Natürliche Schönheit kommt von außen? ( 167 )

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Natürliche Schönheit als feste Größe zu betrachten fällt mir zurzeit schwer. Natürliche Schönheit als das zu erkennen fällt mir schwer. Vermischen sich doch die natürlich schön „Gemachten“ mit den natürlich Schönen.

Wo ist der Unterschied zwischen denen, welche natürlich schön sind und denen, die natürlich schön hergerichtet wurden? Dazu bedarf es für mich erst einmal eine Definition für natürliche Schönheit. Bemühe ich den Zeitgeist, der mir exakt vermittelt, was gerade „en vogue“ ist! Vorbei scheinen demnach in jedem Falle die Zeiten, zu denen eine „natürliche“ Form des menschlichen Körpers als schön gilt. Die Mehrheit der Menschen, gehe ich nach diesen idealen Maßen der Medien, ist definitiv nicht dürr genug. Betrachten wir jedoch die vergangenen Zeiten in ihrer Summe, so erkennen wir, dass wir nur in „einer“ Epoche leben, in der es so zu sein scheint. So ist im Mittel der Zeiten der Körper des Menschen dem Mittelmaß verschrieben. Natürlichkeit hat also, legt man das zu Grunde, sehr viel mit Mittelmäßigkeit zu tun! Oder?

Nur heutzutage sind wir dazu gekommen, den nicht zu dünnen und nicht zu dicken Körper als nicht mehr ganz normal zu betrachten. Wenn ich an dieser Stelle von „wir“ spreche, so meine ich die Gesellschaft als Ganzes. Denn im persönlichen Umfeld eines jeden scheint es weniger so zu sein, als durch die Öffentlichkeit suggeriert wird. Ist man nicht gerade Teil der Medien oder Modebranche, so sind die Menschen um einen herum in ihrer Mehrzahl weit genug entfernt von Modelmaßen.

Definiert sich natürliche Schönheit über die Erkenntnis, einen Menschen zu sehen, der bestimmte Attribute in sich vereint, die nicht künstlich hinzugefügt, oder bestimmte Attribute nicht zu besitzen, die nicht künstlich entfernt wurden? Wird das Empfinden von Schönheit eines Menschen geprägt durch äußere Einflüsse? In früheren Artikeln habe ich das soweit ausführlicher dargelegt. Inwieweit aber, so ergibt sich daraus für mich die Fragestellung, kommen wir mit der ursprünglichen Empfindung von Natürlichkeit darin überein, als etwas schön -oder weniger schön- zu erkennen und zu beschreiben? Gewiss, Menschen reagieren auf die Seele weitaus tiefer, als auf die Erscheinung, doch immer wieder wird der Mensch dazu angehalten, auf die Erscheinung einzuwirken und denen etwas abgeschrieben, die nicht diesem Bild der Übereinkunft entsprechen. Hinzu kommt das allseits proklamierte Manifest von der Wechselwirkung innerer Werte mit seinem Äußeren! So wird also per se ein latenter Druck auf unsere Eigenwahrnehmung ausgeübt.

Natürliche Schönheit besitzt für mich einen ganz bestimmten Reiz, der mich intuitiv berührt. Lange bevor ich darüber nachdenke, was mich gerade in besonderem Maße angesprochen hat, entstand schon die Empfindung darüber in mir. Einen deutlichen Unterschied zur „künstlichen“ Schönheit kann ich beschreiben aus eigener Erfahrung. Wenn auch die ersten Augenblicke zunächst identisch zu sein scheinen, so stellt sich doch schon einen kurzen Augenblick später diese Empfindung als ganz und gar nicht gleichwertig heraus. Während die natürliche Schönheit in mir eine Art harmonischer Schwingung erzeugt, so mischt sich in die „künstliche“ Schönheit im Laufe der nächsten Augenblicke eine Art Disharmonie mit ein. Ein Gefühl von : „Schön, ja, aber etwas ist hier nicht richtig…“ beschreibt diese Disharmonie etwas anschaulicher. In der schnelllebigen Medienwelt, bzw. Welt der auf uns hernieder prasselnden Bilderstürme, besonders in der „Volksdroge Fernsehen“, dem Zeitdieb Nummer 1, wird nicht mehr davon benötigt, es zählt der erste Augenblick, denn einen zweiten gibt es nicht. Wild wechselnde Perspektiven sind das Mittel der Wahl, der Zuseher und Hinseher wird mit blitzartigen Einstellungen in hohen Dosierungen versorgt. Geschwindigkeit ist Trumpf, Fastfood ist in, visualisieren und verarbeiten überflüssig. Daher auch inhaltlich leichte Kost, meistens. Schwerere hat es schwerer. 🙂

Zurück zum Thema. Wenn ein Schönheitschirurg wie Werner Mang in seinem lesenswerten Buch/Werbebroschüre „Verlogene Schönheit“ davon spricht, dass er, wie ich ihn verstanden habe, möglichst nur „natürlich wirkende“ Schönheitsoperationen durchführen möchte, so bezeichnet das für mich einen Widerspruch in sich selbst. Zur Erklärung dessen: Natürlich wirkende Manipulationen bleiben Manipulationen, da wird er mir sicher zustimmen, und mir ist auch klar, was er mit natürlich wirkender Manipulation meint, nämlich zu handeln in Richtung der Erhaltung bestimmter körperlicher Eigenschaften zur optischen Vortäuschung eines bestimmten körperlichen Alters. Jenseits jeglicher Wertung darüber liegt für mich mein eigentliches Bedenken in der Bedeutung des Aussehens in unserer Gesellschaft, und der fleißige Leser meines sehr persönlichen Blogs wird an meinen verfassten Artikeln eine Stetigkeit dieser Bedenken erkennen.

Finde ich damit nur natürliche Schönheit bei jungen Menschen? Beispiel: Als ich gestern in Koblenz an einem Geschäft der Modekette „Zara“ vorüber ging, befand sich auf der Rückseite eine Werbung, die ein Model abbildete, deren Alter ich auf maximal 13- 15 Jahre schätze. Ohne Zweifel ein schöner Mensch. Ebenmäßiges Gesicht mit Kindchenschema, bearbeitet mit Grafiksoftware, und dennoch jugendliche Schönheit par Excellance. Dieses als Beispiel für einen Trend, denn davon gehen Menschen aus, so oder ähnlich auszusehen, egal, ob mit 25, 35, 45, 55 oder älter.mies-vandenbergh-fotografie

Die Frage nach der natürlichen Schönheit ist noch nicht beantwortet, und ich stelle hier die Frage, ob eine Catherine Deneuve mit 60 noch schön sein kann? Oder ein Sean Connery heute? Oder Elfriede Schulze-Riemann mit 66 aus Berlin, mein Lieblingsmodel für Bilder der 50+ Generation? Wenn sie nicht mehr aussehen, wie mit 16? Gibt es natürliche Schönheit jenseits der 17 noch? Gab es sie jemals? Das frage sich jeder selbst und es werden wohl Antworten gefunden werden, oder?

 

 

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