Für wen machst Du Dich schön? Teil 2 (148)

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

Wie viel bleibt übrig von einem „Ich möchte schöner sein, weil ich mich dann besser fühle!“, wenn man auf Hintergründe und Beweggründe einen forschenden, kritischen Blick wirft?

Hier die Fortsetzung von Teil 1. Lege ich Berichte aus Rundfunk, Fernsehen und der Presse sowie aus der Fachliteratur zu Grunde, um mir einen Überblick zu verschaffen über die Gründe, weshalb Menschen ihr Äußeres verbessern möchten, so zeichnet sich folgendes Bild: Als häufigster Antrieb wird die Wirkung auf das eigene Gefallen, das eigene Selbstwertgefühl genannt. Dabei spielt es keine Rolle, über welche Maßnahme gesprochen wird, ob es das einfache Make-up ist oder die Unterspritzung der Haut mit Botox. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern -noch unternehmen Frauen mehr als Männer- scheinen sich dabei nach und nach aufzulösen. „ICH MACHE DAS HAUPTSÄCHLICH FÜR MICH SELBST, NICHT FÜR DIE ANDEREN, EINFACH, DAMIT ICH MICH BESSER FÜHLE, DAMIT ICH SICHERER WERDE!“, so die Aussage einer Frau vor der Anhebung ihrer Augenbrauen während einer Sendung des NDR.

Dieses Beispiel möchte ich stellvertretend hernehmen, um einen ersten, kurzen Überblick zu geben über die möglichen Hintergründe dieser Aussage. Ich frage mich, wie sie gedeutet werden kann, gebe Beispiele dazu aus der Literatur und den Medien. Zusätzlich möchte ich meine eigene Einschätzung hinzufügen.

Kulturübergreifend hat es den Anschein, als würde der Schönheit der Menschen zunehmend stärkere Bedeutung beigemessen. Ob eine Dokumentation über eine Misswahl in einem indischen Bundesstaat im Sender „br-alpha“, oder die vermehrte Anzahl von Sendungen über Schönheitsideale und Schönheitschirurgie allgemein rückt das Thema gerade heutzutage verstärkt in den Fokus der Gesellschaft. Ist es als Indiz dafür zu werten, dass eine vermehrte Nachfrage besteht, oder wird eine vermehrte Nachfrage dadurch erzeugt? Oder lässt sich die Sache aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten, nämlich jenem, dass nur die allgegenwärtige Information uns beständig erreicht, wir alles wissen können.

Aus einem wie auch immer beeinflussten Bewusstsein heraus streben die Menschen seit je her nach Verschönerung ihres Äußeren. Was für uns westlich geprägte (Klein-) Geister skurril oder auch befremdlich wirkende Ausschmückungen diverser Naturvölker sind, z.B. Hautritzungen oder Tellerlippen, stellt allerdings eine andere Richtung der Erschaffung von Schönheit dar.

Die uns geläufigsten Maßnahmen der Verschönerung zielen mehrheitlich auf eine gesellschaftlich institutionelle Form von Idealbild. Sie führen damitallesamt zu einer Konformität, die durch das Streben nach eben jener Erscheinungsform erfolgt. Wir verändern unser Aussehen, um diesem bestimmten Abbild der Attraktivität möglichst nahe zu kommen. Dass dieses viel mit Jugendlichkeit zu tun hat, ist allgemein bekannt.

Kann es ein Grund sein, dass wir uns verändern wollen, um vielleicht weniger (negativ, nicht positiv, nicht schön) aufzufallen? „ICH MACHE DAS NUR FÜR MICH!“, so der Tenor der Handelnden. Was sich aus dieser Aussage zusätzlich schließen lässt, ist die Tatsache, dass wenn wir nach Konformität streben, bald Besonderheiten, Einzigartigkeiten, ja die individuellen Markenzeichen eines jedes Menschen wahrscheinlicherweise als abnormal gelten werden. Nur noch dem schönen Äußeren wird ein erstrebenswerter Sinn zuerkannt werden.

Wie wirken die Handlungen, die uns zu mehr Schönheit verhelfen? Klar erscheinen wir -verschönert- einer definierte Gruppe irgendwann schöner als zuvor. Auch fühlen wir uns wahrscheinlich etwas sicherer, wenn wir genügend Selbstbewusstsein entwickeln konnten, weil unser Aussehen sich im Marktwert um einige Plätze verbessern konnte.

Doch was hält die Verpackung? Mehr Sicherheit führt zu mehr Gelassenheit, ja! Daraus -und aus ein paar anderen wesentlichen Zutaten- entsteht eine Eigenschaft, die jeden Menschen von der Larve zum Schmetterling macht: Souveränität. Doch zum einen droht diese zu bröckeln, sobald sich unser Aussehen wieder einem niedrigeren Level nähert, oder zum anderen, wenn wir trotz erklommenen persönlichen Zenit feststellen, dass es möglicherweise nicht genug war. Mündet dies in einer endlosen Spirale? Ein Spruch, den ich kürzlich hier bei einem anderen Blogger las, lautete: Das Dilemma der schönen Menschen ist, das es irgendwo jemanden gibt, der noch schöner ist.

Daraus resultierend entsteht die heimlich ins Abseits gestellte Frage nach dem tatsächlichen Wert des Aussehens. Die wirklichen Werte wie Charisma, Persönlichkeit, Empathie und Gefühl, um nur wenige zu nennen, scheinen in der Defensive zu sein auf den Markt der schönen jugendlich anmutenden Wesen jeglichen Alters. Dieses möchte ich in einem neuen Artikel näher untersuchen.

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