Jugendwahn Teil 2 (136)

Mies-Vandenbergh-Fotografie  trar jeans hintern

Mies-Vandenbergh-Fotografie

Fragte ich im ersten Teil von Jugendwahn nach der Begründung für das Streben nach jugendlichem Aussehen, so möchte ich hier über den Erfolg oder Misserfolg dieses Strebens schreiben.

Die Jugend oder das jugendliche Aussehen besticht im Laufe eines Menschenlebens nur eine ganz bestimmte Phase über. Dabei richtet sich der Fokus der Gesellschaft, in der wir uns bewegen, anscheinend in besonders hohem Maße auf diese Zeitspanne. Die Präsenz erscheint überbordend. Jegliche Belange der äußeren Erscheinung, die außerhalb davon liegen, laufen Gefahr, ein Nischendasein zu fristen. Zählt der Mensch tatsächlich weniger, wenn er nicht dem Hype der Verjugendlichung fröhnt?

Wir Menschen konsumieren mit großer Vorliebe genau jene Produkte, welche sich diesem Zustand als Maßgabe verpflichten. Gleich, ob wir uns medialer Natur, stofflicher Natur oder zwischenmenschlicher stellen, wir lassen sämtliche Inhalte, die fernab jugendlicher Erscheinung sind, links liegen. Da führte es doch in glatten wirtschaftlichen Selbstmord, entzüge man sich diesem Kult, dieser Strömung.

Somit bestimmen wir selbst mit unserer Nachfrage das Angebot an Jugendlichkeit. Diese Nachfrage wird angeleitet von unserem Wunsch nach Wohlbefinden, Glück, Zufriedenheit, Anerkennung, Liebe, Schönheit u.s.w., die Jugendlichkeit scheint folglich eine der Säulen zu sein, auf der sich die Erfüllung dieser Bestrebungen gründet.

Nun nimmt die Jugend nur diesen sehr begrenzten Teil unseres Lebens ein. Wie ärgerlich, oder? Wie groß dieser ist, oder wie eng wir ihn stecken, liegt im Wesen jedes Einzelnen. Fakt ist in der heutigen Zeit, dass wir mit allen Manipulationen, die wir an unserem Äußeren vornehmen, scheinbar nur das eine Ziel verfolgen, nämlich diese Zeitspanne des „guten“ Aussehens – was sich, wie wir gesehen haben, durch Jugendlichkeit definiert – zu verlängern, auszudehnen! Die Zutaten für Jugendliche aussehen kennen wir bereits:

· glattere Haut
· volleres Haar
· straffere Beine
· festeres Gewebe
· weißere Zähne
· vollere Lippen
· …

Diese Attribute, allesamt Attribute der Jugendlichkeit, verheißen bestimmte Eigenschaften, die wir mehr unbewusst als bewusst mit klar definierten Eigenschaften des Menschen assoziieren. Und nur dann, wenn wir mit diesem Äußeren aufwarten können, zählen wir in der Gesellschaft zu den Menschen, deren Erfolg in all den Angelegenheiten eingetreten ist, von dem wir es vermuten, von dem wir es glauben (möchten).

Das es nicht so ist, weil immer und überall der Mensch nach noch mehr, noch Schönerem, noch Weiterem, noch Besserem giert, ist dem Geist der Mehrheit verborgen und verschleiert. Nicht nur die Hässlichen wollen nicht mehr hässlich sein, sondern schöner, die Schöneren möchten noch etwas schöner sein, und sogar die Schönsten wollen ebenfalls noch schöner sein. (Belegt wurde dies durch etliche Studien!) Dieser Hang zum Superlativ kann auf alle Bereiche des Menschen angewendet werden: Erfolg, Geld, Bekanntheitsgrad, Berühmtheit, Macht, Besitztümer, … .

Wir glauben im Augenblick noch, dass der Erfolg uns recht gibt. IM AUGENBLICK? Dieser Kult läuft schon etwas länger, so etwa 40.000 Jahre, seit die Menschen begannen, sich zu schmücken, wie es auf Wandmalereien dokumentiert wurde. Sei’s drum. Ob sich unsere Gesellschaft in der nächsten Zeit dahingehend verändert, dass wieder das Sein höher erachtet wird, als der Schein, darf leider bezweifelt werden. Die Anzeichen dafür in all der Literatur, die ich bisher gelesen habe, aus all den Studien, über die ich gestolpert bin, all die Beiträge, die im Netz, Zeitschriften und Zeitungen zum Thema veröffentlich wurden, all den Zahlen, die unser Verhalten deutlichst dokumentieren und erfassen, sind zu widersprüchlich und vage, als dass ich mich zu dieser Prognose hinreißen ließe. Jeder einzelne kann jedoch in seinem Umfeld dafür stehen, eine Veränderung anzustoßen.

Weiter geht’s im dritten Teil von Jugendwahn mit den Auswirkungen des Jugendkultes auf unser Verhalten und unser Verständnis von Aussehen, der folgt demnächst hier im Blog…

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