Jugendwahn Teil 1 (129)

flua jeans   Mies-Vandenbergh-Fotografie

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Jugendwahn und Anbetung der jugendlichen Schönheit, woher kommt es?

In der Jugendlichkeit liegt der Schlüssel der Schönheit, so deute ich den Tenor der Ergebnisse aus der Attraktivitätsforschung, wenn ich mir diverse Studien durchlese. Jugendliche Frische scheint ein zuverlässiger Garant zu sein für ein großes Maß an Attraktivität. Dieses Bild zeichnet sich durch alle Kulturen der Welt hinweg in gleicher Weise ab. Die Gründe dafür liegen im Verständnis unserer Gesellschaften von Sinn und Zweck für attraktives Aussehen. Alles und jedes scheint im Leben des Menschen zweckbehaftet zu sein. Der Mensch ist stets bestrebt, nach dem Warum zu forschen oder wenigstens danach zu fragen. Kausalität ist eine der maßgeblichen Säulen unserer Existenz. „Warum muss ich dies oder jenes tun, woher kommt dies oder das und weshalb muss ich es so machen und nicht anders?“, dies sind die immer wiederkehrenden Fragen, die uns in unserem Dasein in allen Bereichen begegnen.

Diesen Sinn und Zweck beständig in Frage zu stellen, möglicherweise zuvor zu erforschen, woher er kommt, und in wie fern er zielgerichtet ist, ist ein wesentlicher Auftrag des denkenden Menschen. Meine ich! Zielgerichtet deswegen, weil die meisten Menschen mindestens ein Ziel vor Augen haben und danach handeln. Welcher Art Ziel es ist, ist sekundär, da vielfältige Ziele meist in Oberziele zusammengefasst werden können und diese wenigen lassen sich an einer Hand abzählen bzw. sogar auf ein einziges Ziel reduzieren. Das wird uns später noch begegnen.

Für die Schönheit und deren scheinbar wichtigstes, weil nachgewiesenermaßen allgemeingültiges Attribut, die Jugendhaftigkeit, gilt die gleiche Frage, wie für jeden anderen Zustand, jeden anderen Kult in unserer Gesellschaft: Warum haben wir ihn uns genau so erschaffen? Nähere ich mich dem Thema von der evolutionsbiologischen Sichtweise her, und begrenzte ich es auf wesentliche Thesen, lasse dabei erste Einsprüche beiseite, weil marginal, so könnte ich es wie folgt ausdrücken:

Der Mensch ist genetisch dazu programmiert, seine Art zu erhalten. Das hat sich in den letzten Jahrmillionen nicht wesentlich verändert. Um das zu erreichen, ist der Mensch (noch) gezwungen, sich einen anders-geschlechtlichen Partner zu suchen. Jetzt steht der Mensch dabei vor einem prekären Sachverhalt. Er findet einen wesentlichen Unterschied zwischen Mann und Frau: die Natur hat es so eingerichtet, dass die Frau eine begrenzte Zeitspanne in der Lage ist, Nachkommen zu gebären. Dabei beginnt diese Phase nach der Pubertät, hat ihren Höhepunkt der Fertilität mit ca. 17 Jahren und beginnt danach abzubauen, wobei mit einem Alter von 40 Jahren die Empfängnis sehr viel seltener gelingt. Beim Mann ist es anders, er könnte nahezu sein ganzes Leben lang Kinder zeugen.

Aus diesem Sachverhalt ergibt sich zwangsläufig eine Prämisse bei der Partnersuche: jeder Mensch ist grundsätzlich dazu bestrebt, die bestmöglichen Nachkommen zu erzeugen. Damit das bestmöglich gelingt, wählt der Mann eine Frau aus, die die größtmöglichen Voraussetzungen besitzt. Diese besitzt sie -überspitzt ausgedrückt- im Alter zwischen 15 und 20 Jahren, wenn es nur auf die Fertilität ankäme. Worauf es mir bei dieser These aber ankommt ist der folgende Punkt: weil es so ist, steht die Jugendlichkeit, die genau diese Voraussetzung für eine erfolgreiche Arterhaltung verspricht, so hoch im Kurs. Sämtliche Maßnahmen der Verschönerung bestehen in fast allen Kulturen der Erde in der Vorspiegelung eines jüngeren Alters. Dabei beschränkt sich dieser Akt keineswegs auf die Frau, ähnlich auf den Mann, wenngleich in abgeschwächter Weise. Der jüngere Mann ist viel stärker, um die Familie stets mit frischer Nahrung zu versorgen und wendig genug, sie vor Gefahren zu beschützen.

Soweit die These. Einwände gibt es mannigfaltig, begründet werden sie sehr unterschiedlich bis gar nicht. Darauf möchte ich in den nachfolgenden Artikeln näher eingehen, bislang kann sich die Leserin und der Leser gerne einmal selbst damit beschäftigen, und fragen, in wie weit sie plausibel erscheint! Viel Erfolg.

2 Gedanken zu “Jugendwahn Teil 1 (129)

    • Danke für den Kommentar.🙂 Es ist für mich eine Frage der Definition von Schönheit. Du hast vollkommen recht, dass zu anderen Zeiten beleibte Frauen als attraktiver galten, und auch heute gibt es Kulturen, bei denen es so ist. Schönheit, wie wir sie heute verstehen, ist allgemein mit der Eigenschaft schlank verbunden. Für Menschen in z.B. Zentralafrika sind pralle Gesäße ein Kennzeichen für Schönheit, je voluminöser, desto schöner. Auch dort ist es, wie Du schreibst, kulturell geprägt. In Gegensatz dazu sind sicher die Versuche neu zu bewerten, bei denen Neugeborenen und wenige Tage alten Babys mal nach unserem Verständnis schönere und weniger schöne Gesichter vorgehalten wurden. Als Ergenis war festzustellen, dass die Probanden deutlich stärker der schöneren Gesichtern zugeneigt waren. Babys sind vermutlich frei von kultureller Prägung. Ich meine, da ist noch viel Forschungspotential. Gruß, Mies Vandenbergh

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