Ist sie schöner? Teil 1 ((153))

phant jeans hintern

mies-vandenbergh-fotografie

Austauschbare Schönheiten umgaben uns schon seit je her. Wer ist also schöner? Brad Pitt oder George Clooney? Caroline Brasch Nielsen oder Imaan Hammam? Mona Lisa oder David?

Zurück von der weltweit größten Messe für Fotografie. Dort erblickte ich neben unendlicher Vielfalt von Konsumgütern, deren Sinn und Zweck meiner persönlichen Ansicht nach -zwar unermüdlich als Innovationen angepreist- nichts wirklich neues hervorbrachte und noch immer nicht das fotografische Auge durch Technik ersetzt erfunden hat(zum Glück), wundervolle, bildhübsche Gesichter und Körper. Allen gemein stand ein statisch anmutendes, bezauberndes Lächeln zu Gesicht. So viel betörende Schönheit, auf den Ständen, als auch vermeintlich noch mehr Schönheit auf den Catwalks und in den zahlreichen Workshops durfte bewundert werden.

Anfangs, ich war keineswegs geblendet durch den Schmelztiegel der Eitelkeiten, dennoch hingerissen ob der vollendeten Kunst der Visagisten vergas ich nicht ganz das Fotografieren. Zwischen den Zeilen, unter dem Publikum fand ich dabei gleichwohl das ein und andere natürliche Antlitz, das mir (fast) noch mehr gefiel, liegt es doch in meiner persönlichen Vorliebe für Ursprünglichkeit oder Natürlichkeit begründet. Die Entscheidung fällt mir bis jetzt nicht ganz leicht, festzustellen, wo die größere Bewunderung liegt, denn die durch und durch gestylten Gesichter vieler Models üben eine ausgesprochen hohe Anziehungskraft auf den sehenden Betrachter aus.

Mit ein paar Tagen Abstand zum Besuch der Messe relativiert sich die von mir persönlich empfundene Übersättigung an schönen Menschen. Verblassende Erinnerung als ein Indiz für die Bedeutung der Schönheiten infiltriert fast unmerklich den Geist, infiziert mit der Vermutung von Austauschbarkeit des Schönen. Relativiert sich die Begeisterung relativ schnell in Anbetracht der Masse der schönen Menschen, so wird einem (=mir) schnell bewusst, wieder den einzelnen Menschen zu sehen, und dabei über den Horizont des Aussehens, diesen Teil des Menschen, hinaus zu schauen.

Die oberflächliche Austauschbarkeit der Schönheiten verliert sich denn auch zunehmend mit der Wahrnehmung der Persönlichkeit.[Ich sehe dich, Du bist schön und Dein Wesen?!…] Über die Wirkung der Schönheit im Laufe der Annäherung zu einem Menschen, im Laufe der sich entwickelnden Beziehung zu einem Menschen hinaus – im Laufe der Zeit sehen wir unbewusst immer weniger -wenn auch stetig immer mal wieder- von der anfangs überwältigenden Ausstrahlung eines schönen Menschen – es stellt sich das Wesen als Gesamtbild des Gegenüber dar!

Das Aussehen nimmt damit einen neuen Stellenwert ein. Von Beginn an in der Begegnung, in dem das Aussehen durch einer der intensivsten Sinneswahrnehmungen des Menschen mit weitem Abstand zum wichtigsten Aspekt wurde, relativiert sich diese Wahrnehmung, vorerst schon in einem sehr frühen Moment, die Stimme und der Geruch des Gegenübers erschließt sich unseren Sinnen gleich in den ersten Sekunden des Kennenlernens. Dann, sehr viel später in der Beziehung, je nach Intensität derselben, werden andere Dinge stetig wichtiger. Damit rauben diese dem raumeinnehmenden Antlitz den anfänglich hohen Stellenwert, nur um von Zeit zu Zeit den optischen Reizen für kurze Momente großzügig das Feld zu überlassen.

Synthetitisiert sich der Mensch aus den Elementen aller Sinne, so nimmt er den Raum ein, der ihn ausmacht. Er stellt sich dar aus einer Mischung aus Antlitz und Geräuschen, aus Gerüchen und Form, aus Geschmäckern und allem voran: seinem Handeln und Nichthandeln.

Das Sehen des schönen Menschen ist ein Aspekt, der, stets unterschiedlich gewichtet, aus dem Gesamten extrahiert scheint. Jede Betrachtungweise erfährt eine ständige Verlagerung, etwa durch Gewohnheit (der schöne Brad Pitt sieht die schöne Angelina Jolie jeden Morgen wieder, und umgekehrt) , durch Altern (Schönheitsidol Brigitte Bardot ist nicht mehr 17 Jahre alt.) oder durch das Streben nach Abwechslung und Entwicklung.

So kommt es im Laufe der Entwicklung einer Beziehung zu einem Menschen zu vielen unterschiedlichen Wahrnehmungen. Der vermeintlich schöne Mensch wird ebenso als hässlich erkannt,  wie der vermeintlich hässliche Mensch als schön wahrgenommen wird, denn es kommt der Moment, indem man die Seele erblickt, und die ist nicht mit MakeUp oder einer Schönheits-OP zu kaschieren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s