Zensur des schönen Hässlichen (140)

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Mies Vandenbergh Fotografie

Darf ich alles ansehen, was es gibt? Existieren Dinge, Wesen, Geschehenisse, die meinen Augen verschlossen bleiben (sollen)? Wie würde ich diese Fragestellung in eine Beziehung zu meiner naturwissenschaftlichen Bildung setzen? Ein Essay.

Alle Dinge bestehen aus einer Ansammlung von Atomen, Elektronen, Protonen, Quarks oder Neutrinos, vielleicht sogar Higgs Teichen, diese von uns wahrgenommen werden, wenn Lichtenergie auf ein Körper trifft Albedo . (Selbstleuchtende Körper übergehe ich einmal.) Grundsätzlich kann ein Körper jede mögliche Form annehmen. Durch physikalische Kräfte bedingt, und im Zusammenschluss der Teilchen unter Adhäsion und Kohäsion kommen sie zustande. Unter dem Einfluss in bestimmten Wellenlängen auftreffender elektromagnetischer Strahlung kann unser dafür eingebauter Sensor, das Auge, die Formen und Farben der Körper wahrnehmen. Wir sehen etwas. Soweit die physikalischen Abläufe in kurz angerissener Weise.

Spannend wird es, wenn wir Menschen beginnen, diese physikalischen Information zu deuten, zu erklären oder zu steuern. Bevor wir dies tun, ist von Grund auf jede Erscheinung ohne Bedeutung. Bis der Mensch eine Definition festlegt. Einem Kinde beispielsweise erklären wir die Welt, weil es nicht weiß, was die Dinge bedeuten. Die Dinge, Erscheinungen selbst wissen nichts davon. Sie sind seit ihrer Entstehung immernoch gleicher Natur. Dennoch belegte der Mensch im Laufe der Zeit, die Jahrhunderte und Jahrtausende ausmacht, die Dinge nicht immer identisch. Das ist ein zentraler Punkt. Unter dessen Berücksichtigung wird die Sichtweise auf die Dinge ungemein geschärft. Ein steter Wandel also begleitet die manigfaltigen Bedeutungen in ihrer Erscheinung.

An dieser Stelle möchte ich die folgenden, einfachen Fragen aufwerfen und ihnen sogleich darauf nachgehen: Woher nehmen wir diese und jene Bedeutung der Dinge, der Wesen, der Erscheinungen? Warum verteidigen wir sie gegen Gedanken, Ideen und Gefühle? Warum hinterfragen wir sie so wenig? Passable Beispiele zur Erforschung dieser Fragestellung finden sich in jedem noch so profanen Begriff. Dessen Bedeutung erzeugt bei jedem von uns ähnliche und weniger ähnliche Assoziationen.

Was wäre mit dem Begriff  „rot“, oder dem Begriff „Bein“? Fallen einem zu diesen beiden Begriffen verschiedene Bedeutungen ein? Wie wäre es mit der Bedeutung des Wortes Vertrauen? Vertrauen besitzt eigentlich nicht den Status eines Wesens, Dings oder einer Erscheinung (im weitesten Sinne ist Erscheinung noch eine akzeptable Bezeichnung dafür) , sondern wird mehr als Zustand umschrieben. Dazu fallen mir viele differenzierte Erläuterungen ein. Da jedoch zu Beginn dieses Artikels von der Bedeutung von Dingen und Wesen die Rede war, die wir mit unseren Augen sehen können, möchte ich nicht über einen Zustand nachdenken, sondern den Begriff „Haut“ hernehmen und ganz kurz umreißen. (Schon deshalb ist er für mich spannend, weil er in engeren Sinne direkt mit Aussehen in Verbindung gebracht wird!)

Unter „Haut“ versteht die Menschheit auf der gesamten Erde meist dasselbe. Der Umgang mit ihrer Erscheinung jedoch gestaltet sich in den Kulturen der Welt und den Epochen der Gesellschaften äußerst vielfältig und variabel. In einer bestimmten Epoche ist es en Vogue etwas mehr Haut zu zeigen, zu einer anderen Zeit ist es -im Gegenteil- mehr als verpönt. In manchen Ethnologien wird die Haut geschmückt, indem man sie einritzt, in der nächsten Kultur tätowiert und der übernächsten gilt eine bestimmte Farbe der Haut als Voraussetzung für eine Akzeptanz eines Individuums in der Gesellschaft. Soweit nur ein ganz kleiner Ausschnitt, der aber schon jetzt verdeutlicht, worauf ich hinaus möchte. Zuvor aber noch ein anderer Gedanke.

Als problematisch für das Verständnis der Menschen von Bedeutungen sehe ich ihren Wandel an. Der lässt die Menschen oftmals nicht Schritt halten. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Wandel über eine relativ kurze Spanne von einem Jahr oder kürzer vollzieht oder erst im Laufe von mehreren Jahrzehnten sein neues Gewand hervor bringt. Liegt es nämlich in der Verantwortung der Erziehenden, Inhalte zu vermitteln, so liegt es hingegen in der Verpflichtung der Schüler, das Erlernte zu reflektieren. (Was wiederum eine freigeistige Erziehung voraussetzt, was wiederum voraussetzt, dass der erziehende freigeistiger Gedanken fähig ist…) Auch gilt hier zu erwägen, in wie weit sich der Erklärende von seiner Natur entfernt und Probleme dadurch entstehen, dass diese unterdrückt (gehört) 😉 und massiv einer künstlichen Bestimmung untergeordnet wird. (Letzteres sei nur am Rande bemerkt, dazu ließe sich ein eigener Artikel verfassen.)

Zurück zu den eingangs gestellten Fragen. Woraus bildet sich jene stille Übereinkunft, in einer Erscheinung einen bestimmten Sinn zu erkennen. Von erlernt über eingetrichtert bishin zu verinnerlicht durch Vorleben erreichen uns schier unendliche Sinninhalte. Diese addieren sich in unserem Gedächtnis auf einer Habenseite eines Kontos, während auf der Sollseite unsere individuelle Empfindungswelt einen Ausgleich zu finden sucht. Bringe ich dazu meinen Verstand ins Spiel, so folgt zwangsläufig die Überlegung, was dem Sinn der Erscheinungen seinen Sinn gibt. Wodurch und worin ordnet sich eine Erscheinung in Bezug auf ihre Sichbarkeit und Unsichtbarkeit ein.

Was ich mir ansehe, was ich mir nicht ansehen soll und warum ich es nicht soll, das kann eine spannende Entdeckungsreise werden. Gehe ich dem nach. Um das zu können, suche ich zunächst nach dem Grund dafür, warum bestimmte Dinge, Erscheinungen und Wesen per Definition bestimmte Adjektive erhalten. Adjektive wie etwa ekelig (gefühlserzeugend), schleimig (Aggregatzustand beschreibend), rauh (haptisch), oder anziehend (gefühlserzeugend), stabil (Aggregatzustand beschreibend), weich (haptisch). Wir verbinden Erscheinungen mit diesen positiven und negativen Adjektiven, während die Struktur an sich nichts mit den menschlichen Umschreibungen und insbesondere Wertungen zu tun hat. Warum verbergen wir Bestimmtes vor unseren Augen, was hat uns so weit gebracht, woher kommt dieser Zustand? Überdenken wir, was uns dazu veranlasst, und wir entdecken manchen Irrtum. Fortsetzung der Überlegungen in Teil 2 demnächst auf diesem Blog 🙂

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