Weihnachtliches Intermezzo: Festhalten (127)

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Eine Gesellschaft wird durch ihre Mitglieder gegründet. Innerhalb dieser Gesellschaft werden unterschiedliche Verhaltenskodex gebildet, die sich als Existenzgrundlage der Gesellschaft etablieren. Sie dienen dem Erhalt und der Weiterentwicklung dieser Gemeinschaft. Diese Übereinkünfte, sowohl ausdrücklich vereinbart wie auch stillschweigend geschossen, bilden ein Gerüst für ein Regelwerk, an das sich jedes Mitglied der Gemeinschaft halten soll. Mitglieder der Gemeinschaft werden entweder innerhalb geboren oder kommen durch freiwilligen oder fremdbestimmten Eintritt hinzu. Allen Mitgliedern werden unter anderem die Verhaltensregeln mit dem erforderlichen Maßnahmen nahegelegt. Gegebenenfalls wächst ein Selbstverständnis für diese Regelungen. Für diesen Sachverhalt werden verschiedene Oberbegriffe verwendet: Moral, Gesetz, Sitte, Ethik, „Political Correctness“, Benehmen, usf. Diese Instanzen sollten im Idealfall im Geiste jedes Individuums fest verankert sein.

Der Mensch besteht in seinem Wesen aus einem Verstand und aus seinen Gefühlen. Der Mensch wirkt in seiner Welt ausschließlich durch Handlung oder durch Unterlassung. Der Mensch ist bestrebt, seine persönliche Existenz zu erhalten und seiner Gattung das Fortbestehen zu sichern. Ein Verstand funktioniert dann, wenn er in der Lage ist, folgerichtig zu denken. Er wird dann folgerichtige Entscheidungen über sein Handeln treffen können, wenn ihm nach Einschätzung sämtlicher Fakten die Bedeutung von Ursache und Wirkung erschließend bewusst wird.

Vernunft widerspricht den Gefühlen. Die Ratio als Instanz übernimmt die Steuerung des einzelnen Menschen. Innerhalb gesellschaftlicher Normen bewegen sich die Individuen dergestalt, dass von außen betrachtet eine homogene Masse beschrieben werden kann. Alles funktioniert normal. Individuelle Bewegungen, Extravaganz innerhalb dieser Masse können nur bis zu einem gewissen Grad geduldet werden. Alle sonstigen Auswüchse sind folgerichtig zu unterbinden. Als krankhaft gekennzeichnet bedürfen sie ggf. einer Behandlung. Ist eine Behandlung nicht von Erfolg geprägt, erfolgt ein Ausschluss des Individuums aus der Masse durch Isolation oder Entfernung.

Vom Zeitpunkt der Gründung einer Gemeinschaft über den Zeitraum seiner Entwicklung bis zum aktuellen Stand aller Errungenschaften findet eine permanente inhaltliche Kontrolle durch bestimmte Organe statt. Sämtliche Inhalte werden durch Beeinflussende unterschiedlicher Art durch weit divergierende Auslegungen und Angleichungen entwickelt. Dabei ist eine Folgerichtigkeit nicht in jedem Falle gegeben. Irrungen und Wirrungen verursachen beständig Stillstand und Rückschritt.

Nicht jedes Mitglied der Gemeinschaft unterliegt dem unbedingten, blinden Gehorsam der Regelwerke, sondern ist aufgerufen, diese nach seinem Ermessen, seinem Verständnis von Logik einer ständigen Prüfung zu unterziehen. Wurde in einer Gesellschaft der Entwicklung von Verständnis seiner Individuen genügend Raum eingeräumt, so kommt es bei eklatanten Fehlentwicklungen zu einer Revolution im kleinen oder großen Stil. Wurde aber die Gesellschaft durch bestimmte Maßnahmen daran gehindert, der Entwicklung ihres Verstandes zu folgen, durch Betäubung oder Ablenkung, durch Gewalt oder Zwang, so findet die beständige Überprüfung in relativ größeren Intervallen statt. Es kommt jedoch stets nur zu einer Verzögerung einer revolutionären Entwicklung, denn der Mensch ist darauf programmiert, sich und seine Art bestmöglich zu erhalten und weiterentwickeln.

Wie schon Homer in seiner Odyssee beschrieb, ist Zwang nicht immer durch Gewalt gekennzeichnet. Die Sirenen unserer Neuzeit haben ein gänzlich anderes Gesicht. Sie kommen daher in unscheinbaren Gewand und haben ihre Töchter mitgebracht. Eine von ihnen nennt sich TELEVISION. Sie bezirzt uns mit all ihren Töchtern, die da heißen: DSDS, Lindenstraße, Tatort, Das perfekte Dinner, Dschungelcamp, Rote Rosen, oder Terminator. Abend für Abend scheinen wir alle ihnen ausgeliefert zu sein, unser Belohnungssystem im rechten Gehirnlappen bestätigt uns die Ablenkung und Erholung vom anstrengenden, stressigen Tagesablauf.

Eine andere nennt sich ganz unscheinbar „INTERNET“. Sie umschließt uns heimlich, still und leise mit so liebreizenden Pflänzchen wie Social networks und Infotainment. Dass ihr dabei auch zur Hilfe kommende Verwandte wie z.B. Handy, Tab und Notebook unsren Willen wie den Durchblick gerne uns vernebeln, ist schon einerlei.

Und mit Hilfe dieser beiden oben versucht die dritte in dem Bunde, die genannt Konsum, die Ketten, die unseren Geist gefangen halten, stets erneut zu stählen. Ob der Wunsch in uns zu wecken, das Geld in neue Games zu stecken oder der „neuesten“ Version des gewünschten Mobiltelefons entgegen zu fiebern, oder Auto, oder Kleidung, oder Schmuck, oder Hausrat, oder Fotoapparat, es verleitet und verführt. Leider heute immer mit Erfolg.

Die vierte der Sirenen unserer Zeit ist dann auch die Arbeit, die an sich noch nicht der Verderb unseres Geistes wäre. Doch die Art und Weise ihres Umfangs sorgt genau im Sinne der missbrauchten Worte aus der Zeit totalitärer Machthaber in Deutschland, die da lauten „Arbeit macht frei“, für die Verschiebung des Intellektes und schöpferischer Kräfte zu Gunsten der Arbeit. Arbeit macht frei von Kreativität und Schaffenskraft, frei von Diskurs und Hinterfragen, wenn der Mensch einerseits alltäglich von einer Arbeitsstelle zur nächsten hastet, weil er von einer allein seine Familie nicht mehr ernähren kann, oder andererseits bei einer Arbeitszeit von 8,5 Stunden plus Pause und Fahrzeit bei min. 10 Stunden täglich am Abend oftmals zu geschafft ist, um klare Gedanken oder Kreativkraft abzurufen zu können.

So sorgen schon allein diese vier Sirenen unserer Epoche für allerlei Irrungen und Wirrungen, für Krankheiten und Geschwüre, für menschenverachtende Machenschaften in allen Ebenen der Gesellschaft, die vermutlich erst dann beseitigt werden, wenn es noch mehr überhand nimmt, oder unser Bewusstsein geschärft ist.

Wenn ein Manager eines großen Unternehmens glaubhaft versichert, er käme auch mit 5 Millonen Euro Jahresgehalt aus, auf der anderen Seite ein anderes Unternehmen das Trinkwasser in heißen Ländern nachdem sie die Quellen dort für ein Bakschisch erwarben, so teuer macht, dass die Menschen verdursten, weil ihr Verdienst nicht ausreicht, das abgefüllte Wasser zu kaufen, so gibt es Verbesserungsbedarf. Und höchstwahrscheinlich brauchen wir nicht mal so weit suchen, um allerlei Irrungen und Wirrungen zu enttarnen, es gibt genügend in der Nähe, auf die wir unseren Einfluss gelten lassen können.

ALSO EIN AUFRUF: Reflektieren wir unsere Gemeinschaft und sagen, was wir empfinden und denken. Auch, wenn’s manchmal unbequem ist. Ich meine, dass wir dadurch in unserem kleinen Einflussbereich, in unserem Kreis und damit im Gesamten die Gesellschaft und das Leben lebenswerter machen werden!

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