiung ( 185 )

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Wenn es nur oft genug gesagt wird, dann glaubt man es. Spätestens dann verhält sich der Mensch entsprechend. So bestätigen es Forschungsergebnisse. Was ist gemeint, dazu mehr im Folgenden.

Denkt ein Mensch, es geht nicht gut, dann geht es oft nicht gut. Denkt der Mensch hingegen, dass es schon gut gehen werde, so geht es oft gut. So viel hat schon jeder von uns einmal erfahren. Ich selbst verhalte mich zwar noch lange nicht dementsprechend, aber ich arbeite daran. Positive Energie!

Was hat es mit dem Aussehen zu tun? Eine ganze Menge, so haben es Forscher in den USA heraus gefunden. Sie haben mit einer Anzahl von über 1000 Kindern eine Langzeitstudie durchgeführt, in der erforscht werden sollte, was es mit Bestätigung und Widerspruch zum Aussehen der Kinder auf sich hat, und sie kamen zu einem (leider) ernüchterndem Ergebnis, welches sich wie folgt beschreiben lässt : Die Kinder, denen ihr soziales Umfeld beständig ihr gutes Aussehen bestätigte, entwickelten sich im Laufe der Jahre zu Menschen, die in vielen Dingen eine sehr viel positivere Entwicklung erfuhren, als solche Kinder, die diese Bestätigung weniger oder nicht erfuhren.

Was bedeutet das? Wenn einem Kinde nur oft genug gesagt wird, wie hüsch, stark, schlau, …  es ist, entwickelt es ein positiveres Selbstbild von sich. Dieses positivere Selbstbild trägt in erheblichem Maße dazu bei, mehr Selbstbewusstsein auszubilden, was wiederum dazu führt, dass dieser (junge) Mensch noch positiver wahrgenommen wird, und demnach wieder mehr positve Rückmeldung zu sich bekommt. Diesen Effekt, der nicht ohne Probleme von statten geht, wozu ich weiter unten noch etwas bemerken möchte, konnte in o.g. Studie nachgewiesen werden.

Bei den weniger positiv veranlagten Kindern trat dieser Effekt im Negativen auf. In ihrem Selbstbewusstsein schwebten Phrasen wie : “ Ich kann das sowieso nicht“, „ich bin nicht schön“, ich bin zu dick/klein/langsam/dumm/… die dazu beitrugen, dieses zu verinnerlichen und nach außen auszustrahlen. Damit ging dieser Kreislauf in die negative Richtung und konnte nur schwer bis gar nicht durchbrochen werden.

Dieses Verhalten endet keineswegs mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter. Nicht umsonst werden immer wieder Führungsseminare durchgeführt, in denen die leitenden Mitarbeiter erlernen, wie sie Ihre Untergebenen anleiten sollen, um ein möglichst hohes Potential freizusetzen. Das dient freilich ausschließlich der Gewinnoptimierung, weniger der Menschenfreundlichkeit. Aber, auch wenn es erhebliche Fehlleistungen auf diesem Gebiet in Form unfähig leitender Angestellter gibt, so wirkt es an den Stellen, wo es klappt, deutlich messbar. (Gewinnsteigerung durch deutlich größeren Einsatz der MA) Dies konnte ich während meiner Zeit als Personalreferent zudem gut beobachten.

Ein häufig aufgetretenes Phänomen war bei dieser Untersuchung, dass einige der oft gelobten Kinder regelmäßig zur Selbstüberschätzung tendierten. Problematisch war dabei, dass bei einem Hinweis auf diese Selbstüberschätzung diese Kinder diesen Hinweis selbst als nur unwesentlich übergehen konnten. Es tat ihrem Ego keinen Abbruch. Alles kleine Narzissten?  So extrem war es dann doch nicht, denn junge Menschen machen in ihrer Entwicklung logischerweise Fehler, aus denen sie lernen, lernen, dass auch sie nicht perfekt sind. Nur steckten diese Kinder die Fehler viel leichter weg, als ihre „minderwertigen“ Pendants. „Minderwertig“ ist in diesem Zusammenhang ein starkes Kraftwort, dass natürlich nicht wirklich auf die jungen Menschen zutrifft! Nur in dem Sinne, wie sie sich selbst erfuhren, nämlich als viel weniger wert, als die schöne Freundin oder weniger wert, als der schlaue Freund, trifft es die Sache genau: Kinder sind sehr gute Beobachter, und es entging ihnen nicht die Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Menschen. „Wie ungerecht es doch ist!“ Auch das ist ein Punkt, der hinzukommend an ihrem ohnehin nicht besonders starken Selbstbewusstsein nagt.

Meine Gedanken dazu: In einer Gesellschaft, in der das Aussehen einen derart hohen Stellenwert innehat, leiden die Vielzahl der Kinder unter diesem Aspekt, eine Vielzahl der Kinder, die in ihrer Mehrzahl nicht den Entsprechungen genügen (können). Wir Erwachsenen selbst sind es, die diese Werte immer wieder neu vermitteln, seit Generationen immer das Gleiche! Eine allumfassende Antwort darauf muss auch ich leider schuldig bleiben, dazu sind schon sehr viele kluge Bücher und Artikel veröffentlicht worden, die man leicht findet ( Kinder suchen Orientierung, Lasst Kinder wieder Kinder sein, …) Ich möchte dazu nur eingehend aufrufen, die Werteveteilung zu überarbeiten. Ohne die Stigmatisierung fortzuführen zu wollen und Medien eine Alleinschuld zuweisen zu wollen, möchte ich jeden einzelnen dazu auffordern, seine Werte zu überdenken, und vor allem danach zu handeln. Beklagen ist einer unserer Lieblingsmodi, doch zu verändern ist scheinbar nahezu unmöglich. Die Studie ist für mich ein weiter Anlass dazu, andere Menschen in ihrer „Wertigkeit“ zu bestärken. Wo es geht.

Auch meine Worte, wenn von unserem Sohn mal wieder die Frage kommt, ob wir nicht ein transatlantisches Schnellrestaurant aufsuchen wollen, zu antworten, ob er irgendwann so aussehen wolle, wie jener oder dieser „dicke Mops“ impliziert schon die Wertigkeit von Körpergewicht. ( Wobei ich hier anführen möchte, dass sich die Zahl der Besuche in erwähntem Etablissement schon halbiert hat: 2014 = 2; 2015 = 1 !!!!! )  So, wie meine Eltern es schon taten, wenn ich nach Schokolade fragte! In allen noch so kleinen Bemerkungen gebe ich Werte weiter. Wie soll unser Sohn da „normal“ auf nicht dünne Menschen reagieren. Wie werden wohl seine Wertemassstäbe sich  entwickeln, wenn wir solche Worte verwenden. Bei seiner letzten Geburtstagsfeier lud er mit 13! auch Mädchen! ein. Als einziger in seiner Klasse. Auch ein nicht schlankes Mädchen war darunter, und im Umgang mit ihr stellte ich keine Diskrimierung fest, von keiner der anwesenden Personen und trotz Aufenthalt im Kletterpark. Das war selbst in der Grundschule anders zu beobachten, wenn auch dort von Mädchen untereinander viel häufiger. Mal sehen, wohin das führt. Ich werde berichten …

 

Zeit der Muse (184)

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Ein Künstler lebt für die Erschaffung eines Werkes. Es ist meist das Werk, welches er gerade fertigt. Jedes neue, weitere Werk ist der Versuch, das zu erschaffen, was seiner Idee, seiner Vorstellung von einem Kunstwerk möglichst nahe kommt. Er ist jeden Tag auf’s neue auf der Suche nach (s)einem Kunstwerk, dass den Ausdruck seiner Idee, die als solche keineswegs statisch ist, wiedergibt, vervollkommnet.

Er sucht in gewisser Weise sich selbst. In dieser Zeit gilt es, jene Wege zu beschreiten, von denen sich nicht alle sogleich als Sackgasse zu erkennen geben. So durchläuft ein jeder, der diese Entwicklung durchmacht, viele Irrwege, aber auch Wege, die ihn immer wieder einen Schritt weiter in seiner Entwicklung voranbringen. Hier möchte ich die Muse ins Spiel bringen. Eine Muse kann für einen Künstler überaus belebend sein. Sie setzt Synergien frei. Zum Beispiel Salvador Dali hatte in seiner Frau Gala seine Muse, die er in vielen seiner Gemälde auf wundervolle Art und Weise verewigte, die ihn beflügelte in seiner Entwicklung.

Vielleicht muss es nicht einmal immer die eine Muse sein, die der Künstler auserkoren hat. Vielleicht können es auch eine Reihe von Musen sein. Diese Feststellung kommt mir in den Sinn, wenn ich an die Vielzahl der Modelle der Maler denke, die sich vor deren Staffelei begaben, um dem Künstler eine Inspiration  zu sein. Fern ab von Auftragsarbeiten konnte der Maler so seine Idee des Bildes versuchen umzusetzen, die Seele in die Erschaffung seines Werkes transportieren, die vielleicht durch gerade diese Person ihm entlockt wurde.

Auch bei den Kunstwerken der Fotografie ist zu beobachten, dass manchem Künstler seine Aussage der Sicht auf die Dinge erst gelang, nachdem er mit (einem) ganz bestimmten Menschen zusammen arbeiten konnte. Ob nun gezielt oder durch Fügung sei dahingestellt. Bei manchen Fotografen war es ein einziges Bild, auf dessen Wirkung sein Ruhm, seine Kunst beruht, bzw. begann. Das muss nicht das Bildnis eines Menschen sein, doch die Geschichte zeigte, dass dem häufig so war, denn der Mensch war und ist vornehmlich am Menschen interessiert. Ob es der Fotograf Dennis Stock mit seinem Foto von James Dean auf dem Times Square ist, oder Georg Zimbel mit dem Bild der Marilyn Monroe in ihrem hochfliegenden Kleide, Steve McCurry mit dem Portrait des afghanischen Mädchens, es sind die Augenblicke, in denen der Fotograf nicht nur anwesend sein sollte, sondern die Kamera bereit hatte, um auszulösen, und sich in der Vorbereitung zu seiner Idee dieses Shootings/Bildes gewahr war.

Ich halte es für wunderbar, wenn die Zusammenarbeit zweier Künstler  -ein Model sollte genau so (Performance-) KünstlerIn sein, wie der Fotograf- in meisterhaften Werken sich ergibt. Je besser die Beziehung, vornehmlich auf der Ebene der Zusammenarbeit harmoniert, desto eher ist die Möglichkeit gegeben, ein Bildnis mit Seele zu erschaffen. Zusätzlich ist es natürlich von besonderer Güte, wenn die „Chemie“ zwischen den Künstlern stimmt. Funktioniert über das Arbeiten hinaus die verbale und nonverbale Kommunikation und erwächst durch Freude und Lachen eine besondere Atmosphäre beflügelt das wunderbar. Vielleicht kann sich solch eine Beziehung nicht beim ersten Male der Zusammenarbeit ergeben, doch ich erlebte es schon genau in dieser Weise. Eine Muse sicherlich ist ein Mensch, der langfristig mit einem anderen Menschen zusammen wirkt. Eine Inspiration wächst dahingehend im Laufe der Sessions. Es ist ähnlich einer Beziehung, in der es Tage geben wird, in denen es nicht zu einer gegenseitigen Befruchtung kommt und es gibt Tage, da kommen regelrechte Kunstwerke zustande.

So wünsche ich jedem eine oder mehrere Musen, die Göttinnen der Künste aus der griechischen Mythologie, ob nun männlich oder weiblich, das ist dabei einerlei! So kann eine vertrauensvolle Gemeinschaft entstehen, aus der das Werk der Künstler erwachsen wird.

 

 

Über mein Bloggen ( 183 )

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Eine Verselbständigung meiner Ambitionen durch den Blog oder den Aufwand, den ich in dieses Unterfangen investiere, ist nicht in Sicht. Doch die Gedanken kreisen manches Mal um Sinn und Zweck, Inhalte und Frequenz, Bedeutung und Beschäftigungen mit meinen Aktivitäten rund um den Blog. Dazu ein kleines Intermezzo. 🙂

Dies sollen keine langen Worte über das Thema Bloggen werden, wenn auch Parallelen durchaus angeschnitten werden. Begonnen habe ich mit der Intention, ein Buch über die Bedeutung des Aussehens zu verfassen. Dies wollte ich mit Abbildungen des Körperteils Po versehen. Die Welt um mich herum mit offenen Augen betrachtend, schon immer angezogen von der Schönheit (des anderen Geschlechts), habe ich versucht, eine Begründung zu finden, woher das alles rührt. Literatur und Gespräche ohne Ende, seit der Pubertät, führten mich zu immer neuen Denkansätzen.

Das Thema ist grundsätzlich weiterhin spannend, zumal neben vielen sich bestätigenden Forschungsergebnissen immer wieder neue, zum teil konträre Erkenntnisse gewonnen werden. Ich stelle fest, dass sich manche meiner Beiträge im thematischen Inhalt sehr ähneln. Fast könnte man sie zusammen fassen.

Doch um dieses nicht machen zu müssen, habe ich mich entschieden, ältere Beiträge zu ergänzen, wenn sich derart enge Bezüge zu beschriebenen Themen durch neue Literatur ergeben. Im Moment lese ich ein Buch, dessen Forschungsergebnisse aus den Jahren 1998 bis 2007 stammen, also -wissenschaftsrelevant- höchst aktuelle Inhalte beschreiben.

Ebenso die hier gezeigten Fotografien der Hintern, die ich im Laufe der Zeit fotografieren konnte, ähneln sich immer wieder mal. Es liegt weniger an der möglichen Vielfalt der Popos, dass Du solch frappierende Ähnlichkeiten in den Aufnahmen findest, sondern an meiner Vorliebe für ganz bestimmte Formen und Proportionen. Fast wäre es einerlei, ob ich immer wieder ein neues Bild eines Gesäßes in jedem Artikel abbilde, oder ein identisches, das sich in allen Artikeln wiederfindet. Nur die Abwechslung ist interessant, wie im Leben der Menschen überhaupt.

Ich meine, es sollte sich nur nicht verselbständigen, die Sache mit den Fotos zur Hauptsache des Blogs werden. Das sollen die thematischen Inhalte bleiben. Ich bekomme hin und wieder Meinungen mitgeteilt, nach denen es die Mischung ist, die es ausmacht. Ich bin zutiefst überzeugt, dass ohne die gezeigten Fotografien dieser Blog wesentlich weniger Besuche verzeichnen würde. Wenigstens kann ich mich so der Illusion hingeben, dass meine Texte sogar hin und wieder gelesen werden. 😉

Was ich des weiteren erwähnen möchte ist eine Mail einer Leserin, in der sie mich fragte, warum ich meine Quellen nicht unter die Artikel schreibe. Ich habe auch daran gedacht. Wie während meines Studiums ist eine Ausarbeitung eigentlich nichts ohne Quellenangabe. Doch ich habe mich gegen diese Praxis entschieden, weil sonst der Umfang der Artikel, nein, der Aufwand zum Verfassen der Artikel weitaus größer wäre. Wie jeder andere Blogger hier es auch weiß, ist ein Blog eine Freizeitbeschäftigung, die nicht wenig Zeit in Anspruch nimmt. Das machen fast alle gerne, ich auch, aber irgendwo ist eine Grenze für mich erreicht.

Texte zu verfassen ist etwas anderes, als nur Handy-Bildchen oder Statusmeldungen vom WC zu posten. Da ich nun noch eine wunderbare Familie habe, mit allem dumm herum, dazu noch Kinder und Hund, Haus und Garten, einen Job und andere Hobbies, wie Freunde, Fotografie, Sport, Taxidienste für die Kinder, Eltern, die nicht mehr 70 sind (ja, beginnende Alterserscheinungen erfordern Pflege – die man gerne gibt, weil ich das Glück hatte, dass auch meine Eltern IMMER für uns Kinder da waren, aber auch sonst) und, und, und, so nehme ich mir dann doch nicht ganz so viel Zeit, wie es Spaß machen würde.

Eine beständige Quellangabe würde wesentlich mehr Aufwand bedeuten, da diese, wenn, dann schon genau für jeden Absatz und jedes Zitat sinnvoll wäre, unter jeden Artikel gebracht werden müsste. Ich habe mich dazu entschlossen, hin und wieder die Namen derer zu nennen, die die Bücher geschrieben haben, die ich gelesen habe. Wenn jemand etwas mehr wissen möchte, so kann er/sie mir gerne eine Mail schreiben. Auch ist das Netz voll von wissenschaftlichen Erkenntnissen, man muss sich nur informieren. Und da bin ich schon wieder am Punkte angelangt, am dem die große Frage erscheint: Für was soll ich mich noch alles interessieren?

Ich meine, es wäre toll, wenn die Ethik und das Menschsein wesentlich mehr Raum in der Bildung hätte. Verdient haben sie es allemal. Und damit meine ich nicht nur die Schulen, die mehr und mehr die verpasste Erziehung der Kinder zur Mitmenschlichkeit leisten sollen. Ich schweife ab.

So bleibt mein Blog vorerst ohne Quellangaben. Aber ich lese weiterhin interessante Bücher und besuche noch immer fundiert geschriebene Webseiten, die das Thema Äußerlichkeiten und deren Wirkung zum Thema haben. Zuweilen ist das Unterstreichen von Sätzen und kleben von Buch-Post-Its und das spätere wiedergeben der Inhalte mühsam, aber es macht mir Spaß. Die Bildbearbeitung steht noch aus: die mache ich gerne, wenn alle anderen schon sanft schlummern.

Ich wünsche Dir viel Spaß weiterhin bei Deinen Besuchen hier, beim wohlgeformten Hintern 😉

„Kunstlose Bewegungen“ ( 182 )

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Der wunderbare Moment der Gedankenlosigkeit, der den Menschen völlig losgelassen dasein lässt, ist immer häufiger zu beobachten. Nämlich dann, wenn der Mensch sich auf andere Dinge (Telefon 😉 )konzentriert, als auf die Dynamik oder Statik seines Körpers.

Wenn ich einen Menschen fotografiere, der sich auf die Aufnahme einlässt, ganz gleich, ob Model oder nicht, so laufen in seinem Kopf Unmengen von Denkprozessen ab. Bei gestellten Shootings fragt sich der Mensch beständig, ob die oder jene Pose nun gut, sehr gut, mittelmäßig oder unzufriedenstellend ausgeführt wird.

Dabei spielt es nur eine nachrangige Rolle, wie ich als Fotograf mit der Person vor meiner Kamera kommuniziere. Sicher ist es hilfreich die ein oder andere Anweisung zu geben, oder zu beschreiben, was der Augenblick gerade aussagen, ausdrücken soll, es trägt unbedingt zu einer harmonischen und guten Zusammenarbeit bei, das ist keine Frage, doch ich möchte auf etwas anderes hinaus.

Niemals wird die Pose so natürlich sein, wie sie ist, wenn der Person nicht gewahr wird, dass sie gerade abgelichtet wird. Der uralte Trick, als Fotograf vor einer Gruppe oder Person zu sagen, er zähle nun bis 3 oder 5 und werde dann fotografieren, in Wirklichkeit den Auslöser aber schon bei 2 oder 4 zu betätigen, entlockt manch ungezwungenere Mimik.

Bei der Straßenfotografie geht es gerade darum, Szenen des alltäglichen Lebens zu erfassen, die nicht gestellt wurden. Oft finden sich sehr natürlich anmutende Bilder, die so tausendfach jeden Tag erkannt werden können. Diese Wiedererkennung ist es, die den Reiz dieses Genres ausmacht. Und genau da möchte ich ansetzen, wenn ich von einem Spruch ausgehe, den ich auf meiner Homepage im Bereich des Fotoshootings stehen habe: No Posing!

Mir sagen Bilder von Menschen, Portraits oder andere Arten von Fotografien ganz besonders zu, auf denen möglichst viel von dieser oben beschriebenen Natürlichkeit enthalten ist. Dieser Stil könnte als „No-Posing-Stil“ bezeichnet werden, der als solcher nicht sehr leicht vorzustellen ist. Der Mensch denkt unentwegt. Damit reagiert er auch unentwegt. Und er stellt sich immer wieder vor, wie er wohl jetzt gerade aussieht oder wirkt. Dabei abzuschalten, das ist eine hohe Kunst.

Während eines Shootings nutze ich manchmal die Augenblicke, die bei einem Szenenwechsel entstehen, die oftmals nur Bruchteile von Sekunden einnehmen, wenn das Model sich beispielsweise gerade herumdreht. Dabei sind schon sehr oft die besten Bilder entstanden. Alles natürlich in Absprache mit dem Model. Was nicht heißt, dass eine sinnlich an die Wange gelegte Hand nicht absolut bezaubernd oder lasziv sein KANN.

Der Begriff „vollkommene Kunstlosigkeit“ (Moses Mendelssohn) lief mir neulich direkt in meine offenen Arme, ich verband es sofort mir dieser meiner Idee. Eine Pose in „vollkommener Kunstlosigkeit“ ist eine ungezwungene Bewegung oder Statik, die frei von jeder Absicht ist, oder frei von jedem Zweifel, der Mensch ist quasi gedankenlos, was seinen Körper angeht. Sagt mir sehr zu! 🙂

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Anmut ( 181 )

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Schönheit und Anmut: Zwei völlig verschiedene Dinge. Und dennoch: in unserer Vorstellung sind sie an sich ganz ähnliche, vielleicht sich ergänzende Attribute.

Ähnlich, weil beide eine Wirkung eines Menschen auf andere Menschen beschreiben, und doch: grundlegend unterschiedlich sind ihnen die Werte in ihrer Bedeutung. Die Schönheit ihrerseits zielt auf das Aussehen. Schön sein bedeutet, dass dem Menschen eine Eigenschaft zugesprochen wird, die relativ objektiv ersichtlich erscheint. Schönheit ist ein Fakt, sie gilt je nach gesellschaftlicher Prämisse als messbar, als bestimmbar.

Die Anmut hingehen erklärt sich weitgehend anders. Anmut bedeutet eine weit über die schiere Schönheit hinaus gehende Eigenschaft (nicht nur) des Menschen. Sie wird wesentlich differenzierter erkannt. Während das Schöne als anzeigende Eigenschaft einem bestimmten Menschen durch gerade eng definierte optische Eigenschaften zugesprochen wird, so ist Anmut etwas, das zwar auch dem Aussehen zuerkannt wird, insbesondere aber zudem sich manifestiert in Bewegungen, in Gestik, Mimik und den Ausdruck in ihrer Ganzheit zugrunde legt.

Entscheidend ist dabei, dass der Ausdruck in der Anmutigkeit gerade bestimmte Schönheitsfehler mit einbezieht, was der Schönheit hingegen missgönnt ist. Wo die Perfektion der Schönheit ein Manko aufweist, da beginnt meist der Anmut in seiner Ungezwungenheit. Der Anmut unterliegt damit weder irgendwelchen modischen Strömungen noch gelten für sein Erscheinen bestimmte Voraussetzungen, er ist ein Kind der Freiheit. (Empedokles: „Anmut haßt den Zwang“)

Die Schönheit bezeichne ich als gerade mal einen möglichen Teil des Anmutes. Deshalb bedeutet Schönheit, die einen Menschen ziert, oftmals nur diesen blanken Schein, der an sich zwar absolut wirkt, doch in der Beschreibung des Menschen nur oberflächlich bleibt. Schönheit in ihrer selbst führt allzu leicht zum Narzissmus, während die Anmut viel mehr vom in sich stimmigen Wesen des Menschen aufgreift. Sie lässt zudem eine viel tiefere Bestimmung des Wesens zu. Schönheit bringt den Menschen oft zu einer Darstellung ihrer selbst, deren Ausdruck in einem durch und durch künstlichem Verhalten endet, das nur noch der Schönheit selbst geschuldet erscheint. Das Verhalten hat alle spielerische Leichtigkeit, an der der Anmut zu erahnen wäre, verloren.

Vor Jahren las ich ein Buch, in dem sinngemäß die folgenden Worte geschrieben standen: ‚Wie schön du warst, allein vergaß ich dein Gesicht.‘ Dieser Satz stellte für mich damals schon eine sehr eindringliche Ermahnung dar. Ermahnung, weil dabei Dinge jenseits des optischen Äußeren beginnen zu zählen, ja geradezu bestimmend sind Es kommen wesentliche zwischenmenschliche Eigenschaften zum Tragen, die das schiere Aussehen im Sinne der allgemein gültigen Normen sichtlich überlagern. Anmut beschreibt zusätzlich ein Zusammenspiel von sinnlichem Aussehen und geistiger Haltung eines Menschen. Goethe definiert Anmut als den Gleichschritt von Geist und Körper.

In Schillers „Über Anmut und Würde“ (1793) wird Anmut definiert als willkürliche Bewegung einer „schönen Seele“, die „sympathetisch“ zu einer expressiven Gesinnung steht. Anmut ist „Schönheit, die nicht von der Natur gegeben, sondern von dem Subjecte selbst hervorgebracht wird“ und dennoch wie ein Naturschönes wirkt; sie ist sozusagen bewusste Bewusstlosigkeit. Friedrich Schiller sieht die Anmut in der „Freiheit der willkürlichen Bewegungen“.

So bleibt dem Aussehen des Menschen, nicht nur dem des Menschen, aber hier geht es ja in erster Linie um uns Menschen, neben der allseits beliebten Diskussion über Schönheitsideale in Wirklichkeit noch viel mehr, nämlich der Anmut, der so viel mehr von der Seele des Menschen innehat und intuitiv viel häufiger von unserem Empfinden erspürt wird, als wir denken.

Welcome back my friends, to the show that never ends… come inside, come inside …

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Zurück aus dem Urlaub, viele friesische Impressionen entführt aus der bedingungslosen Abgeschiedenheit der Weiten des Landstrichs, deren Wasserwege, an der Zahl gefühlt so viele wie Straßen zu immer neuen und spannenden Orten und ihrer freundlichen Bewohner führten.

Viele Beiträge von Dir sind mir entgangen, und ich werde mir die Zeit nehmen, bei Dir zu stöbern, zu entdecken, was alles wichtig und erwähnenswert Dir schien.