Look at the Beauty! (141)

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

Warum verändert der Mensch seinen Körper? Liegt der Grund darin, dass dieser Mensch eine Zugehörigkeit in ein von einer elitären Gesellschaft bestimmtes Sozialgefüge anstrebt? Dazu jedoch müsste er erst einmal ein Gefühl des Ausschlusses empfinden! Und die Ursache dessen auf sein Äußeres fundieren.

Eine Diskussion darüber, welche Menschen es sind, die, global betrachtet, einen Prototyp der Attraktivität bilden ist schon lange im Gange. War es bis zum Ende des letzten Jahrhunderts noch fast ausschließlich der kaukasische Typus, so hat sich bis in die Gegenwart hinein eine vorsichtige Erweiterung dieses Bildes manifestiert. Hatten es die plastischen Chirurgen aus dem „Fachgebiet Beauty“ vorher noch damit zu tun, Gesichter vom asiatischen oder afrikanischen Typus in Richtung des europäischen anzugleichen, so ging dieser Anteil der Schönheitsoperationen aktuell deutlich zurück, so die Presse.

Im Einzelfall handelte es sich dabei um die Ergänzung einer zweiten Lidfalte beim asiatischen Typ und die Veränderung der Nase beim afrikanischen Typus. Zwar sind Veränderungen im Nasenbereich noch immer eine der häufigsten Maßnahmen zur Angleichung an einen idealtypischen Menschen, doch erfährt im Zuge der Globalisierung auch auf diesem Gebiet das Schönheitsideal Anpassungen. Die Omnipräsenz von (bearbeiteten)Fotografien von Menschen vielfältiger ethnischer Herkunft in allen verfügbaren Medien erweitert so das bisherige Ideal.

Eine Erklärung, oder besser Aufklärung über die Beweggründe für einen Menschen, einem bestimmten Vorbild entsprechen zu wollen, lässt sich einleiten, wenn man die Bestrebungen genauer unter die Lupe nimmt, die die Menschen auf sich nehmen, um erklärte Ziele für ihr Aussehen zu erreichen. Unternehme ich eine Schönheits-OP, um einem bestimmten sozialen Verbund beitreten zu können oder um einem anderen zu entkommen?

Liest man Aussagen über die Ziele der Personen, die sich einer plastischen Operation unterziehen, so steht an erster Stelle fast immer die Manipulation des eigenen Ego. Der Wunsch, sich im äußeren einer Veränderung zu unterziehen, geht Hand in Hand mit dem Wunsch einher, dass sich diese Veränderung sowohl auf ihr inneres, besonders aber auf die Wirkung auf ihr soziales Umfeld überträgt. Nicht dass diese Menschen sich über die Ausschöpfung der Möglichkeiten von Veränderungen ihres Äußeres definierten, es stellt sich vielmehr so dar, als dass sie ihr Äußeres auf ihre charakterliche Persönlichkeit übertragen. Dieses Äußere ist zunehmend formbar, steuerbar und beeinflussbar.

Meistens liegen die Gründe für eine Manipulation des Aussehens weniger im Wunsch nach einem Superlativ, so das tendenzielle Ergebnis der Mehrzahl entsprechender Untersuchungen, sondern in der Absicht, das Äußere in einen Zustand zu bringen, der gesellschaftlich in einen Rahmen der sozialen Toleranz fällt. Die Ziele der Menschen, die als Mittel der Wahl die kosmetische Chirurgie wählen, liegen demnach in Veränderungen in genau den Bereichen, die von einem gesellschaftlichen Gefüge in ihrer ursprünglichen Form dieser Äußerlichkeit mindestens mit teilweise erheblichen Störungen, bis hin zum offenen, öfter aber noch perfiderweise unterschwellig versteckt zum gänzlichen Ausschluss von dieser Gemeinschaft führen.

Da der Mensch ein zutiefst soziales Wesen ist, unternimmt er tagtäglich alles, um in der Gesellschaft eine Anerkennung seiner Persönlichkeit zu erreichen. Der Weg dahin ist so vielfältig, wie es Menschen gibt, doch der hier beschriebene Bereich der optischen Attraktivität nimmt dabei weltweit eine Sonderstellung ein. Das zeigt sich schon allein in der Tatsache, dass optische Manipulationen in allen Teilen der Erde und zu allen Zeiten unserer Gesellschaft eine herausragenden Status einnehmen. Darüber schrieb ich schon häufiger.

Was in der Gegenwart -für mich als eifriger Beobachter dieser Entwicklungen- besonders auffällig ist, sind die steigenden Zahlen der kosmetischen Operationen weltweit. Dieses, als eines der letzten Mittel -vor der pränatalen Einflussnahme- das letzte Mittel, weist hin auf die scheinbar zunehmenden Kräfte der Angleichung der eigenen Persönlichkeit an soziale Idealvorstellungen, in einer Gesellschaft, die sich vermeintlich immer mehr über Äußerlichkeit definiert, oder aber ihr zumindest einen immer größeren Rang zuschreibt.

Das dekadente Wesen Mensch, könnte man annehmen, nutzt die sich ihm bietenden Möglichkeiten immer aus. Was machbar erscheint, wird ausgeführt. War die kosmetische OP noch vor einiger Zeit ein durch ihre immensen Kosten der reichen Oberschicht vorbehaltenes Mittel, beispielsweise überbezahlten Mimen, bei denen man es durch ihre öffentliche Tätigkeit stets gut nachvollziehen konnte, (Cher, Elizabeth Taylor, u.v.a.m.) so bietet sich diese Möglichkeit zunehmend jedermann an. Wie oben erwähnt, angenommen wird es mehr und mehr, was die Zahlen der Umsätze der Branche offen nachvollziehbar verdeutlichen.

Vorläufiges Fazit: hauptsächlicher Grund für die kosmetische Operation scheint die Beseitigung eines selbst empfundenen Mangels zu sein. Die Ursache dieser Empfindung scheint vorrangig daraus zu resultieren, dass der Mensch sich per Definition seines Äußeren sozial anerkannt fühlt. Die Idealvorstellungen, denen jede Gemeinschaft anzugehören bestrebt ist, wurde durch sie selbst erschaffen. Die Erreichung dieses Zustands kann nicht das erklärte Ziel sein, sondern die Ausmerzung all der Hindernisse, die eine Zugehörigkeit gefährden. Im Moment erscheint es einfacher zu sein, optische Hindernisse aus dem Wege zu räumen, als sich idealistisch-geistig zu entwickeln. Doch noch ist nicht aller Tage Abend!

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