Der Pfau oder die Begegnung mit Circe (159)

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Je nachdem, wie wir einen Gegenüber empfinden, benehmen wir uns, geben wir uns, verhalten wie uns, ob wir wollen oder nicht!

In einem Experiment ließen Forscher die Probanden telefonieren. Die Angerufenen waren jeweils anderen Geschlechts. Einem Teil der Anrufer wurde ein Foto des Angerufenen beigelegt, auf dem jeweils ein eher attraktiverer oder unattraktiverer Mensch abgebildet wurde, einer Kontrollgruppe wurde kein Bild vorgelegt. Während des Telefonats wurden nicht nur die Gespräche mitgeschnitten, es wurde auch die Mimik und Gestik aufgezeichnet. Soweit der Versuchsaufbau.

Es wurde bei dem Versuch beobachtet, dass die Anrufer, die ein Foto eines attraktiven Menschen vor sich liegen hatten, nicht nur eine viel offenere Sprechweise an den tag legten sondern sich im Hinblick auf die eigenen Verhaltensweisen und Ausdruck um ein vielfaches freier, freundlicher, offener, lustiger und eloquenter gaben. Nicht nur die Themen waren freier, auch die Körperhaltung drückte sich entspannter aus.

Die Personen mit den scheinbar unattraktiveren Gesprächspartnerinnen sprachen sehr viel mehr ernste Themen an, lachten weniger und auch ihre Körperhaltung war weniger entspannt.

Bei der Kontrollgruppe war dann auch zu beobachten, was erwartet wurde: der Gesprächsverlauf entwickelte sich frei nach den thematischen Inhalten und nach Sympathiegrad der Stimme.

Was kann ich daraus schließen? Wie lautete das Fazit der Forscher aus ihrem Experiment?

Die vermeintliche Wirkung des Äußeren ist hingehen der landläufigen Meinung von großem Einfluss auf unser Verhalten. Es wurde deutlich beobachtet, dass die nicht vom Probanden steuerbaren Verhaltensweisen, seine Mimik und Gestik bei einem Gespräch mit einem scheinbar attraktiven Gesprächspartner weitaus offener, freundlicher oder freier waren. Woher kommt dieses Verhalten? Warum findet bewusst und unbewusst solch eine Gewichtung statt, und zwar bei Frauen und Männern gleichermaßen?

Die Forscher legten eine äußerst archaische Ursache zugrunde: sprechen wir mit einem für uns attraktiven Menschen, so rücken wir uns in ein besonders vorteilhaftes Licht, bewusst wie unbewusst, um eine möglichst kongruente Situation zu erzeugen. Obwohl wir oberflächlich nichts weiter, als ein Telefonat führen, gebärden wie uns in einem für uns vorteilhaften Lichte, weil es ja sein könnte, dass wir dem Gesprächspartner möglicherweise einmal näher kommen, und zwar in der Tat -nach genetisch bedingten Abläufen- bis hin zur erfolgreichen Arterhaltung. Wenn wir auch als scheinbar aufgeklärte Menschen in der Welt kommunizieren, so funktioniert unser Unterbewusstsein noch nach diesem archaischen Prinzip.

In dem Moment, in dem wir unsere Attraktivität steigern durch jedwede Maßnahmen, erhöhen wir, gewollt oder ungewollt, unsere positive Wirkung und Bedeutung im Sinne der ureigensten Bedürfnisse der Menschen. Interessant finde ich die Möglichkeit, diese Erkenntnis auf ein direktes Gespräch zu übertragen. Auch dabei zeigt sich in vielen Versuchen das gleiche Bild: Sich sympathische Menschen zeigen ein deutlich werbenderes Verhalten, als dies sich eher unterschiedliche Personen zeigen.

Eine große Veränderung in diesem Verhalten konnten die Forscher im Übrigen dadurch erzielen, indem sie den Anrufern im Vorfeld des Telefonats mitteilten, ob der Angerufene den Anrufer attraktiv fand oder eher unattraktiv. Wenn auch der Effekt jeweils verstärkend wirkte, so konnte beobachtet werden, dass bei vermeintlich attraktiven Gesprächspartnern dennoch ein entsprechendes Verhalten gezeigt wurde, nur in viel abgeschwächterer Form. Wussten die Probanden von einer negativen Meinung des Angerufenen über sie selbst, so konnte eine mehr unbehagliche Körpersprache beobachtet werden. Diese ist zu vergleichen mit der inneren Abwehrhaltung, die wir in anstehenden unangenehmen Gesprächen einnehmen.

Fazit: Die Äußerlichkeiten beeinflussen unser Verhalten trotz Aufklärung in hohen Maße. Nicht mal unser Wissen darum verhindert das. Vielleicht ist es ja gut so, so finden wir doch intuitiv das richtige Gefühl für den anderen und sollten diesem Gefühl öfter vertrauen.