Für wen machst Du Dich schön? Teil 1 (143)

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Mies Vandenbergh Fotografie

Aus Befragungen von Patienten, die eine Schönheitsoperation an sich haben durchführen lassen ging hervor, dass 79% der Menschen als Begründung für den Eingriff angaben, das nur für sich selbst machen zu lassen. Bei näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein gänzlich anderes Bild.

In einer Studie, an der über 200 Probanden, die sich zuvor einer Schönheitsoperation unterzogen hatten, teilnahmen, konnte die Aussage, dass die Menschen eine solchermaßen substanzielle Veränderung in erster Linie für sich selbst durchführen ließen, mehr als relativiert werden. Durch einen Fragenkatalog mit sich selbst verifizierenden Fragen, ferner durch Befragungen durch Interviewer mit psychologischem Hintergrund wurde ein Ansatz herausgestellt, den ich wie folgt beschreiben möchte:

Menschen, die Manipulationen gleich welcher Art an sich durchführen (lassen) tun dies in erster Linie, um so einem Bild von Normalität und Aussergewöhnlichkeit im positiven Sinne zu entsprechen, damit -und das ist für mich die Kernaussage der Untersuchung- sie in ihrer Peer-Group, in ihrem sozialen Gefüge eine positive Geltung erfahren, bzw. zumindest nicht (mehr) negativ auffallen.

Warum ein Mensch negativ auffallen könnte, habe ich in meinem Beitrag „Warum du so nicht bleiben möchtest“ beschrieben. Daraus werde ich ein Beispiel aufgreifen, anhand dessen ich verdeutlichen möchte, wie das oben beschriebene Ergebnis zustande gekommen ist. Dazu betrachte ich eine der am häufigsten durchgeführten Schönheitsoperationen, aktuell und auch in der Vergangenheit ist es die Nase des Menschen, die einer Veränderung unterzogen wird.

Ob eine Nase ungerade, groß, klein, flach, breit, eine Hakenform beschreibt oder einfach von der Form her eine Eigenwilligkeit beschreibt, es kann für den Träger zu einem Problem (gemacht) werden. Über die optische Wirkung des Menschen habe ich schon häufiger geschrieben, ebenso über die unterbewusste Beeinflussung unserer Wahrnehmung durch bestimmte optische Schlüsselreize. Darin habe ich u.a. von der Bedeutung, dem Stellenwert der Symmetrie berichtet. Die Form der Nase (neben den Augen und den allgemeinen Proportionen des Gesichts) entscheidet über eine positive, negative oder neutrale Wirkung auf unser Gegenüber. Während der Abstand der Augen sowie deren Größe (noch) nicht so einfach operativ verändert werden können, so ist es bei der der Nase, neben dem Mund, den Augenlidern und der Unterspritzung der Haut mit Nervengift ein leichtes.

Zurück zum eigentlichen Thema. Ich möchte das eingangs erwähnte Untersuchungsergebnis einmal für die weitere Entwicklung meiner Gedanken hernehmen und darauf aufbauen. „Ich lasse mir meine Nase richten, weil ich mich danach besser fühle!“ So der Tenor aller erfassten Aussagen. Was steckt dahinter? Die Aussage könnte unter Berücksichtigung der o.g. Studie wie folgt abgewandelt formuliert werden:
Beispiele: Ich lasse mir die Nase operieren, weil ich danach …

· … mir die Menschen freundlicher ins Gesicht blicken!
· … als wertvoller erachtet werde!
· … mehr Erfolg im Beruf habe!
· … nicht mehr so (negativ) auffalle!
· … leichter Freunde finde!
· … als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft behandelt werde!
· … ein sichereres Gefühl beim Umgang mit anderen Menschen habe!
· … endlich meinen Traumprinzen/meine Traumprinzessin finden werde!
· … ernster genommen werde!
· … selbstsicherer werde!
· … schöner bin!
· …

Diese Liste ist noch lange nicht vollständig, und doch zeichnet sich eindeutig ab, wohin die Reise geht. Jeder einzelne Punkt hat einen kausalen Bezug zur Gemeinschaft, in der wir uns definieren wollen und müssen. Zwar definierten wir uns natürlich nicht ausschließlich über unser Äußeres, doch seine Bedeutung ist hoch, wirkt sie doch in jedem Moment, wenn wir einem Menschen gegenüber treten, auf’s Neue. Der Inhalt der Verpackung kommt danach, er bildet nach einer bestimmten Zeit das Fundament, und dennoch, bei jedem neuen Treffen mit einem noch so bekannten Menschen, und sei es der eigene Partner an jedem Morgen nach oder beim Aufwachen, entdecken, sehen wir den Menschen an. Wir suchen und finden seine Stimmung, sein Gemüt, seine Laune, blicken in sein Gesicht, fragend und sprechend, geben unseren eigenen Ausdruck zum besten und wirken so bewusst und unbewusst vor uns hin.

So lassen sich die Begründungen oben noch einmal erläutern, und zwar im Hinblick auf die Intention der Handlung. „Wohin ist meine Aktion gerichtet?“:

· … mir die Menschen freundlicher ins Gesicht blicken! } für die Menschen

· … als wertvoller erachtet werde!
} für die Menschen

· … mehr Erfolg im Beruf habe!
} bei den Menschen

· … nicht mehr so (negativ) auffalle!
} bei den Menschen

· … leichter Freunde finde!
} unter den Menschen

· … als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft behandelt werde!
} von den Menschen

· … ein sichereres Gefühl beim Umgang mit anderen Menschen habe!
} bei den Menschen

· … endlich meinen Traumprinzen/meine Traumprinzessin finden werde!
} unter den Menschen

· … ernster genommen werde!
} von den Menschen

· … selbstsicherer werde!
} unter den Menschen

· … schöner bin!
} für die Menschen

Daraus ist leicht ersichtlich, für wen ich die Veränderungen durchführe, ganz gleich, ob ich mir meine Nase begradigen lasse, meine Augen mit Kajal schminke oder die coolen Westernboots anziehe, um danach scheinbar mit meinem noch cooleren Gang die Mädels zu beeindrucken. Wir tun dies alles für die Wirkung, Akzeptanz und Wertigkeit in der Gesellschaft, in der Gemeinschaft, in der wir leben. Klar machen wir es für uns, aber damit wir eine ganz bestimmte Wirkung genau dort, wo es uns wichtig erscheint, erzielen!

Spannend werden die nächsten Fragen zu beantworten sein, die ursächlich nach folgendem forschen:

– woher glaube ich zu wissen, wodurch ich meine Wirkung verändern kann?

– woher nehme ich die Vermutung, dass die Veränderung meiner optische Wirkung diesen Einfluss hat?

– wo liegen die Grenzen für die scheinbare Notwendigkeit einer Manipulation und wer legt diese fest?

– warum überhaupt, wenn ja, hat die Optik diesen beschriebenen Einfluss auf unsere Existenz?

Vielleicht fallen Dir noch ein paar Fragen ein, die Du mir in einem Kommentar zukommen lassen möchtest.🙂 Es wird bestimmt spannend.

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Ein Gedanke zu “Für wen machst Du Dich schön? Teil 1 (143)

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