Der Mensch ist schön, und nicht nur der Mensch – Universelle Schönheit (134)

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Mies-Vandenbergh-Fotografie

 

Die Schönheit im Kulturgut – in Form von Kunst und Form – unterliegt einer spannenden Ambivalenz. Steht sie in direkter Konkurrenz zur Schönheit der Natur, und damit den Menschen? Darüber möchte ich hier im Artikel laut nachdenken.

Schon Darwin hatte seine lieben Probleme mit dem Sinn und Zweck des geschlagenen Rades eines Pfaus. Zweifellos empfinden die meisten Menschen dieses Rad als wunderschön, steht er voll Anmut und Grazie vor ihnen. Und genau so kann uns der majestätische Adler begeistern, wie auch der Delfin und die Rose. In meinem Artikel „Warum ist der Baum schön?“ habe ich das Thema bereits angerissen. Hier möchte ich den Faden weiter spinnen.

Platon, der Vater der Schönheitsbetrachtung in der Philosophie, stellte schon in seinem Dialog mit Ilias fest, das es mehr geben müsse, als einfache Schönheit. Er bezog die Schönheit der Dinge, der Tiere, der Menschen und jene der Götter auf das allgemeine Verständnis von Schönheit und legte diese Abstufung für eine These zu Grunde, welche die Schönheit als universelle Kraft beschrieb. Die Schönheit als Kraft! Eine sehr spannende Betrachtungsweise, meine ich, zieht doch der Anmut eines schönen Menschen wie ein Magnet andere Menschen magisch an. Der schöne Mensch kann dabei oftmals in Zweifel geraten, ob wirklich er gemeint ist oder nur sein Bild der Schönheit.

Forscher aus unserer Zeit, die sich dem Phänomen der Schönheit mit zeitgemäßer Technologie nähern, sind dieser Universalität gleichsam auf der Spur. Sie zeichneten die Gehirnaktivitäten von Probanden in der CT-Röhre auf, denen währenddessen eine gezielt ausgewählte Menge schöner Dinge und schöner Menschen vor Augen geführt wurde. Und siehe da, es sind die gleichen Regionen ihres Gehirns, die in Aufruhr gerieten, erblickten sie schöne Dinge jedweder Art oder schöne Menschen gleichsam!

Sollte unserer Liebe zum Schönen tatsächlich eine Ausschüttung von Hormonen zugrunde gelegt sein, welche in uns eine Gefühlsregung erzeugt, die in höchstem Maße angenehm ist? Sind wir süchtig nach schönen Dingen? Das scheint nicht verwunderlich, strebt der Mensch doch beständig nach guten Gefühlen und meidet, wo es geht, Schmerz, Furcht, Ekel und Unbehagen. Diese Antwort befindet sich noch, soweit mir bekannt ist, im Findungsprozess, doch ich bin der festen Überzeugung, dass sie in den nächsten Jahren enttarnt wird.

Auf der Suche nach Wohlbehagen, Freude und Einfachheit, schlichtweg Vergnügen und Spaß, werden wir angeleitet von dem, was wir empfinden. Wir meiden all das, was unser Körper und unser Geist in seinen Aufzeichnungen als negativ vermerkt hat. Wir wissen meist intuitiv, was gut ist und was eben nicht gut ist. Das, was wir als Gegenteil von angenehm beurteilt haben, fliehen wir. Besonders unser Unterbewusstsein weiß genau auf all die Reize angemessen zu reagieren, bevor unser Bewusstsein davon Wind bekommt. Dass dabei die Fehlertoleranz dabei recht hoch ist, und immer wieder zu irregeleiteten Reaktionen führt, ist vollumfänglich bekannt.

Das führt in unserem alltäglichen Verhalten immer wieder zu Verzögerungen, Missverständnissen und Komplikationen. Vielfach hatten wir das dann doch so nicht erwartet, sagen wir, und sind häufig vorsichtig. Der scheinbar schwache Mensch ist in dieser Angelegenheit auch nur ein Fluchttier, und dies ist er durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch gleichsam. Es bedarf wohl sehr starker Kräfte, dieses Empfinden erst einmal in offener Art und Weise zuzulassen, es gelassen wahrzunehmen. Kräfte wie z.B. Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit strahlen nach außen, um souverän zu sichten und zu begreifen, was hier gemeint sein könnte, und im Zweifelsfall gelassen zu hinterfragen. Doch bei aller guter Vorsätze, der Mensch scheint in dieser Angelegenheit viel mehr vom Tier zu haben, als jeder Verstand bestätigen würde.

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