Vergänglichkeit der Schönheit (113)

ways jeans hintern   mies-vandenbergh-fotografie

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In diesem Artikel schreibe ich über die körperlichen Veränderungen bei uns Menschen, und wie wir gedenken damit umgehen zu müssen.

Was wäre unser Leben ohne Vergänglichkeit? Dafür, dass etwas Neues entstehen kann, muss etwas Altes vergehen.

Wäre die Vergänglichkeit nicht, so wären wir noch was?: befruchtete Eizelle? – nein, diese vergeht und wird zum Fötus. Baby? – nein, wir werden zum Kind. Jugendlicher? – nein, wir werden zum jungen Erwachsenen. Erwachsener? – nein, wir werden zum älteren Menschen. Greis? – nein, wir werden sterben.

Somit vergehen wir -wie unser Aussehen vergeht und entsteht- mehrere Male im Leben. Unser Dasein als Baby vergeht. Wir sind irgendwann nicht mehr Baby, sondern Kind. Genau so, wie sich unser Menschsein immerfort entwickelt, so unterliegt unser Aussehen einer immerwährenden Entwicklung. Was wäre, wenn wir auf einer beliebigen Stufe der Entwicklung stehen blieben? Der Traum vieler Menschen, ja ganzer Völker, ist der Stillstand des Alterns. Dieser aber bitte nicht auf der Stufe des Kleinkindes.

Unser Leben, unsere körperliche Verfassung, unser Aussehen verläuft üblicherweise in der Form einer Parabel. So empfinden und erkennen wir es auch. Ursächlich dient das Aussehen unter den Menschen, wie bei vielen Tieren, als Katalysator zur Durchführung von Aktionen, welche zur Erhaltung der Art dienen. Damit ist gemeint, dass die größte Attraktivität genau in der Zeitspanne von uns Menschen empfunden wird, in der wir die höchste Fertilität besitzen. Diese biologische Kausalität wird durch mannigfaltige, geistige, oft unbewusste Mechanismen unterstützt.

Die Menschen sind im Allgemeinen daran interessiert, diese Zeitspanne der größtmöglichen Attraktivität so lange, wie nur irgend möglich zu erhalten. Die große Mehrzahl der Frauen unternehmen größtmögliche Anstrengungen, um ihrem Aussehen möglichst lang ein jugendliches Antlitz zu erhalten. Unzählige Mittel sollen z.B. den Alterungsprozess der Haut verzögern. Begonnen bei ganzen Regalen voller Cremes über Peelingbehandlungen bishin zu Botoxspritzen ins Gesicht. Und die Männer sind auf der gleichen Fährte, wenn auch bei weitem nicht so fortgeschritten.

Der Grad dieser Eingriffe in den Zyklus der Alterung wird in erster Linie nicht vom Individuum selbst bestimmt. Hier ist vielmehr der Gruppenzwang von großem Einfluss, der durch den allgemeinen Wertebegriff initiiert wurde. Jugendlich – frisches Aussehen steht in der heutigen Zeit mit an ganz oberster Stelle auf unserer Werteskala. Verbunden mit der immensen Bedeutung des Aussehens überhaupt sind die Menschen tendenziell auf dem Wege hin zu mehr Schein als Sein. Auch, wenn es vermehrt kritische Stimmen dazu gibt, so gehen diese unter in den vielen Auswüchsen in Form von Suchen nach einem next Supermodell oder Superkinde. Fluten von Bildern von schönen und schlanken Menschen (wie meine Bilder hier im Blog) suggerieren uns die Allgegenwart der Schönheit. Vergänglichkeit wird weitestgehend verdrängt.

Dabei hat sie eine enorm wichtige Funktion. Wie eingangs beschrieben ist es für die Zeit unseres Aufenthaltes hier in dieser Welt eine Notwendigkeit zu vergehen. Wenn es bei Faust heißt : „… und das mit Recht, denn alles, was entsteht, ist wert, das es zugrunde geht,…“ so gibt das wieder, wie der wissenschaftliche Zusammenhang gemeint sein könnte: (Hier einen kleinen Ausflug ins Metaphysische) Unsere Seele findet einen Körper auf der Erde. Der Körper bedient sich bestimmter Moleküle, die im Laufe seines Lebens kontinuierlich ausgetauscht werden, bis sie eines Tages wieder in den Elementen verschwunden sein werden. Unter den Gläubigen spricht man von Erde, aus der man entstanden und zu der man wieder wird.

In Verbindung mit unserer Haut würde es nach oben erwähnter Manier bedeuten, dass wir zur Blütezeit unserer Konstitution besonders viel Spannkraft in der Haut haben, die, mittlerweile gut erforscht, durch bestimmte chemische Substanzen wie z.B. Collagen und Elastin erreicht wird. „ Nach und nach nehmen die Kollagenfasern und die elastischen Fasern der Haut ab, was zur Folge hat, dass sie nicht mehr so viel Feuchtigkeit speichern kann und schrumpft. Dieser Prozess lässt die Haut altern. Sie
verliert an Feuchtigkeit und Spannkraft.“ *
Beginnt unser Körper mit dem Abbau dieser Substanzen, so fehlt der Haut mit jedem Jahr etwas mehr dieser jugendlich anmutenden glatten Haut. Abgesehen vom biologischen Signal, dass wir mit dieser Haut das Zeichen setzen, dass wir nicht mehr uneingeschränkt zur Erhaltung unserer Art taugen, so spielt sich das eigentliche Drama nur in der Bedeutung genau dieses Wertes durch unsere Gesellschaft ab. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Wert des Menschenalters wird einzig und allein durch unseren Umgang damit manifestiert. Ob nun auf der Werteskala eines jeden einzelnen oder innerhalb seiner Gesellschaft makellose Haut weit über der Weisheit der Menschen rangiert, das mag gerne jeder selbst entdecken.

* http://www.planet-wissen.de/natur_technik/anatomie_mensch/kosmetik/wie_altert_die_haut.jsp

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