Vorsicht Schönheit (121)

Helix jeans hintern   mies-vandenbergh-fotografie

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Das Ziel dieser Betrachtung hier wird es sein, festzustellen, in wie weit die massive Darstellung von schönen Gesichtern und sexy Körpern in sämtlichen Medien unser Verständnis von Aussehen beeinflusst.

Überall, wohin ich auch sehe, erblicke ich schöne Menschen. Ob in Zeitschriften, im Fernsehen, in der Werbung, im Internet, mir lachen stets Kunden der Kieferorthopädie entgegen. Was ich sehe sind Menschen, die „zurechtgemacht“ sind, die geschminkt, gestylt, frisiert und „überarbeitet“ sind. In welcher Art auch immer, das habe ich hier beschrieben. Auf der anderen Seite, der Realität nämlich, bietet sich ein gänzlich anders Bild: auf der Straße, am Arbeitsplatz, in der Stadt, während meiner Freizeit begegne ich Menschen, lebendigen Menschen, nicht von Bildern her, sondern real. Diese sind nur meist nicht so präpariert oder bildbearbeitet. Es sind ungeschminkte darunter, dicke, dürre, krumm gewachsene, alte und ältere.

Diese Diskrepanz hat tatsächlich eine verheerende Wirkung auf uns. Das wurde in mehreren Studien untersucht und konnte bewiesen werden. Als erstes wurde die Vehemenz untersucht, mit der die schönen, schlanken und jungen Gesichter und Körper unsere Aufmerksamkeit überfluten. Es stellte sich heraus, dass diese wiederkehrenden Bildnisse das Empfinden der Betrachter deutlich beeinflussen. Durch eben diese hohe Frequenz der Reizdarbietung verschiebt sich das Empfinden über die Schönheit. Unser Unterbewusstsein speichert all diese Bilder von Schönheit und Ebenmaß und so setzen wir genau diese Schönheiten als normal an. Durch diese Verschiebung haben es „normal“ oder unterdurchschnittlich aussehende Menschen viel schwerer, wenn es um die Attraktivität geht. Durch die ständige Anwesenheit von z.B. George Clooney, Brat Pitt oder Ralf Bauer bei den männlichen und Jessica Biel, Jessica Alba oder Lisa Martinek bei den weiblichen Schauspielern in unserem Fernsehen und der durchschnittlichen Verweildauer der Deutschen vor der Glotze von über 3 1/2 Stunden täglich meinen wir zunehmend, diese Schönheiten seien das Maß aller Dinge. Wir streben mehr oder weniger bewusst nach soch einem Äußeren. Die Frauen tun dies noch mehr, als die Männer. Und auch sonst im Fernsehen sehen wir meist schöne, wohlgeformte Menschen.

Nehme ich nur mal die sehenswerte Sendung „Wunderschön“ vom WDR. Neben der den inhaltlich sehr interessant gemachten Beiträgen habe ich vor allem eines festgestellt. Neben wenigen anderen wie dem sehr sympathischen Stefan Pinow moderieren vor allem Tamina Kallert und Katty Sallie durch die Sendung, und zwar tun sie das fast immer in engen Jeans, die in der Sendung sehr häufig in der Totalen gezeigt werden. Dadurch kommen ihre wohlgeformten Figuren immer wieder gut zur Geltung so dass die Sendung absolut auch mit diesen sekundären erotischen Reizen punktet.

Daran anschließen könnte ich noch viele andere Sendungen, sie als Leser werden dies vermutlich selbst häufig festgestellt haben. Wenn ich bedenke, dass der Mensch in Durchschnitt 7-8 Stunden schläft, 9 Stunden arbeitet und noch Hygiene und Nahrungszubereitung in sein tägliches Programm gehört, so sind die über 3,5 h TV täglich mit weit über 50% unser verfügbaren Zeit belegt. Abgesehen vom Wert dieser Berieselung und der Erkenntnis, was man nicht alles für kreative und schöpferische Dinge tun könnte wird hier die Gewichtung der schönen Menschen deutlich. Von der Werbung in anderen Medien habe ich bis jetzt noch nicht mal angefangen zu sprechen. Diese Faktoren kommen zusätzlich zum Treiben auf der Mattscheibe hinzu und auch dabei begegnen uns fast ausschließlich attraktive Menschen.

Als Folge davon wurde in o.g. Studien eine steigende Unzufriedenheit in uns diagnostiziert und daran anhängend der Wunsch nach eigener Veränderung. Die Zahl derer, die sich wünschen, so auszusehen, wie eine Schönheit aus der medialen Welt steigt zunehmend. Doch Wissenschaftler warnen in ihrem Fazit vor diesem Phänomen: durch die überbordende Anzahl gestylter Personen in den Medien verlieren viele Menschen den Bezug zur Realität. Aufschreckende Beispiele sind Fälle beschrieben, in denen Personen beschrieben wurden, die in Therapie kamen, weil ihr Wertebild vom Partner gehörig durcheinander gekommen war, weil dieser in der Wirklichkeit doch altert. Auch die Leichtigkeit im Netz an Bilder nackter Menschen zu gelangen hat zur Folge, dass sich schon junge Menschen von 12 oder 13 Jahren einer Intimrasur unterziehen, ohne wirklich zu wissen, warum sie dies tun. Als Begründung wird die Präsenz im Internet genannt, wo fast ausschließlich nackte Menschen mit rasiertem Schambereich abgebildet werden.

So sollten wir, wie in vielen Bereichen des Lebens, mit großem Bedacht an die schöne neue Welt heran gehen, und sich stets ins Bewusstsein rufen, dass oftmals mehr der Schein trügt, als es das Sein ist.

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