Prägung und Zukunft (163)

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Prägung und Zukunft, dieser Titel kam mir kürzlich in den Sinn, als meine Nichte (8) mir einen Wunschzettel überreichte und ich nicht schlecht staunte:

„Barbie Edition Germany’s Next Topmodel“ Warum staune ich? Nun, im Haushalt meiner Nichte gibt es keinen Fernseher. Sie ist acht Jahre alt und wenn, kommt diese Fernsehsendung zu Zeiten, in denen ein acht jähriges Kind tief und fest schläft. Wie sie an die Informationen kam ist mir natürlich kein Rätsel, sie ist Schülerin und hat soziale Kontakte. Kinder in gleichem Alter! Also, so könnte ich schlussfolgern, ist die Schönheit schon in der Grundschule ein Thema, das zur Folge diesen Wunsch bei meiner Nichte ausgelöst hat.

Nun ist es nicht nur meine Nichte, die sich diesem Thema im zarten Alter von acht Jahren öffnet. Ihre Klassenkameradinnen können alle mitreden. Was ist chic, was in, was hip. Puppen wurden schon in den letzten 3000 Jahren chic gemacht. Kinder der Welt ahmten schon immer ihre Erziehungsberechtigten nach, egal, ob das die afrikanische Mama oder die Neandertalermama war oder auch der Papa. Auch verschönern wollten sich die Menschen seit je her.

Was ist also verwunderlich?

In unserer Gesellschaft, die im Wesentlichen bestimmt wird durch das Leistungsprinzip, fragte ich mich oft, wie der Drang nach Schönheit, insbesondere nach Verschönerung beim Menschen entsteht. Kinder werden erzogen, in den seltensten Fällen leider nicht ins Leben geführt, sondern Ihnen wird etwas eingetrichtert. Wird ihnen aber auch beigebracht, sich zu verschönern? Im Falle meiner Nichte nicht durch die Eltern.

Ein übliches Maß an Fürsorge in Sachen Sachen. „Zieh‘ dich ordentlich an.“ Als Tenor der Anweisung ausgesprochen. Doch wann geschah die Veränderung, wann wurde meine Nichte „verdorben“? War es schon in frühester Kindheit, als die Verwandtschaft und Freunde, in besonderen Maße aber ihre Großeltern meine Nichte als süße Maus und niedliches Kind titulierten? “ Nein, wie süß ist das Mädchen… “ so lernte sie seit dem verstehen / hören der ersten Worte, dass etwas an ihrem Äußeren die Menschen zu positiven Reaktionen veranlasste.

Das musste wichtig sein, davon zeugten die stetig wiederkehrenden Bekundungen der Wesen um sich herum. Diese Prägung erfuhr sie immer wieder durch lachende Gesichter und andere zustimmende Mimiken. Mit sieben Jahren hat sie es schon gut heraus. Selbständig besucht sie Nachbarn und sagte wortwörtlich, dass diese bei einem „grinsenden Honigkuchenpferd“ unaufgefordert die ein oder andere Süßigkeit an Sie schenkten.

Und beginnt nun die Auseinandersetzung mit dem Aussehen und seiner Wirkung? Nein ganz und gar nicht, sie folgt erst mal der Strömung. Mit acht? Klar, reflektieren die Menschen in diesem Alter nicht. Und die Eltern, die Berater in Sachen Leben? Fehlanzeige! Wäre hier der Punkt, an dem eine Beeinflussung fundamental für die gesamte eigene Lebensdauer und damit den Einfluss auf die Gesellschaft wäre? Wenn hier ein Anfang geschähe, wäre das nicht der Punkt, an dem ein Schritt für die Gesundung der Wertvorstellungen der Gemeinschaft getan werden könnte?

Wie könnte der aussehen, was sagten die Eltern ihrem Kinde, um eine Revolution des Schönheitsverständnisses anzustoßen? Würde sich ein Kind isolieren aus der Kindergemeinschaft, dem die Bedeutung des äußeren Scheins relativiert worden wäre? Oder fungierte es als Trendsetter? Was geschah zu meinen Jugendzeiten?

Ja, das Kind wurde auf grausamste Weise ausgeschlossen. „Normalo“, blasse Schönheit oder Streber waren noch die harmloseren Ausdrücke. Was also tun? Später im Leben ansetzen? Wenn das erste Verständnis reift? Ja, vielleicht, der Weg wird nur darüber definiert werden, den Menschen als selbstbewusstes Individuum zu erziehen, sich zu definieren über den eigenen starken Charakter.

Das könnte die schwere Aufgabe sein, die den Eltern obliegt, ohne dass es dafür eine passable Anleitung gäbe. Und dann war da noch das Problem, dass viele Eltern selbst noch auf der Suche nach sich selbst sind 🙈🙉🙊

Doch ich möchte diesen Artikel nicht beenden, ohne einen Silberstreif am Horizont zu beschreiben: In den Klassen meiner Kinder verspüre ich eine Tendenz: weniger das HABEN gewinnt an Bedeutung als das SEIN.

Können Bilder lügen? 👓 (162 )

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Fotografie als Lüge für und in der Gesellschaft.
Wie viel realer Mensch wird auf einem Foto abgebildet.

Fast alle Fotografien von Personen des öffentlichen Rechts, welche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, wurden vorher durch Fotobearbeitungsprogramme „optimiert“. Jeder weiß das. Wie aber gehen wir damit um? Bei der Durchsicht der Hochglanzmagazine und Zeitschriften der Boulevardpresse blenden wir es verlässlich aus.

Allen Stars und Sternchen wurden hier und da Kurven zugefügt oder Pölsterchen wegretouschiert. Damit erscheinen sie -wiederholt und beständig- wie ein perfektes Abbild des schönen Scheins. Nahezu jeder Star beschäftigt einen Manager, welcher der Presse diktiert, welche Bilder in welcher Menge wo veröffentlicht werden dürfen. So dienen diese manipulierten Zeugnisse menschlicher Bildnisse als Vorbilder. Als Ideale für diejenigen, die daran arbeiten, einen Körper formen zu wollen, der in keiner Realität existiert.

Besonders Frauen, aber auch immer mehr Männer „shapen“ ihren Body. Der Körper möge eine Form erhalten, identisch derer, die Designer jeden Tag auf´s neue am Bildschirm idealisieren. Die wenigsten „Stars“ und „Sternchen“ geben Bilder zur Veröffentlichung frei, sollten diese ein Stück mehr ihrer natürlichen Wirklichkeit darstellen, als ihr Image erlaubte. Und, übersättigt vom andauernden Beschuss mit jugendlich schlank gehaltenen Personen und Körpern sind die Konsumenten -ausgeliefert der Bilderfluten- nicht mehr im Stande zu erkennen, welche Wirklichkeit der nicht egalisierten, faltenfrei gestempelten und reparierten Hautpartien der Hochglanzmagazine entnommenen Figuren die hübsche Bedienung im Bistro am Markt entgegenzusetzen hätte, hat diese doch einen leichten Krähenfuß am Lid des rechten Auges, der beim entgegnenden Lächeln ihr bezauberndes Wesen so charmant unterstreicht.

Dieser omnipräsente Ist-Zustand , allseits wohlbekannt, kann, wie jeder einzelne Missstand, wiederholt angeprangert werden, ja mit Engelszungen kann diese Misere beschrien werden, und doch steht es zu bezweifeln, dass dies an dieser Tatsache etwas ändert. Allen Unkenrufen zum Trotz scheint der Betrachter nach Vollkommenheit zu gieren, sich von der schnöden Realität abwenden, lieber seine Vorbilder mit seinen Idealen vermischt anbeten.

Um dieser gravierenden Idealisierung entgegen zu treten könnte der Ersteller der Werke seine Zielvorstellung revidieren, der Natürlichkeit zunehmend Raum geben. Doch ich bin überzeugt, dass es noch zu keiner Veränderung der Zustände führen werde, als zu einer Hinwendung zu jenen, die der Manipulation weiterhin treu ergeben sind. Somit möchte ich zumindest zwei Blickpunkte konstatieren: erstens, dass entweder die Idee, die Vorstellungskraft, die Wahrnehmung der Konsumenten, wie ich, schon vollends ruiniert ist, oder, zweitens, dass es der widernatürlichen Verhüllung und Entstellung des menschlichen Antlitzes geschuldet ist und damit darin nur ein Ventil, ein Ausgleich braucht, diesem Zwang nicht völlig zu erliegen.

Mir ist bewusst, dass dieser zweite Gedanke etwas provokant ist, doch ich frage an exakt dieser Stelle, warum die Heimlichkeiten darüber so eklatant offen gezeigt werden können, ohne dass es ausgesprochen werden darf!!! Wie sollen die jungen Menschen gesunde Wahrhaftigkeit in dieser verlogenen Scheinheiligkeit erfahren!
Solange nur der gestylte Mensch in entsprechendem Maße anerkannt wird können wir doch unsere charakterlichen Werte verkommen lassen, oder?

Die gekaufte Schönheit (161)

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Kann man sich Schönheit kaufen?  Ja! Kauft man sich damit gleichzeitig Erfolg, Ansehen und Glück? Nein!  Warum?

Die Praxis eines Schönheitschirurgen: Ein Mann kommt herein, möchte eine Veränderung in seinem Gesicht machen lassen. Der Arzt fragt nach den Gründen. Der Mann zählt Gründe auf, die dem Arzt sehr geläufig sind. Jedermann kennt diese Begründungen.

Denkt man darüber nach, stellt sich jeder sogleich die eigenen Intentionen im Geiste zurecht: Ich würde es gerne machen lassen, weil … ! Wenn Schönheitsoperationen nicht verhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde, so wären es mehr Menschen, die sich diesem Prozedre unterziehen würden. Doch zu den Gründen: Sämtliche Beweggründe für eine Veränderung im Erscheinungsbild eines Menschen führen folgerichtig auf ein klar definiertes Ziel hinaus. Der Mensch möchte eine Veränderung in seiner Wahrnehmung durch andere Menschen erreichen. Hier kommt bei Ärzten oft der Einwand des Patienten, dass er es sich hauptsächlich für sich selbst wünscht, für sein eigenes Bewusstsein, sein eigenes Selbstvertrauen.

Vordergründig gilt diese Aussage, doch im weiteren Schritt entlarvt sich diese Aussage: Nachdem ein Mensch etwas hat verändern lassen, fühlt er sich besser, sicherer, selbstsicherer. Sein Auftreten anderen Menschen gegenüber wird nach der optischen Manipulation ein vermeintlich Sichereres sein. Damit verändert sich scheinbar tatsächlich seine Erscheinung.

Diese „neue“ Wahrnehmung beruht vornehmlich auf der Veränderung der charakterlichen Wahrnehmung. Die entscheidende Frage hier lautet: Würde die gleiche Wirkung erzielt werden, wenn dem Menschen vermittelt worden wäre, er wäre so vollständig, wie er -ohne die Manipulationen- ist? Würde er sich auch dann nicht selbstsicherer darstellen, wenn er der festen Überzeugung wäre, er ist so wie er ist, in der Gemeinschaft vollwertig?

Erneut zu den Gründen: Der Mensch hat einen Grund für sein Handeln. Der Grund beruht auf einer Ursache. Die Ursache entsteht aus der Wahrnehmung einer Diskrepanz innerhalb der Gemeinschaft, in der sie eine Bedeutung von -frei festgelegtem- Wert besitzt. Zum Beispiel: Eine Manipulation der schmalen Lippe ist eine häufig durchgeführte Operation für den Schönheitschirurgen. Der Mensch, der sich die Lippe aufspritzen lässt hat im Vorfeld am einem bestimmten Zeitpunkt erfahren, dass schmale Lippen einen weniger großen Marktwert besitzen, als dies vollere Lippen haben. Davon ausgehend, dass ein Bestreben zu maximalem Marktwert in der -zumindest- westlichen Gesellschaft ein ständiges Bestreben darstellt, folgt der Mensch diesem und lässt sich die Lippen richten. Damit verspricht er sich eine Verbesserung seiner Position im Wettlauf um die Preise der Gesellschaft.

Wie lauten diese: Erfolg, Ansehen, Macht, Glück, … und den Schritt zurück zum biologisch-genetischen Fundament: Bei der Arterhaltung kann er mit volleren Lippen seine Gene besser erhalten, als mit schmaleren. Doch genau dazu habe ich in vorherigen Artikeln weitere Erkenntnisse verfasst. Zur eingangs gestellten Frage, ob Erfolg käuflich ist, bin ich meine Begründung schuldig, warum dies nicht so ist. Anhand des o.g. Beispiels argumentiere ich wie folgt: Trotz der volleren Lippen bleibt der Mensch im Charakter identisch, denn die optische Manipulation der volleren Lippen unterstützt ihn vielleicht beim ersten Kontakt in der Gesellschaft, da er NICHT durch schmale Lippen auffällig ist. Alles weitere ergibt sich zunehmend nur noch durch seine Worte und viel mehr noch durch seine Taten. Und die ändern sich nicht durch vollere Lippen, größere Busen, knackigerer Po oder kleinerer Nase. DEFINITIV. Meine ich!