Sturmfluten der Schönheit (154)

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Mies Vandenbergh Fotografie

Die Übersättigung an Schönheit in den allgegenwärtigen Medien könnte die Hinsehenden vielleicht stärker beeinflussen, als wir glauben.

Während der Lektüre eines Spiegel-Artikels über den Konsum von pornografischen und erotischem Bildmaterial im Internet durch Jugendliche und die Auswirkungen auf sie stellte ich die Überlegung an, in wie weit sich die Erkenntnisse auf die Zielgruppe der Erwachsenen übertragen lässt, die mit schönen Körpern und Gesichtern in allen Medien überflutet werden.

Ohne eine Zensur, ohne jegliche Qualitätskontrolle (wer will sich anmaßen festzustellen, was schön ist oder nicht) werden zigfach Bilder ins Internet gestellt, die den User regelrecht überfluten. Schönheit, oder solche, die es sein soll, Hässlichkeit, oder solche, die vermieden werden sollte trifft unsere Sinne an allen Ecken und Enden. Natürlich ist diese Flut nicht auf das Internet begrenzt. Auch in Anzeigen und Werbespots „begegnen“ uns sorgfältig gegimpte Körper und Gesichter. Es hat den Anschein, als wären es so viel, wie niemals zuvor. Jedes Mobiltelefon ist mit einer „Kamera“ bestückt, jeder Fernsprechende wird so zum Fotografen par Excellance, die Ergebnisse seiner Tätigkeit ist in vielen Foren und den Social Media Plattformen zu bewundern. (Im Jahre 2015 wurden pro Tag weltweit ca. 6 Milliarden ins Netz gestellt.)

Printmedien und Werbespots zeigen immerfort schöne Menschen, „Sex Sells“ funktioniert wie vor 30 oder 130 Jahren, oder eine schöne Prinzessin bescherte  einem Lande schon einmal mehr den Frieden mit einem einstmals verfeindeten Nachbarlande.

In der Fotografie scheinen vordergründig immer nur die möglichst knapp bekleideten Mädchen das große Interesse auf sich zu vereinen, Klicks und Kommentare scheinen es zu beweisen. Deren Anzahl steigt zunehmend, ob qualitativ wertig oder weniger. Meist scheint es nicht einfach zu sein, beispielsweise Fotografien von der Güte derer wie von Betina la Plante zu finden. Ferner habe ich den Eindruck gewonnen, Motive jenseits von Schönheit haben es zunehmend schwerer mit der Würdigung-

Bei näherer Auseinandersetzung mit dem oben beschriebenen Eindruck komme ich jedoch zu ambivalenten Ideen. Auch wenn diese omnipräsente Bilderflut in sämtlichen Medien auf uns hernieder geht, so trifft es uns im „richtigen Leben“ bedeutend weniger heftig. Es steht uns schließlich frei, sich mit diesem Angebot auseinander zu setzen oder es zum Teil zu ignorieren. Hingabe in unserem medienfernen Teil des Lebens bedeutet weniger Einfluss. Du kannst hinsehen, du musst es aber nicht. Du kannst dich dem Thema widmen, aber nur so weit, wie es dir gefällt. Eine Auszeit wirkt wie ein Wandertag in den Weiten der Berge oder ein Trip mit dem Segelboot über das Meer.

Schönheit ist für den Menschen zweifelsohne eine fastzinierende Stimulanz, ob der Sixpack oder Knackpo eines Mannes oder die Grazie einer ausdrucksstarken Frau.  Doch es macht das Leben nicht aus, es nur ein kleiner, wunderbarer Teil des Ganzen. Nähert man sich so dieser Sache, meine ich, kann man mit der richtigen Distanz den Blick schweifen lassen über die wunderbare Welt der Schönheit, ohne dabei durch die schier unerschöpflichen Fluten der Bilder ohnmächtig darin ertränkt zu werden.

 

 

 

 

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