Der Preis der Schönheit (124)

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Wieviel Lebensenergie stecken wir in die Erreichung der Ziele, die vornehmlich der Schönheit und unseren Äußerlichkeiten dienen? Damit beschäftigt sich dieser Artikel, und dazu finden sich einige sehr spannende Statistiken!

I like beauty! Diesen Satz könnte wohl nahezu jeder unterschreiben. Ich mag das Schöne! In jeder erdenklichen Form bevorzugen wir das Schöne. In jedem Wesen, in jedem Ding suchen wir den Zauber, der unsere Augen strahlen lässt. Auch wenn wir selbst nur durchschnittlich erscheinen, so erfüllt uns das Schöne mit Freude. Wir lassen uns nur allzu gerne davon betören. Auch wenn wir selbst vielleicht nie zu solcher Grazie werden, so versuchen wir doch bis zu einem bestimmten Punkt dem nachzueifern. Doch um welchen Preis?

Was verursachen die vielen schönen Dinge um uns herum? Was bewirken unsere Anstrengungen, stets und ständig der Schönheit nachzuspüren und diese um uns herum anzusammeln? Der Mensch strebt seit je her nach dem Besseren. Das Gute reicht uns immer nur für den Moment, schon im nächsten Augenblick fragen wir uns, ob es nicht irgendwie besser ginge. Stets muss alles das Neueste, Innovative oder Exklusive sein, die Werbung teilt es uns mit und wir springen immer wieder darauf an. Ob es sich dabei um Dinge handelt, denen wir einen unvermeidlichen Nutzen zusprechen, und die damit eine wunderliche Notwendigkeit zu Anschaffung verliehen bekommen, oder um Wesen, die wir entweder in der Realität oder in der Fiktion um uns herum versammeln, es läuft immer auf dasselbe hinaus. Wir investieren einen Großteil unserer Lebensenergie in diesen Prozess, der Suche nach der Schönheit.

Wieviel Lebensenergie stecken wir in die Suche nach Schönheit? Welche Anstrengungen unternehmen wir, um unsere Wünsche diesbetreffend zu erfüllen? Und in wie weit reicht dieses Denken, dieser Trieb in unser Leben im zwischenmenschlichen Kontext hinein?

Um sich das vor Augen zu führen, möchte ich eine kleine Aufzählung machen:

· Wir kaufen uns wiederkehrend “schöne“ Kleidung.
· Wir kaufen uns ein “schönes“ Auto.
· Wir dekorieren unsere Wohnung, Haus und Garten“schön“.
· Wir schminken uns gerne “schön“.
· Wir lassen uns eine “schöne“ Frisur herrichten.
· Wir fahren in eine “schöne“ Landschaft in den Urlaub.
· Wir wählen uns einen “schönen“ Lebenspartner.
· Wir suchen uns “schöne“ Motive.
· Wir wandern in “schönen“ Gegenden.
· Wir schwimmen in “schönen“ Badeanzügen in “schönen“ Gewässern.

Diese Liste wäre mit nahezu jedem Verb zu erweitern, jeder Leser möge dies in Gedanken für sich selbst tun und danach überlegen, welche Investitionen zur Erreichung dieser Dinge getätigt werden müssen. In unserer Gesellschaft gilt ein monitäres Prinzip. Alles lässt sich in Geld umrechnen, so ist fast jedes dieser Dinge durch entsprechenden Einsatz von Mitteln zu ereichen.

Wieviel Geld gibt der Mensch für seine Suche nach Schönheit aus und wieviel Arbeitszeit und damit Lebenszeit investiert er? (ich beziehe mich hier in erster Linie auf die Menschen der westlich geprägten Gesellschaft) Am Beispiel Deutschlands möchte ich das einmal aufzeigen, und ich möchte annehmen, dass sich die Zahlen auf die meisten Industrienationen übertragen lassen. Das Durchschnittseinkommen in D liegt aktuell (2011-2013) bei ca. 3700,- Euro Brutto, ca. 2800,- € Netto, die durchschnittlichen Konsumausgaben liegen bei ca. 2400,- Euro. Die durchschnittliche Arbeitszeit in Deutschland liegt aktuell bei ca. 125 Std./Mon.

1. Kleidung
Die durchschnittliche Ausgabe für Kleidung liegt bei ca. 100 €
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Bezogen auf die durchschnittliche Arbeitszeit in D von 1500 Stunden pro Jahr, 125 Stunden/Monat und den Verdienst von 2800€ ergibt sich eine durchschnittliche Investition von 125:2800×100= ca. viereinhalb Stunden Arbeitszeit pro Monat für Kleidung. (3,6%)

Durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

2. Auto

Die durchschnittliche Ausgabe der Deutschen für ein Auto liegt statistisch bei 400€ /Monat, wobei diese Ausgabe zum einen den Kraftstoffverbrauch (s.u.) beinhaltet und natürlich das Auto nicht unbedingt zu der Suche nach den schönen Dingen gehört, weil es für die meisten (berufstätigen) Menschen notwendig ist. Dennoch ist an dieser Stelle interessant, dass wir ca. 18 Stunden monatlich für unser Auto arbeiten. (14,4%)

Die Ausgaben für Kraftstoffe pro Haushalt in D lagen bei ca. 100 €/Monat.
Kraftstoff - Monatliche Ausgaben privater Haushalte bis 2012
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

3. Wohnung, Haus und Garten

Bei den Ausgaben für Wohnen sind in punkto Schönheit natürlich nur die Kosten für Deko zu benennen, die aber laut Statistik in einem moderaten Rahmen von ca. 50,-€ /Monat liegen und uns damit nur ca. Zwei bis zweieinhalb Stunden Arbeitszeit pro Monat in Anspruch nehmen.

4. Kosmetik

Die monatlichen Ausgaben für Kosmetika lagen in D bei 60 € pro Monat und Haushalt. Damit arbeiten wir im Durchschnitt 3 Stunden monatlich für Kosmetika.(2,4%)

Ein Artikel der Zeitung “Die Welt“, erschienen am 08.10.2011, lautete:

„Frauen geben jährlich im Schnitt rund 540 Euro für Kosmetik aus. Das geht aus einer Untersuchung des Kosmetikverbands VKE in Berlin hervor. Dabei investieren sie am meisten Geld in Düfte – auf Parfüm entfallen rund 200 Euro. Pflegende Kosmetik lassen sie sich 181 Euro kosten, für dekorative Kosmetik wie Lippenstift und Make-up geben die Käuferinnen 156 Euro aus. Befragt wurden 1072 Frauen.Außerdem geht aus der Studie hervor, dass die meisten Frauen Schminke fast immer sehr dezent einsetzen. Vor allem Jüngere greifen häufig zu Lippenstift und Make-up – für den täglichen Bedarf schminken sich Frauen aber überwiegend natürlich, heißt es. „Ausgefallen“ oder „überdurchschnittlich sexy“ kommt Kosmetik nur zu besonderen Anlässen zum Einsatz. Und mit zunehmendem Alter schminken sich Frauen immer weniger.Grundsätzlich ist die tägliche Pflege aber für die Mehrzahl der Frauen ein wichtiges Ritual: Mehr als 70 Prozent legen Wert auf ein gepflegtes Aussehen. Sie verwenden im Schnitt zwischen 15 und 30 Minuten für das Cremen und Schminken. Unter 30-Jährige verbringen den Angaben nach sogar oft mehr als 60 Minuten vor dem Spiegel.“

Zähle ich jetzt zu diesen täglichen 30 Minuten noch die Lebenszeit hinzu, die wir durchschnittlich für den Erwerb (Arbeitszeit zum Verdienst des Geldes für die Kosmetik, plus Zeit für den Erwerb derselben) der verwendeten Kosmetik einsetzen, so komme ich auf eine Gesamtzeit von ca. 20 Stunden pro Monat. 20 Stunden Zeit pro Monat für die Verwendung von Kosmetik.

Die anderen Punkte betrachtet ergibt sich eine weitere Anzahl von Stunden der Lebenszeit, die wir zur Erreichung unserer Wünsche erbringen. Wir tun somit viel für die schönen Dinge im Leben. Die Antwort auf die Frage, meine Einschätzung, ob es zu viel ist, bin ich bisher noch schuldig geblieben. Dazu möchte ich abschließend vermerken :

Fazit:
Ich meine, wir werden zunehmend eitler. Auch bin ich der Überzeugung, dass wir immer gesteigerteren Wert auf schöne Dinge legen. Unbestritten ist, das unser Streben nach Innovation DER Motor für die Entwicklung unserer Gesellschaft ist. Doch ich meine auch, dass ein Zuviel des Ganzen, wie die westlich geprägten Gesellschaften es leben, in eine Sackgasse der Unzufriedenheit führt.

Deutliche Anzeichen dafür finden sich meiner Ansicht nach zu Hauf. Zur Begründung: Der Lebenszyklus von Produkten aus vielen Warengruppen wird immer kürzer. Dabei steckt nicht immer eine technische Neuerung dahinter, sondern allzu oft ein bloßer Designwechsel. Damit wird uns suggeriert, dass wir just in den Moment nur noch „Altes Zeug“ besitzen. Damit können die meisten Konsumenten nur sehr schwer Leben und schon schnappt die Konsumfalle zu. Beispiel: Mein Galaxy Note, auf dem ich gerade diesen Text swype, ist gerade 2 Jahre alt. Mittlerweile ist Version 3 auf dem Markt, die sicher manches besser kann, aber weit davon entfernt scheint, gerechtfertigt jeden Produktwechsel mit zu machen.

Weiterhin stellen die Konsumforscher fest, dass wir unser Habitat mit immer mehr, aber auch immer hochwertigerem Jedöhns bestücken. Es reicht nicht mehr die French-Press, um einen schmackhaften Kaffee zu bereiten, es sollte schon der Kaffeevollautomat sein, der einem eine wunderbaren Latte Macchiato kredenzt, ganz ungeachtet der Tatsache, dass die Firmen das Schimmelproblem der Automaten keinesfalls in den Griff bekommen haben, wie unlängst eine Untersuchung der Verbrauchersendung „markt“ bestätigte. LECKER!

Ohne jetzt in eine volkswirtschaftliche Betrachtung abzuschweifen, nach der es letztendlich vollkommen egal ist, wofür wir unser Geld ausgeben, Hauptsache, dass wir es ausgeben, und es in den Geldkreislauf wieder hinein strömt, gehen meine Bedenken in jene Richtung, die sich mit der Überlegung beschäftigt, ob wir nicht mehr Lebensenergie in Zwischenmenschliches investieren sollten, als in den bloßen Konsum. Davon wäre auch das Streben nach Schönheit betroffen: Es würde eine Strömung entstehen, die sich wieder mehr den Prinzip MEHR SEIN ALS SCHEIN anschließen könnte. Ein leiser Hauch davon ist zu vernehmen, wenn Gesellschaftsforscher berichten, es gäbe in der nächsten Generation erste Anzeichen von Konsumverzicht, und einem Teil der jungen Erwachsenen wäre Besitz nicht mehr so wichtig wie den Generationen davor. Diese teilen sich lieber ein Fahrzeug, als eines zu besitzen…Licht am Ende des Tunnels? JA! – meine ich.

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2 Gedanken zu “Der Preis der Schönheit (124)

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