Körperlichkeiten ( 180 )

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Wie steht der Mensch zu seiner Körperlichkeit? Wie nimmt er/sie den eigenen Körper wahr. In wie weit hat der Mensch eine Beziehung zu seinem Körper und wenn er eine hat, welcher Art ist sie, eher liebevoll und annehmend oder gleichgültig hinnehmend?

Ich wachse mit meinem Körper auf, lerne ihn nach und nach kennen, akzeptiere ihn aber noch lange nicht. Kleine Eroberer und Entdecker werden ab der ersten Phase der „Erziehung“ darauf hingewiesen, dass noch lange nicht jeder Bereich des eigenen Körpers seine ungeteilte Aufmerksamkeit verdient. Und die Götter, die uns da erziehen, die haben Allmacht. Für Kinder ist das so.

Was diese Götter ihrerseits, in ihrer Kindheit über ihren Körper erfahren haben, steht auf einem ganz anderen Blatt. Diese Götter also führen ein junges Menschenkind über die Landkarte des eigenen Körpers, weisen Zonen aus, die verbotenes Terrain sind, andere Bereiche, denen nicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte, andere, die immerzu gereinigt werden müssen und solche, die einfach da sind, die wir begrapschen dürfen, wann immer uns danach ist.

Irgendwann aber ist die Zeit vorüber, in der wir uns was sagen lassen. Nachts unter der Bettdecke wird erstmal kontrolliert, ob die verbotenen Zonen tatsächlich so tabu sein können. Was hat es damit auf sich? Das geschieht freilich stets mit dem Wissen von Moral und Sitte, von Regelbruch und Anarchie. In wie weit das zuträglich für die gesunde Entwicklung der Menschenkinder ist, darf hier offiziell in Frage gestellt werden.

Wie gehe ich mit dem um, was mich körperlich ausmacht? Habe ich gelernt, jeden Teil meines Körpers anzunehmen, oder gibt es Bereiche, deren Existenz mir bewusst ist, die ich aber hervorragend ausblenden kann: „Nun ja, ich nutze sie zwar, aber nur im Verborgenen.“ Degradiert zur Funktionalität?

Spätestens in der Pubertät stellen sich dem jungen Menschen viele Fragen, für die er nicht immer einen Adressaten findet. Worüber kann ich reden? Auch über das, was mir peinlich ist? Und was ist mir peinlich? Warum ist es mir überhaupt peinlich? Peinlich heißt doch, dass ich etwas denke, fühle, von dem ich meine, dass es vor dem Augen anderer moralisch fragwürdig ist. Und fragwürdig ist dabei, ob es nicht bei jedem Menschen so ist, und wir uns nicht viel ähnlicher sind, als wir vermuten. Wo ist dabei die Grenze zu natürlicher Scham? Gibt es, soweit es unseren Körper betrifft, soetwas wie natürliche Scham tatsächlich?

Kann ich darüber frei sprechen, von dem ich seit der Kindheit hörte, dass es bloß tabu bleiben soll? Viele kleine Entwicklungen fordern die Aufmerksamkeit des jungen Pubertierenden. Die Regel setzt ein, der erste Samenerguss geschieht und die Frage ist, mit wem kann ich darüber sprechen.

Die Eltern waren und sind da nicht immer die erste Wahl. Freunde, die sich vermutlich in der gleichen Situation befinden sind einem nahe, aber nicht zu nahe, als dass man sich nicht an das ein oder andere Thema behutsam herantasten könnte.

Nur, welche Erziehung genossen diese Freunde, wie gehen sie selbst mit dem Thema um. Und, auf der anderen Seite steht im Raume, was aus der Gesellschaft zurück hallt. Diese Gesellschaft in Form der Stimme von Medien (elektron. und Print), Familie und Verwandtschaft sowie dem Bekanntenkreis. Multiple Einflüsse sind bei der Formung meines Körperbildes wirksam. Wie groß ihr jeweiliger Einfluss tatsächlich ist, bleibt die entscheidende Frage. Ist mein Charakter, mein Geist in der Lage diese Strömungen zu integrieren, zu umschiffen, überhaupt erst mal zu analysieren.

Wie ich mit meinem Körper umgehe ist also das Resultat dessen, welche Entwicklung ich durchlaufen habe, ganz besonders, welchen Einflüssen ich ausgesetzt war und wie ich diese verarbeitet habe. Dennoch sollte ich mir bewusst sein, dass die Menschwerdung nie ein abgeschlossener Prozess ist, und dass ich mich immer wieder neu entschließen kann, auch meinen Körper wieder anders verstehen, erkennen und lieben zu lernen.

Kleidung als Wertsteigerung der persönlichen Erscheinung (179 )

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Kleidung als Wertsteigerung der persönlichen Erscheinung wird als Wertmassstab in der globalen Gesellschaft verstanden.

Wir Menschen laufen schon etwas länger nicht mehr nackt durch die Gegend. Es begann zu Zeiten, in denen sich der Mensch an mehreren Standorten gleichzeitig überlegte, seinen Gang aufzurichten. Das war vor ungefähr 40.000 – 75.000 Jahren. Damals, vergeblich die Suche nach dem nächstgelegenen Jeans-Store, begnügte man sich mit dem, was man vorfand: Felle und Pflanzenfasern. Warum? Ursprünglich als Schutz vor Witterungseinflüssen und zum Schutz vor Verletzungen durch beispielsweise Sträuchern mit Dornen und Stacheln. Und, man wird’s kaum erwarten, zur Erkennung von Stamm und Stand! Häuptling oder Briefbote, die Kleidung der Neandertaler zeigt es. 😉

Anthropologen gehen davon aus, dass der Zeitraum der Einführung von Kleidung weniger genau eingegrenzt werden kann. Funde datiert man auf eine Zeit von 25.000 v. Chr., doch es könnte schon vor 350.000 Jahren Kleidung gegeben haben. Was aber erforscht werden konnte ist die Tatsache, dass schon in frühester Zeit die Kleidung mehr bedeutete, als nur Funktion. Warum sonst, so die Forscher, begnügte man sich nicht mit natürlichen Farben? Es wurde nämlich schon vor 20.000 Jahren gefärbt.

Sollte es also schöner werden?! Erst mal nicht. Die Bedeutung war die Erkennbarkeit der Stammeszugehörigkeit. Fortuna Düsseldorf gegen Schalke 04. Rot gegen Blau. Neandertaler gegen Cro Magnon. Bärenpelz gegen jene mit dem Wolfsfell, später dann die mit dem Henna-gefärbtem Flachs gegen die mit dem Indigo-gefärbten. Und die Sieger wurden geachtet. „Boah Ey, kumma der mit dem blauen Baströckchen, das is einer von den Starken!“ Kennt man, nicht war? Der mit dem Armani(R)-Anzug muss einer von den Erfolgreichen sein, der hat sicher schon viele Euro erlegt.

So begann es, dass Kleidung mehr als nur Schutzfunktion hatte. Körperschmuck wird seit Jahrtausenden getragen, hat seitdem eine immer gleich bleibende Bedeutung beibehalten: er soll den Träger abheben, vom Allgemeinbild, vom Standard, vom Durchschnitt, vom Normalen. Er zeichnet sich aus, im wahrsten Sinne des Wortes.

Sinngemäß zum Schmuck schreibt Georg Simmel: “ Denn dieser Sinn ist, die Persönlichkeit hervorzuheben, sie als eine irgendwie ausgezeichnete zu betonen, aber nicht durch eine unmittelbare Machtäußerung durch etwas, was den Andern von außen her zwingt, sondern nur durch das Gefallen, das in ihm erregt wird und darum doch irgendein Element von Freiwilligkeit enthält.“ (Danke nataliebella! 🙂 )

So rücke ich die Kleidung bestimmter Art sehr freizügig in die Nähe des Schmucks. Durch die Kleidung senden wir vielfache Botschaften aus. Abgewandt von Mao Tse Tung mit der Vorgabe seiner grauen Kittel für das gesamte Volk definieren wir uns heutzutage ein Stück weit durch die Art der Kleidung. Apropos Uniform: Wenn auch die Jeans oberflächlich als uniform angesehen werden könnte, ( was trägt er/sie, Jeans, ach so!) so ist die Form, Marke, Stoff und Style unter Insidern sehr genau diffenziert. Jeans ist noch lange nicht gleich Jeans!

Wieder kommt es zur Devise: Zeige mir deine Kleidung, und ich sage dir, wer du bist! Über die Botschaften, die ich durch das Tragen der Kleidung aussende, habe ich zuvor hier geschrieben. Expressive Darstellungen von Kleidung führt aber nicht zwingend zur Ausschmückung des Trägers, denn beim Akt der Identifikation mit einer Modegruppe uniformieren sich die Träger erneut und heben sich so nur außerhalb dieser Gruppe ab. Tendenziell findet hier oftmals eine Ausgrenzung derer statt, die, aus welchen Gründen auch immer, sich nicht dieser Mode unterwerfen (können).

Der Anteil der Schmückung an der Art der Kleidung ist damit ein weiterer Schwerpunkt, der den Wert unseres Aussehens maßgeblich beeinflusst. Ein famoses, weil anschauliches Beispiel dafür sind ausgerechnet die Paparazzi, denen es manchmal gelingt, ein Star zu fotografieren, der sonst nur „zurechtgemacht“ abgebildet wird. Meist ist es zwar auch den Paparazzi erlaubt, nur solche Aufnahmen zu veröffentlichen, die vom Motiv oder dessen Agentur freigegeben wurden, dennoch finden sich immer wieder Beiträge, die dem nicht nachkommen. So zum Beispiel auf dieser Website, auf der z.B. Jessica Biel, Beyoncé, Madonna oder Angelina Jolie geschminkt und ungeschminkt gezeigt werden. Diese Gegenüberstellung bezieht sich zwar auf die Farben im Gesicht der Menschen, es ist in ähnlicher Form durchaus auch auf die Kleidung zu übertragen, meine ich.

Wieder ist es das visuelle Wesen Mensch, dass sich allzu gerne und allzu oft blenden lässt. Und wenn hier in WordPress eine Autorin nach dem Verbleib der warmherzigen (Worte) zwischen den Menschen fragt, so konstatierten andere traurig: In der anonymen Oberflächlichkeit von Internet und Smartphone! Dazu rege ich an, dies zu bedenken.