Jetzt bin ich schön! Und dann? (149)

Mies Vandenbergh Fotografie afi2 Jeans hintern

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Habe ich erreicht, schön zu sein, schöner zu sein, so habe ich einen Zustand erreicht, ein Niveau, das sich wahrscheinlich nicht automatisch erhält. Ich habe einen Prozess begonnen, der, wenn ich nicht beständig in diesen investiere, er sich schlichtweg verläuft.

Wenn sich ein Mensch schmückt oder verkleidet, so folgt daraufhin unweigerlich irgendwann der Moment, an dem diese Maßnahme verblasst, an dem der Mensch wieder sein ursprüngliches Aussehen annimmt. Bei dem Prozess der Schönheitsoperation ist das differenzierter. Die Operation verändert das Äußere eines Menschen zumeist dauerhaft. Der Körperbereich, der sich dieser Behandlung, Formung oder Angleichung unterworfen hat, nimmt für einen längeren Zeitraum seine artifiziell-chirurgisch optimierte Form an. Der Mensch verändert sich, jedoch ohne dabei zu erahnen, welche Dissonanzen sich im Laufe der Jahre dadurch ergeben können. Denn wenn auch dieser modifizierte Bereich nach dem Eingriff seine Veränderung behält, so sind es sämtliche anderen Körperzonen, die (noch) keine Manipulation erfahren haben und damit ihrer regelmäßigen Entwicklung des Alterns entgegen sehen.

Tritt ein Mensch heraus aus seinem äußeren Schatten, aus seiner Erscheinung, so obliegt es seiner Willensstärke und seinem Erkenntnisstand diesen Zustand zu lange wie möglich zu erhalten. Die Zeit scheint unserer Optik stets entgegen zu wirken. Der Zahn der Zeit nagt an uns, so wie an allen Dringlichkeiten. Daher sind wir über und über bemüht, die Zustände der Schönheit mit viel Energie festzuhalten. Gelingt uns das nicht, so beginnt für viele Menschen eine Art Krise. Es gilt, einen Verlust von Jugendlichkeit zu verhindern. Die Wahl der Mittel ist dabei einerlei. Was für den einen undenkbar, unbezahlbar oder nicht mit seinem Ideal der Ethik zu vereinbaren ist, ist für den anderen die Lösung seiner Problem(e)(zonen). Dabei halte ich die Wahl der Mittel für individuell. Jeder entscheidet für sich selbst, was möglich ist, wo seine persönliche Grenze liegt.

Es scheint ein kleingeistiges Gedankenspiel derer zu sein, die die Mittel der Manipulation verurteilen, wenn diese ihren eigenen Horizont überschreiten. Wenn in einer Dokumentation über Schönheit eine Teilnehmerin einer Nasen-OP Eingriffe im Vaginaltunnel (Verengung) als unmoralisch und überzogen beschreibt, so könnte ein anderer die Nasen-OP selbst als Eingriff wider die Natur misbilligen. Zwischen den Stufen der Veränderungen am Menschen ließen sich allgemein stets eigene Maßstäbe anlegen. Diese können und sollen für jeden individuell bewertet werden, doch für andere Menschen beginnt ein eigenes Verständnis. Keiner soll etwas antizipieren müssen, aber tolerieren.

Was geschieht mit dem veränderten Menschen? Seine Nase ist gerader, seine Bauchdecke gestraffter, seine Haare in wallenden Locken gestyled. Der Mensch fühlt sich besser. Seinem Grundbedürfnis nach Selbstverwirklichung, der eigenen Entwicklung nachzugehen wird betrachtet als unumstrittene Versinnlichung des Lebens. Da der Mensch mehr braucht als nur Nahrung und Wohnung, Sicherheit und Arterhaltung, finden sich vielfältige Wege, die die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit voranbringt. Der Mensch ist in der Lage, zu reflektieren. Das ist sein größtes Kapital, fähig sein, zu denken! Daraus entsteht alles das, was über reines instinktives Verhalten der Tiere hinausgeht.

Jeden Tag fällen wir mehr als 10.000 Entscheidungen. Manche reiflich überlegt, die meisten aber intuitiv. Kaffe oder Tee, noch eine Tasse, mit Zucker oder Milch, jetzt sofort oder nachdem ich ins Brötchen gebissen habe, und, und, und, … Wir denken uns Ziele aus, fassen sie ins Auge und handeln danach; wenn wir gut sind! Viele Menschen setzen sich nur wenige bis gar keine Ziele, oftmals nur oberflächliche, wie das Ziel des nächsten Sommerurlaubs. Wo aber wir in 3, 5, oder 10 Jahren stehen möchten, darüber machen sich die wenigsten Menschen Gedanken. Eines der Ziele innerhalb der Selbstverwirklichung ist der Wunsch nach äußerer Optimierung. Wir Menschen haben gemeinhin das Ziel des Wachstums, wir sind auf der Suche nach Erfolg und Bestätigung und ganz oben dabei steht die Entwicklung von unserem Ego. Das kann in der Anhäufung von Erfolgen begründet liegen, genauso aber auch in der Anhäufung von Wissen, Erfahrungen, Gütern, Freunden, oder anderen Dingen, die wir im Laufe der Zeit erreichen möchten. Immer im Hintergrund ist die Grundlage der Grundbedürfnisse nach Maslow, die in folgender Grafik dargestellt sind:

http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnishierarchie

Heute finden sich tiefer greifende Theorien zu Hauf in der Literatur, die jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden. Worauf ich hinaus will ist die Tatsache, dass erst die Grundbedürfnisse der ersten 3 Stufen der oben abgebildeten Pyramide erfüllt sein sollten, bevor wir uns um die zwei ausbleibenden Stufen bemühen. Das wiederum bedingt, dass dem Menschen, der sich mit den oberen beiden Stufen beschäftigen kann, ausreichend Resourcen zur Verfügung stehen, die die unteren drei Stufen abdecken. Ohne die Grundlagen wird es dem Menschen nicht gelingen, sich um die Selbstverwirklichung zu kümmern, er muß zum Beispiel Zeit haben, um zu denken. Dazu benötigt der Mensch die Zeit und die Freiheit, die noch lange nicht in allen Gesellschaften und Ländern, allen Glaubenbereichen und Religionen usus ist.

Ist also die körperliche Manipulation ein Ziel der Selbstverwirklichung. In der heutigen Zeit wird sie zunehmend dazu. Wir erfahren einen Wandel, in der nicht nur der Geist der ständigen Arbeit an sich unterliegt, nein, wir werden immer häufiger auch daran gemessen, in wie weit wir in der Lage sind, ja die Fähigkeit besitzen, unser Äußeres zu optimieren. Es scheint, je besser uns das gelingt, desto höher steigen wir im Ansehen der Gemeinschaft, in der wir uns befinden.

Ob das der Wahrheit letzter Schluss ist, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Ist doch auch unsere Zeit nur eine Momentaufnahme der Geschichte, so wird dieser Trend ebenso wenig von ewiger Dauer sein, wir alle seine Vorläufer in der Vergangenheit. Um dem zu begegnen, bedürfen wir dem Einsatz unserer Gedanken, unseres Intellektes, damit wir nicht nur konsumieren und applaudieren, sondern reflektieren, und nachdenken, über die Gesellschaft und unsere Lebensweise in ihr. Wir sind dazu aufgefordert Entscheidungen zu treffen. Über alles und jedes haben wir die Wahl. Natürlich mit allen Konsequenzen und Folgen. Das gilt es zu bedenken. Und zwar für uns selbst, in erster Linie und FAST gleichbedeutend für die Menschen in unserem direkten Umfeld. Was erwarte ich vom Leben und wie will ich es leben? So oder so ähnlich könnte die Frage lauten, die ich mir vor der Entscheidung zu einer Manipulation meines Äußeren stellen mag.

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