Mode als persönliche Selbstdarstellung (176)

zent jeans hintern  mies-vandenbergh-fotografie.de

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Kleidung gilt als ein Teil der persönlichen Selbstdarstellung. Denn jeder Mensch entscheidet zu jeder Zeit über die Art seiner Kleidung. Dabei spielt es tatsächlich nur eine untergeordnete Rolle, welche willkürlichen Konventionen eine Kleiderordnung vorschreibt. Denn auch innerhalb dieser Vorschriften existieren wiederum Wahlmöglichkeiten, deren Ausdruck sich in der gewählten Kleidung widerspiegeln.

„Zeige mir deine Kleidung, und ich sage dir, wer du bist!“ So funktioniert unsere Gemeinschaft. Definitiv! Nahezu jeder ist sich dessen bewusst. Jedoch, lange nicht jeder hält sich daran, nimmt in Kauf, vorerst der Kleidung nach behandelt zu werden, um erst in zweiter Linie differenzierter erkannt zu werden.

Die Sprache der Kleidung ist eine nicht immer leicht verständliche. Irrtümer und Entgleisungen zeugen für das unterschiedliche Verständnis von Konventionen und Riten, von Gebräuchen und Regeln. Auch als Mittel der Rebellion gebräuchlich, unterwirft sich die Kleidung einem besonderen Verständnis. Diese Sprache zu lernen ist eine Aufgabe, die eine lange Zeitspanne des Lebens einnimmt, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich diese Sprache nicht nur im Laufe der persönlichen Entwicklung ändert, sondern auch im Zuge der gesellschaftlichen Trends und Moden.

Klassiker der Kleidung bleiben nahezu unberührt, wenige modische Erscheinungen erreichen je den Status eines Klassikers, aber letztendlich greifen die wenigsten Menschen auf Klassiker im Alltag zurück. Nicht umsonst gilt die Modeindustrie als eine der stärksten Wirtschaftskräfte der westlich orientierten Gesellschaft. Was nicht bedeutet, dass eine Jeans und T-Shirt nicht schon den Status eines Klassikers erreicht hätte. Diese Kombination wird tagtäglich von einem Großteil der Menschen bevorzugt. Einfach praktisch und bezahlbar bis elitär kann diese Kombination unterschiedlichste Ansprüche bedienen.

Mitläufer und Trendsetter der Mode drücken sich modisch aus. Sogenannte Randgruppen wie Punks oder Teds, Gothics oder Emos, die – meist gegen ein Etablissement, oder für ihre Peergroup- ihre Ansichten signalisieren oder auch die in der Gesellschaft als integriert geltenden Schönen und Chicen, Gents und Beaus, die der optischen Gewichtung wegen ihre Mode als Ausdruck, insbesondere aber als Geltungsbeweis pflegen, üben einen gewissen Einfluss auf modische Strömungen aus.

Der Mainstream der bekleideten Menschen, der hauptsächlich innerhalb der Woche während der Feierabendzeiten zu beobachten ist, könnte als unauffällig simple zu bezeichnen sein. Im Grunde genommen liegen die Anforderungen der Kleiderordnung in engen Grenzen. Innerhalb derer gibt es zwar Variationen, doch der Tenor ist bestimmend deutlich zu erkennen.

Bunter im wahrsten Sinne des Wortes mutet das Bild an Wochenenden an. Bedeutend weniger Konventionen lassen mehr Spielraum zur Darstellung der Persönlichkeit. Wir haben den Freiraum, uns eine Kleidung zu wählen, die zu uns passt, die aussagt, wie wir uns fühlen, was wir denken, wir zeigen, wer wir gerne sein möchten und vor allen, zu welcher Gruppe von Menschen wir gehören wollen.

Wenige Ausnahmeerscheinungen, manchmal Trendsetter, durchbrechen diese Aussage, spiegeln Individualität wieder, zeigen die Einstellung in exhibistionistischer Weise: Seht her, ich bin anders, ich bin eigen. Doch mehrheitlich sollte man sich nicht täuschen lassen über eine weitaus größere Gruppe, nämlich derer, denen die Aussage der Kleidung einerlei ist: Ich bin einzigartig im Sinne und im Menschen, habe aber keine Ambitionen, dies über meine Kleidung nach außen zu tragen. Dessen sollte man sich immer wieder bewusst sein, bei jedem einzelnen, auch denen, die sich äußerlich und zu bestimmten Anlässen an enge Konventionen zu halten scheinen.

(Noch eine kleine Anekdote aus 1993: Im einem Yachthafen an der Ostsee -vielleicht Travemünde oder Laboe- angekommen, unbekannt und unwissend über die Gegebenheiten der Ortschaft suchten wir Rat. Wir sprachen verschiedene Leute auf dem Steg an. Gut gekleidete und solche mit offensichtlich stark abgetragener Kleidung. Bei diesen kurzen Gesprächen und unter der Prämisse: „Wie du in den Wald hinein rufst, so schallt es auch hinaus!“ machten wir eine Beobachtung: der mit der auffällig seemännischen Kleidung, der anschließend zu seiner 11 Meter Motoryacht stiefete, uns zuvor aber etwas überheblich und kurz angebunden entgegentrat, und der mit der weniger nautisch korrekten Kleidung, mit dem durchschnittlichen Jeans und Sweatshirt-Outfit, der uns freundschaftlich-offen weit über unsere Fragen hinaus Auskunft gab, und uns anschließend sogar noch zu einer Dose Bier auf seine klassische 15 Meter Segelyacht einlud. Wir nahmen natürlich freudig an.🙂 Fast hätte uns die Kleidung getäuscht😉 )

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