Aussenwerbung des Körpers (125)

tetur jeans hintern   mies vandenbergh fotografie

Mies-Vandenbergh-Fotografie

In diesem Abschnitt geht es darum, mit welchen Mitteln und warum wir Menschen beständig um die Aufmerksamkeit unserer Zeitgenossen buhlen.

Man sagt, kleine Frauen trügen gerne lautes Schuhwerk. Während meiner Jugend war es gang und gäbe sich unter seine Schuhe, es waren gerne Stiefel, Metallplättchen zu nageln. Mit dem daraus resultierenden metallisch klingendem Klackern während seiner Schritte fiel man stets auf, wenn man kam oder ging.

Schrille Kleidung ist ein weiteres, probates Mittel, um sich Aufmerksamkeit zu erhaschen. Zwar nicht jeder letzte Schrei mutiert zum Trendsetter, doch eine Extravaganz in der Kleidung führt fast immer zum Erfolg bei uns visuellen Wesen, wenn man auffallen will.

Wer sich großzügig behängt, mit was auch immer, der sticht aus der Masse der Menschen heraus. Ob sich der Mensch mit allerley Tändel umgibt, einem Haus, einem Auto, einer Yacht, einem Pferd, so wird er nicht lange ohne die aus dem Werbespot der Sparkasse mir in Erinnerung gebliebene Pferdepflegerin bleiben. Kaum ein Mensch will im Mainstream, der „wabernden Masse“ mitlaufen, wie einst die Rockgruppe Bap in „Kristallnacht“ verkündete, oder wie es Hermann Hesse mit den Worten „…dummes Schaf in der Herde der Vielen.“ in seinem Klassiker Siddharta bezeichnete.

Dabei ist es keineswegs so, dass sich nur die weniger Schönen oder wenig Schönen aufzupäppeln gedenken, nein, selbst die Schönen stehen dem in nichts nach, auch sie wollen noch schöner dastehen.

Worauf das alles hinausläuft? Nur ein Ziel ist vordergründig zu belegen, glaubt man den vielen Forschern: Der Mensch strebt danach, bestmögliche Ausgangssituationen zu schaffen, um sich erfolgreich zu vermehren. Je mehr er in der Gesellschaft darstellt, desto größer ist die Chance, die Auswahl, einen wertvollen Partner – im Sinne der guten Gene- zu gewinnen. Dabei sind die Rollen, wenn auch im Wandel begriffen, klar zwischen Männchen und Weibchen differenziert! Mann = Status, Haben und Kraft, Frau = Zierde, Schmuck und Gebärfähigkeit. Heute wie gestern, denn in der Jugend und unter den jungen Erwachsenen heute ist es nicht anders als bei den Generationen davor!

Nicht die vielen anderslautenden Lippenbekenntnisse von den inneren Werten, wieder und wieder in die Runde geworfen, und mit penetranter Vehemenz wiederholt, können darüber hinwegtäuschen, dass der Mensch in seiner Eitelkeit kein Stück weiter ist, als ein siamesisches Kampffischmännchen! Und wie die Kampffischweibchen dem Balzen der Männchen nicht widerstehen können, so ist es bei uns Menschen – nur mit umgedrehten Kennzeichen: Die Männchen sind seltenst in der Lage, den Reizen der Weibchen zu widerstehen! Das wissen die Weibchen par Excellence einzusetzen. Wir alle plustern uns auf wie der Kugelfisch! Wir brüllen laut, wie der Löwe, besonders die kleineren Vertreter unserer Spezies.

Der Schein in unserer Gesellschaft, in der heutigen Zeit ist von enormer Bedeutung, wie das dazugehörige Schauspiel der Menschen ebenso. Fast ausnahmslos nehmen die Menschen im Augenblick der Verkleidung, der Aufhübschung, der Tarnung eine einstudierte Rolle an, die durch gesellschaftliche Normen, Regeln und Konventionen strikt vorgeschrieben ist. Der Mensch funktioniert ganz passabel, Überschreitungen oder gar Ausbrüche sind selten zu beobachten.

Um aus dieser Arena auszubrechen bedarf es einer ganzen Menge Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Warum die wenigsten Menschen damit in ausreichendem Maße gesegnet sind, ist ein Rätsel. Warum nur schwimmen so viele mit in diesem Strom? Warum wagen nicht mehr denkende Wesen einmal den Ausstieg ans Ufer, um zu sichten, wohin die Reise geht, und zu überdenken, ob das Ziel des Stroms mit dem eigenen Ziel einhergeht? Wollen die Mehrheit der Menschen vielleicht doch lieber in der Anonymität der Masse treiben? Ist es dort vielleicht bequemer und man wird nicht mit wiederkehrenden Entscheidungen belästigt, die man treffen muss und für die man anschließend auch noch die Verantwortung übernehmen muss?

Wie ist diese Ambivalenz zu erklären? Falle ich dann nicht auf, wenn ich auffalle? Falle ich nur auf, wenn ich nicht auffalle, mich nicht an diesem Schönheits-Wettbewerb, an dieser ständigen Aufhübschung beteilige? Nein, das wäre zu weit gedacht. Viele Beispiele lassen sich finden, die belegen, dass auch mit bedacht geführte Manipulationen -wobei es immer noch Manipulationen bleiben- kaum erkennbar scheinen, und damit der Natürlichkeit zu neuem alten Wirken verhelfen. Vielleicht ist dann ein Weg zu erkennen, der sich geradezu anbietet, der uns nach und nach in eine Abkehr vom SCHEIN hin zu mehr SEIN begleitet. Was aber nicht vergessen werden kann ist die Tatsache, dass schöne Bilder, egal, ob in Form eines attraktiven Menschen oder in Form eines bezaubernden Naturschauspiels immer wieder unsere Seele berühren werden, und unseren Begehr stets auf’s Neue erwecken wird. Dazu sind wir Mensch. Es kommt nur auf das Maß an! Wie in fast allen Belangen, um die es in unserem Leben geht.

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