Warum Fotografie (116)

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Mit diesem Artikel steige ich in die tiefen Abgründe der menschlichen Antriebe hinab. Bei der Erforschung der Fotografie, im Einzelnen der Suche nach den Gründen für die Entstehung der Bilder, bieten sich dem Fragenden so viele Antworten wie es Fotografierende gibt.

Warum Fotografie? Eine Frage, die es in sich hat. Jeder Fotografierende hat darauf seine ganz persönliche Antwort. Nähert man sich dieser Frage einmal vom Ergebnis aus, nämlich dem ausgedruckten Bild, so kann diese Frage in zwei Themenbereiche aufgeteilt werden.

Zum Einen der Akt der Fotografie. Raus auf die Straße, bei Wind und Wetter, die Kamera-Ausrüstung im Rücken, die Trekking-Stiefel an den Füßen geht es in die Natur. Fast zu nachtschlafender Zeit, früh am Morgen starten wir auf den Weg zu neuen Motiven. Oder wir harren der Dinge, von denen wir vorerst nur eine Idee haben, um sie dann umzusetzen. Auch die strenge Komposition im Studio kann ein Kunstwerk hervorbringen. Nicht zu vergessen die Nachbearbeitung am Rechner, die neben idealisierten Motiven auch eine Reise in den Surrealismus anbietet.

Zum Anderen liegt irgendwann unser Werk vor uns, die FOTOGRAFIE. Diese kann in unterschiedlichster Art vorliegen. Als Ausdruck, in 9×13, oder auch in 60×40, in einem extravaganten Rahmen an einem entsprechenden Ort, in der eigenen Wohnung oder in einer kleinen oder größeren Vernissage mit anschließender Ausstellung. Im eigenen Fotobuch oder in einem veröffentlichten Bildband. Als digitale Leiche auf dem eigenen Homeserver, oder als Bild auf der eigenen Homepage oder in einem Fotoblog.

Frage ich nach den Gründen für die Erstellung von Fotografien, so erhalte ich eine Vielzahl von Antworten. Ganz gleich, ob es sich um einen Berufsfotografen handelt, oder um den ambitionierten Hobbyfotografen, die Intentionen sind immer die gleichen. Für mich gilt entsprechendes, der ich kein Berufsfotograf bin. In übergeordnete Bereiche eingereiht möchte ich einige Antworten zitieren:

· Aus Liebe zur Kunst
– die Fotos sollen den Betrachter inspirieren
– sie sollen Ideen der Fotografie vermitteln
– sie sollen die Schönheit dieser Schöpfung zeigen
– sie soll Liebe zu Fotos, Gemälden, Zeichnungen, Skizzen dokumentieren
– sie soll darstellen, wie schön die Welt ist
– sie soll die Muße erwecken, wieder Schönes wahrzunehmen
– sie soll eine Aussage in bildlicher Weise vermitteln
– sie soll ein Ausdruck von der Ästhetik der Natur oder Kunst vermitteln, und auch dabei die Schönheit oder Hässlichkeit nicht ausklammern
– sie soll den Menschen zeigen, wie schön sie sein können, wie viel Besonderes in ihnen steckt, wo es steckt, wie man es erkennt…
– um verborgenes, verstecktes Schönes zu zeigen, welches überall, in allen Dingen existiert; weil für jedes ein Liebhaber existiert, der dieses Motiv schön findet

· Als Jäger und Sammler
– auf Fotografien können wir ein Stück der Natur mit nach Hause nehmen und dort betrachten
– wir erschaffen Erinnerungen, die geistige Krücken sein können, dies sowohl für den Fotografierenden sowie für den Fotografierten

· Zur Aufklärung und Darstellung
– die Bilder anderen Menschen zu präsentieren
– Details des Lebens (wiederzu-)finden und sie festzuhalten
– dem Menschen die Sicht auf sich selbst ermöglichen, ihn erfassen lassen, wie er ist, wie er gesehen werden kann.
– Dinge zu zeigen, derer wir sonst in unserer Alltagshektik kaum mehr gewahr werden
– dem fotografierten Menschen eine Freude zu bereiten
– neue Perspektiven erschließen
– in Bildern Fragen zu stellen
– in Bildern zu provozieren
– in Bildern zu schockieren
– in Bildern zu begeistern
– in Bildern aufzuklären
– in Bildern zu polarisieren
– in Frage stellen des Standpunktes des Fotografen aber auch des Betrachters
– hervorbringen, was uns erfüllt
– in Bildern wach zu rütteln
– um besondere, außerordentliche, ungewöhnliche und gewöhnliche Blickwinkel und Perspektiven zu finden, um sie anschließend dem Betrachter zu präsentieren und zu erschließen
– einer durch unsere fehlgesetzten Prioritäten geopferten Neugierde auf das Besondere und Schöne wieder auf die Sprünge zu helfen

· Als Reportage
– den Ausdruck von Menschen für die Zukunft zu erhalten
– schnellebige Momente zu erhalten, um diese in Ruhe zu einem späteren Zeitpunkt zu betrachten.
– feine Nuancen des Menschen heraus zu stellen und sie ihm zu zeigen, ihn zu erfreuen
– den Moment einfangen
– Zeugnisse für die Zukunft erschaffen
– um uns daran zu erinnern, was es für kleine Besonderheiten um uns herumgibt, die darauf warten, entdeckt zu werden, die sonst verloren gingen
– um außergewöhnliche Stimmungen fest zu halten
– um Einmaliges, aus dem ja jeder Moment wirklich besteht, ganz gleich, ob verborgen oder offensichtlich, im Bilde an den Betrachter heranzutragen, und dies zu einem Zeitpunkt, an dem der Betrachter die Zeit und Geduld, die Muße und das Interesse, die Möglichkeit und die Gelegenheit, den Willen hat, sich diesem zu widmen
– den Blick auf die Welt zu öffnen und zu schärfen
– das Alltägliche einmal zum Mittelpunkt zu machen, um (wieder) seine Aussergewöhnlichkeit sehen

· Als Aktivität
– um zu erschaffen
– um hinaus zu kommen in die Natur, ins Leben
– um seine Kreativität auszuleben
– um Ideen zu finden, deren Umsetzung zu planen, sie anschließend auszuführen
– um zu lernen, den rechten Moment zu erfassen
– um einzigartige Momente in seiner persönlichen Sichtweise zu erfassen, aber diese anderen gleichwohl zugänglich zu machen
– um die eigene Poesie zu entfalten
– zur Fortführung und Weiterentwicklung eines Werkes, einer Idee, eines Schaffensprozesses
– zur Wiedergabe eines bildlichen Ausdrucks der eigenen Gefühle
– um durch den Sucher und durch die Betrachtung der Bilder das Sehen zu lernen, und die Sinne zu schärfen
– um Fantasien zu beflügeln
– sich nicht dem Trott zu ergeben, sondern aktiv zu werden, weg vom reinen Konsumieren zu kommen
– zum verfolgen von Ideen, sich nicht beirren lassen und Mitstreiter finden oder zum Trendsetter werden.

· Zur Erschaffung eines Werkes
– schaffen und erschaffen von Werken jedweder Art und Umfangs
– um zu zeigen, dass es andere Menschen gibt, die bestimmte Motive auch gerne betrachten
– um zu entdecken und zu belichten, dem Thema eine Existenz zu geben, die möglicherweise ohne dieses Foto, diese Fotoserie niemals ins Licht der Öffentlichkeit gerückt worden wäre.
– zur Erzeugung eines scheinbaren Stillstandes der Zeit, um zu erkennen, was sich sonst durch unsere Abstumpfung und unser Desinteresse in bestimmten Zeitpunkten unserer Wahrnehmund entzogen hätte
– um die eigene Schaffenskraft weiter zu entwickeln und zu fördern

Aus diesen vielschichtigen, verschiedenen Interessen heraus lässt sich aus immer wieder unterschiedlichen Konstellationen eine große Spannbreite an Zielen und Gründen aus und für die Fotografie erdenken. Jedem Fotografierenden dürften die Mehrzahl dieser Gründe schon einmal in den Sinn gekommen sein, sicher nicht jeder, aber in dieser oder abgewandelter Form einige. Möglicherweise inspiriert diese Liste den ein oder anderen Menschen, die Fotografie unter anderen oder neuen Gesichtspunkten zu sehen und sie helfen ihr oder ihm ein Stück weit bei der Formulierung seiner oder ihrer Ziele.

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