Schönheiten, soweit das Auge reicht. Wie weit reicht es denn? (115)

Chraf jeans hintern   mies-vandenbergh-fotografie

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In diesem Artikel möchte ich der Frage nachgehen, warum dem einen Menschen die schöne Frau oder der interessante Mann auffällt und einem anderen Menschen das Aussehen der Personen in seinem Umfeld einerlei zu sein scheint.

Tausend schöne Menschen um ihn herum, und er sieht sie nicht! Der Superstar neben ihm in der Warteschlange am Flughafen, und er bemerkt ihn nicht! Die schöne Frau sitzt ihm gegenüber im Abteil, und er sieht sie nicht! Der gutaussehende, charismatisch-interessante Gentleman sitzt neben ihr im Bistro, und sie nimmt ihn nicht wahr! Situationen aus dem Alltag.

Warum könnte es so sein? Weil er und sie mit anderen Dingen beschäftigt sind? Weil ihre Wahrnehmung auf andere Dinge gerichtet ist oder weil die Wahrnehmung nach innen gerichtet ist?

Auf der anderen Seite gehen Personen durch die Stadt, denen die schönen Menschen, die ihnen begegnen, nicht entgehen. Sie sehen sie alle, nehmen sie wahr, erfassen sie mit ihrem Blick, kontaktieren sie mit ihren Augen, manchmal mit einem Lächeln in den Augen, einer Sympathiebekundung ähnlich. Sie betreten das Café, sehen die Menschen an, die dort ebenfalls zu Gast sind und werden der Attraktivität der Personen sofort gewahr.

Was unterscheidet diese Personengruppen im Hinblick auf die Wahrnehmung von Schönheit und Attraktivität voneinander? Die Reaktion auf das Äußere der Menschen könnte unterschiedlicher nicht sein. Woraus resultiert diese Differenz?

Menschen nehmen ihr Umfeld in unterschiedlicher Weise wahr. Von sehr introvertiert daher kommenden, ja fast abwesend wirkenden Menschen reicht die Spannbreite bishin zu äußerst offenen, aufmerksamen Personen, die hellwach wirken. Doch nicht nur innerhalb dieser Grenzen bewegt sich die Wahrnehmung von Schönheit und Attraktivität. Ein zweiter Aspekt ist die Unterscheidung der Menschen im Hinblick auf ihr soziales Umfeld. Damit meine ich zuerst die Quantität der informellen und formellen Kontakte des Einzelnen. Als zweites kann ich die Unterschiede in der Qualität beschreiben.

Zunächst einmal zur Quantität. Wie wirkt es sich aus, wenn eine Person in regem Kontakt mit einer großen Anzahl von Menschen steht?

Dabei kann es die Masse der Großstadt sein. Entweder der Ort, an dem man wohnt oder an dem man arbeitet. Es kann gleichwohl der Arbeitsplatz sein, an dem man -dem Berufsbild entsprechend- in ständigem Kontakt zu vielen z.B. Kunden, Gästen oder Patienten steht. Erwartungsgemäß könnte eine solch hohe Frequenz der zwischenmenschlichen Kontakte zu anderen Reaktionen auf das Aussehen der Menschen führen, als bei einer Person, die in suburbanen oder dörflich geprägten Gegenden lebt. Dort begegnen einem nur sporadisch Menschen, häufig bekannte Gesichter, selten Fremde.

Erneut der Vergleich im Bereich des Broterwerbs, der Zeitspanne, der wir einen Großteil unserer iLebenszeit opfern. Der Mensch trifft während dieser Arbeitszeit -wiederum dem Berufsbild entsprechend- auf nur wenige oder gar kein Publikum, wie vielleicht im Beruf des Laboranten, Baggerfahrers oder Lageristen.

An dieser Stelle noch eine Zwischenbemerkung. Gerade im weniger frequentierten Lebensraum, aber auch in Ballungszentren findet meiner Ansicht nach eine schleichende Ent-Sozialisierung statt. Als Ursache führe ich die zunehmende Nutzung aller verfügbaren Medien an. Ein Beispiel aus dem Umfeld meiner Eltern ist das folgende: am Nachmittag finden sich die Senioren nicht mehr zum Kaffeeklatsch ein, sondern sie verpassen kaum eine Folge ihrer Sendung „Kaffee oder Tee“ im Fernsehen. Die Berührungspunkte zu fremden oder auch bekannten Gesichtern spielen sich im Supermarkt, in der Arztpraxis oder beim Bäcker ab.

Als zweites werfe ich einen kurzen Blick auf die Qualität unserer sozialen Kontakte . Sie könnte sich auf unsere Wahrnehmung in Sachen Attraktivität dann auswirken, wenn wir einen nach unserer Vorstellung attraktiven Partner haben. Durch seine Anwesenheit erfahren wir wahrscheinlich eine Art Sättigung an Schönheit, die eine größere Gelassenheit dem anderen (oder gleichen) Geschlecht gegenüber zur Folge hat. Als Einwand könnte man hier einbringen, dass alle Menschen tendenziell immer nach Neuem streben. Das hätte in letzter Konsequenz die Tatsache zur Folge, dass uns nichts und niemand auf Dauer „reichen“ könnte. Umtriebig wären wir irgendwann doch wieder auf der Suche nach anderer, neuer Schönheit.

Neben diesen Faktoren spielen natürlich die Vorlieben jedes Einzelnen die Hauptrolle. Als Ästhet betrachtet der Mensch vielleicht viel häufiger die Formen und Farben der Umgebung. Dabei beschränkt er sich nicht auf die Körperformen des Menschen. Gleichfalls sind es die Formen von Pflanzen, Tieren, Landschaften genau so gut, wie die von Menschenhand erschaffenen Formen, derer ein Ästhet sofort gewahr wird. Dabei kann es sich um ein Kunstobjekt in Form einer Plastik oder eines Gemäldes, wie auch der Form eines Segelbootrumpfes oder Autokarosserie handeln. Für den Liebhaber dieser Formen geht es dabei ganz und gar nicht darum, diese Kunst zu besitzen. Allein die erkennende Betrachtung führt zur Freude über die Schönheit der Welt.

Neben den ästhetischen Gesichtspunkten bei der Betrachtung des wohlgeformten Menschen finden wir bei uns Menschen weitere Vorlieben des Einzelnen. Ein wesentlicher, wenn auch bei vordergründiger Beachtung nicht sehr vorteilhafter, Beweggrund ist die Sensationslust. Gemeint ist die Gafferin und der Gaffer.
Dabei ist es nicht mit dem Hintergrund der sexuellen Begierde abgetan. Dieser ist zwar ursächlich in der Mehrzahl der Fälle als archaischer Trieb latent in uns vorhanden, doch ins offene Bewusstsein dringt er so nicht vor. Es spielt sich viel mehr auf der Ebene der Verbundenheit zwischen Menschen ab. Grundsätzlich mögen sich Menschen, wenn nicht etwas Destruktives dieses Urgefühl getrübt hat. Dieses Gefühl der Verbundenheit kann sich in vielen Facetten im Verhalten des Einzelnen manifestieren. Eine davon ist gerade das Ansehen von Menschen, die einen in irgend einer Weise ansprechen. Das ist nicht nur „live“ möglich, auch in Form von Fotografien und bewegten Bildern. Dieses kann er sogar unbeobachtet tun.

Was kann ich als erstes Fazit bekunden? Wir alle sehen gerne schöne Menschen, nur sind wir dazu nicht jederzeit gleichsam aufnahmefähig. Es liegt bei jedem selbst zu hinterfragen, warum einem manchmal viel mehr schöne Menschen begegnen. Es liegt im Betrachter.

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