Eure Schönheit, Hochwohlgeboren (128)

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In der heutigen Veröffentlichung schreibe ich über Attraktivität und wie sich die Wahrnehmung derselben durch Interkommunikation verändert.

Was geschieht, wenn wir einen attraktiven Menschen erblicken? Wir sehen hin. Wir sehen etwas länger hin, als bei einem weniger attraktiven Menschen. Ob wir wollen oder nicht, wir können gar nicht anders, denn bekanntlich entscheidet unser Gehirn praktisch in 150 Millisekunden darüber, ob ein Gegenüber für uns interessant ist oder eben nicht. Was dann folgt, ist ein festgelegtes Ritual. Bei einer positiven Botschaft des Gehirns sehen wir den Menschen an, und erfassen in mehr oder weniger fest bestimmter Reihenfolge ganz bestimmte Merkmale, über die ich zuvor schon ausführlich berichtete:

· alt oder jung
· weiblich oder männlich
· gesund oder krank
· klein oder groß
· …

Auch diese Einschätzungen treffen wir in viel weniger als einer Sekunde. Anschließend wandern unsere Augen bei der Betrachtung unseres Gegenübers erneut auf ausgetretenen Pfaden: als erstes schauen wir in das Gesicht, über das mehr als 90 Prozent unserer Kommunikation abläuft. Des weiteren sehen wir auf die Statur des Menschen im Gesamten, bevor wir auf die einzelnen, primären oder sekundären sexuellen Merkmale achten, die da wären:

· Haare
· Lippen
· Hintern
· Busen
· Schultern
· Beine
· Becken
· Oberarme
· …

Diese Handlung, die schon viel mehr unserem Bewusstsein entspringt, als irgendwelchen Automatismen, kann mehr Zeit in Anspruch nehmen. Wir bewegen uns in Zeiträumen von knapp unter einer Sekunde bishin zu sehr wenigen Sekunden.

Nun komme ich zum Kern dieses Artikels. Innerhalb dieses Ablaufs, der Betrachtung unseres Gegenübers, treffen wir sehr früh, nämlich während der Wahrnehmung des Gesichts, auf die Augen des Menschen. Diese sind, vielfach beschrieben als das Tor zur Seele, das aussagekräftigste Element im Gesicht des anderen. Wir haben im Laufe der Evolution gelernt, die Sprache der Blicke zu verstehen. Wir sind noch immer dabei, diese zu erlernen. Menschen suchen förmlich den Blickkontakt, um zu erfahren, wer mir da entgegen kommt, ob Freund oder Feind . Vielfach wissenschaftlich untersucht, erkennen wir relativ schnell an bestimmten Aktionen unserer Blicke, was gemeint sein könnte. Eine der ersten Erkenntnisse entscheidet über die Frage, ob ich gemeint bin, oder ob die Person mich gar nicht wahrgenommen hat. Diese Feststellung wird uns gleich noch näher beschäftigen.

Aber erst zu den weiteren Aussagen, die wir anhand des Augenkontaktes treffen können. Wie ist der Verlauf des Blickkontaktes? Schlägt der Partner die Augen nieder, und welche Aussage bedeutet es? Ist er traurig oder ist ihm etwas unangenehm? Senkt oder hebt er die Augenbrauen? Ist er missgestimmt oder greift er mich an? Weiten sich seine Augen, ist er überrascht, mich zu sehen oder verblüfft über meine Handlung? Lächeln seine Augen, und ist er erfreut mich zu sehen oder erfreut ihn meine Aktion, vielleicht wird ein Lächeln erwidert.
So sind es eine Vielzahl von Reizen, die wir durch unsere Augen verarbeiten, die als erster Schritt der Kommunikation zwischen zwei Menschen stattfindet.

Im Bezug auf die Attraktivität ergaben sich im Hinblick auf genau diese erste Kommunikation interessante Ergebnisse, als Wissenschaftler untersuchten, in wie weit ein Zusammenhang besteht zwischen primärer, nonverbaler Kommunikation und Aussehen. Anhand Versuchen, bei denen Probanden attraktive und weniger attraktive Gesichter vorgelegt wurden, die entweder die Probanden direkt ansahen oder die diese nicht ansahen, konnte unter Zuhilfenahme von Kernspinntomographen erwiesen werden, dass Gesichter, bei denen eine Kontaktaufnahme durch Blicke stattfand, eindeutig größere Attraktivitätswerte ermittelt wurden. Das konnte solange festgestellt werden, bis die Attraktivität der Betrachteten unter einen mittleren Wert sank. Danach wurde festgestellt, dass die Probanden sozusagen froh schienen, nicht von den unterdurchschnittlich aussehenden Menschen bemerkt worden zu sein. Diesen letzten Punkt näher zu untersuchen wäre eine interessante Aufgabe der Attraktivitätsforschung. Bestimmte Bereiche in unserem Kortex machten wahre Freudensprünge, wenn attraktive Gesichter Notiz vom Beobachter nahmen, so die Forscher.

Als Fazit möchte ich festhalten:
Die Aussage, dass eine Person, die attraktiv ist, also um ein unendliches attraktiver wird, wenn sie den Betrachter wahrnimmt, halte ich für ein äußerst spannendes Ergebnis. Der Leser mag sich selbst fragen, welche Gefühle in ihm entstehen, wenn er oder sie von einem attraktiven Menschen wahrgenommen wird, und ein kurzer Blickkontakt zustande kommt. Ich spreche dabei noch nicht mal von einem Sekundenflirt, ich denke mehr an die vielen Unternehmungen, die viele von uns anstrengen, um attraktiver, und damit mehr beachtet zu werden. Vielleicht kann dieser aufmerksame Blick eine Art der Bestätigung unserer selbst werden. Damit sollte ein weiterer plausibler Grund geliefert sein, viel öfter den Menschen ein wahrnehmbares Lächeln zu schenken. Denn schon mit diesem geringen Aufwand können wir Freude und Wärme schenken.

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Weihnachtliches Intermezzo: Festhalten (127)

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Eine Gesellschaft wird durch ihre Mitglieder gegründet. Innerhalb dieser Gesellschaft werden unterschiedliche Verhaltenskodex gebildet, die sich als Existenzgrundlage der Gesellschaft etablieren. Sie dienen dem Erhalt und der Weiterentwicklung dieser Gemeinschaft. Diese Übereinkünfte, sowohl ausdrücklich vereinbart wie auch stillschweigend geschossen, bilden ein Gerüst für ein Regelwerk, an das sich jedes Mitglied der Gemeinschaft halten soll. Mitglieder der Gemeinschaft werden entweder innerhalb geboren oder kommen durch freiwilligen oder fremdbestimmten Eintritt hinzu. Allen Mitgliedern werden unter anderem die Verhaltensregeln mit dem erforderlichen Maßnahmen nahegelegt. Gegebenenfalls wächst ein Selbstverständnis für diese Regelungen. Für diesen Sachverhalt werden verschiedene Oberbegriffe verwendet: Moral, Gesetz, Sitte, Ethik, „Political Correctness“, Benehmen, usf. Diese Instanzen sollten im Idealfall im Geiste jedes Individuums fest verankert sein.

Der Mensch besteht in seinem Wesen aus einem Verstand und aus seinen Gefühlen. Der Mensch wirkt in seiner Welt ausschließlich durch Handlung oder durch Unterlassung. Der Mensch ist bestrebt, seine persönliche Existenz zu erhalten und seiner Gattung das Fortbestehen zu sichern. Ein Verstand funktioniert dann, wenn er in der Lage ist, folgerichtig zu denken. Er wird dann folgerichtige Entscheidungen über sein Handeln treffen können, wenn ihm nach Einschätzung sämtlicher Fakten die Bedeutung von Ursache und Wirkung erschließend bewusst wird.

Vernunft widerspricht den Gefühlen. Die Ratio als Instanz übernimmt die Steuerung des einzelnen Menschen. Innerhalb gesellschaftlicher Normen bewegen sich die Individuen dergestalt, dass von außen betrachtet eine homogene Masse beschrieben werden kann. Alles funktioniert normal. Individuelle Bewegungen, Extravaganz innerhalb dieser Masse können nur bis zu einem gewissen Grad geduldet werden. Alle sonstigen Auswüchse sind folgerichtig zu unterbinden. Als krankhaft gekennzeichnet bedürfen sie ggf. einer Behandlung. Ist eine Behandlung nicht von Erfolg geprägt, erfolgt ein Ausschluss des Individuums aus der Masse durch Isolation oder Entfernung.

Vom Zeitpunkt der Gründung einer Gemeinschaft über den Zeitraum seiner Entwicklung bis zum aktuellen Stand aller Errungenschaften findet eine permanente inhaltliche Kontrolle durch bestimmte Organe statt. Sämtliche Inhalte werden durch Beeinflussende unterschiedlicher Art durch weit divergierende Auslegungen und Angleichungen entwickelt. Dabei ist eine Folgerichtigkeit nicht in jedem Falle gegeben. Irrungen und Wirrungen verursachen beständig Stillstand und Rückschritt.

Nicht jedes Mitglied der Gemeinschaft unterliegt dem unbedingten, blinden Gehorsam der Regelwerke, sondern ist aufgerufen, diese nach seinem Ermessen, seinem Verständnis von Logik einer ständigen Prüfung zu unterziehen. Wurde in einer Gesellschaft der Entwicklung von Verständnis seiner Individuen genügend Raum eingeräumt, so kommt es bei eklatanten Fehlentwicklungen zu einer Revolution im kleinen oder großen Stil. Wurde aber die Gesellschaft durch bestimmte Maßnahmen daran gehindert, der Entwicklung ihres Verstandes zu folgen, durch Betäubung oder Ablenkung, durch Gewalt oder Zwang, so findet die beständige Überprüfung in relativ größeren Intervallen statt. Es kommt jedoch stets nur zu einer Verzögerung einer revolutionären Entwicklung, denn der Mensch ist darauf programmiert, sich und seine Art bestmöglich zu erhalten und weiterentwickeln.

Wie schon Homer in seiner Odyssee beschrieb, ist Zwang nicht immer durch Gewalt gekennzeichnet. Die Sirenen unserer Neuzeit haben ein gänzlich anderes Gesicht. Sie kommen daher in unscheinbaren Gewand und haben ihre Töchter mitgebracht. Eine von ihnen nennt sich TELEVISION. Sie bezirzt uns mit all ihren Töchtern, die da heißen: DSDS, Lindenstraße, Tatort, Das perfekte Dinner, Dschungelcamp, Rote Rosen, oder Terminator. Abend für Abend scheinen wir alle ihnen ausgeliefert zu sein, unser Belohnungssystem im rechten Gehirnlappen bestätigt uns die Ablenkung und Erholung vom anstrengenden, stressigen Tagesablauf.

Eine andere nennt sich ganz unscheinbar „INTERNET“. Sie umschließt uns heimlich, still und leise mit so liebreizenden Pflänzchen wie Social networks und Infotainment. Dass ihr dabei auch zur Hilfe kommende Verwandte wie z.B. Handy, Tab und Notebook unsren Willen wie den Durchblick gerne uns vernebeln, ist schon einerlei.

Und mit Hilfe dieser beiden oben versucht die dritte in dem Bunde, die genannt Konsum, die Ketten, die unseren Geist gefangen halten, stets erneut zu stählen. Ob der Wunsch in uns zu wecken, das Geld in neue Games zu stecken oder der „neuesten“ Version des gewünschten Mobiltelefons entgegen zu fiebern, oder Auto, oder Kleidung, oder Schmuck, oder Hausrat, oder Fotoapparat, es verleitet und verführt. Leider heute immer mit Erfolg.

Die vierte der Sirenen unserer Zeit ist dann auch die Arbeit, die an sich noch nicht der Verderb unseres Geistes wäre. Doch die Art und Weise ihres Umfangs sorgt genau im Sinne der missbrauchten Worte aus der Zeit totalitärer Machthaber in Deutschland, die da lauten „Arbeit macht frei“, für die Verschiebung des Intellektes und schöpferischer Kräfte zu Gunsten der Arbeit. Arbeit macht frei von Kreativität und Schaffenskraft, frei von Diskurs und Hinterfragen, wenn der Mensch einerseits alltäglich von einer Arbeitsstelle zur nächsten hastet, weil er von einer allein seine Familie nicht mehr ernähren kann, oder andererseits bei einer Arbeitszeit von 8,5 Stunden plus Pause und Fahrzeit bei min. 10 Stunden täglich am Abend oftmals zu geschafft ist, um klare Gedanken oder Kreativkraft abzurufen zu können.

So sorgen schon allein diese vier Sirenen unserer Epoche für allerlei Irrungen und Wirrungen, für Krankheiten und Geschwüre, für menschenverachtende Machenschaften in allen Ebenen der Gesellschaft, die vermutlich erst dann beseitigt werden, wenn es noch mehr überhand nimmt, oder unser Bewusstsein geschärft ist.

Wenn ein Manager eines großen Unternehmens glaubhaft versichert, er käme auch mit 5 Millonen Euro Jahresgehalt aus, auf der anderen Seite ein anderes Unternehmen das Trinkwasser in heißen Ländern nachdem sie die Quellen dort für ein Bakschisch erwarben, so teuer macht, dass die Menschen verdursten, weil ihr Verdienst nicht ausreicht, das abgefüllte Wasser zu kaufen, so gibt es Verbesserungsbedarf. Und höchstwahrscheinlich brauchen wir nicht mal so weit suchen, um allerlei Irrungen und Wirrungen zu enttarnen, es gibt genügend in der Nähe, auf die wir unseren Einfluss gelten lassen können.

ALSO EIN AUFRUF: Reflektieren wir unsere Gemeinschaft und sagen, was wir empfinden und denken. Auch, wenn’s manchmal unbequem ist. Ich meine, dass wir dadurch in unserem kleinen Einflussbereich, in unserem Kreis und damit im Gesamten die Gesellschaft und das Leben lebenswerter machen werden!

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Natürlichkeit (126)

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Was sehe ich, wenn ich einen Menschen ansehe, wieviel von seiner natürlichen Schönheit und wieviel von seiner Verkleidung nach dem Diktat der Mode, danach frage ich in den folgenden Zeilen.

Wie häufig sehe ich Menschen in ihrer natürlichen Schönheit? Dazu stelle ich mir die Frage nach der Definition der natürlichen Schönheit. Was macht natürliche Schönheit aus? Die meisten Menschen erkennen dann eine gewisse Natürlichkeit, wenn ihr Gegenüber ungeschminkt, mit zerzausten Haaren und mit wenig ablenkender Mode verkleidet vor ihnen steht.

Schon an dieser Stelle findet sich die erste Hürde, denn es ist höchst umstritten, an welchem Punkt die Mode in das natürliche Aussehen eingreift. Einige Stimmen sprechen bereits dann von Verkleidung, wenn die Person nicht nackt ist. Für sie ist alles andere als nackt schon künstlich hervorgebrachte Veränderung am Menschen. Dabei ist es unerheblich, welche Kleidung es ist, ob es sich um ein Kleid von Versace oder einem Bärenfell handelt. Unstrittig ist und bleibt die Veränderung, denn nur nackt bleibt der Mensch ohne jede Möglichkeit, mit Kleidung eine klar definierte Aussage zu treffen. Für jeden von uns sind bestimmte Kleidungsstücke mit einer klar abgegrenzten Aussage verknüpft. Die Bilder im Kopf mag bei ihrer Nennung jeder für sich selbst überprüfen:

· Der Anzugträger!
· Die Dame im Abendkleid!
· Der Mann in Jeansjacke und Lederhose!
· Die Dame in Stilettos und Minirock!
· Der Mann im Ballonseide-Trainungsanzug!
· Die Dame im Ozelot-Mantel!

Mit jeder dieser Personen assoziieren wir bestimme Eigenschaften, sowohl auf beruflicher wie auf privater Ebene. Aber genau so, wie wir bestimmte „Vorurteile“ und vorgefasste Erwartungen an bestimmte Kleidungsstücke pflegen, so schnell geraten wir in Unsicherheit oder Verblüffung, wenn uns eine Person eines gewissen Standes in nicht adäquater Kleidung vorgestellt wird. Unsere gesellschaftliche Prägung übt dazu eine Menge Einfluss aus. Selbst wenn diese konträren Bilder in den Medien hin und wieder auftauchen, und uns damit ein wenig auf die möglichen Widersprüche vorbereiteten, so wird jeder selbst nachempfinden können, welchen Gedanken er erläge, würde ihm ein Bundesminister oder Vorstandsvorsitzender einer Bankenaufsicht in Lederkutte und Cowboystiefel vorgestellt werden! Wie wäre unsere Einschätzung der Glaubwürdigkeit in eine Ärztin während der Visite, begegnete uns diese Ärztin in Shorts, Tank-Top und offenem langen Haar? Wäre diese nicht in höchstem Maße gefährdet? Davon bin ich zutiefst überzeugt!

Zurück zur eingangs gestellten Frage nach dem Punkt, an dem von uns noch Natürlichkeit attestiert werden würde, bzw. an dem schon Verkleidung stattfände. Die erste Unterscheidung kann ich machen, indem figurbetonte Kleidung mit legerer Kleidung verglichen wird. Während bei ersterer die körperlichen Äußerlichkeiten deutlicher zu Tage treten, ist bei der zweiten Variante kaum etwas von den Proportionen des Körpers zu erkennen.

Einen Grad für Natürlichkeit allein daraus zu formulieren dürfte wiederum zu Diskussionen führen. Die figurbetonte Variante könnte ich zwar durchaus als natürlich bezeichnen, gibt sie doch die natürliche Form des Körpers wieder, doch bei dieser gaukelt die Stützfunktion eng anliegender Kleidung definitiv positive Eigenschaften vor. Viel besser mutet weite Kleidung auch nicht an. Versteckt diese doch die natürliche Form des Körpers meist gänzlich, die dem Betrachter wesentliches über die Attraktivität des gegenüber verriete. Vielleicht kommt der Träger etwas näher an die Eigenschaft Natürlichkeit heran, wenn er weder enge, noch zu weite Kleidung trägt. Auch Zurückhaltung bei der Wahl der Materialien ist geboten. Dies dürfte aber nicht allzu schwer fallen.

Komme ich zu einem weiteren Punkte. Bei der Bemalung des Gesichts herrscht unter den Menschen weitestgehend Einigkeit: sichtbar geschminkte Personen entbehren jeder Natürlichkeit! Doch genau darin liegt die Besonderheit der gekonnten Maske: Männer und mehr noch Frauen, die in sämtlichen Medien auftauchen, sind derartig dezent sichtbar geschminkt, dass ein fachfremder Betrachter oftmals keine Schminke erkennt. Wieviel Arbeit und Können, Zeit und Aufwand hinter einem solchen Bild steckt, das weiß nur einer, der es kann und derjenige, dem es zuteil wurde. Somit beweist Natürlichkeit in den allgegenwärtigen Medien fast immer ein Trugbild!

Auf der Straße verhält es sich ein wenig anders. Die wenigsten Menschen können sich einen Maskenbildner vorderster Güte leisten. Dort ist es meist sofort ersichtlich, ob die Person ungeschminkt oder in Kriegsbemalung daherkommt. Die Natürlichkeit erscheint in der realen Öffentlichkeit leichter erkennbar, meine ich.

Bei der Betrachtung der Frisur ist im Prinzip ähnliches zu konstatieren, wie bei der Schminke. Gezielt gestyltes „wildes“ Haar ist nur schwer auszumachen, ungepflegtes fast immer und natürliches Haar ist offensichtlich natürlich.

Damit bin ich der Beantwortung der eigentlichen Frage schon ein gutes Stück näher gekommen: natürliche Schönheit ist so leicht nicht zu definieren, doch Übereinkünfte der Gesellschaft hinterlassen deutliche Hinweise. Natürlichkeit finde ich umso häufiger, je jünger die Menschen sind. Gesichtszüge zu erkennen ist ein weiteres probates Mittel, den diese werden nur selten stark verändert oder entstellt. Nicht umsonst sprechen Forscher und Wissenschaftler von standardisierten Typenbezeichnungen: kaukasischer oder indogermanischer, asiatischer oder negroider Typus sind, zwar teils veraltete, aber gängige Termini. Bewegungsmuster ergeben ein untrügliches Bild, denn auch darin spiegelt sich eine Natürlichkeit wieder. Nur sehr wenige Menschen sind fähig, diese eingeübt vorspielen zu können.

Unter den weiteren verbleibenden Anzeichen für Natürlichkeit ist -mit an vorderster Stelle- der Blick zu nennen, der zwar durch vielfältige kosmetische Manipulationen an den Augen verstellt werden kann, doch meist nicht so, dass diese unentdeckt blieben. Künstliche Wimpern, ausgerupfte Augenbrauen durch einen Farbstift ersetzt, dunkle Augenlider und Kajal über die Augen hinaus geben dem Blick des Menschen eine völlig andere Kraft. Diese Manipulationen sind viel deutlicher sichtbar, als beispielsweise die Haut verändernden Puder. Natürlichkeit bleibt so verdeckt.

Stimme und Gestik sowie Mimik verrät uns eigentlich immer, wer es lesen kann, für den ist unser künstliches Schauspiel ein offenes Buch.

Das Fazit: Für wieviel Natürlichkeit ist der Mensch geschaffen? Sowohl der Betrachter wie auch der Betrachtete ist vermutlich noch gar nicht so weit, als dass er auf Maßnahmen zur Verschönerung seiner Erscheinung verzichten könnte. Im Moment scheint es so zu sein, als dass die Fähigkeit selbst, sich zu manipulieren, als Zeichen dafür gewertet wird, einen gewissen Wert in der Gesellschaft zu versprechen. Das halte ich jedoch für einen Trugschluss, der uns in die Irre führen wird!

ZUSATZGEDANKE:

Vielleicht ist der Mann mit dem Haus, dem Boot, dem Auto, dem Pferd und dem Motorrad doch nicht der Idealfall für die Gründung einer erfolgreichen Familie, weil er in seiner 68 Stunden Woche keine Zeit findet, seinen Nachwuchs mit groß zu ziehen? In einer Welt von Haben statt Sein mag dieses Modell zum Erfolg führen. Nur frage sich ein jeder, ob das die Welt sein wird, die wir uns für unsere Zukunft wünschen. Ich selbst lehne das ab! Ich selbst meine, wir sollten mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, der Gesellschaft wieder einen Geist von Sein einzuhauchen.

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Aussenwerbung des Körpers (125)

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In diesem Abschnitt geht es darum, mit welchen Mitteln und warum wir Menschen beständig um die Aufmerksamkeit unserer Zeitgenossen buhlen.

Man sagt, kleine Frauen trügen gerne lautes Schuhwerk. Während meiner Jugend war es gang und gäbe sich unter seine Schuhe, es waren gerne Stiefel, Metallplättchen zu nageln. Mit dem daraus resultierenden metallisch klingendem Klackern während seiner Schritte fiel man stets auf, wenn man kam oder ging.

Schrille Kleidung ist ein weiteres, probates Mittel, um sich Aufmerksamkeit zu erhaschen. Zwar nicht jeder letzte Schrei mutiert zum Trendsetter, doch eine Extravaganz in der Kleidung führt fast immer zum Erfolg bei uns visuellen Wesen, wenn man auffallen will.

Wer sich großzügig behängt, mit was auch immer, der sticht aus der Masse der Menschen heraus. Ob sich der Mensch mit allerley Tändel umgibt, einem Haus, einem Auto, einer Yacht, einem Pferd, so wird er nicht lange ohne die aus dem Werbespot der Sparkasse mir in Erinnerung gebliebene Pferdepflegerin bleiben. Kaum ein Mensch will im Mainstream, der „wabernden Masse“ mitlaufen, wie einst die Rockgruppe Bap in „Kristallnacht“ verkündete, oder wie es Hermann Hesse mit den Worten „…dummes Schaf in der Herde der Vielen.“ in seinem Klassiker Siddharta bezeichnete.

Dabei ist es keineswegs so, dass sich nur die weniger Schönen oder wenig Schönen aufzupäppeln gedenken, nein, selbst die Schönen stehen dem in nichts nach, auch sie wollen noch schöner dastehen.

Worauf das alles hinausläuft? Nur ein Ziel ist vordergründig zu belegen, glaubt man den vielen Forschern: Der Mensch strebt danach, bestmögliche Ausgangssituationen zu schaffen, um sich erfolgreich zu vermehren. Je mehr er in der Gesellschaft darstellt, desto größer ist die Chance, die Auswahl, einen wertvollen Partner – im Sinne der guten Gene- zu gewinnen. Dabei sind die Rollen, wenn auch im Wandel begriffen, klar zwischen Männchen und Weibchen differenziert! Mann = Status, Haben und Kraft, Frau = Zierde, Schmuck und Gebärfähigkeit. Heute wie gestern, denn in der Jugend und unter den jungen Erwachsenen heute ist es nicht anders als bei den Generationen davor!

Nicht die vielen anderslautenden Lippenbekenntnisse von den inneren Werten, wieder und wieder in die Runde geworfen, und mit penetranter Vehemenz wiederholt, können darüber hinwegtäuschen, dass der Mensch in seiner Eitelkeit kein Stück weiter ist, als ein siamesisches Kampffischmännchen! Und wie die Kampffischweibchen dem Balzen der Männchen nicht widerstehen können, so ist es bei uns Menschen – nur mit umgedrehten Kennzeichen: Die Männchen sind seltenst in der Lage, den Reizen der Weibchen zu widerstehen! Das wissen die Weibchen par Excellence einzusetzen. Wir alle plustern uns auf wie der Kugelfisch! Wir brüllen laut, wie der Löwe, besonders die kleineren Vertreter unserer Spezies.

Der Schein in unserer Gesellschaft, in der heutigen Zeit ist von enormer Bedeutung, wie das dazugehörige Schauspiel der Menschen ebenso. Fast ausnahmslos nehmen die Menschen im Augenblick der Verkleidung, der Aufhübschung, der Tarnung eine einstudierte Rolle an, die durch gesellschaftliche Normen, Regeln und Konventionen strikt vorgeschrieben ist. Der Mensch funktioniert ganz passabel, Überschreitungen oder gar Ausbrüche sind selten zu beobachten.

Um aus dieser Arena auszubrechen bedarf es einer ganzen Menge Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Warum die wenigsten Menschen damit in ausreichendem Maße gesegnet sind, ist ein Rätsel. Warum nur schwimmen so viele mit in diesem Strom? Warum wagen nicht mehr denkende Wesen einmal den Ausstieg ans Ufer, um zu sichten, wohin die Reise geht, und zu überdenken, ob das Ziel des Stroms mit dem eigenen Ziel einhergeht? Wollen die Mehrheit der Menschen vielleicht doch lieber in der Anonymität der Masse treiben? Ist es dort vielleicht bequemer und man wird nicht mit wiederkehrenden Entscheidungen belästigt, die man treffen muss und für die man anschließend auch noch die Verantwortung übernehmen muss?

Wie ist diese Ambivalenz zu erklären? Falle ich dann nicht auf, wenn ich auffalle? Falle ich nur auf, wenn ich nicht auffalle, mich nicht an diesem Schönheits-Wettbewerb, an dieser ständigen Aufhübschung beteilige? Nein, das wäre zu weit gedacht. Viele Beispiele lassen sich finden, die belegen, dass auch mit bedacht geführte Manipulationen -wobei es immer noch Manipulationen bleiben- kaum erkennbar scheinen, und damit der Natürlichkeit zu neuem alten Wirken verhelfen. Vielleicht ist dann ein Weg zu erkennen, der sich geradezu anbietet, der uns nach und nach in eine Abkehr vom SCHEIN hin zu mehr SEIN begleitet. Was aber nicht vergessen werden kann ist die Tatsache, dass schöne Bilder, egal, ob in Form eines attraktiven Menschen oder in Form eines bezaubernden Naturschauspiels immer wieder unsere Seele berühren werden, und unseren Begehr stets auf’s Neue erwecken wird. Dazu sind wir Mensch. Es kommt nur auf das Maß an! Wie in fast allen Belangen, um die es in unserem Leben geht.

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Der Preis der Schönheit (124)

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Wieviel Lebensenergie stecken wir in die Erreichung der Ziele, die vornehmlich der Schönheit und unseren Äußerlichkeiten dienen? Damit beschäftigt sich dieser Artikel, und dazu finden sich einige sehr spannende Statistiken!

I like beauty! Diesen Satz könnte wohl nahezu jeder unterschreiben. Ich mag das Schöne! In jeder erdenklichen Form bevorzugen wir das Schöne. In jedem Wesen, in jedem Ding suchen wir den Zauber, der unsere Augen strahlen lässt. Auch wenn wir selbst nur durchschnittlich erscheinen, so erfüllt uns das Schöne mit Freude. Wir lassen uns nur allzu gerne davon betören. Auch wenn wir selbst vielleicht nie zu solcher Grazie werden, so versuchen wir doch bis zu einem bestimmten Punkt dem nachzueifern. Doch um welchen Preis?

Was verursachen die vielen schönen Dinge um uns herum? Was bewirken unsere Anstrengungen, stets und ständig der Schönheit nachzuspüren und diese um uns herum anzusammeln? Der Mensch strebt seit je her nach dem Besseren. Das Gute reicht uns immer nur für den Moment, schon im nächsten Augenblick fragen wir uns, ob es nicht irgendwie besser ginge. Stets muss alles das Neueste, Innovative oder Exklusive sein, die Werbung teilt es uns mit und wir springen immer wieder darauf an. Ob es sich dabei um Dinge handelt, denen wir einen unvermeidlichen Nutzen zusprechen, und die damit eine wunderliche Notwendigkeit zu Anschaffung verliehen bekommen, oder um Wesen, die wir entweder in der Realität oder in der Fiktion um uns herum versammeln, es läuft immer auf dasselbe hinaus. Wir investieren einen Großteil unserer Lebensenergie in diesen Prozess, der Suche nach der Schönheit.

Wieviel Lebensenergie stecken wir in die Suche nach Schönheit? Welche Anstrengungen unternehmen wir, um unsere Wünsche diesbetreffend zu erfüllen? Und in wie weit reicht dieses Denken, dieser Trieb in unser Leben im zwischenmenschlichen Kontext hinein?

Um sich das vor Augen zu führen, möchte ich eine kleine Aufzählung machen:

· Wir kaufen uns wiederkehrend “schöne“ Kleidung.
· Wir kaufen uns ein “schönes“ Auto.
· Wir dekorieren unsere Wohnung, Haus und Garten“schön“.
· Wir schminken uns gerne “schön“.
· Wir lassen uns eine “schöne“ Frisur herrichten.
· Wir fahren in eine “schöne“ Landschaft in den Urlaub.
· Wir wählen uns einen “schönen“ Lebenspartner.
· Wir suchen uns “schöne“ Motive.
· Wir wandern in “schönen“ Gegenden.
· Wir schwimmen in “schönen“ Badeanzügen in “schönen“ Gewässern.

Diese Liste wäre mit nahezu jedem Verb zu erweitern, jeder Leser möge dies in Gedanken für sich selbst tun und danach überlegen, welche Investitionen zur Erreichung dieser Dinge getätigt werden müssen. In unserer Gesellschaft gilt ein monitäres Prinzip. Alles lässt sich in Geld umrechnen, so ist fast jedes dieser Dinge durch entsprechenden Einsatz von Mitteln zu ereichen.

Wieviel Geld gibt der Mensch für seine Suche nach Schönheit aus und wieviel Arbeitszeit und damit Lebenszeit investiert er? (ich beziehe mich hier in erster Linie auf die Menschen der westlich geprägten Gesellschaft) Am Beispiel Deutschlands möchte ich das einmal aufzeigen, und ich möchte annehmen, dass sich die Zahlen auf die meisten Industrienationen übertragen lassen. Das Durchschnittseinkommen in D liegt aktuell (2011-2013) bei ca. 3700,- Euro Brutto, ca. 2800,- € Netto, die durchschnittlichen Konsumausgaben liegen bei ca. 2400,- Euro. Die durchschnittliche Arbeitszeit in Deutschland liegt aktuell bei ca. 125 Std./Mon.

1. Kleidung
Die durchschnittliche Ausgabe für Kleidung liegt bei ca. 100 €
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Bezogen auf die durchschnittliche Arbeitszeit in D von 1500 Stunden pro Jahr, 125 Stunden/Monat und den Verdienst von 2800€ ergibt sich eine durchschnittliche Investition von 125:2800×100= ca. viereinhalb Stunden Arbeitszeit pro Monat für Kleidung. (3,6%)

Durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

2. Auto

Die durchschnittliche Ausgabe der Deutschen für ein Auto liegt statistisch bei 400€ /Monat, wobei diese Ausgabe zum einen den Kraftstoffverbrauch (s.u.) beinhaltet und natürlich das Auto nicht unbedingt zu der Suche nach den schönen Dingen gehört, weil es für die meisten (berufstätigen) Menschen notwendig ist. Dennoch ist an dieser Stelle interessant, dass wir ca. 18 Stunden monatlich für unser Auto arbeiten. (14,4%)

Die Ausgaben für Kraftstoffe pro Haushalt in D lagen bei ca. 100 €/Monat.
Kraftstoff - Monatliche Ausgaben privater Haushalte bis 2012
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

3. Wohnung, Haus und Garten

Bei den Ausgaben für Wohnen sind in punkto Schönheit natürlich nur die Kosten für Deko zu benennen, die aber laut Statistik in einem moderaten Rahmen von ca. 50,-€ /Monat liegen und uns damit nur ca. Zwei bis zweieinhalb Stunden Arbeitszeit pro Monat in Anspruch nehmen.

4. Kosmetik

Die monatlichen Ausgaben für Kosmetika lagen in D bei 60 € pro Monat und Haushalt. Damit arbeiten wir im Durchschnitt 3 Stunden monatlich für Kosmetika.(2,4%)

Ein Artikel der Zeitung “Die Welt“, erschienen am 08.10.2011, lautete:

„Frauen geben jährlich im Schnitt rund 540 Euro für Kosmetik aus. Das geht aus einer Untersuchung des Kosmetikverbands VKE in Berlin hervor. Dabei investieren sie am meisten Geld in Düfte – auf Parfüm entfallen rund 200 Euro. Pflegende Kosmetik lassen sie sich 181 Euro kosten, für dekorative Kosmetik wie Lippenstift und Make-up geben die Käuferinnen 156 Euro aus. Befragt wurden 1072 Frauen.Außerdem geht aus der Studie hervor, dass die meisten Frauen Schminke fast immer sehr dezent einsetzen. Vor allem Jüngere greifen häufig zu Lippenstift und Make-up – für den täglichen Bedarf schminken sich Frauen aber überwiegend natürlich, heißt es. „Ausgefallen“ oder „überdurchschnittlich sexy“ kommt Kosmetik nur zu besonderen Anlässen zum Einsatz. Und mit zunehmendem Alter schminken sich Frauen immer weniger.Grundsätzlich ist die tägliche Pflege aber für die Mehrzahl der Frauen ein wichtiges Ritual: Mehr als 70 Prozent legen Wert auf ein gepflegtes Aussehen. Sie verwenden im Schnitt zwischen 15 und 30 Minuten für das Cremen und Schminken. Unter 30-Jährige verbringen den Angaben nach sogar oft mehr als 60 Minuten vor dem Spiegel.“

Zähle ich jetzt zu diesen täglichen 30 Minuten noch die Lebenszeit hinzu, die wir durchschnittlich für den Erwerb (Arbeitszeit zum Verdienst des Geldes für die Kosmetik, plus Zeit für den Erwerb derselben) der verwendeten Kosmetik einsetzen, so komme ich auf eine Gesamtzeit von ca. 20 Stunden pro Monat. 20 Stunden Zeit pro Monat für die Verwendung von Kosmetik.

Die anderen Punkte betrachtet ergibt sich eine weitere Anzahl von Stunden der Lebenszeit, die wir zur Erreichung unserer Wünsche erbringen. Wir tun somit viel für die schönen Dinge im Leben. Die Antwort auf die Frage, meine Einschätzung, ob es zu viel ist, bin ich bisher noch schuldig geblieben. Dazu möchte ich abschließend vermerken :

Fazit:
Ich meine, wir werden zunehmend eitler. Auch bin ich der Überzeugung, dass wir immer gesteigerteren Wert auf schöne Dinge legen. Unbestritten ist, das unser Streben nach Innovation DER Motor für die Entwicklung unserer Gesellschaft ist. Doch ich meine auch, dass ein Zuviel des Ganzen, wie die westlich geprägten Gesellschaften es leben, in eine Sackgasse der Unzufriedenheit führt.

Deutliche Anzeichen dafür finden sich meiner Ansicht nach zu Hauf. Zur Begründung: Der Lebenszyklus von Produkten aus vielen Warengruppen wird immer kürzer. Dabei steckt nicht immer eine technische Neuerung dahinter, sondern allzu oft ein bloßer Designwechsel. Damit wird uns suggeriert, dass wir just in den Moment nur noch „Altes Zeug“ besitzen. Damit können die meisten Konsumenten nur sehr schwer Leben und schon schnappt die Konsumfalle zu. Beispiel: Mein Galaxy Note, auf dem ich gerade diesen Text swype, ist gerade 2 Jahre alt. Mittlerweile ist Version 3 auf dem Markt, die sicher manches besser kann, aber weit davon entfernt scheint, gerechtfertigt jeden Produktwechsel mit zu machen.

Weiterhin stellen die Konsumforscher fest, dass wir unser Habitat mit immer mehr, aber auch immer hochwertigerem Jedöhns bestücken. Es reicht nicht mehr die French-Press, um einen schmackhaften Kaffee zu bereiten, es sollte schon der Kaffeevollautomat sein, der einem eine wunderbaren Latte Macchiato kredenzt, ganz ungeachtet der Tatsache, dass die Firmen das Schimmelproblem der Automaten keinesfalls in den Griff bekommen haben, wie unlängst eine Untersuchung der Verbrauchersendung „markt“ bestätigte. LECKER!

Ohne jetzt in eine volkswirtschaftliche Betrachtung abzuschweifen, nach der es letztendlich vollkommen egal ist, wofür wir unser Geld ausgeben, Hauptsache, dass wir es ausgeben, und es in den Geldkreislauf wieder hinein strömt, gehen meine Bedenken in jene Richtung, die sich mit der Überlegung beschäftigt, ob wir nicht mehr Lebensenergie in Zwischenmenschliches investieren sollten, als in den bloßen Konsum. Davon wäre auch das Streben nach Schönheit betroffen: Es würde eine Strömung entstehen, die sich wieder mehr den Prinzip MEHR SEIN ALS SCHEIN anschließen könnte. Ein leiser Hauch davon ist zu vernehmen, wenn Gesellschaftsforscher berichten, es gäbe in der nächsten Generation erste Anzeichen von Konsumverzicht, und einem Teil der jungen Erwachsenen wäre Besitz nicht mehr so wichtig wie den Generationen davor. Diese teilen sich lieber ein Fahrzeug, als eines zu besitzen…Licht am Ende des Tunnels? JA! – meine ich.

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Bilder junger Menschen (123)

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Eine neue Idee oder eine altbekannte Diskussion? In der Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 05.12.2013 wurde ein interessanter Artikel mit der Überschrift „Die Bilder des Begehrens“ vom Autor Hanno Rauterberg veröffentlicht, der einen Fund von Polaroid-Bildern des berühmten Malers Balthus (eigentl. Balthasar Klossowski de Rola) zum Anlass nimmt, um die Frage nach der Zulässigkeit von Bildern junger Menschen in der Kunst zu erörtern, Stichwort „Pädophiliedebatte“.

Der Maler hatte angesichts seines hohen Alters auf die Skizzierung besonders eines seiner Modelle, Anna Wahli, verzichtet und stattdessen Polaroid-Fotos angefertigt. Derer wurden es mehr als 2400, was den Autor die Frage aufgreifen lässt, ob es sich angesichts der Menge der Fotos tatsächlich um skizzenhafte Vorarbeiten handelt oder um klassischen Voyeurismus. Abgesehen von dieser Debatte, die in der Kunstszene wieder mal auf die Tagesordnung geraten zu sein scheint, werden Teile dieser Sammlung sowohl durch die Galerie Gagosian für 20.000.- Dollar pro Stück verkauft, als auch ein Teil der Sammlung im Frühjahr 2014 im Essener Folkwang-Museum ausgestellt werden.

Im weiteren Verlauf des Artikels zählt der Autor weitere Künstler auf, die ihrerseits bei näherer Betrachtung in die Reichweite der Debatte um die Pädophilie gelangen könnten. Beispielsweise Lewis Carrol wird genannt, der junge Mädchen mit der Kamera abgelichtet haben soll, wodurch „Alice im Wunderland“ in ein etwas anderes Licht gerückt werden könne. Sittenwächter aller Länder und Coleur haben sich wieder einmal aufgemacht, Kunst zu durchleuchten, um sie anschließend in der Gesellschaft einer Diskussion zu unterziehen, oder sie stellen gleich die Forderung, diese Bilder wegzuschließen.

Im letzten Teil des Artikels wagt der Autor eine vorsichtige Bewertung dieser Debatte, in der er vor der Kriminalisierung jeglicher Kunst mit nach heutigem Verständnis pädophil anrüchiger Kunstwerke warnt. Zugleich stellt er jedoch die Legitimität der Veröffentlichung von derlei Bildmaterial zumindest in Frage. Ein leichtes Hin und Her in seinem Artikel über das Recht und die moralisch-ethische Verantwortung bei der Publikation der Balthus-Polaroids weist auf die Schwierigkeiten bei dieser Bewertung hin, zumal in dieser Wochenzeitung. Zum Schluss des Artikels gibt der Autor dem Leser noch eine Aufgabe mit auf den Weg. Die Frage nach der Veröffentlichung der Polaroids legt er in die Hände, in die Gedanken und Meinung der Betrachter von Kunst. Ob diese Ausstellung im Museum Folkwang ein Erfolg wird, das wird einzig und allein von Besucher abhängen. Ob es einen Wunsch nach Profit durch Voyeurismus beim Verleger des Kataloges zur Ausstellung gibt kann dahin gestellt werden, denn der Besucher oder der Fernbleibende werden es belegen.

Was kann ich als Fazit aus diesem Artikel für das Thema dieses Blogs herausstellen? Der Bezug ist auf der Ebene der Bilder klar erkennbar; meine Fotografien würden, einer breiten Öffentlichkeit dargeboten, sicher zu einer ähnlichen Debatte führen können, wie die um die Fotos von David Hamilton entstand, wenngleich ich mich nicht in die Nähe dieses Künstlers rücken kann und möchte. Wenn ich bei Wikipedia den Begriff des Voyeurs nach schlage, so hat ein Autor u.a. folgenden Abschnitt verfasst:

„Seit der Einführung der Digitalkameras nimmt die Straßen-Voyeur-Fotografie einen wesentlichen Stellenwert ein. Fast ausschließliches Motiv dabei sind Rückansichten (mit Ausnahme des Cameltoe) von jungen Frauen und Mädchen in bevorzugt engen Hosen (Jeans, Leder, Leggins) oder es wird unter den Rock fotografiert. Die Opfer werden in Fußgängerzonen, am Strand, beim Shoppen oder öffentlichen Veranstaltungen ohne ihr Wissen abgelichtet oder gefilmt. Der Voyeur legt dabei meist keinen gesteigerten Wert auf Gesichtsaufnahmen bzw. vermeidet diese absichtlich, um sein moralisches Schuldbewusstsein zu unterdrücken.“

Schon dieser Ausschnitt zeigt deutlich, welche Betrachtungsweise und Meinung in der Debatte um das Motiv „Schönheit“ in der „Kunst“ eingenommen werden kann. Der Autor oder die Autorin dieser Worte schreibt von moralischem Schuldbewusstsein und von Opfern. Diese Art der Straßenfotografie wird damit eindeutig in einen voyeuristischen, vielleicht krankhaften, in jedem Falle aber gesetzlich-moralisch zweifelhaften Kontext gestellt. Dabei werden die Grenzen zwischen „normalem Schauen und genauen Hinsehen“ moralisch bewertet, zumal der Begriff Voyeurismus durch unsere Sittenwächter eindeutig negativ belegt ist. Auch meine Bilder passen teilweise in die oben genannten Beispiele von Rückansichten. Teilweise, weil ich eine Vielzahl der Fotos erfragt habe und ebenso Profilansichten und Frontalfotofrafien anfertige. Die Frage aber, die ich daran anschließen möchte, ist die gleiche, die ich bereits in meinem Artikel „Moralia“ stellte: Ich fotografiere, was ich sehe, was mir gezeigt wird, was ich schön finde, was etwas natürliches ist und auch die Masse der Menschheit gerne betrachtet.

Fast alle Menschen sehen Menschen gerne an, ob im Gesamten oder auch einzelne Körperpartien. Und die Frage? Wie wollen wir in unserer Gesellschaft leben, welche Übereinkünfte und Grundlagen wollen wir treffen und schaffen, die den Umgang mit unserem ureigensten Verlangen bestimmen, dem Wunsch nach Erhaltung der Art, in all seinen Teilbereichen, wozu auch der Wunsch nach der Schönheit der Menschen gehört, und dies nicht nur beim Gegenüber, sondern auch bei sich selbst. Stellen wir es, wie in o.g. Abschnitt als „Straßen-Voyeur-Fotografie“ unnatürlich dar, wo es Täter und Opfer gibt, oder können wir es als Abbildung von schönen Körpern sehen, die gerne betrachtet werden? Und wenn ja, wo ist die Grenze zu ziehen? Gibt es eine Grenze, und wann ist sie überschritten. Haben wir eine gesunde Urteilskraft, wenn es um die Bewertung eines Fotos von einem schönen Mund mit wunderschönen Lippen geht, oder einer Nahaufnahme einer Vagina mit wunderschönen Schamlippen, oder um die Großaufnahme eines erigierten, rasierten Penis? Manche Körperteile sind mit Tabus belegt worden, scheinbar willkürlich, doch im allgemeinen Verständnis verankert. Wo ziehen wir die Grenze? Beim entblößten Busen einer 87-jährigen oder bei einer Polaroidaufnahme eines „Busens“ einer 12-jährigen? Wo überschreiten wir eine fiktive Grenze, wenn wir jemanden fragen oder bezahlen für ein Foto seines Hinterns oder wenn wir es einfach so auf offener Straße ungefragt machen?

Beantworten diese Fragen auch die Betrachter, die auch bekannt sind unter den Bezeichnungen Gaffer-in, Voyeur-in, Spanner-in, Frauennachgucker, Gast im Cafe mit der attraktiven Bedienung, Besucher-in der Show der Chippendales, Besucher-in von Striptease-Bars, Fans der Sendungen wie Dark Angel (Jessica Alba) oder Knightrider (David Hasselhof), Besucher-innen von Konzerten des Justin Biber, Ballettbesucher, und und und ?

Die Besucher einer Ausstellung oder die Besucher von entsprechenden Seiten im Netz, deren Besucherzahlen die eindeutigste Sprache der Welt sprechen: 0=ja, 1=nein. KLICK!

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Feel Good (122)

peig jeans hintern    mies-vandenbergh-fotografie

mies-vandenbergh-fotografie

 

Dieser Artikel zeigt auf, welche Zusammenhänge zwischen unseren Empfindungen über unsere Schönheit und unserer tatsächlichen Schönheit bestehen. => „Fühle ich mich gut, bin ich schöner!“

Die gerade genannte Feststellung über die guten Gefühle und deren Auswirkung auf unser Aussehen ist schon beinahe selbsterklärend. Ein altes Sprichwort lautet wie folgt: Mit dem Hute in der Hand kommst du durch’s ganze Land. Ein weiteres lautet: Ein Lächeln am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Derer Sprichworte existieren noch viele mehr. Allen gemeinsam ist jedoch unter anderen der Sinn der Aussage, dass ein Mensch mit einem höflichen, freundlichem Auftreten gewisse Vorteile gegenüber einem nicht derartig dreinblickendem Menschen hat.

Diese Vorteile halte ich für betrachtendswert, denn in ihnen spiegelt sich die Wirkung unseres Aussehens, unserer Attraktivität wieder. Warum ist es so? Weil ein glücklicher, zufriedener Mensch genau diese Gefühle nach außen ausstrahlt, und das macht ihn begehrenswert. Menschen suchen und finden gerne die Nähe von Personen, die eine innere Ruhe gefunden haben, die in sich ausgeglichen sind. Das nicht zuletzt deswegen, weil sie ihre innere Bestätigung in ihrem Äußeren gefunden haben. Wenn Menschen glauben, dass ihr Äußeres o.k. ist, strahlen sie genau diese Überzeugung aus. Sie sind nicht getrieben von der Suche nach Bestätigung und Anerkennung. Damit wird der Kreis zumindest in dieser Hinsicht geschlossen, denn diese Zufriedenheit macht nach außen hin noch wiederum schöner!

Schlägt das Pendel dabei zu sehr in Richtung Selbstbestätigung aus, so besteht freilich die Gefahr der Eitelkeit. Das führt jedoch sofort zum Verlust der positiven Wirkung auf die Menschen. Jenes übersteigerte Selbstbewusstsein ist weit entfernt von dem bloßen Wissen um sein Aussehen. Die Erkenntnis, dass man mit sich und seinem Äußeren zufrieden sein kann, vielleicht auch noch ein Stück weit dem allgemeinen Verständnis von Attraktivität entspricht, ist sicher gesund. Wichtig ist, dass man aber deshalb nicht dem Glauben verfällt, man sei dadurch mehr wert als andere Menschen. Ob dieser Trugschluss doch mehrerer hübscher Menschen durch die Hoffierung vieler oberflächlicher Zeitgenossen mitverursacht wird, wäre interessant in einem weiteren Beitrag zu beleuchten.

Ausgehend von der These, dass glückliche Menschen auch schöner erscheinen, wurden einige wissenschaftliche Untersuchungen angestellt. Danach wirken glücklichere Menschen auf andere gleichfalls attraktiver. Das mag daran liegen, dass der Gesichtsausdruck eines glücklichen Menschen viel weniger Sorgenfältchen produziert, als dies bei einem Menschen mit Sorgen geschieht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sorgen begründet sind oder nicht! Ob sie dadurch zustande kommen, dass die Person sich nicht schön genug findet oder tatsächlich ist, ist zweitrangig. Ein magersüchtiges Mädchen ist vielleicht absolut schlank und gutaussehend für die meisten Menschen, doch sie selbst empfindet sich als zu dick und gerade dieses Gefühl transportiert sie nach außen. Das spiegelt sich in ihrem Ausdruck wieder, was zu Folge hat, dass ihre Erscheinung darunter leidet.

Damit wirken wir auf andere Menschen je nach Grad der Zufriedenheit mehr oder weniger attraktiv. Das Gesicht ist dabei der größte Faktor. In ihm spiegelt sich unsere Gemütslage am deutlichsten wieder. Und wir reagieren darauf ebenso deutlich. Spricht jemand von Leid und Schmerzen, so verziehen wir unser Gesicht mit entsprechend zusammengezogen Augenbrauen und hochgezogenen Lippen und Wangen. Wir empfinden nach. Und was hier im intensiven Gefühl für jeden leicht nachzuvollziehen ist, funktioniert auch im extensiven, unterschwelligen Bereich. Ist jemand unzufrieden oder unsicher, so empfangen dies unsere Antennen augenblicklich. Wer schon einmal Bücher von Samy Molcho in den Händen hatte, der hat eine Idee von der Aussenwirkung unserer Körpersprache in Form von Gestik und Mimik. Auch bei Babys kann man es schon erkennen. Lächeln wir ein Baby an, so lacht es zurück, und umgekehrt. Gucken wir fies drein, fängt das Baby oft zu weinen an.

Auf der Straße ist es nicht viel anders. Lachen wir jemanden an, so lächelt er oder sie häufiger zurück, als nicht. Das geschieht dadurch, dass wir mit unserem Lächeln tatsächlich diese Gefühle auslösen.
Durch diese Beschreibung wird die Beziehung von Sender und Empfänger deutlich und der Leser kann sich einen eigenen Reim daraus machen. Wie wirkst Du auf andere?

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