Schöneren Menschen vertrauen wir eher! (114)

katr jeans hintern   mies-vandenbergh-fotografie

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In diesem Artikel beschreibe ich die erste Wirkung des Äußeren auf unser Bewusstsein, und erläutere dies anhand einer Studie.

Alexander Todorov, Neurowissenschaftler und Wahrnehmungspsychologe der Universität Princeton geht in seinem Social Neuroscience Lab der Frage nach, wie der „erste Eindruck” entsteht, den uns ein
Gesicht vermittelt. Welche Anzeichen sorgen für einen ersten positiven, sympathischen Eindruck und was führt zu einem ablehnenden Gefühl?

Wir sehen den Menschen an, und unser Gehirn erkennt ganz automatisch die Gestik und Mimik unseres Gegenüber. Es vergleicht in Bruchteilen von Sekunden unsere Datenbank der Erfahrungen damit, überarbeitet diese Vergleiche mit unserem Instinkt und gibt damit eine Empfehlung an unser Bewusstsein – der wir meist erst mal folge leisten.

Ulrich Renz schreibt darüber in seinem (leider eingestellten) Blog:

„Todorovs Team arbeitet mit (sowohl echten als auch computergenerierten) Gesichtern, die als 3D Gitternetz mathematisch kodiert sind (s. Abbildung). Er kann damit den Zusammenhang zwischen der Gestalt eines Gesichtes und dem Persönlichkeitseindruck, den es bei Probanden auslöst in exakte Zahlen fassen. Und damit die Frage beantworten, welche Hinweisgeber im Gesicht es eigentlich sind, die uns das Gefühl geben: “diesem Menschen kannst du vertrauen”. Hat es mit der
Augengröße zu tun? Der Lage der Brauen? Der Position der Mundwinkel?

Nach tausenden von Bewertungs-Durchläufen weiß Todorov: Die als vertrauenswürdig wahrgenommenen Gesichter haben offenbar eine diskrete und bewusst nicht wahrnehmbare Ähnlichkeit mit Gesichtern, die den Ausdruck von Freude tragen. Und das, obwohl
die untersuchten Gesichter in ihrer Mimik vollkommen neutral waren, also keinerlei Gefühlsregung zeigten! Umgekehrt – wenig vertrauenswürdig wirken (gefühlsneutrale) Gesichter dann, wenn sie mit Spuren der Emotion „Ärger” kontaminiert sind. Lesen wir in einem Gesicht die Gefühlsregung „Freude”, so interpretieren wir das als Annäherungs-Signal: „Hier kommt ein Freund!” – Lesen wir dagegen „ärgerlich”, rutscht der entsprechende Mensch in die Kategorie „potentieller Feind”.

Beim Lesen von Gesichtern unterläuft uns also offenbar eine systematische Verwechslung: Obwohl sie “eigentlich” gar keine Gefühlsbotschaft transportieren, lesen wir doch ein Gefühl in sie hinein – einfach deshalb, weil ihr Aussehen uns an diese Emotionen erinnert. Anders ausgedrückt: Wenn die genetische Lotterie einem Gesicht rein zufällig Merkmale beschert hat, die einem bestimmten
Gefühlsausdruck ähneln – beispielsweise höhere oder tiefere Mundwinkel -, so können wir gar nicht anders, als in diesem Gesicht das entsprechende Gefühl wahrzunehmen.

Ein klarer Fall von Verwechslung, denn dieses Gefühl ist ja gar nicht vorhanden. Wahrnehmungspsychologen wie Todorov sprechen bei
solchen „Verwechslungen” von overgeneralization, also Über- Verallgemeinerung: Wir verallgemeinern die Botschaft eines Reizes (in unserem Fall die Botschaft „ich freue mich”) automatisch auf einen anderen Reiz, sobald dieser dem ursprünglichen Reiz ähnelt.

Was hat das nun aber mit Schönheit zu tun? – Eine ganze Menge, wie Alexander Todorov herausgefunden hat. Im vieldimensionalen „Gesichts-Raum” seiner Probanden haben nämlich der Attraktivitäts- und der Vertrauenswürdigkeitsvektor eine erstaunlich übereinstimmende Ausrichtung. Will heißen:
„Vertrauenswürdigkeit” und „Attraktivität” überschneiden sich in unserer Wahrnehmung in höchstem Maß. Und Vertrauenswürdigkeit wiederum ist, wie wir nun wissen, an die “Gefühlsspuren” gekoppelt, die wir in manchen Gesichter zu erkennen meinen. – Man könnte es vereinfacht auch so ausdrücken:
Wer glücklich aussieht lässt bei uns die Vertrauenssaite klingen, und wer als vertrauenswürdig wahrgenommen wird, wird auch als
anziehend empfunden. … Hier ist nur folgendes wichtig: Sie vollziehen sich vollkommen unbewusst und reflexartig, und zwar blitzschnell
(nämlich innerhalb der ersten 100 Millisekunden einer Begegnung).“

Dies ist eine anschaulich beschriebene und aufschlussreiche Studie. Als Fazit daraus kann ich für mich feststellen, dass der Mensch viel mehr intuitiv gesteuert ist, als ihm bewusst ist. Wir reagieren auf bestimmte Schlüsselreize, ohne dass wir sie als solche erkennen, ohne, dass wir uns dessen jedes Mal bewusst sind. Aufgrund bestimmter Ausprägungen im Gesicht des Gegenüber fällt unser Unterbewusstsein die Entscheidung über letztendlich Attraktivität oder Missfallen und ist so freundlich uns dies über ein Gefühl mitzuteilen.

Nun gehört diese Reaktion zu einem Konglomerat von komplexen Automatismen, ohne die wir in unserer Umgebung durch Reizüberflutung zu Grunde gehen würden. Von den unendlich vielen Reizen, die beständig auf uns hernieder gehen, filtern diese Mechanismen die Mehrzahl aus. Für uns werden jene Reize bis ins Bewusstsein transportiert, die für uns neu oder besonders intensiv sind. Viele andere gehen dabei unter, wieder andere lösen eine diffuse Gefühlsregung aus, die in ihrer Summe zu einer bewussten Empfindung werden. Oft passiert es jedoch, das wir aufgrund der Vielzahl der Reize, besonders der optischen Reize, völlig überfordert sind. Dadurch kommt es immer häufiger vor, dass wir Reize von eigentlich für uns großer Wichtigkeit übersehen, und unser Bewusstsein zu einem Fehlverhalten geleitet wird. Manchmal sind es die kleinen Zeichen, die, wenn sie erkannt, zu einer sinnvollen Tat führen, die aber, wenn sie übersehen werden, dies zu erheblichen Missverständnissen führt.

Im Zuge der hiesigen Betrachtung des wohlgeformten Hinterns schlage ich den Bogen über folgenden Zusammenhang: entdecken wir einen schönen Menschen, respektive einen wohlgeformten Hintern, so erkennen wir den aufgrund ganz individueller Schlüsselreize. Diese lösen in jedem von uns eine momentane Begeisterung aus. Bei jedem von uns wirkt etwas Anderes, wenn auch immer wieder ähnliches, wenn es um die Attraktivität des anderen Geschlechts geht. Diese Reize sind meist nicht von langer Dauer. Sie finden nur aufgrund der Stärke des Reizes, aufgrund der Neuartigkeit für unsere Vergleichsdatenbank in unserem Gedächtnis und letztendlich auch aufgrund unserer Aufnahmebereitschaft den Zugang zu unserem Bewusstsein. (Den Punkt Aufnahmebereitschaft möchte ich in einem späteren Artikel gesondert aufgreifen.)

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