Unser Körper, nur noch ein formbarer Gegenstand? (155)

baek jeans hintern   Mies-Vandenbergh-Fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

In den verschiedenen zeitlichen Epochen wurde immer wieder an unserem menschlichen Körper herumgewerkelt. Ist es heute also anders, als zu vorangegangenen Zeiten?

Für den modernen (westlichen) Menschen stehen jederzeit alle möglichen Experten bereit, um bei der Ausformung unseres gewöhnlichen Körpers zu unterstützen. Die allseits präsenten Medien suggerieren die Notwendigkeit eines perfekten Körpers. Sie weisen auf die unerschöpflichen Möglichkeiten hin, die zur Verfügung stehen, um einen energetisch wertvollen und der aktuellen Mode entsprechend ansehnlichen Körper zu formen.

Fitnessstudios an jeder Straßenecke haben bis spät in die Nacht hinein geöffnet, um uns die Ausflucht des Zeitmangels gleich im Keim zu ersticken. Ratgeber und Artikel erinnern in immer kürzeren Intervallen an die Verpflichtung, unser Outfit entsprechend zu gestalten, Ärzte stellen verantwortungsbewusst einen Verweis wegen adipöser Anzeichen aus oder klären zumindest freundlich auf über die gesundheitlichen Risiken des Specks auf unseren Rippen. Unsere Arbeitswelt honoriert deutlich jene Anstrengungen, einen ansehnlichen Körper vorzuweisen und bestraft geradezu diejenigen, die diesen nicht vorzuweisen in der Lage sind, ganz gleich, ob monetär oder hierarchisch.

Und früher? Köche, die geadelt wurden, da sie in der Lage waren, Mahlzeiten zuzubereiten, die einen derart kalorienreichen Inhalt besaßen, mit denen die Herrschaften ihr Übergewicht ohne Probleme halten oder besser noch, ausbauen konnten. Es fand (und findet!) bekanntlich im Laufe der Jahrhunderte ein stetiger Wechsel in Bezug auf den Körper und seine Form statt. In den Zeiten der Renaissance beispielsweise konnte in der adligen Gesellschaft um Louis XVI. ein Körper gar nicht füllig genug sein. Zeitzeugnisse berichten mit größter Inbrunst von der Schönheit des Doppelkinns, und distanzierten sich angewidert von der kränklichen Erscheinung der Mageren und Schlanken.

Auch die Ärzteschaft, wozu in manchen Zeiten die Hexen zählten, wusste allerlei Tinkturen, Salben, Auszüge oder Essenzen zu verschreiben, deren Anwendung versprach, an Gewicht zuzulegen oder gegenteilig an Gewicht zu verlieren, je nach dem, was gerade nachgefragt wurde. Übungen, um die Spannkraft des Körpers möglichst lange aufrecht zu erhalten, machten immer wieder die Runde. Aderlässe und Einläufe sollten helfen, sich die Körperform zu modellieren, die gerade en Vogue war.

Und heute? Hat sich irgend etwas verändert? Laufen wie nicht wieder nur einer bestimmten (von wem eigentlich) Mode hinterher? Verwenden wir nicht einen immensen Teil unserer Lebensenergie darauf, unser Aussehen zu verändern? Wollen wir es nur deswegen verändern, weil unser Äußeres vielleicht nicht unbedingt der angesagten Mode entspricht?

Wieviel Zeit investieren wir in das Kostüm für unseren Auftritt auf dieser Bühne „Welt“? Wir geben Unsummen aus, um unseren Body zu shapen! Nicht nur die Zeit im Fitnessstudio und beim Walking, beim Laufen oder auf dem heimischen Ergometer zählt, auch die Arbeitszeit, die zum erwirtschaften der finanziellen Mittel notwendig ist, mit denen wir uns die Manipulationen an unserem Körper bezahlen. Jeder Mensch entscheidet selbst, welchen Einsatz er bringt, um auf dem Parkett der sozialen Beziehungen Erfolge zu erreichen. Wie letztendlich dieser Einsatz aussieht, dessen sollte sich jeder Einzelne gewahr werden. Meine ich!

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